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Lexikon Anthroposophie

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Volksseelen
die unterschiedliche Verbindung des Menschen mit den Volksseelen im wachenden und schlafenden Zustand

(siehe auch -> Volksgeister)

Nur im wachen Zustand ist der Mensch unmittelbar verbunden mit der Volksseele des Volkes, in das er hineingeboren wurde. Im Schlaf hingegen verbindet er sich nicht mit der eigenen Volksseele, sondern mit der Gemeinschft aller anderen Volksseelen. Etwas anders liegt die Sache nur dann, wenn man ein bestimmtes Volkstum ganz besonders haßt - dann verbindet man sich im Schlaf nicht mit der Gemeinschaft aller Volksseelen (außer der eigenen), sondern ausschließlich mit der Volksseele des gehaßten Volkes:

"Wir wissen ja schon aus der ganz elementaren Darstellung in der Anthroposophie, daß wir unter Volksseelen nicht das verstehen, was, durch einen abstrakten Begriff ausgedrückt, die äußere, exoterische Welt darunter versteht. Ganz bestimmte Wesenheiten, man möchte sagen mit Erzengelrang - man braucht das ja nur nachzulesen in dem Vortragszyklus über «Die Mission einzelner Volksseelen» -, Wesenheiten mit einem Bewußtsein, das höher ist als das menschliche Bewußtsein, leiten die Angelegenheiten der Völker. Und wir blicken hinauf zu diesen Volksseelen, sprechen also von ihnen als wirklichen, realen Wesenheiten, ja realeren Wesenheiten, als wir Menschen selber sind. Wie tritt der Mensch in bezug auf seine geistig-seelische Wesenheit in ein Verhältnis zu diesen Volksseelen? Diese Frage wollen wir zuerst einmal aufwerfen.

Wir kennen das Wechselleben des Menschen in bezug auf sein Bewußtsein zwischen Wachen und Schlafen; wir wissen, daß der Mensch zu wachen hat innerhalb seines physischen und Ätherleibes und daß er dann zwischen dem Einschlafen und Aufwachen in seinem astralischen Leibe und in seinem Ich weset. Wenn nun der Mensch zwischen seinem Einschlafen und Aufwachen mit seinem astralischen Leibe und Ich außerhalb seines physischen Leibes ist, dann ist er in einer Region, die in bezug auf sein Verhältnis zu der Volksseele, der er zunächst angehört in einer bestimmten Inkarnation, eine ganz andere ist als die Region, in der der Mensch ist in bezug auf die Volksseele, wenn er in seinem physischen Leibe ist. Der Mensch wird durch seine Sprache und durch manches andere ja hineingeboren in das Gebiet seiner Volksseele. Wie wirkt diese Volksseele auf die menschliche Seele, auf das, was im Schlafe herausgenommen wird aus dem physischen und Ätherleibe, was aber im Wachen im Leibe vorhanden ist? Wie wirkt die Volksseele des Volkes, dem ein Mensch angehört, auf die individuelle Seele des Menschen?

Sie wirkt eigentlich nur in der Zeit, in welcher der Mensch in den physischen Leib untertaucht vom Aufwachen bis zum Einschlafen. Der Mensch ist da untergetaucht in die Kräfte des physischen und Ätherleibes, und in diese Kräfte ist auch untergetaucht mit gewissen, ich möchte sagen, Fangarmen das, was die Volksseele ist, die Seele desjenigen Volkes, dem der Mensch eben in einer Inkarnation besonders angehört. Und wir tauchen nicht nur in unseren physischen Leib unter, wir tauchen auch in einen gewissen Teil unserer Volksseele unter, leben vom Aufwachen bis zum Einschlafen, während wir in unserem physischen Leibe sind, mit dem, was im physischen Leibe vorgeht, innerhalb der Volksseele. Wir erfahren das, was wir in Gemeinschaft mit der Volksseele erfahren, während unseres Wachzustandes, nur daß die Volksseele nicht unmittelbar in das hereinspricht, was uns vollbewußt ist im Ich, daß sie vom Ätherleib aus mehr in das Unterbewußte des astralischen Leibes hineinspricht, daß sie uns tingiert, nuanciert, unserem Gefühl und Temperament eine gewisse Richtung gibt. Das ist das Wesentliche, wie wir mit ihr in Beziehung treten. Derjenige, der durch seine entsprechende Initiation fähig ist zu beobachten, was da alles mitspielt, wenn der Mensch in den physischen Leib untertaucht, der sieht, schaut die Begegnung mit der Volksseele beim Untertauchen in den physischen Leib. Aber er schaut auch noch etwas anderes. Und wenn ich davon spreche, so werden Sie bald erkennen, daß innerhalb desjenigen, was der Geistesforscher zu sagen hat über die eine oder andere Volksseele, Objektivität herrschen muß.

Der Geistesforscher lebt ja in den Momenten, wo er in der richtigen Weise durchstärkt und durchleuchtet das Geistig-Seelische und es fähig macht, bewußt zu leben und unabhängig vom Leibe, er lebt so, daß er beobachten kann, wo der Mensch ist, auch dann, wenn er mit seinem Geistig-Seelischen, mit seinem astralischen Leibe und Ich außerhalb des physischen Leibes ist. Der Geistesforscher beobachtet da, wie jede menschliche Seele unbewußt zwischen dem Einschlafen und Aufwachen in den ganzen Umkreis der für eine Zeit in Betracht kommenden Volksseelen untertaucht. Während der Mensch also, wenn er in den physischen Leib untertaucht, mit der Volksseele seiner Nation zusammen ist, ist er im Schlafzustand mit all den anderen Volksseelen der betreffenden Zeit zusammen, mit Ausnahme derjenigen, mit der er während des Wachzustandes im physischen Leibe zusammen ist.

Der Geistesforscher hat hinlänglich Gelegenheit, die Eigentümlichkeiten der anderen Volksseelen kennenzulernen, denn sobald er in seinem leibfreien Zustand seiner selbst bewußt wird, lebt er geistig-seelisch ebenso mit den anderen Volksseelen zusammen, wie er im physischen Leibe mit seiner eigenen Volksseele zusammen lebt. Da wäre es ganz unmöglich, aus den gewöhnlichen Leidenschaften heraus das eine oder das andere in einseitiger Weise über die eine Volksseele zu sagen. Aber wenn der Geistesforscher bewußt mit diesen anderen Volksseelen zusammen lebt, so zeigt ihm dieses Bewußte auch, daß jeder Mensch zwischen dem Einschlafen und Aufwachen unbewußt mit den anderen Volksseelen zusammenhängt, aber etwas anders als mit seiner eigenen Volksseele. Wenn man in den physischen Leib untertaucht, so lernt man die einzelne Volksseele mit ihren wesentlichen Eigenschaften, im wesentlichen ihrer Tätigkeit in der Wirkung auf sich kennen, wenn auch im Unterbewußten. Im Schlafe oder Initiationszustand lernt man die anderen Volksseelen kennen, aber nicht als einzelne, sondern in ihrem Zusammenwirken; nur die eigene Volksseele ist nicht dabei. Die anderen wirken zusammen wie in einem Reigen, und in dem, was ihre Reigentätigkeit ist, in dem lebt man drinnen, wie man bei Tag im physischen Leibe mit der einen Volksseele zusammen lebt. Also man lebt da nicht mit der Eigentümlichkeit der einen Volksseele zusammen, sondern mit dem Zusammenwirken. Nur eines gibt es, wodurch man im leibfreien Zustand, also im Schlafe, gleichsam verurteilt werden kann, ganz sicher verurteilt werden kann, aus dem normalen Zusammensein mit dem Reigen der Volksseelen herausgerissen zu werden und mit nur einer fremden Volksseele zusammen zu sein. Verstehen Sie mich wohl: Das ist nicht normal, mit einer fremden Volksseele zusammen zu sein; aber man kann es erreichen, wenn man in leidenschaftlicher Weise diese andere Volksseele besonders haßt. Damit verurteilt man sich, herausgerissen zu werden aus dem Reigen der anderen Volksseelen und so zusammen zu sein im Schlafzustand mit dieser einen Volksseele, wie man während des Wachzustandes mit der eigenen Volksseele zusammen ist."[1]

Lit.:
[1]Rudolf Steiner, Mitteleuropa zwischen Ost und West, GA 174a (1982), S 33 ff., Zweiter Vortrag, München, 3. Dezember 1914

(Literaturangaben folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz Email: verlag@rudolf-steiner.com URL: http://www.rudolf-steiner.com)

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http://www.anthroposophie.net/lexikon/db.php?id=145letzte Änderung: 2002-09-19

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