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Lexikon Anthroposophie

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Zucker
Zuckergenuß und Egoismus; Zuckerkrankheit

(siehe auch -> Ernährung, geistige Hintergründe, -> Ernährung, Milch, Fleischnahrung, Vegetarismus, künftige mineralische Ernährung, -> Ernährung, und Erziehung des Kindes)

Zuckergenuß steigert das Ich-Gefühl des Menschen, fördert aber dadurch auch den Egoismus:

"Direkt in das Blut aufgenommen werden ja nur Zucker und zuckerbildende Substanzen... Nun wissen Sie, daß das Blut der äußere materielle Ausdruck ist des Ich, daß das Ich sozusagen lebt und pulsiert im Blute. Wenn das Blut durch den Körper rinnt, ist es nicht nur die Materie, sondern auch das Ich, das durch alle Teile des Körpers hindurchrinnt. Aber das Blut ist von den drei Säften der einzige, der so intim mit der eigenen geistigen Wesenheit zusammenhängt. Am ehesten wird der Mensch Herr über sein Blut werden. Zwar sind heute die wenigsten schon so weit, daß ihr Ich Herr über ihr Blut ist, aber immer mehr wird der Mensch Einfluß darauf gewinnen...

Das Ich, wie es in unserer Zeit sich auslebt, ist der Träger der reinen Kombinationskraft, des Egoismus, da sie zunächst in unserer europäischen Kultur nur auf den Nutzen ausgeht. Wer das Leben beobachten kann, wird daraus entnehmen können die große Rolle, die der Zucker im Leben des Menschen spielt. Gerade dort, wo der Egoismus am meisten waltet, namentlich in seinen raffinierten Formen, da, wo er auftritt als wissenschaftliche Kritik, wo diese rein verstandesmäßig auftritt, da sehen Sie auch überall im geheimnisvollen Zusammenhange die Zuckerkrankheit! Dabei dürfen Sie aber nicht denken, daß der Einzelne, der davon befallen wird, unter diesem Gesichtspunkte betrachtet werden soll. Der Einzelne lebt eben nicht als Einzelner. Und Sie müssen sich auch die Erkenntnis aneignen, daß man dem Einzelnen nicht so einfach helfen kann. Denken Sie sich einmal einen Menschen, der in einer Sumpfgegend lebt: er kann erst gesund werden, wenn er diese Sumpfgegend verläßt. Man muß berücksichtigen, daß der Mensch in seiner Umgebung lebt. Und deshalb handelt es sich vor allen Dingen darum, einzusehen, daß wir uns selbstlos machen müssen, denn die Theosophie ist für die Gesamtheit da. Das ist sehr wichtig, daß man das durchgreifend versteht. Erst wenn die Menschen sich mehr und mehr entschließen werden, ihr Streben der ganzen Menschheit zu widmen, erst dann wird eine Atmosphäre sein, in der der Einzelne befreit sein wird. Wenn der Einzelne unschuldig zu dieser Zuckerkrankheit kommt, so ist das keine Instanz für die allgemeine Erkenntnis, die richtig in der Theosophie angegeben ist. Die Zuckerkrankheit hängt zusammen mit dem Überhandnehmen des Egoismus.

Sie können den prüfenden Blick schweifen lassen über zwei recht verschiedene Ländergebiete Europas. Schauen Sie nach Rußland zu den Bauern, wo das Ich-Gefühl erst im Keim vorhanden ist, und nach England, wo das starke Ich-Gefühl herrscht. Keine Kritik soll das sein, nur ein Konstatieren. Und nun sehen Sie nach dem Konsum des Zuckers; wieviel mehr in England als in Rußland Zucker konsumiert wird. Nun kann der eine oder andere sagen: Also, was sollen wir tun? Müssen wir, weil das richtig ist, einem Menschen anempfehlen, wenig Zucker zu essen, damit er selbstlos werde? - So bequem liegt die Wahrheit nicht. Die Menschen möchten am liebsten feste Regeln, die für alle Verhältnisse passen; eine Art gebundene Marschroute. Es gibt Menschen, die neigen durch ihre seelische und geistige Konstitution dazu, sich selbst leicht zu verlieren in eine fromme Form der Hingebung. Das ist etwas Gutes, das hilft ihnen zu den höchsten Seligkeiten der Erkenntnis. Aber das muß einen Gegenpol haben: solche müssen viel Zucker essen. Damit sie auf der Erde auch fest stehen, muß man ihnen viel Zucker geben. Andere dagegen sind überall darauf aus, ihr Selbst geltend zu machen, sie sind das Gegenteil von einer devotionellen Natur. Denen kann man Askese im Zuckergenuß anraten. So sehen wir, daß wir aus der Theosophie heraus uns die Fähigkeit aneignen müssen, allseitig zu werden, nicht aus der Abstraktion heraus rasch mit dem Urteil bereit zu sein."[1]

Wenn der Mensch eine geistige Schulung anstrebt, macht sich der Einfluß der Nahrungs- und Genußmittel besonders bemerkbar (siehe -> Ernährung, und okkulte Entwicklung):

Das wird ja insbesondere stark dann wahrgenommen, wenn es sich handelt um - das Erleben der Stärkesubstanz oder der Zuckersubstanz. Zucker ist besonders charakteristisch. Zucker differenziert sich ja zunächst im Geschmacksurteil sehr stark von anderen Substanzen. Diese Differenzierung kann man im gewöhnlichen Leben sehr gut bemerken, nicht nur an den Kindern, sondern auch manchmal an älteren Leuten an der Vorliebe, die da für Zuckersubstanz vorhanden ist; aber es geht gewöhnlich die Differenzierung nicht weiter als eben bis zu dem Geschmack. Wenn die Seele eine Entwicklung durchmacht, dann erlebt sie alles das, was sie an Zuckersubstanz aufnimmt oder in sich hat wie etwas, was ihr innerliche Festigkeit gibt, was sie innerlich stützt, was sie gewissermaßen mit einer Art natürlicher Egoität durchzieht. Und in dieser Beziehung darf sogar dem Zucker in einer gewissen Beziehung eine Art Lobrede gehalten werden. Gerade derjenige, der eine Seelenentwicklung durchmacht, kann oftmals bemerken, daß er es sogar oft nötig hat, etwas Zucker aufzunehmen, weil ja die seelische Entwicklung dahin gehen muß, immer selbstloser und selbstloser zu werden. Die Seele wird von selber selbstloser durch eine ordentliche anthroposophische Entwicklung. Damit nun der Mensch, der ja vermöge seiner physischen Hülle schon einmal eine Erdenmission hat, nicht sozusagen den Zusammenhang seines Ich-Organismus mit der Erde verliere, ist es geradezu gut, ein Gegengewicht im Physischen zu schaffen, wo ja die Egoität nicht eine so große Bedeutung hat wie im Moralischen. Durch den Zuckergenuß wird — man möchte sagen — eine Art unschuldiger Egoität geschaffen, die ein Gegengewicht bilden kann gegen die notwendige Selbstlosigkeit auf moralisch-geistigem Gebiete. Es würde sonst doch zu leicht die Versuchung da sein, daß der Mensch nicht nur selbstlos würde, sondern daß er auch träumerisch würde, phantastisch würde, den Zusammenhang verlieren würde mit einer gesunden Beurteilungsfähigkeit der irdischen Verhältnisse. Dazu trägt ein gewisser Zusatz von Zucker zu der Nahrung bei, einem die Möglichkeit zu geben, trotz allen Hinaufsteigens in die geistigen Welten mit beiden Beinen auf der Erde stehenzubleiben, eine gewisse gesunde Erdenansicht sich mit heranzukultivieren.

Sie sehen, die Dinge sind kompliziert; aber es wird alles kompliziert, wenn man in die wirklichen Geheimnisse des Lebens eindringen will. So fühlt zuweilen gerade der, welcher anthroposophisch in seiner Seele weiterkommt, daß ihm, damit er nicht einer falschen Selbstlosigkeit, nämlich einem Verlieren seiner Persönlichkeit ausgesetzt ist, ein Zuckergenuß zuweilen nottut. Und er erlebt dann den Zuckergenuß so, daß er sagt: Nun, so füge ich mir etwas bei, was mir, ohne daß ich mich moralisch herabstimme, wie unwillkürlich, wie in einem höheren Instinkte eine gewisse Festigkeit, eine gewisse Egoität gibt. Im ganzen kann man sagen, daß der Zuckergenuß physisch den Persönlichkeitscharakter des Menschen erhöht. Man kann das so stark behaupten, daß man wird sagen können, daß die Menschen — selbstverständlich darf das alles nur in gesunden Grenzen gehalten werden —, daß die Menschen, welche in einer gewissen Weise dem Zuckergenuß huldigen, es leichter haben, schon in ihrem physischen Leib ihren Persönlichkeitscharakter auszuprägen, als diejenigen, die es nicht tun. Diese Dinge können sogar zum Verständnis dessen führen, was man auch äußerlich beobachten kann. In Ländern, wo nach der Statistik wenig Zucker genossen wird, sind die Menschen weniger mit Persönlichkeitscharakter ausgestattet als in Ländern, wo mehr Zucker genossen wird. Gehen Sie in die Länder, wo die Menschen mehr persönlich auftreten, wo jeder sozusagen sich in sich fühlt, und dann von da in Länder, wo die Menschen, man möchte sagen, mehr den allgemeinen Volkstypus haben, unpersönlicher sind schon in der äußeren physischen Natur, so werden Sie finden, daß in ersteren Ländern viel und in den letzteren wenig Zucker konsumiert wird."[2]

Lit.:
[1]Rudolf Steiner, Natur- und Geistwesen. Ihr Wirken in unserer sichtbaren Welt., GA 98 (1983), S 203 ff., Stuttgart, 11. Februar 1908
[2]Rudolf Steiner, Welche Bedeutung hat die okkulte Entwicklung des Menschen für seine Hüllen und sein Selbst?, GA 145 (1986), S 33 ff., Zweiter Vortrag, Den Haag, 21. März 1913

(Literaturangaben folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz Email: verlag@rudolf-steiner.com URL: http://www.rudolf-steiner.com)

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http://www.anthroposophie.net/lexikon/db.php?id=182letzte Änderung: 2002-09-23

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