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Lexikon Anthroposophie

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Gruppenseele
Gruppen-Ich der Tiere, Pflanzen und Mineralien

"Der Mensch lernt allmählich die ganze Welt um sich herum kennen. Er lernt allmählich, daß er überall von geistigen Wesen umgeben ist, daß er überall durch geistige Wesen hindurchschreitet. Er lernt das verstehen hinsichtlich des Gefühls, hinsichtlich der Empfindung. Er lernt erkennen, was um uns herum ist in den drei Reichen der Natur. Er lernt erkennen die Wesen im mineralischen, pflanzlichen und tierischen Reich. Anders schreitet er durch Wiesen und Wälder, über Äcker und Fluren als der Mensch, der nicht durch die theosophische Schulung hindurchgegangen ist.

Schauen wir die anderen Wesen an, so könnte man zunächst glauben, die tierischen Wesenheiten hätten nicht eine Seele wie der Mensch. Allerdings unterscheidet sich das Ich des Menschen, des Menschen Seele von dem tierischen Ich. Das Ich des Menschen lebt auf dem physischen Plan. Wenn wir das Tier als solches betrachten, hat das einzelne Tier einen physischen Leib, Äther- und Astralleib. Beim Menschen haben wir außer den drei Gliedern auch noch das Ich. So ist im Menschen im wachen Zustand sein Ich enthalten. Das Tier hat aber das Ich nicht auf dem physischen Plan. Da müssen wir schon etwas tiefer eindringen in die sogenannte astralische Welt. Da finden wir, so wie hier auf dem physischen Plan eine Bevölkerung von Menschen, auf dem Astralplan eine Bevölkerung von tierischen Ichen. So wie der Mensch hier den Menschen begegnete, so kann der Seher auf dem Astralplan ebenso abgeschlossenen Persönlichkeiten begegnen; das sind die tierischen Iche. Man hat sich das so vorzustellen: Wir denken uns die zehn Finger eines Menschen durch eine Wand gesteckt. Sie bewegen sich. Wir sehen die zehn Finger sich bewegen, aber nicht den Menschen selbst. Der ist hinter der Wand verborgen. Wir können uns nicht erklären, daß die zehn Finger von selber durch die Wand kommen und sich bewegen. Wir müssen annehmen, daß irgendeine Wesenheit dazu gehört. So ist es mit den Tieren in der physischen Welt. Alle gleichgestalteten Tiere haben ein Gruppen-Ich. Hier im Physischen sehen wir die Tiere umherwandeln. Was wir da sehen, das hat einen physischen Leib, Äther- und Astralleib. Sehen wir hier im Physischen zum Beispiel Löwen, so sind diese Löwen hervorgebrachte Organe des im Astralen lebenden Löwen-Ichs. Das Löwen-Ich, das Gruppen-Ich physischer Löwen, ist ebenso auf dem Astralplan eine abgeschlossene Wesenheit, wie wir hier abgeschlossene Wesenheiten sind. So hat jede Tiergruppe ein Ich auf dem Astralplan; ein Löwen-Ich, ein Tiger-Ich, ein Geier-Ich sind auf dem Astralplan. Die einzelnen Tiere sind hier im Physischen, so wie die Finger durch eine Wand hindurchgestreckt.

Wenn wir die einzelnen Tiere hier betrachten, so erscheinen uns viele als außerordentlich gescheit. Diese Tiere werden vom astralen Plan geordnet. Dort sind die Tier-Iche, die Gruppen-Iche. Diese Bevölkerung des Astralplans ist viel gescheiter als die Menschen. Die tierischen Gruppen-Iche auf dem astralen Plan sind sehr weise Wesen. Beobachten wir den Vogelflug, wie die Vögel ziehen durch die verschiedenen Gegenden, wie ihr Flug angeordnet ist, wie sie im Herbst ziehen in wärmere Gegenden und sich im Frühling wieder sammeln. Wenn wir da tief hineinschauen in die weisen Einrichtungen, da müssen wir fragen: Wer ist da hinter der Wand verborgen, der das alles anordnet? - Das sind die Gruppen-Iche. Wenn wir den Biber bauen sehen, dann werden wir beobachten, daß der Biber weiser baut als die größte Ingenieurkunst. Man hat beobachtet, wie die Intelligenz der Bienen wirkt, hat den Bienen Zucker statt Honig hingeworfen. Dann hat man sie beobachtet. Sie können den Zucker nicht mitnehmen. Sie holen andere Bienen, fliegen zuerst nach einer Wasserquelle, und jedes Bienchen bringt einen Wassertropfen mit und durchtränkt den Zucker damit und verwandelt ihn in eine Art von Sirup. Diesen trägt es dann in den Bienenstock. Der Geist des Bienenstocks steht hinter dieser Arbeit der Bienen. Die einzelnen Bienen gehören zu einer einzigen Bienenpersönlichkeit, wie unsere Glieder zu uns gehören. Nur daß die einzelnen Bienen mehr getrennt sind, und unsere einzelnen Glieder näher zusammen, kompakter sind. Wir gehen, für uns unsichtbar, überall auch durch Wesen hindurch, durch die tierischen Gruppen-Iche, die sich der physischen Beobachtung entziehen.

Wie wir da anfangen mit Wesenheiten zu fühlen, von denen der Mensch nichts ahnt, so können wir auch fühlen mit den Pflanzenseelen. Die Pflanzen-Iche leben in einer noch höheren Welt als die tierischen Iche. Die pflanzlichen Iche, jene abgeschlossenen Gruppen-Iche, zu denen wieder eine Reihe von Pflanzen gehören, sind auf dem sogenannten Devachanplan. Wir können auch den Ort angeben, wo eigentlich diese Pflanzen-Iche alle sind. Alle Pflanzen-Iche sind im Mittelpunkt der Erde. Die tierischen Gruppen-Iche kreisen um die Erde wie die Passatwinde. So sind die Pflanzen-Iche im Mittelpunkt der Erde. Sie sind Wesen, die sich alle gegenseitig durchdringen. In der geistigen Welt herrscht das Gesetz der Durchgängigkeit. Ein Wesen geht durch das andere hindurch. Wir sehen die tierischen Gruppen-Iche über die Erde hinfahren wie die Passatwinde und wie sie das aus ihrer Weisheit verrichten, was wir in den Taten der Tiere vernehmen. Wenn wir die Pflanzen betrachten, sehen wir den Kopf der Pflanze, die Wurzel, nach dem Mittelpunkt der Erde zu gerichtet, weil im Mittelpunkt der Erde deren Gruppen-Ich ist.

Die Erde selbst ist der Ausdruck seelisch-geistiger Wesenheiten. Die Pflanze erscheint uns vom geistigen Gesichtspunkt so wie etwa die Nägel an unseren Fingern. Die Pflanzen gehören zur Erde. Wer die einzelnen Pflanzen betrachtet, betrachtet sie nie ganz vollständig. Jede Pflanze gehört zu der Summe von Wesenheiten, die die Pflanzen-Iche bilden. Wir können uns so hineinleben in das Empfinden und Fühlen der Pflanzen selber. Was von der Pflanze aus der Erde herauswächst, was vom Innern der Erde nach der Oberfläche hinstrebt, hat ein anderes Wesen, als was unter der Erde wächst. Wenn man die Blüte, Stengel und Blätter der Pflanze abschneidet, so ist das etwas anders, als wenn man die Wurzel ausreißt. Wenn man sie abschneidet, so ist das eine Art Wohlgefühl, wie eine Wollust für die Pflanzenseele. Ähnlich ist diese Lust zum Beispiel wie die, welche die Kuh empfindet, wenn das junge Kalb am Euter saugt. Was von der Pflanze aus der Erde herauswächst, das ist wirklich etwas Ähnliches wie die Milch der Tiere. Wenn wir im Herbst durch die Felder gehen und die Halme unter der Sense des Schnitters dahinfallen, wenn die Sense durch die Garben streicht, dann strömen, dann hauchen Gefühle von Wohlgefühl, von Wollust durch die Felder dahin. Etwas ungeheuer Bedeutendes ist es, wenn wir nicht nur mit physischen Augen die hinfallenden Garben sehen, sondern wenn wir sehen, wie diese Wohlgefühle über die Erde streichen, wenn der Schnitter mit der Sense durch die Felder geht. Wenn man aber die Wurzeln der Pflanzen ausreißt, so ist das für die Pflanzenseele ein Wehgefühl. In den höheren Welten ist nicht dieselbe Gesetzmäßigkeit wie in der physischen Welt. Wir kommen zu ändern Vorstellungen, wenn wir hinaufdringen in die geistigen Welten. Auch hier in der physischen Welt widerspricht manchmal das Prinzip der Schönheit dem Prinzip des Schmerzes oder der Lust. Es kann sein, daß, vom Schönheitsgefühl getrieben, jemand sich die weißen Haare ausreißt, aber weh tut es doch. So ist es auch mit den Pflanzen. Wenn man sie mit der Wurzel ausreißt, so mag das ordentlicher aussehen, so mag das schöner sein, aber es bereitet dennoch der Pflanze Schmerz.

Auch die Steine sind leblos nur in der physischen Welt. In den höheren Welten haben auch sie ihre Gruppen-Iche. In den höheren Partien des Devachanplanes sind die Gruppen-Iche der Mineralien vorhanden. Auch sie erleiden Freude oder Schmerz. Nicht durch Spekulation können wir darüber etwas erfahren, sondern nur durch die Geisteswissenschaft.

Wenn wir in einem Steinbruch sehen, wie der Arbeiter Stein um Stein abbricht, so könnten wir glauben, das verursache der Steinseele Schmerz. Es ist aber nicht so. Gerade wenn der Stein zersprengt wird, so spritzen nach allen Seiten Wohlgefühle heraus aus dem Stein. Aus dem Steinbruch, aus dem die Felsen herausgesprengt werden, strömen nach allen Seiten starke Wohlgefühle hervor. Wenn wir in einem Glase Wasser haben und tun Salz hinein, und das Salz löst sich auf, so wird das Wasser durchströmt von Wollust, von Lustgefühl. Freude durchströmt das Wasser, wenn man die Auflösung des Salzes vom geistigen Standpunkt aus betrachtet. Wenn wir aber das aufgelöste Salz wieder fest werden lassen, so geschieht das unter Schmerzgefühl. So würde es auch unter Schmerzgefühl der Steinseele sich vollziehen, wenn wir die zersprengten Felsen wieder zusammenbacken könnten.

Die Seher haben immer in ihren Geheimschriften der religiösen Urkunden den Menschen Kunde gegeben von diesen Geheimnissen. Aber die Menschen haben verlernt, diese Geheimschriften zu verstehen. Denken wir uns zurück in ferne, vergangene Zeiträume unserer Erdentwickelung. Wir sehen die Steinmassen der Gebirge, die zusammengeschichtet sind aus verschiedenen Tonmassen, basaltischen Gesteinen und so weiter. Weiter zurückgehend finden wir, daß die Dinge auf der Erde immer weicher werden. Dann kommen wir zurück in eine Zeit, wo die Erde erfüllt war von mächtigen Wärmefeuermassen, wo das Eisen, wo alle Metalle, alle Mineralien aufgelöst waren m Geistiges. Der Mensch war damals auch ein geistiges Wesen. Sollte der Mensch sich weiter entwickeln, sollte er seine heutigen Formen erhalten, so mußte jene weiche Masse sich verfestigen. Die Gebirge entstanden, die Mineralmassen lösten sich aus der weichen Substanz heraus, und die Erde wurde der Wohnplatz des jetzigen Menschen. Es kristallisierte sich die leblose Gesteinsmasse aus der feuerflüssigen Erde heraus wie das Salz aus der Salzlösung. Alles hat sich so gestaltet, daß die festen Massen sich herausgestalteten aus dem flüssigen Zustande. Das geschah nicht ohne Schmerz. Der ganze Verfestigungsprozeß des Erdballes ist verbunden gewesen mit Schmerzen der Steinseele.

In der Zukunft wird die Erde sich wiederum vergeistigen. Die ganze Erde wird sich wieder zersplittern, wie heute schon das Radium zeigt. Der Auflösungsprozeß der Erde wird eintreten, eine Vergeistigung, eine Vergöttlichung, die Annahme an Kindesstatt. Hören wir nun, was der Apostel Paulus sagt: «Die ganze Erde, alle Wesen seufzen unter Schmerzen, der Annahme an Kindesstatt harrend.»"[1]

Mineral

Pflanze

Tier

Mensch wachend

Mensch schlafend

 

 

ICH

 

 

 

 

 

 

 

 

Höheres Geistesgebiet

Astralleib

ICH

 

 

 

 

 

 

Niederes Geistgebiet

Ätherleib

Astralleib

ICH

 

 

ICH

Astralleib

Astralplan

Phys. Leib

Ätherleib Phys. Leib

Astralleib Ätherleib Phys. Leib

ICH

Astralleib Ätherleib Phys. Leib

Ätherleib Phys. Leib

Physischer Plan

Lit.:
[1]Rudolf Steiner, Natur- und Geistwesen. Ihr Wirken in unserer sichtbaren Welt, GA 98 (1983), S 171 ff., Frankfurt am Main, 2. Februar 1908, vormittags

(Literaturangaben folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz Email: verlag@rudolf-steiner.com URL: http://www.rudolf-steiner.com)

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http://www.anthroposophie.net/lexikon/db.php?id=109letzte Änderung: 2002-09-02

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