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Lexikon Anthroposophie

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Ich
der geistige Wesenskern des Menschen

Das höchste der vier grundlegenden Wesensglieder des Menschen und zugleich sein geistiger Wesenskern. Durch seine drei unteren Wesensglieder, die dem Menschen gleichsam naturhaft verliehen werden, ist der Mensch ein Geschöpf der göttlich-geistigen Welt wie alle anderen Erdenwesen auch. Durch sein Ich ist er berufen, zum Schöpfer seiner selbst zu werden, ja mehr noch, es kann sich überhaupt nur dadurch verwirklichen, dass es sich selbst erschafft. Denn das Ich ist rein geistiger Natur, und es liegt im Wesen des Geistes, dass er sich selbst erschaffen muss und durch nichts anderes als sich selbst erschaffen werden kann. Es ist von gleicher Art wie die göttliche Schöpferkraft selbst, gleichsam ein winziger Funke des großen geistigen Weltenfeuers.

"Leicht kann demgegenüber das Mißverständnis entstehen, als ob solche Anschauungen das Ich mit Gott für Eins erklärten. Aber sie sagen durchaus nicht, daß das Ich Gott sei, sondern nur, daß es mit dem Göttlichen von einerlei Art und Wesenheit ist. Behauptet denn jemand, der Tropfen Wasser, der dem Meere entnommen ist, sei das Meer, wenn er sagt: der Tropfen sei derselben Wesenheit oder Substanz wie das Meer? Will man durchaus einen Vergleich gebrauchen, so kann man sagen: wie der Tropfen sich zu dem Meere verhält, so verhält sich das «Ich» zum Göttlichen. Der Mensch kann in sich ein Göttliches finden, weil sein ureigenstes Wesen dem Göttlichen entnommen ist."

(Rudolf Steiner in GA 13 im Kapitel Wesen der Menschheit)

Entwicklungsgeschichtlich ist das Ich das jüngste aller Wesensglieder und daher noch entsprechend wenig ausgereift. Es wurde erst während unserer irdischen planetaren Entwicklungsstufe veranlagt. Blicken wir derart von unserem Ich auf zur göttlichen Welt, so muss uns das mit rechter Bescheidenheit erfüllen, zugleich aber - aus freiem Entschluss - die Verpflichtung in uns erwecken, das eigene Selbst immer weiter zu entwicklen und zu einem schöpferischen Quell im Dienste der künftigen Weltentwicklung zu machen. Denn auch das ist untrennbar mit dem Wesen des Geistes verbunden: sich selbst beständig an die Welt verschenken zu müssen. Geist ist tätig sich hinopfernde Liebe. Nur aus der unermeßlichen göttlichen Liebe konnte die ganze Schöpfung entspringen, und nur wenn der Mensch einen Funken dieser Liebe in sich rege macht, kann er sein individuelles Ich verwirklichen.

Das Ich entwickelt sich durch die Taten, die es auf Erden setzt. Diese Entwicklung kann unmöglich während eines einzigen Erdenlebens vollendet werden, sondern vollzieht sich in einer ganzen Reihe aufeinander folgender irdischer Inkarnationen. Darauf hat schon Lessing in seiner Erziehung des Menschengeschlechts (§ 92 - § 100) hingewiesen. Die Taten des einen Lebens bedingen dabei die veranlagten Fähigkeiten und das künftige Schicksal des Ichs in den weiteren Erdenleben. Das menschliche Ich untersteht damit den Gesetzen von Reinkarnation und Karma (vgl. dazu in GA 9 das Kapitel Wiederverkörperung des Geistes und Schicksal [Reinkarnation und Karma]).

Unser gegenwärtiges Selbstbewusstsein ahnt noch wenig von der wahren geistigen Natur unseres Ichs. Schicksalsschläge scheinen den Menschen völlig ungewollt und unerwartet wie zufällig von aussen zu treffen - und entspringen doch dem freien Entschluss unseres wahren höheren Ichs, das durch dieses Prüfungen und Herausforderungen nach geeigneten Wegen für seine weitere Entwicklung sucht. Je weiter die wahre Selbsterkenntnis des Menschen voranschreitet, desto mehr kann er aus der Einsicht in die geistigen Entwicklungsnotwendigkeiten seines individuellen Wesens zum bewussten Vollstrecker seines Schicksals werden. Das aus den unbewussten Tiefen der Seele wirkende Schicksal, das Karma, wird dadurch nach und nach zum bewussten Gesetz der Seele, das sich der individuelle Menschengeist selbst gibt. Dieses bewusste Gesetz der menschlichen Seele wird mit einem indischen Ausdruck auch als Dharma bezeichnet. Das nächste Ziel der menschlichen Entwicklung ist es, im Zuge der wiederholten Erdenleben Karma immer mehr in Dharma zu verwandeln. Ist dieses Ziel einmal erreicht, bedarf der Mensch, wie es Buddha erstmals ausgesprochen hat, für seine künftige Entwicklung keiner weiteren irdischen Verkörperungen mehr, sondern schreitet von da an auf einem rein geistigen Entwicklungspfad fort.

Der Gedanke, dass sich das menschliche Ich durch die Taten, die es aus freiem Willensentschluss setzt, weiterentwickelt, liegt schon Rudolf Steiners Die Philosophie der Freiheit (GA 4) zugrunde. Als Grundmaxime des freien Menschen gilt ihm:

"Leben in der Liebe zum Handeln und Lebenlassen im Verständnisse des fremden Wollens ist die Grundmaxime des freien Menschen."

(Rudolf Steiner, Die Philosophie der Freiheit (GA 4), im Kapitel IX DIE IDEE DER FREIHEIT)

(Literaturangaben folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz Email: verlag@rudolf-steiner.com URL: http://www.rudolf-steiner.com)

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http://www.anthroposophie.net/lexikon/db.php?id=18letzte Änderung: 2002-12-22

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