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Lexikon Anthroposophie

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Wesensglieder
ihre Beziehung zu den verschiedenen Gliedern des menschlichen Nervensystems; Hinweise für die Psychiatrie
(siehe auch -> Wesensglieder)

"Die unsichtbare Natur des Menschen, sein Ich, sein astralischer Leib, sein Ätherleib, sie wirken durch seine sichtbare Natur, und Unoffenbares, könnte man auch sagen, wirkt durch das Offenbare. - Nun ist es allerdings sehr kompliziert, wie das Unoffenbare durch das Offenbare wirkt. Aber wenn man nach und nach die einzelnen Teile dieses komplizierten Prozesses studiert, so kommt man, indem man sie zusammenhält, zu einer Gesamtansicht vom Wesen des Menschen. Auch diese wird ja natürlich immer unvollständig bleiben, denn des Menschen Wesenheit ist unendlich verzweigt. Aber zu einer gewissen für eine Selbsterkenntnis tauglichen Grundlage des menschlichen Wesens kann man so doch kommen. Nun wollen wir uns heute einmal vor Augen stellen, wie die einzelnen Glieder der menschlichen Natur sich in einer gewissen Weise mehr oder weniger bildhaft-schematisch durch das physische Leben zum Ausdruck bringen. Nehmen wir an, wir hätten hier den Menschen. Ich will nun, um die Sache zu veranschaulichen, ausgehen von dem, was wir als die uns für die Erdenmenschheit bewußt angehende Wesenheit des Menschen anerkennen: von dem Ich. Ich bemerke ausdrücklich: Bei bildhaften Darstellungen kann man sehr leicht zu Mißverständnissen kommen, indem man früher Gesagtes in scheinbarem Widerspruch findet mit später Gesagtem. Wer die Dinge genauer ansieht, wird schon bemerken, daß solche Widersprüche in Wahrheit nicht vorhanden sind.

Nehmen wir also zunächst an, wir hätten es zu tun mit der Ich-Natur des Menschen, mit jenem Gliede der menschlichen Wesenheit, das wir als Ich bezeichnen. Diese Ich-Natur ist selbstverständlich ganz übersinnlich; sie ist ja das Übersinnlichste, was wir zunächst haben, aber sie wirkt durch das Sinnliche. Dasjenige, wodurch das Ich sich hauptsächlich im intellektualistischen Sinne in der menschlichen physischen Natur auswirkt, ist das als das Gangliensystem bezeichnete Nervensystem, das Nervensystem, das vom Sonnengeflecht ausgeht.

Schematisch können wir dieses Nervensystem, dieses Gangliensystem, dieses Sonnengeflechtsystem so (siehe Zeichnung, schwarz) andeuten. Das entfaltet eine Tätigkeit, die ja zunächst mit dem, was man im materialistischen Sinne Nervenleben nennen könnte, nichts besonderes zu tun zu haben scheint. Dennoch ist es der eigentliche Angriffspunkt für die wirkliche Ich-Tätigkeit. Daß der Mensch, wenn er beginnt, okkult sich selbst zu schauen, das Zentrum des Ich im Haupte zu empfinden hat, das widerspricht dem nicht, da wir es ja bei dem Ich-Gliede des Menschen zu tun haben mit etwas Übersinnlichem, und der Punkt, in dem der Mensch das Ich erlebt, ein anderer ist als der Angriffspunkt, durch den das Ich im Menschen vorzugsweise wirkt.

Die Bedeutung des Wortes: Das Ich wirkt durch den Angriffspunkt des Sonnengeflechtes - muß man sich völlig klarmachen. Diese Bedeutung liegt in folgendem: Das Ich des Menschen selbst ist eigentlich mit einem sehr dumpfen Bewußtsein ausgestattet. Der Ich-Gedanke ist etwas anderes als das Ich. Der Ich-Gedanke ist gewissermaßen dasjenige, was als eine Welle heraufschlägt ins Bewußtsein, aber der Ich-Gedanke ist nicht das wirkliche Ich. Das wirkliche Ich greift als bildsame Kraft durch das Sonnengeflecht in die ganze Organisation des Menschen ein. Gewiß kann man sagen, das Ich verteilt sich über den ganzen Leib. Aber sein Hauptangriffspunkt, wo es besonders in die menschliche Bildsamkeit, in die menschliche Organisation eingreift, ist das Sonnengeflecht, oder besser gesagt, weil alle die Zweigungen dazugehören, das Gangliensystem, dieser im Unterbewußtsein lebende Nervenprozeß, der sich im Gangliensystem abspielt. Da das Gangliensystem die ganze Zirkulation des Blutes mitbedingt, so widerspricht das auch nicht der Tatsache, daß das Ich im Blute seinen Ausdruck hat. In diesen Dingen muß man das Gesagte eben ganz genau nehmen. Es ist etwas anderes, wenn gesagt wird: Das Ich greift durch das Gangliensystem in die Bildungskräfte und in die ganzen Lebensverhältnisse des Organismus ein, als wenn davon gesprochen wird, daß das Blut mit seiner Zirkulation der Ausdruck für das Ich im Menschen ist. Die menschliche Natur ist eben kompliziert.

Um nun die Bedeutung dessen, was da gesagt wird, voll vor die Seele zu rücken, ist es gut, sich die folgende Frage zu beantworten: Wie ist denn eigentlich das Verhältnis des Ich zu diesem Gangliensystem und allem, was damit zusammenhängt? Wie ist denn dieses Ich gewissermaßen in den Unterleibsorganen des Menschen verankert? Es ist so, daß, wenn der Mensch im normal-gesunden Zustande lebt, dieses Ich wie gefesselt ist im Sonnengeflechte und allem, was damit zusammenhängt. Es ist gebunden durch dieses Sonnengeflecht. Was heißt das? Dieses menschliche Ich, das dem Menschen im Verlaufe der Erdenevolution als eine Gabe der Geister der Form zugekommen ist, war ja, wie wir wissen, der luziferischen Versuchung ausgesetzt. So wie der Mensch dieses Ich hat, würde es eigentlich, da es infiziert ist von luziferischen Kräften, der Träger böser Kräfte sein. Das muß unbedingt wahrheitsgemäß erkannt werden. Nicht durch seine Natur ist das Ich der Träger böser Kräfte; aber dadurch, daß das Ich durch die luziferische Verführung mit luziferischen Kräften infiziert ist, ist es an sich der Träger von wirklich bösen Kräften, von Kräften, welche durch die luziferische Infektion geneigt sind, dasjenige, was das Gedankenleben des Ich bedeutet, ins Böse zu verzerren. Der Mensch kann, seit er ein Ich erhalten hat, denken. Wenn es keine luziferische Versuchung gegeben hätte, würde er über alle Dinge gut denken. Da es aber die luziferische Versuchung gegeben hat, denkt das Ich nicht gut, sondern luziferisch infiziert, so wie es nun einmal in der Erdenevolution ist: tückisch, heimtückisch. Es denkt so, daß es überall sich selbst ins Licht und alles andere in den Schatten stellen möchte. Es ist infiziert mit allen möglichen Egoismen. So ist das Ich nun einmal, da es luziferisch infiziert ist. Was nun als Gangliensystem, als Sonnengeflecht im Menschen lebt, ist schon von der Mondenentwickelung herübergekommen und stellt gewissermaßen das Haus für das Ich dar; da paßt das Ich in einer gewissen Weise hinein. Es kann daher darin gebunden, gefesselt werden. Und so liegt folgende Tatsache vor: Das Ich hat durch seine luziferische Infektion fortwährend die Tendenz, sich tückisch, lügenhaft zu gebärden, sich selbst ins Licht, das andere in den Schatten zu stellen; aber es wird gefesselt durch das Nervensystem des Unterleibes. Da muß es parieren. Durch das Nervensystem des Unterleibes zwingen die regelrecht fortschreitenden Mächte, die durch Saturn-, Sonnen- und Mondenentwickelung heraufgekommen sind, das Ich, nicht ein Dämon im bösen Sinne des Wortes zu sein. So daß wir also unser Ich so in uns tragen, daß es gefesselt ist an die Unterleibsorgane.

Nun denken Sie einmal, daß die Unterleibsorgane in irgendeiner Weise ungesund wären, daß sie nicht im normalen Zustande wären. Nicht im normalen Zustande sein, heißt, nicht voll in sich aufnehmen wollen dasjenige, was geistig in sie hineinpaßt, was geistig zu ihnen gehört. Das Ich kann in einer gewissen Weise frei werden in seiner Tätigkeit, wenn die Unterleibsorgane nicht ganz gesund sind. Dann kann, wenn dieses Freiwerden durch eine besondere physische Übertätigkeit herbeigeführt wird, die menschliche Natur sich so äußern, daß das Ich gewissermaßen losgelassen wird auf die äußere Welt, während es sonst gefesselt ist. Und wir haben, wenn das Ich sich dann frei benimmt, einen Fall, wo der Mensch psychisch krank auftritt, indem er die Eigenschaften des luziferisch infizierten Ich entfaltet: dann kommen sie heraus, die Eigenschaften des Ich, von denen ich gesprochen habe. Man braucht wahrhaftig deshalb nicht Materialist zu werden, weil man die Gebundenheit des Geistigen, also hier des Ich, an die physischen Organe in dem Leben zwischen Geburt und Tod - aber in einem höheren Sinne, als der Materialist es sich vorstellt - voll einsieht, und wenn man auch einsieht, daß gewissermaßen der Teufel los werden kann, seiner Fesseln ledig werden kann. Da haben wir den einen Fall von psychischer Ungesundheit.

Es muß nicht unbedingt psychische Ungesundheit sein, wenn die Freiheit des Ich eintritt, sondern es kann auch anderes der Fall sein. Dann handelt es sich aber nicht um eine wirkliche Erkrankung des Unterleibes, sondern gewissermaßen um eine Ausschaltung seiner regulären Tätigkeit. Das ist bei weitaus den meisten Fällen des Somnambulismus der Fall. Da wird das Gangliensystem mit seiner Funktion im Unterleibe so präpariert, sei es durch die Natur selber, sei es durch allerlei Einflüsse magnetischer Art, daß es das Ich nicht voll in seiner Gewalt halten kann. Dann kommt das Ich dazu, in freierer Weise mit der Umgebung zu korrespondieren. Es ist dann nicht eingelagert in das Gangliensystem und kann daher jene Verbindungskanäle mit der Welt benützen, die es ihm möglich machen, im Räume und in der Zeit allerlei von ferne zu sehen, was normalerweise in das Ich, in das Ganglien System eingebettet ist, wodurch diese Prozesse nicht wahrgenommen werden können. Es ist also wichtig zu wissen: Es besteht eine gewisse Verwandtschaft zwischen dem Somnambulismus, der nur eben, ich möchte sagen, in einer milden Form die gewöhnliche Tätigkeit der wachend an das Gangliensystem gebundenen Prozesse ausschaltet, und gewissen Formen des Wahnsinnes, der hervorgerufen wird, wenn die Ausschaltung durch Deformierung, durch Erkrankung gewisser Organe des Unterleibes stattfindet. Es ist also immer eine solche krankhafte Anwandlung damit verbunden, daß das Ich gewissermaßen frei wird, sich sozusagen seiner Fesseln ledig fühlt und sich verbunden fühlt nun nicht mit seinem Leibe, sondern mit den geistigen Kräften seiner Umgebung, wie es auch im Wahnsinn der Fall ist. Deshalb aber treten bei gewissen Formen des Wahnsinns gerade die Eigenschaften der Tücke, der Lügenhaftigkeit, der Verschmitztheit, der Listigkeit auf, alles, was von luziferischen Infektionen kommt - das Bedürfnis, sich selbst ins Licht und alles andere in den Schatten zu stellen und dergleichen.

Nun werden Sie begreifen, daß von der ganzen Beschaffenheit des Gehäuses, durch welches das Ich gefesselt ist, die psychische Konstitution abhängt. Vergleichen wir, um nicht auf den Menschen gleich zu exemplifizieren und um weniger beleidigend für das menschliche Gemüt zu sein, einmal den Löwen als einen wütenden Fleischfresser mit dem Stier oder dem Ochsen. Da ist ein Unterschied, obwohl es sich ja bei dem Löwen um ein Gruppen-Ich handelt und beim Menschen um ein individuelles Ich; aber wir können doch den Vergleich brauchen. Welches ist der Unterschied zwischen der Löwennatur und der Ochsennatur? Der Löwe ist ausgesprochen Fleischfresser, der Ochse im wesentlichen, wie Sie wissen, Vegetarier. Nun, der Unterschied ist der, daß beim Löwen dasjenige, was bei ihm dem Gruppen-Ich entspricht, weniger gefesselt ist, daß gewissermaßen durch die vehemente Tätigkeit dessen, was den Unterleibsorganen entspricht, das Gruppen-Ich freier ist, mehr losgelassen ist auf die Umgebung, während bei dem vegetarischen Ochsen das Gruppen-Ich mehr an die Unterleibsorgane gefesselt ist. Der Ochse lebt daher mehr in sich. Sie sehen jetzt auch, daß es einen guten Sinn hat für den Menschen, Vegetarier zu werden - selbstverständlich nur, wenn er will. Denn was wird dadurch bewirkt? Gerade durch die vegetarische Ernährung wird der Unterleib noch geeigneter gemacht, das Ich zu fesseln, und der Mensch wird dadurch, wenn ich mich paradox ausdrücken soll, etwas sanfter. Sein böser Dämon geht mehr in ihn selbst hinein und lebt sich weniger gegenüber der Umgebung aus. Nur soll sich niemand einreden, daß er diesen bösen Dämon deshalb nicht hat. Er hat ihn, nur eingesperrt ;in sein Inneres. Und ein Kreuzexperiment, ein Experimentum crucis, könnte sehr leicht gemacht werden, indem man einmal vergleicht, wie sich in einem gegebenen Falle hungrige Fleischesser und hungrige Vegetarier verhalten. Man wird, wenn man hungrig ist, im allgemeinen etwas mehr den Gefesselten loslassen; und es könnte sehr leicht sein, daß gerade hungrige Vegetarier, weil sie sich gewöhnt haben, den Gefesselten durch die vegetarische Ernährung besonders gefesselt zu haben, ihn dann mit einer gewissen Wütigkeit loslassen. Denn der Hunger besteht darin, daß die Unterleibsorgane ihre Tätigkeit verändern und dadurch nicht in demselben Maße das Ich fesseln können wie im gesättigten Zustand. Ich will damit nicht behaupten, daß das, was ich sagte, absolut gilt, weil ja beim Fleischessenden schon an sich der Gefesselte nicht so stark gefesselt ist wie beim Vegetarier; aber ich sagte: vergleichsweise wird der hungrige Vegetarier im Verhältnis zu seinem gesättigten Zustande unter Umständen ein viel wütigeres Wesen haben können als der hungrige Fleischesser im Verhältnis zu seinem gesättigten Zustande. Die menschliche Natur ist eben sehr kompliziert, und gerade wenn man das Verhältnis des Geistigen zum Leiblichen ins Auge faßt, dann kommt man zu gewissen Erkenntnissen, die Grundlagen sein können für eine wahre, reale Selbsterkenntnis im Leben. Jedenfalls muß gesagt werden, daß der Vegetarier dafür sorgen sollte, sich nicht zu stark unterernährt zu machen. Denn wenn er sich unterernährt, so wird er sich dadurch schädigen, daß er seinen Fesseler, das Gefängnis für seinen Teufel, für den, der mit Tücke, Lüge und so weiter auftritt, schwächt, und er wird dann entweder den Ungefesselten auf die Umgebung loslassen, und die Umgebung wird ihr, im österreichischen sagt man «G'frett», ihre Mühe mit ihm haben, oder aber er wird mit sich selber Mühe haben, mit sich nicht fertig werden, weil er einerseits immerfort die Sucht hat, die verschiedenen schlechten Eigenschaften des Ich auszuleben, andererseits aber,wenn er erzogen ist, den Drang, das bei sich zu behalten, und so kann es kommen, daß er vielleicht mit sich selber nicht fertig wird. Dadurch entstehen alle möglichen unbefriedigten Zustände der Seele. Das ist wichtig, daß man das ins Auge faßt.

Geradeso wie das Ich seinen Angriffspunkt hat im Gangliensystem, so hat der astralische Leib seinen Angriffspunkt in all den Prozessen, die mit dem Rückenmarksnervensystem zusammenhängen. Natürlich gehen die Nerven durch die ganze Körperlichkeit; aber wir haben hier einen zweiten Angriffspunkt. Dazu gehören natürlich wieder alle Prozesse, welche mit diesem Nervensystem zusammenhängen. Das ist noch nicht das Gehirnnervensystem, sondern das Rückenmarkssystem, das zum Beispiel mit unseren Reflexbewegungen zusammenhängt, und das ein Regulator ist für sehr vieles im menschlichen Leib. Und wenn man so spricht, wie ich jetzt spreche, so muß man immer im Auge behalten, daß alle Prozesse, die durch dieses Nervensystem geregelt werden, dazu gehören. Nun kann die Sache wiederum nur so aufgefaßt werden, daß der astralische Leib entweder gefesselt ist an alles, was mit dem Rückenmarkssystem zusammenhängt, oder daß er durch Erkrankung oder teilweise Einschläferung der Prozesse - durch Magnetismus oder dergleichen - frei werden kann. Da haben Sie einen ändern Gefesselten, der seine luziferischen Eigenschaften, die ein wenig gemischt sind mit ahrimanischen Eigenschaften, schon während der alten Mondenzeit erhalten hat. Sie sind daher schwächer als die luziferischen Eigenschaften des Ich, aber auch im astralischen Leib sind luziferische Eigenschaften enthalten. Wenn Sie den Prozeß, durch den sich diese luziferische Infektion in den astralischen Leib hineingeschlichen hat, vor ihre Seele rücken wollen, dann müssen Sie studieren, was in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» geschildert ist als Abtrennen des Mondes von der ganzen Evolution. Während der Mondenentwickelung ist diese Infektion hineingekommen. Da haben Sie noch einen Grund, durch welchen der Mensch zu somnambulen Eigenschaften kommt, zu höheren somnambulen Eigenschaften, die vorzugsweise an die Brustorgane gebunden sind, und die schon Höheres vermitteln als die Unterleibsorgane; aber Sie haben zu gleicher Zeit die Möglichkeit, einzu-sehen, daß wenn da etwas nicht in Ordnung ist, so daß der astralische Leib nicht gefesselt gehalten werden kann, wiederum etwas eintritt, was als psychische Erkrankung, als psychische Störung anzusehen ist. Es kann also sowohl das Ich entfesselt werden und zu Wahnsinnserscheinungen führen wie auch der astralische Leib, was ebenfalls Wahnsinnserscheinungen hervorruft.

Wenn das Ich entfesselt wird, so entwickelt es, wie ich Ihnen gesagt habe, Eigenschaften wie Heimtücke, Verschmitztheit, Listigkeit, Übervorteilung, Sich-ins-Licht-Stellen, Alles-andere-in-den-Schatten-Stellen und so weiter. Wenn der astralische Leib entfesselt wird, so entwickelt er Ideenflüchtigkeit, diskontinuierliche Logik, manieartige Zustände oder aber Weltflüchtigkeit, Melancholie, Hypochondrie. Und wiederum besteht eine Verwandtschaft solcher krankhafter Erscheinungen mit den entsprechenden somnambulen Erscheinungen. Nur daß beim Somnambulen die Organe nicht krank, sondern nur in ihren normalen physischen Funktionen unterdrückt sind, was erreicht werden kann durch den Einfluß von Hypnotiseuren, Magnetiseuren und dergleichen. In unserer menschlichen Natur muß vieles gefesselt sein. Wir sind schon in einer gewissen Weise des Teufels, und nur dadurch, daß wir durch die Anordnungen der regulär durch Saturn-, Sonnen- und Mondenentwickelung sich fortentfaltenden göttlich-geistigen Mächte die Teufel in uns gefesselt haben, nur dadurch sind wir halbwegs anständige Menschen, wozu wir infolge der verschiedenen Versuchungen gar nicht einmal eine so große Anlage haben. Und gewisse Verstimmungen, gewisse Stimmungen auch des seelischen Lebens hängen damit zusammen, daß der Mensch auf das kommt, was an Dämonischem in ihm lebt. All dies Dämonische beruht darauf, daß das, was in ihm gefesselt ist, entfesselt werden kann. Wir werden bei einer ändern Gelegenheit noch darüber zu sprechen haben, wodurch dieses, was während des Lebens zwischen Geburt und Tod eigentlich durch unsere physische Natur gefesselt ist, dann zwischen dem Tod und einer neuen Geburt gefesselt ist. Denn Sie können ja wohl einsehen, daß wir der Weltenordnung sehr dankbar sein dürfen, hier zwischen Geburt und Tod unseren physischen Organismus zu besitzen; denn sonst hätten wir diesen für unsere höheren Glieder notwendigen Kerker nicht. - Wenn dann die höheren Glieder nach Ablegen des physischen Leibes losgelassen sind, so treten andere Verhältnisse ein, die wir bei ändern Gelegenheiten besprechen werden. Ungefesselt sind sie dann auch nicht.

Nun, ebenso wie der astralische Leib auf diese Weise durch das Rückenmarkssystem und alle Prozesse im organischen Leben, die damit zusammenhängen, gefesselt ist, so ist der ätherische Leib durch das Gehirnsystem mit allem, was dazu gehört, gefesselt. Der ätherische Leib hat seinen Angriffspunkt also durch das Gehirnsystem. Und auch da könnte wiederum Ähnliches gesagt werden. In unserem Haupte ist der Kerker für unseren ätherischen Leib. Wahnsinns- oder somnambule Zustände treten ein, wenn der Körper nicht ganz in Ordnung ist und der ätherische Leib entfesselt wird. Der ätherische Leib hat nun vorzugsweise die Neigung, wenn er sich selbst überlassen, also nicht in den Kerker des Hauptes eingeschlossen ist, sich zu vervielfältigen, dadurch sich selbst fremd zu werden, gewissermaßen überzugehen in die Welt, in anderes sich hineinzuleben. Damit sind jene Zustände gekennzeichnet, die eintreten, wenn der Kerkermeister den ätherischen Leib losläßt.

Sie haben also damit die dreifache Möglichkeit psychischer Erkrankung, die dreifache Möglichkeit auch, loszukommen vom physischen Leibe. Diese dreifache Möglichkeit muß durchaus zu Rate gezogen werden — aber dann in einer ganz ändern Weise -, wenn der Mensch durch die Initiation von seinem physischen Leibe frei werden soll. Das, wovon wir gesprochen haben, ist ein krankhaftes Freiwerden in der Weise, daß die Organe des physischen Leibes nicht gesund bleiben und dadurch der physische Leib nicht imstande ist, die höheren Glieder zu halten. Der Gehirnsomnambulismus würde nur ein Einschläfern der Gehirntätigkeit zur Voraussetzung haben; dadurch wird der Ätherleib frei und es entstehen somnambule Zustände. Bei Defekten des Gehirns aber kann der Kerker den Gefesselten, das heißt den Ätherleib nicht mehr halten, dann geht dieser auf eigene Abenteuer aus und versucht im Aufgehen in der Welt sein ungeordnetes, wirres Leben auszuleben und auszugestalten. Sie sehen klar, daß die psychische Erkrankung im wesentlichen doch ihre Grundlage hat in einer Art Freiwerden von denjenigen physischen Grundlagen, zu denen die betreffenden höheren Glieder des Menschen in dem Leben zwischen Geburt und Tod gehören.

Der Ätherleib hat, wenn er befreit wird, vorzugsweise ahrimanische Eigenschaften. Es werden sich in diesem Falle Neid, Mißgunst, Geiz und dergleichen mehr in krankhafter Weise gesteigert ausleben; aber das alles im Zusammenhange mit einer Art Sich-Ausleben in der Umgebung, mit einem Aufgehen in der Umgebung. Dieses ist nun aber durchaus so zu verstehen, daß zwar das Ich mehr oder weniger seinen alleinigen Anziehungspunkt hat im Gangliensystem und dem, was damit zusammenhängt, der astralische Leib im Rückenmarkssystem, aber mit dem Gangliensystem zusammen, der Ätherleib im Gehirnsystem, aber mit dem Rückenmarkssystem und dem Gangliensystem zusammen. Insofern hat zum Beispiel das Gangliensystem, weil es ja alles Unterbewußt-Organische versorgt, auch mit dem Gehirn zu tun. Wenn das Gangliensystem einen Krankheitsprozeß bewirkt, der sich im Gehirn auslebt, dann kann allerdings auch gerade der Ätherleib frei werden. Aber die Ursache liegt trotzdem im Gangliensystem. Die Dinge sind eben durchaus kompliziert.

Die heutige Psychiatrie hat noch gar keine Handhabe, diese drei Formen der Seelenerkrankung voneinander zu sondern. Erst dann wird die Psychiatrie zu einiger Vollkommenheit gelangen können, wenn man unterscheiden wird psychische Abnormitäten, die herbeigeführt werden dadurch, daß entweder der gefesselte Ätherleib oder der gefesselte Astralleib oder das gefesselte Ich losgelassen wird. In einer ganz bedeutsamen Weise wird man dann die Symptome der psychischen Abnormitäten unterscheiden und ordnen können, und es wird wichtig sein, sie dergestalt ordnen zu können."[1]

Lit.:
[1]Rudolf Steiner, Zeitgeschichtliche Betrachtungen. Das Karma der Unwahrhaftigkeit., GA 174 (1983), S 125 ff., Neunzehnter Vortrag, Dornach, 14. Januar 1917

(Literaturangaben folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz Email: verlag@rudolf-steiner.com URL: http://www.rudolf-steiner.com)

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