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Lexikon Anthroposophie

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Inkarnat
als Hintergrundfarbe des nachtodlichen Lebenspanoramas

(siehe auch -> Leben nach dem Tod, die 3 Kräfte, die den physischen Leib und den Ätherleib nach dem Tod auflösen)

"Da muß ich auf etwas hinweisen, was in unserer trockenen, nüchternen, papierenen Zeit schon wirklich gar nicht mit der nötigen Ehrfurcht behandelt wird, trotzdem es immer und überall vor uns steht. Es ist etwas, was innerhalb der physischen Welt eigentlich als das Allermysteriöseste wirkt, was für jeden da ist innerhalb der physischen Wrelt, was nur in seinem mysteriösen Charakter nicht empfunden wird: Es ist das menschliche Inkarnat, dasjenige, was in der menschlichen Fleischesfarbe nach außen sich am Menschen offenbart. Sie brauchen sich nur erinnern, welche Fülle des Individuellen darin sich ausspricht, daß uns der Mensch mit seinem Inkarnat entgegenkommt, wie im Grunde genommen diese Fleischesfarbe doch bei jedem Menschen eine andere ist, in so vielen Schattierungen uns entgegentritt, als es Menschen gibt. Wer sich mit der Enträtselung des Inkarnats beschäftigt, wie es auch schon versucht worden ist, der wird schon ein Gefühl für das bekommen, was in der Fleischesfarbe, in der Tingierung der menschlichen Haut zum Ausdruck kommt. Es ist etwas ungemein Geheimnisvolles, was in dem Inkarnat sich ausspricht. Für den, der geistesforscherisch an die Betrachtung herangeht, gewinnt die Frage: Wie steht es eigentlich mit dem Inkarnat? - eine sehr große Bedeutung. Denn diese eigentümliche Tingierung im Inkarnat hängt ab von zwei gegeneinander wirkenden Kräften, man könnte sagen: von in der Form einander entgegenwirkenden Druckkräften, die im Menschen wirksam sind. Und zwar wirkt in einer gewissen Weise der Äther- oder Bildekräfteleib drückend nach außen, der astralische Leib in entgegengesetzter Art drückend nach innen, und dies an allen Stellen. Will der astralische Leib sich zusammenziehen, von außen nach innen drücken, so will der Äther- oder Bildekräfteleib von innen nach außen drücken, sich ausdehnen. Und was dadurch entsteht, daß sich an des Menschen Oberfläche diese beiden Druckkräfte von außen und innen begegnen, das ist mitwirkend in dem, was sich im menschlichen Inkarnat offenbart. Was der ätherische Leib und der astralische Leib sich gegenseitig zu sagen haben, das drückt sich auf geheimnisvolle Weise im Inkarnat aus.

Wenn man auf den Menschen hinschaut, wie er hier auf dem physischen Plan ist, so sieht man sein Inkarnat auch. Aber dieses Inkarnat würde anders erscheinen, wenn man es anschauen könnte von innen nach außen. Von innen nach außen gesehen, wären Sie als durchschnittliche Mitteleuropäer mit Ihrem Inkarnat nicht fleischfarbig, rosig, sondern Sie wären grün-bläulich. Diese Farbe des Grün-Bläulichen zeigt sich auch in der Nachwirkung nach dem Tode. Wenn des Menschen Bildekräfte - oder ätherischer Leib sich ausdehnt im Sinne der drei vorhin charakterisierten Kräfte, und der Tote auf dieses Gebilde hinschaut, so sieht er sein Inkarnat gewissermaßen in der Nachwirkung von der ändern Seite. Es schimmert nach dem Tode grünlich-bläulich ihm nach.

Aber es enthält noch etwas wesentlich anderes, als was uns entgegentritt, wenn wir es im physischen Leben von außen anschauen. Streng genommen ist dieses Inkarnat in seiner Mysteriosität nicht nur individuell verschieden für die verschiedensten Menschen, sondern es ändert sich auch bei einem und demselben Menschen im Laufe des Lebens, wenn auch in kleinen Nuancen. Nicht, daß wir in gewissen krankhaften Zuständen manchmal blühend, manchmal käsig aussehen, denn das ist natürlich eine Abnormität, aber von diesen großen Veränderungen abgesehen, ändert sich das Inkarnat fortwährend. Wenn es aber von der ändern Seite gesehen wird, wie es der Tote sieht, dann zeigt es noch etwas anderes. Dann zeigt es, wie auf einem Teppich aufgemalt, unsere gesamte Erinnerungswelt. Wenn wir also bildlich sprechen wollen, müssen wir uns diesen Inkarnatteppich wie ein Kleid vorstellen, wie ein ganz feines Kleid, und dieses jetzt gewendet, wie man ein Kleid wendet, nach der ändern Seite dreht, oder wie man einen Handschuh umdreht. Dann würden wir auf der ändern Seite sehen, was sonst nach innen gewendet ist, und dessen wir uns, weil es nach innen gewendet ist, nur dadurch bewußt werden können, daß es, wenn es ins Bewußtsein hineingekommen ist, als Erinnerung auftritt, nicht als Inhalt der Gedanken, aber die Gedanken aurisch verschieden charakterisiert, schwingende Gedanken. Was wir in unser Unterbewußtsein hinunterschicken, lernen wir nur in seinem Außenleben kennen. Wie es durch unser Inkarnat durchglitzert, das lernen wir nicht kennen, das lernt aber der Tote dadurch kennen, daß das Inkarnat nachwirkt. Wenn der Tote auf die Auflösung des Bildekräfteleibes zurückschaut, dann hat er ihn als Erinnerung hinter sich, und er weiß dann: Das ist er, das bin ich!

Die geisteswissenschaftliche Forschung zeigt, daß das, was naturwissenschaftlich weniger in Betracht kommt: die große Differenzierung zwischen dem Menschen und dem Tier, die aufrechte Haltung, die Sprachfähigkeit, artikulierte Sprache, die Denkfähigkeit, daß das die Kräfte sind, welche den Menschen nach dem Tode ins Universum tragen, und daß das Inkarnat im Menschen der diesseitige physische Ausdruck ist für das, was als Erinnerungsrest nach dem Tode nachwirkt. So teilen wir uns selbst nach dem Tode dem Universum mit und tragen in dem, was wir hier in unserem physischen Leibe an uns haben und an uns zeigen, die äußeren Zeichen unserer kosmischen Wesenheit an uns. Deshalb das Gefühl, das wir namentlich mit so etwas Mysteriösem verbinden wie mit dem Inkarnat, dieses Gefühl, denn es ist das Gefühl von der universellen Bedeutung dessen, was uns im Menschen entgegentritt: Noch mehr als durch irgend etwas anderes ist der Mensch durch so etwas wie durch sein Inkarnat ein Mikrokosmos gegenüber dem Makrokosmos. Und die Grundtingierung hat eine große Bedeutung, denn sie ist gewissermaßen die Farbe des Teppichs, auf welchem dem Toten seine Erinnerung erscheint: für die weiße Menschheit grünlich, grünlich-bläulich, für die Japaner violett-rötlich, für die Schwarzen nach dem Tode gerade fleischfarbig.

Das sind Dinge, die mit dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt innig zusammenhängen, bedeutungsvoll zusammenhängen; bereiten sie doch die neue Inkarnation vor. In diesen Dingen liegt ungeheuer viel. Es liegt in ihnen das Bestimmende, das einen Menschen in einer neuen Inkarnation einer bestimmten Rasse und so weiter zuführt. Die Betrachtung des geistigen Lebens bedeutet nicht nur die Befriedigung einer Neugier oder neugierigen Wißbegierde. Sondern das Leben, wie es auch hier in der physischen Welt ist, mit denjenigen Dingen, die eigentlich auf unser Gemüt gerade geheimnisvolle Eindrücke machen, es wird erst erklärt, wenn wir dieses physische Leben im Zusammenhange mit dem geistigen richtig betrachten können."[1]

(siehe auch -> Leben zwischen Tod und neuer Geburt, der Aufstieg bis zur «Weltenmitternacht»)

Lit.:
[1]Rudolf Steiner, Erdensterben und Weltenleben. Anthroposophische Lebensgaben. Bewußtseins-Notwendigkeiten für Gegenwart und Zukunft., GA 181 (1967), Berlin, 9. April 1918

(Literaturangaben folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz Email: verlag@rudolf-steiner.com URL: http://www.rudolf-steiner.com)

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http://www.anthroposophie.net/lexikon/db.php?id=124letzte Änderung: 2002-09-08

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