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Lexikon Anthroposophie

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Leben nach dem Tod
die 3 Kräfte, die den physischen Leib und den Ätherleib nach dem Tod auflösen

(siehe auch -> Leben zwischen Tod und neuer Geburt, der Aufstieg bis zur «Weltenmitternacht»)

"Die neuere Naturwissenschaft hat, wie wir wissen, den Menschen an das Tier sehr nahe herangebracht. Allein, wir haben schon betont: Was den Menschen eigentlich im wahren Sinne des Wortes von dem Tier unterscheidet, das berücksichtigt diese moderne Naturwissenschaft gar nicht. Sie macht zum Beispiel darauf aufmerksam, wie die Formen der Knochen beim Menschen und bei den höheren Tieren sind und findet eine große Ähnlichkeit darin; sie findet in der Gestaltung, in der Morphologie überhaupt eine große Ähnlichkeit. Darin hat sie zwar recht, aber das Hauptsächlichste ist damit gar nicht berührt. Dieses Hauptsächlichste - ich habe schon einmal in diesem Winter, in einem öffentlichen Vortrage sogar, darauf hingewiesen -stellt sich zunächst einmal von einer Seite so dar, daß man sagen kann: Wer mit der nötigen Ehrfurcht und Tiefe an die Betrachtung des Menschenlebens so herangeht, daß er sich beeindrucken läßt von dem großen, bedeutsamen Gegensatz zwischen einem hier auf der Erde physisch lebenden Menschen und einem menschlichen Leichnam, der hat einfach in diesem Eindruck dieser beiden Gegensätze ein Mysterium vor seine Seele hingestellt: den lebendigen Menschen und einen Leichnam. Was dem Menschen zunächst dabei auffallen muß, ist, daß nun der Leichnam von den Kräften der äußeren Erdennatur in Anspruch genommen wird, denen er nicht unterworfen war in der Zeit seit der Empfängnis oder Geburt bis zum Tode, sondern denen er dadurch entzogen war, daß das Seelisch-Lebendige mit diesem Stoffzusammenhange, der uns im Leichnam gegenübersteht, verbunden war. Verfolgen wir in Gedanken, was aus einem Leichnam wird, gleichgültig, ob der betreffende Leichnam rasch durch Verbrennung oder langsamer durch Verwesung aufgelöst wird, die beiden Prozesse sind ja genau dasselbe, unterscheiden sich nur der Kürze oder Länge der Zeit nach. Wras stofflich im Menschen verbunden war, das wird in kürzerer oder längerer Zeit im Gesamtstoffprozeß unserer Erde aufgelöst, geht über in den Gesamtstoffprozeß der Erde. Der Mensch kann in der Tat mit seinen gewöhnlichen Sinnen, auch mit seinen gewöhnlichen Gedanken verfolgen, was alles aus den Teilen eines Leichnams wird.

Der geisteswissenschaftliche Betrachter kann in dieser Beziehung weitergehen. Er kann finden, daß das, was im Leichnam unmittelbar nach dem Tode zusammen ist, allmählich in ein ungeheuer großes Stoffgebiet übergeht; natürlich verteilt sich dies über Jahrhunderte, aber es geht in ein ungeheuer großes Stoffgebiet über, löst sich sozusagen auf in der Gesamtheit desjenigen, was überhaupt unsere sichtbare, äußerlich wahrnehmbare Welt ist.

Nun ist es interessant zu verfolgen, welcher Zusammenhang besteht zwischen dem, was hier im physischen Leben unser Ich-Bewußtsein ist, und diesem sich auflösenden Leichnam. Kurioserweise hängen diese zwei Dinge in einer gewissen Beziehung zusammen: der sich auflösende Leichnam und das Ich-Bewußtsein. Ich sage, das Ich-Bewußtsein, natürlich nicht das reale, das wirkliche Ich; denn dieses Ich geht selbstverständlich durch die Todespforte, lebt das Leben weiter zwischen Tod und neuer Geburt. Aber was hier im physischen Leben dem Menschen als Bild des Ich vorschwebt - er hat ja kein Bewußtsein von dem Ich, hat nur ein Bild des Ich im Bewußtsein -, das ist an den Leichnam gebunden, und zwar an denjenigen Stoffzusammenhang gebunden, der sich eben nach dem Tode im Universum auflöst. Diese Auflösung des Leichnams im Universum ist nichts anderes als das äußere Bild für das gesamte Ich-Bewußtsein; denn in Wahrheit gehört unser Ich-Bewußtsein diesem Universum an, in das sich unser Leichnam auflöst. Und daß wir in der Zeit zwischen Geburt und Tod in der sonderbaren Anschauung - für den Okkultisten sonderbaren Anschauung, für den gewöhnlichen Menschen selbstverständlichen Anschauung - verharren: Da innerhalb der Grenzen unserer Haut sind wir -, daran ist nur Schuld, daß die Stoffmassen unseres Leibes zwischen Geburt und Tod zusammengehalten werden. Von diesem Zusammenhalt kommt es her, daß wir auch diesem Rauminhalt, den wir mit unserem Fleisch und Blut ausfüllen, es stets zuschreiben, daß wir da sind. Denn eigentlich ist es absurd, wir sind gar nicht da. Wir sind in Wahrheit überall dort und versuchen sogar vom Einschlafen bis zum Aufwachen überall dort zu sein, wo nach dem Tode die Stoffteilchen unseres Leibes sein werden. Es wird uns nur zwischen Geburt und Tod das Majabewußtsein beigebracht, daß wir in diesem Rauminhalt seien, der durch unsere Haut begrenzt ist. Das ist aber ein Majabewußtsein, das uns beigebracht wird. Und der Tod ist unter vielem ändern, was er ist, die Widerlegung dieses Majabewußtseins für die physisch-materielle Welt. Er führt die Teile unseres Leichnames dahin, wo in Wahrheit unser Ich-Bewußtsein immer weilt. Das ist schon etwas sehr Weittragendes.

Sie können nun aber fragen: Was trägt uns denn da eigentlich, wenn wir gestorben sind, dieses unser Ich-Bewußtsein und sein äußeres Bild, die Stoffteilchen unseres Leibes, in die weite Welt hinaus? Was sind das für Kräfte?

Drei Kräfte sind es, die wir etwa in folgender Weise uns veranschaulichen können.

Die eine Kraft kommt während der Zeit unseres Lebens dadurch zur Erscheinung, daß wir in der allerersten Zeit unseres Lebens auf allen vieren kriechen und dann uns vertikal aufrichten. Wir orientieren uns ja erst nach und nach in der Vertikallinie. Indem wir uns vom kriechenden Kinde zum aufrechtgehenden Menschen umgestalten, folgen wir einer gewissen Kraftlinie, in die wir uns hineinstellen, mit der wir uns identifizieren. Diese Kraftlinie ist, geisteswissenschaftlich angesehen, sehr genau anschaubar im Menschen. Von unten läuft eine Linie, die vom Mittelpunkt der Erde ins Universum hinausgeht. Man hat das in alten Zeiten einfach so bezeichnet, daß man sagte: Vom Mittelpunkt der Erde ins Universum geht eine Linie, die für jeden Menschen, sogar für jeden Zeitpunkt, eine andere ist, aber immer von der Mitte der Erde hinaus nach dem Universum. Das ist die eine im Menschen wichtige Kraftlinie. Wie sie in unserem physischen Leben wirkt, so wirkt sie eben nur so lange, als dieses physische Leben dauert; denn da hält die physische Schwerkraft unseres Leibes dieser Kraft das Gleichgewicht. In dem Augenblicke, wo diese physische Schwerkraft nicht mehr so wirkt, wie sie im lebendigen Leibe wirkt, mit dem Zeitpunkt, wo der lebendige Leib Leichnam wird, da entfaltet sich diese Kraftlinie vom Mittelpunkt der Erde zum Universum hinaus als diejenige, welche zunächst unsere Stoffteilchen schiebt, trägt. Natürlich werden sie ja immer durch ihre eigene Schwere dann weiter getrieben, aber wenn wir durch lange Zeit sie verfolgen würden, was mit unseren Stoffteilen geschieht, so würden wir finden, daß sie sich zerstreuen in der Richtung dieser Kraft, wenn dies auch Jahrhunderte in Anspruch nimmt. - Die zweite Kraft, die dabei in Betracht kommt, ist eine solche, welche hauptsächlich in der menschlichen Sprache zum Ausdruck kommt. Wir reden, wir können wenigstens reden. Es ist immer ein gewisser Antrieb in der artikulierten Sprache. Eine gewisse Schwungkraft liegt in der ausgeatmeten Luft, wenn wir sprechen. Diese Kraft sieht der geisteswissenschaftliche Forscher wie um jene erste Linie herum geschlungen. Sie hat im wesentlichen eine Spiralform, um diese Vertikale herum sich schlingend. Diese Kraft verändert etwas die reine Abstoßungskraft, bringt sie in Schwung. Aber sie ist nicht allein tätig, sondern es kommt ein Drittes dazu, das von folgendem herrührt. Während das Sprechen nach außen eine gewisse Schwungkraft entwickelt, wirkt das Denken, durch das sich der Mensch vom Tier unterscheidet, entgegengesetzt dieser in der Sprache zum Ausdruck kommenden Kraft. Damit haben wir die dritte Kraft. Wenn wir sie zeichnen wollten, so könnte dies in der folgenden Weise geschehen (siehe Zeichnung). Durch diese drei Kräfte, die Aufrichtekraft, die im Sprechen wirkende Kraft und die im Denken wirkende Kraft, werden die Teile des menschlichen Leichnams nach und nach langsam in das Universum hinausdirigiert. Entgegen wirkt ihnen natürlich die Schwere und anderes, chemische Kräfte zum Beispiel, die ihnen entgegengesetzt sind. Aber diese drei Kräfte überwinden dies Entgegenwirkende.

Diese drei Kräfte, die während des physischen Lebens, wenn wir als Menschen auf unseren zwei Beinen stehen, zusammengehalten werden, diese Kräfte werden frei und zerstreuen das, was hier in der Form zusammengehalten ist. Namentlich auch das, was wir Äther- oder Bildekräfteleib nennen, folgt diesen drei Kräften. Schon vorausgehend, unmittelbar nach dem Tode, nach wenigen Tagen geschieht das, was wir öfter als Auflösung des Äther- oder Bildekräfteleibes geschildert haben, auch in der Richtung dieser Kräfte. Die andere, die Zerstreuung des physischen Leibes, ist für den Toten weniger wichtig; sie bewirkt nur, weil sie ihm den Moment des Todes fixiert, daß sie ihm die Erinnerung an sein irdisches Ich fortbehält. Aber wichtiger ist, daß diese Kräfte ihm das fortwährend Gesetzmäßige dieser Auflösung des Äther- oder Bildekräfteleibes zeigen. Aber wenn nichts anderes da wäre als diese drei Kräfte, so könnte der Tote nicht wissen, daß es seine Form ist, daß das eigentlich von ihm kommt. Er würde es wahrnehmen, aber wie etwas Fremdes. Daher handelt es sich darum, daß er nicht nur das Sich-Auflösende wahrnimmt, sondern daß er wissen könne, daß das von ihm herrührt, daß es der Rest ist von dem, was er auf der Erde in seiner Form zusammengehalten hat. Und dies führt uns zu etwas anderem (siehe -> Inkarnat, als Hintergrundfarbe des nachtodlichen Lebenspanoramas)."[1]

Lit.:
[1]Rudolf Steiner, Erdensterben und Weltenleben. Anthroposophische Lebensgaben. Bewußtseins-Notwendigkeiten für Gegenwart und Zukunft., GA 181 (1967), Berlin, 9. April 1918

(Literaturangaben folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz Email: verlag@rudolf-steiner.com URL: http://www.rudolf-steiner.com)

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http://www.anthroposophie.net/lexikon/db.php?id=125letzte Änderung: 2002-09-08

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