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Lexikon Anthroposophie

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Paradieseslegende
Paradieses-Imagination

In der Nacht, wenn der Mensch schläft, ändert sich das Gefüge der menschlichen Wesensglieder. Ich und Astralleib heben sich (zumindest teilweise) aus der menschlichen Organisation heraus und lassen den belebten Leib, also Ätherleib und physischen Leib, zurück. Dabei versinkt normalerweise das menschliche Bewusstsein im Dunkel des traumlosen Schlafes. Kann sich das Bewusstsein aber durch entsprechende geistige Schulung auch während des Schlafes aufrechterhalten, so verwandelt sich im geistigen Rückblick der zurückgelassene physische Leib zur Paradieses-Imagination.

"Also ich werde gewissermaßen zur leichteren Verständigung die Hypothese hinstellen, daß der Mensch mitten im Schlafe den Moment erlebt, hellsichtig zu werden außer seinem Leibe, und daß er auf seinen physischen und Ätherleib zurückschauen kann. Wir haben nur ein paar Schritte nach diesem Zustand getan bisher, sind so weit gekommen, daß wir gewissermaßen aus uns herausgegangen sind und gelernt haben, so etwas wie Jahres- und Tageszeiten mitzuerleben; jetzt wollen wir gleich den Zustand ins Auge fassen, der eintreten würde, wenn wir auf der einen Seite physischen und Ätherleib hätten, und herausgehoben, wie es im Schlafe ist, Ich und astralischen Leib; und wir nehmen an, wir könnten zurückschauen auf den zurückgelassenen physischen und Ätherleib. Da würde das, worauf wir da zurückblicken, uns in einem ganz anderen Licht erscheinen, als es uns für das gewöhnliche Leben bewußt erscheint. Für das gewöhnliche Leben blicken wir durch die alltägliche Beobachtung oder durch die äußere physische Wissenschaft auf unseren materiellen Leib hin und sehen in ihm mit einem gewissen Rechte in physischer Beziehung die Krone der Erdenschöpfung. Wir gliedern diese Erdenschöpfung so, daß wir sprechen von einem mineralischen Reich, von einem pflanzlichen Reich, von einem tierischen Reich und von dem Menschenreich; und wir sehen all die verschiedenen Vorzüge, die ausgegossen sind auf die verschiedenen Tiergruppen, vereinigt gleichsam in dieser physischen Schöpfungskrone, in dem menschlichen Leib. Wir werden schon sehen, daß für die äußere physische Betrachtung dies eine gewisse Berechtigung hat. Es soll auch nicht der Glaube erweckt werden durch den heutigen Vortrag, als ob mit dem, was sich zunächst darbieten kann für die rückschauende Betrachtung auf den physischen und Ätherleib, wenn man plötzlich im Schlafe hellsichtig würde, — es soll nicht der Glaube erweckt werden, als ob mit dem eine endgültige Betrachtung über den physischen Leib gegeben wäre; es soll nur gleichsam ein Augenblick hellseherischer Rückschau festgehalten werden. Einem solchen Augenblick kann sich folgendes ergeben: Wir blicken zurück zunächst, schauen sozusagen unseren Ätherleib, der uns erscheint wie ein in sich gegliedertes Nebelgebilde, ein Nebelgebilde mit mancherlei Strömungen, die wir später genauer beschreiben wollen, — ein kunstvolles Gebilde, das aber in fortdauernder Beweglichkeit ist, das an keinem Ort Stille, Ruhe hat; und dann blicken wir hin auf das, was eingebettet ist in diesen Ätherleib, auf unseren physischen Leib.

Nun erinnern Sie sich, daß wir ja gesagt haben: das eigene Denken, das muß ausgeschaltet sein [siehe -> Opfer des Intellekts]. Also, eigene Gedanken machen wir uns nicht über das, was wir sehen. Das ist vor allen Dingen eine Grundforderung für diesen hellseherischen Blick, daß wir uns ganz und gar sozusagen durch die Weltengedanken, die in uns einströmen, daß wir uns durch sie inspirieren lassen. Was wir also da sehen, das schauen wir an, aber es wirkt vor allen Dingen auf unser Gefühl; auf Gefühl und Wille wirkt es. Unser Denken, das erscheint uns so, wenn wir wirklich das erreicht haben, wovon gesprochen worden ist, als wenn wir es verloren hätten; unser eigenes Denken meine ich. Und so schauen wir mit dem Gefühl, das uns eigen geblieben ist, zurück auf das, was da eingebettet ist in das Nebelgebilde, in das immer bewegliche Nebelgebilde unseres Ätherleibes als unser physisches Organ.

Da bekommen wir zunächst einen Totaleindruck. Dieser Totaleindruck ist so, daß uns das, was wir da erblicken, zu unendlicher Traurigkeit, zu furchtbarer Traurigkeit stimmt. Und man muß sagen, meine lieben Freunde, diese Stimmung der Seele, diese furchtbare Traurigkeit, die ist nicht etwa abhängig von der einen oder anderen menschlichen Individualität, sondern sie ist ganz allgemein. Den Menschen kann es nicht geben, der so, wie es geschildert worden ist, von außen zurückblickt auf seinen physischen Leib, wie er eingebettet ist im Ätherleib, und der nicht ganz, ganz durchdrungen würde von maßloser Traurigkeit. Alles das, was ich an Eindrücken jetzt schildere, prägt sich zunächst im Gefühl aus, nicht im Gedanken. Maßlose Traurigkeit, eine ganz melancholische Stimmung überkommt uns, wenn wir nun aufblicken zu den "Weltgedanken, die in uns einströmen. Diese Gedanken, die nicht unsere eigenen, sondern die schöpferisch durch die Welt webende und wirkende Gedanken sind, die beleuchten sozusagen dieses Gebilde unseres physischen Leibes, und sie sagen uns durch die Art und Weise, wie sie das beleuchten, sie sagen uns, was das eigentlich ist, was wir da sehen.

Sie sagen uns: das alles, was wir da sehen, das ist das letzte Dekadenzprodukt einer einstmals bestehenden Herrlichkeit. Und wir bekommen durch das, was uns diese Gedanken sagen, den Eindruck: Was wir da als unseren physischen Leib vor uns haben, das ist wie etwas, was einstmals gewaltig und herrlich war und verdorrt und zusammengeschrumpft ist und jetzt in ein kleines Gebilde zusammengeschrumpft eine einstmalige ausgebreitete Herrlichkeit uns zeigt. Wie eine letzte ins Physische verhärtete Erinnerung urferner Herrlichkeit erscheint uns das, was da eingebettet ist in unseren Ätherleib. Da erscheinen uns unsere einzelnen physischen Organe, die heute sozusagen zu unserem Ernährungs-, zu unserem Blutzirkulations-, zu unserem Atmungssystem gehören; wir blicken sie von außen an, sie geistig anschauend, und siehe da, sie erscheinen uns so, daß wir uns sagen: Das alles, was wir da im physischen Leibe vor uns haben, das sind Schrumpfprodukte, verdorrte Produkte von einstmals existierenden Lebewesen; von Lebewesen, die in einer herrlichen Umgebung gelebt haben und die jetzt zusammengeschrumpft und verdorrt sind. Und in dem Leben, das sie heute in sich haben, diese Lunge, dieses Herz, diese Leber und die anderen Organe, in dem ist nur das letzte Dekadenzleben eines ursprünglichen gewaltigen innerlichen Lebens. Und es formen sich uns in diesem hellseherischen Anschauen allmählich diese Organe zu dem, was sie einstmals waren. So wie ein Gedanke, an den wir uns nur ganz von ferne erinnern, wenn wir uns Mühe geben, ihn aus dem Gedächtnis heraufzuholen, sich auswächst zu dem, was er einst war, so wächst an dasjenige, was wir zum Beispiel als Lunge in uns tragen und das zunächst sich darstellt wie die letzte Erinnerung an eine urferne Pracht und Herrlichkeit, — so wächst das an. Aber wir fühlen: es geht zurück wie ein jetziger Gedanke an eine ferne Erinnerung, der sich dann ausbildet zu dem, was er einstmals war. Es wächst sich in unserer Anschauung die Lunge aus zu der Imagination dessen, was einstmals als ein ständiges Symbolum der Okkultist gekannt hat und auch heute noch als Symbolum der Menschengestalt kennt: zur Imagination des Adlers. Und wir bekommen das Gefühl: Diese Lunge war einstmals eine Wesenheit, — nicht zu vergleichen mit einer heutigen tierischen Adlerwesenheit, denn die stellt auch nur anderseits ein Dekadenzprodukt eines einstmaligen gewaltigen Wesens dar, das man im Okkultismus als Adler bezeichnet; der Okkultist wird wie in einer kosmischen Erinnerung geführt zum Adler, der einstmals dagewesen ist. — Und wenn wir uns rückblickend an unser Herz wenden, dann fühlen wir, wie das sich ebenfalls ausnimmt wie das Schrumpfprodukt, das verdorrte, zusammengezogene Produkt, wie eine Erinnerung an eine alte Herrlichkeit —: dann fühlen wir, wie wir zurückgeführt werden in uralte Zeiten, in urferne Vergangenheiten zu einem Wesen, das der Okkultist als den Löwen bezeichnet. — Und dann, die unteren Leibesorgane, sie stellen sich uns dar wie eine Erinnerung an das, was im Okkultismus Stier genannt wird, ein uraltes Lebewesen, welches in herrlicher Umgebung lebendig einstmals da war, das verdorrt ist in der Evolution, zusammengeschrumpft, und das sich heute als die unteren Leibesorgane darstellt.

So möchte ich schematisch zeichnen das, was einstmals war und wozu wir kommen, wenn wir diese unsere körperlichen Organe von außen hellseherisch betrachten: Es soll nur schematisch gezeichnet werden Stier, Löwe, Adler übereinander. So erblicken wir etwas, was gelebt hat als drei herrliche Lebewesen in uralter Vergangenheit. Ich will nun dieses etwas verkleinern und nur schematisch zeichnen. Um diese Grundorgane herum können wir auch die anderen Organe in demjenigen schauen, was sie früher waren in urferner Vergangenheit; und wir bekommen auf diese Weise etwas vor unseren hellseherischen Blick, was sich vergleichen läßt mit fast allen Formen des Erdentierreiches.

Wenn wir nun den Blick nochmals zurückwenden auf diesen in unseren Ätherleib eingebetteten physischen Leib und auf das blicken, was man in der Anatomie das Nervensystem nennt, ja, dann erscheint dieses Nervensystem auch wie ein Schrumpfprodukt, wie verdorrte Produkte. Aber das, was heute als Nervensystem da in unserem physischen Leib eingebettet ist, das erscheint in unserem Ätherleib eingebettet für den rückschauenden hellseherischen Blick wie die Summe von wunderbaren pflanzlichen Wesenheiten, die sich in der mannigfaltigsten Weise hindurchschlängeln durch diese tierisch zu nennenden Wesenheiten, so daß wir Anordnungen von pflanzlichen Wesenheiten sehen, die durchgehen nach allen Seiten. Das ganze Nervensystem löst sich auf in eine Summe von uralten pflanzlichen Wesenheiten, so daß sich uns wirklich etwas darstellt wie eine mächtig sich ausbreitende Pflanzenwesenheit, darin wohnend die tierischen Wesenheiten, von denen wir eben gesprochen haben. Wie gesagt, ich schildere das, was sich dem hellseherischen Blick ergibt, der eben charakterisiert worden ist als zustandekommend wie im Schlaf, das heißt den im Ätherleib eingebetteten physischen Leib von außen ansehend.

Wenn man dieses alles vor sich hat, dann sagt man sich — das heißt man sagt es sich aus dem Grunde, weil einem die Weltengedanken gewissermaßen Auskunft darüber geben und einem das interpretieren, was man vor sich hat —, man sagt sich dann: Alles das, was du als Mensch in dir trägst, das ist das Zusammengewelkte, das Zusammengeschrumpfte von dem, was dir jetzt wie in einer kosmischen Erinnerung hellseherisch aufgeht. — Und nun handelt es sich darum, bis zu diesem Punkte die Entwicklung so zu betreiben, daß man fortwährende Selbstkontrolle, fortwährende Selbsterkenntnis übt. Die Selbsterkenntnis bringt einen dahin, nun sich gefühlsmäßig besinnen zu können: Du bist außerhalb deines physischen Leibes. Dasjenige, was dir als physischer Leib im Ätherleib eingebettet erschienen ist, hat sich vor deinem Blick in das verwandelt, wovon eben jetzt gesprochen worden ist. Und das, was du jetzt siehst, das ist nicht in der Gegenwart vorhanden, das mußte in einer Urvergangenheit vorhanden sein, damit das, was dein physischer Leib da unten ist, hat entstehen können. Damit dieses Schrumpfprodukt hat entstehen können, mußte einstmals das vorhanden sein, was du jetzt mit hellseherischem Blick vor dir siehst. — Deshalb macht der physische Leib zunächst diesen traurigen Eindruck, weil man ihn als etwas erkennt, was sich ergeben hat wie das letzte Welkprodukt einer einstmaligen Herrlichkeit, die jetzt aufgegangen ist dem hellseherischen Blick.

Hat man nun die Selbstbesinnung genügend weit gebracht, bis zu diesem Grad der Entwicklung, dann wird man gewahr, daß man in diesem astralischen Leib, den man jetzt außer dem physischen und Ätherleibe hat, gar nicht anders kann als — bitte, mißverstehen Sie das nicht, ich schildere Tatsachen und Sie werden schon sehen, wie sich diese Tatsachen auflösen; immerhin — wenn man so sagen wollte zur Ehre der weisheitsvollen Weltenlenker - man muß eben die Tatsachen erst kennenlernen, und es wird sich schon in den nächsten Tagen aufklären, um was es sich da handelt —, man kann also gar nicht anders, als sich, wie man da ist in seinem astralischen Leib, als einen absoluten Egoisten erkennen, als ein Wesen, das nichts anderes kennt als nur sich selber, und man lernt erkennen, daß man Gründe genug hat, traurig zu sein. Denn es drängt jetzt das Gefühl, zu wissen, warum das geschehen ist, warum das alles zusammengeschrumpft ist.

Und nun handelt es sich darum: Ja, wer hat die Schuld an diesem Zusammenschrumpfen? Wer hat die Gestalt, die du hellseherisch vor dir hast, dieses wunderbare Pflanzenwesen mit den tierischen, vollkommenen Gebilden innerhalb seines Selbst, wer hat das zu dem heutigen Schrumpfprodukt des physischen Leibes gemacht? — Jetzt ertönt es wie eine innere Inspiration aus einem selbst heraus: Du selbst hast das dazu gemacht, du selbst. Und daß du überhaupt das geworden bist, was du heute bist, das verdankst du dem Umstand, daß du die Kraft gehabt hast, diese ganze Herrlichkeit zu durchtränken mit deinem Wesen. Daß dein Wesen wie Gift hineingeträufelt ist in diese alte Herrlichkeit, das hat diese alte Herrlichkeit so zum Schrumpfen gebracht, wie sie jetzt ist!

Also, man ist es selbst und man verdankt die Möglichkeit, so ein Selbst zu sein, wie man es ist, dem Umstand, daß man mit seinem eigenen Wesen den Todeskeim in all diese Herrlichkeit hineinversenkt, imprägniert hat, so daß sie schrumpfte. Wie wenn Sie einen mächtigen Baum, der in Herrlichkeit wächst und der in sich mannigfaltige Tiere ernährt, die nur von diesem Baum ernährt werden können, wie wenn Sie den an einem Punkt anstechen, so daß er von diesem Punkt aus verdorrt, daß er welkt und zusammenschrumpft ins Kleine und mit ihm all die Wesen ersterben, die von ihm ernährt werden, so kommt Ihnen das vor, was geschehen ist mit dem, was sich da hellseherisch ausbreitet und was da zusammengeschrumpft ist zum menschlichen physischen Leibe. Es ist dieses ein ungeheurer Eindruck, der hervorgerufen wird durch diesen Moment hellsichtiger Betrachtungsweise. — Und immer mehr und mehr drängt der Mensch in seinem astralischen Leibe dazu, zu wissen, wie das gekommen ist. In diesem Moment erscheint ihm unter den tierischen Urwesen, die er hier wahrnimmt, sozusagen an der Hinterwand des Gartens, wie sich windend, in einer wunderschönen Gestalt tatsächlich Luzifer!

Hier macht man zuerst Bekanntschaft durch hellseherische Betrachtung mit Luzifer und weiß jetzt: O ja, so war es mit den Kräften, die heute im physischen Menschenleibe verschrumpft sind, zur Zeit, als Luzifer innerhalb dieses ganzen Wesens, das sich dir jetzt hellseherisch darbietet, erschien.

Und nun weiß der Mensch, daß in jener urfernen vergangenen Zeit, in welcher das alles Wirklichkeit war, was da dem hellseherischen Blick erscheint, daß er sich da lebendig fühlte innerhalb von alledem: da war er drinnen, das war sein Reich. Und in diesem Reich zog ihn Luzifer an sich, der Mensch verband sich mit Luzifer, und die Folge davon war, daß ihm in Kraftströmungen, die etwa in solcher Linie gezeichnet werden könnten, die Wesenheiten der höheren Hierarchien nachdrängten und den Menschen, der sich mit Luzifer verband — das zeigt sich alles der hellseherischen Betrachtung — in diese Regionen und nach vorne herausdrängten. Es bekam das Gebiet hier (oben rechts) Öffnungen; diese Öffnungen sind im Zusammenschrumpfen unsere heutigen Sinnesorgane geworden. Durch diese Öffnungen ist der Mensch, der früher in diesem Gebiet gelebt hat, herausgedrängt worden, weil er sich mit Luzifer verbunden hat. Und indem der Mensch herausgedrängt worden ist, lebt er nun in der Welt außerhalb dieses Gebildes, und dieses Gebilde schrumpfte zusammen und ist sein physischer Leib.

Also stellen Sie sich vor, damit Sie eine schematische Anschauung haben, den heutigen physischen Leib immer größer und größer werdend, alle Organe sich vergrößernd, alle Verdauungs-, Blutzirkulations-, Atmungsorgane wie zu mächtigen tierischen Lebewesen in der Vergrößerung werdend, die Nervenorgane zu Pflanzenwesen werdend; in diesem mächtigen Gebilde denken Sie sich den Menschen herrschend. Auf der einen Seite erscheint nun Luzifer; der Mensch wird angezogen von Luzifer, dadurch drängen dann Wesenheiten der höheren Hierarchien nach und drängen den Menschen hinaus. Dadurch, daß der Mensch hinausgedrängt ist, schrumpft nach und nach das ganze Gebilde zusammen zu dem engen Raum, den heute ein Menschenleib einnimmt, und der Mensch ist mit seinem Bewußtsein, mit seinem ganzen Tagesbewußtsein, außerhalb seines Leibes. Denn das hat bewirkt, daß der Mensch nicht das weiß, was da drinnen ist, wovon er früher wußte, sondern daß er von dem weiß, was außerhalb ist. Er ist herausgejagt worden durch die Öffnungen, die heute die Sinne sind, und ist heute in der Sinneswelt, und das, worin er war in urferner Vergangenheit, ist heute zusammengeschrumpft, das stellt sein Inneres dar.

Jetzt habe ich Ihnen eine Vorstellung gegeben, wie der Mensch durch hellseherische Betrachtung zu dem kommt, was man das Paradies nennt. So wurde in der Tat geleitet in den Mysterienschulen die menschliche Vorstellung hin zum Paradiese. Wo war das Paradies? fragen die Menschen. Das Paradies war in einer Welt, die allerdings heute in der Sinneswelt nicht mehr vorhanden ist.

Das Paradies hat sich zusammengeschrumpft, hat sich nur vervielfältigt; das Paradies hat als seinen letzten Erinnerungsrest zurückgelassen das physische Innere des Menschenleibes, nur ist der Mensch herausgejagt worden, er lebt nicht in seinem Inneren. Dieses Innere kann er erst auf die Art durch hellseherische Weise kennenlernen, wie wir es gesehen haben. Der Mensch weiß von den Dingen außerhalb, er weiß von dem, was vor seinen Augen steht, um seine Ohren herum ist; sonst wußte er, was drinnen ist, aber dieses Drinnen war groß, war das Paradies.

Versuchen Sie jetzt eine Vorstellung davon zu bekommen, daß tatsächlich der Mensch dadurch, daß er ein Wesen ist, welches das Bewußtsein über die äußere Sinneswelt verbreitet, die Welt, in der er wohnte, bevor er in die Sinneswelt eingetreten ist, zusammengedrängt hat zu den Welk- oder Schrumpfprodukten seines inneren Leibes. Dann bedienten sich die hier (siehe Zeichnung) den Menschen zuerst hinausstoßenden und dann nachwirkenden Wesenheiten des Ahriman und anderer Geister, deren Tätigkeit sie ins Gute verkehrten, und setzten die Gliedmaßen, Hände und Füße an, und hier das Antlitz, das sie formten, indem sie die Möglichkeit gaben, daß der Mensch sich durch Hände und Füße und durch das, was durch seine Sinnesorgane nach dem Inneren geht, bediente des zusammengeschrumpften Paradieses."[1]

Richtet sich dann der geistige Blick auf den im Schlaf zurückgelassenen Ätherleib, so beginnt in weiterer Folge die -> Grals-Imagination aufzuleuchten.

Lit.:
[1]Rudolf Steiner, Welche Bedeutung hat die okkulte Entwicklung des Menschen für seine Hüllen und sein Selbst?, GA 145 (1986), S 100 ff., Sechster Vortrag, Den Haag, 25. März 1913

(Literaturangaben folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz Email: verlag@rudolf-steiner.com URL: http://www.rudolf-steiner.com)

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http://www.anthroposophie.net/lexikon/db.php?id=178letzte Änderung: 2002-09-22

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