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Lexikon Anthroposophie

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Weihnachtsbaum
der Christbaum als ein Sinnbild für den Paradiesesbaum

(siehe auch -> Baum der Erkenntnis - Baum des Lebens, physischer Leib - Ätherleib)

"Sehen Sie, der Christbaum ist etwas Schönes, etwas, das in sehr anmutendem Sinne zu unserem Gemüte spricht. Aber der Christbaum ist nicht etwas Altes, der Weihnachtsbaum ist kaum zwei Jahrhunderte alt. Er hat sich verhältnismäßig schnell in europäischen Gegenden eingebürgert, aber er ist doch erst in der neueren Zeit zum Schmucke des Weihnachtsfestes entstanden. Was stellt er uns denn eigentlich dar? Er stellt uns die schöne, die liebenswürdige, sympathische Seite desjenigen dar, was auch in einer anderen Weise, in einer weniger sympathischen, in einer weniger anmutigen Weise uns in der neueren Menschheitsentwickelung vor die Seele tritt. Man mag noch so tief forschen nach den Impulsen, aus denen der Weihnachtsbaum in der neueren, neuesten Zeit eigentlich hervorgegangen ist, man wird nur geheimnisvolle Empfindungen finden, aus denen der Weihnachtsbaum entstanden ist. Aber diese geheimnisvollen Empfindungen tendieren alle dahin, daß wir im Weihnachtsbaume doch etwas zu sehen haben wie ein Symbolum des Paradiesesbaumes. Was aber besagt uns dieses? Es besagt uns, daß die Menschen doch immer fremder und fremder geworden sind demjenigen, was sich ihrer Empfindung darbot, als diese Empfindung sich richtete hin nach der Krippe, nach dem Geburtsmysterium des Christus Jesus, nach dem, was im Beginne unserer Zeitrechnung sich zugetragen hat; daß der neueren Menschheit dieses Wiedergeborenwerden des Menschen in der Seele in einer gewissen Weise abhanden gekommen ist und diese neuere Menschheit von dem Christus-Baum, der das Kreuz darstellt, zurückblicken will nach jenem Ursprünge, der noch nichts weiß von dem Christus: nach dem Ursprünge der Erdenmenschheit selber, nach dem natürlichen Ausgangspunkte des Menschheitswerdens, von Christus ab zurück zum Paradiese, von der Feier des Weihnachtstages, des 25. Dezembers, zu der Feier des Adam- und Eva-Festes, des 24. Dezembers.

Es ist schön geworden, weil ja der Menschheitsursprung auch schön ist als Paradiesesursprung, was sich da hingestellt hat, aber es ist eine Ablenkung von dem eigentlichen Geburtsmysterium des Christus Jesus. Es hat bewahrt alle Tiefe und Innigkeit des Empfindens, dieses Hinschauen zum Weihnachtsbaume, und es tröstet dieses Hinschauen zum Weihnachtsbaume, das in jedem Jahre aus der Innigkeit des Menschengemütes bei denen auftritt, die guten Willens sind, es tröstet dieses Hinschauen zum Weihnachtsbaume über das andere, das nun in weniger sympathischer Weise in der neueren Zeit abgelenkt hat von dem Christus-Mysterium und hinführt zu den ursprünglich-natürlichen Geburtskräften der Menschwerdung.

Christus Jesus ist hingetreten unter ein Volk, das den Jahve, den Jehova verehrt hat, jenen Jahvegott, der zusammenhängt mit alledem, was natürliches Dasein ist, der da lebt im Blitz und Donner, der da lebt im Gange der Wolken, der Sterne, der da lebt in dem rauschenden Quell, dem Strom, der da lebt im Wachstum der Pflanzen, Tiere und Menschen. Jahve ist derjenige Gott, der, wenn man sich mit ihm allein verbindet, dem Menschen niemals das volle Menschtum geben kann. Denn er gibt dem Menschen das Bewußtsein seiner natürlichen Geburt, allerdings mit ihrem geistigen Einschlag von Kräften, die nicht bloß natürlich sind, aber er gibt dem Menschen nicht das Bewußtsein von seiner Wiedergeburt, die er sich erwerben muß durch etwas, was ihm nicht durch natürlich-sinnlich-physische Kräfte gegeben werden kann. Und so sehen wir denn, wie abgelenkt worden ist die neuere Menschheit von dem Christus Jesus, für den es keinen Unterschied gibt der Klassen, keinen Unterschied der Völker, keinen Unterschied der Rassen, für den es nur ein einziges Menschtum gibt, wie abgelenkt worden sind die Gedanken, die Empfindungen der neueren Menschheit zu dem, was durch das Mysterium des Geborenwerdens des Christus Jesus schon überwunden war: zu dem hin, was nur zugrunde liegt den natürlichen Kräften der Menschheitsentstehung, die zusammenhängen mit der Menschheitsdifferenzierung in Klassen, in Völker, in Rassen. Und wenn es der eine Jahve war, welchen das Judenvolk verehrt hat, als der Christus Jesus ankam, so sind die neueren Völker zurückgekehrt zu den vielen Jahves! Denn das, was aus den heutigen nationalen Prinzipien heraus die Völker verehren - wenn es auch nicht mehr mit den alten Namen bezeichnet wird, was sie so verehren, daß sie sich trennen in Nationen, daß sie sich befehden als Nationen -, es sind Jahves. Und wir erleben es, daß die Völker in blutigen Kriegen miteinander kämpfen und daß ein jedes sich unter Umständen auf den Christus beruft. Es ist aber in Wahrheit nicht der Christus, auf den sich dann die Völker berufen, es ist nur ein Jahve, nicht der einige Jahve, sondern ein Jahve. Die Menschen sind bloß zu ihm zurückgekehrt. Die Menschen haben vergessen, wie ein Fortschritt darinnen lag, daß von dem Jahveprinzip zu dem Christus-Prinzip vorgeschritten worden ist. Das ist das andere.

In schöner Weise führt uns der Weihnachtsbaum zurück zu dem Menschenursprung, in häßlicher Weise führt uns zurück das die Völker ergreifende Jahveprinzip. Tatsache ist, daß sie dasjenige, was nur ein Jahve ist, durch eine innere Empfindungslüge oftmals als den Christus ansprechen, also den Christus-Namen im Grunde genommen mißbrauchen. In furchtbarer Weise wird der Christus-Name in der Gegenwart mißbraucht, und wir finden nicht die wirkliche Vertiefung des Empfindens, die wir heute brauchen, um das Weihnachtsmysterium wiederum in der richtigen Weise in uns zu erfühlen, wenn wir nicht klar einsehen, wie wir wiederum den Weg suchen müssen, um diese Empfindung gegenüber dem Christus Jesus zu finden. Wir brauchen ein neues Verständnis desjenigen, was uns überliefert worden ist, auch in bezug auf die Geburt des Christus Jesus."[1]

"So fühlen wir in dem Sinn des Weihnachtsfestes etwas herüberklingen aus den ältesten Zeiten der Menschheit. Und das ist zu uns herübergekommen in der besonderen Färbung des Christentums. In seinen Symbolen finden wir Sinnbilder für die ältesten Symbole der Menschheit. Auch der Lichterbaum ist ein solches Symbol. Er ist uns ein Sinnbild für den Paradiesesbaum. Dieser Paradiesesbaum stellt innerhalb des Paradieses das Belebende und Erkennende dar. Das Paradies selbst stellt dar die ganze umfassende materielle Natur. Die Darstellung der geistigen Natur ist der Baum inmitten derselben, der die Erkenntnis umschließt, und der Baum des Lebens. Errungen werden kann die Erkenntnis nur auf Kosten des Lebens.

Eine Erzählung gibt es, die den Sinn dessen gibt, was der Baum der Erkenntnis und der Baum des Lebens bedeuten: Seth stand vor dem Tore des Paradieses und begehrte Einlaß. Der Cherub, der den Eingang hütete, ließ ihn herein. Das will sagen: Seth wurde ein Eingeweihter. Als Seth nun im Paradiese war, fand er, daß der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis fest ineinander verschlungen waren. Der Erzengel Michael - der vor Gott steht - erlaubte ihm, daß er drei Samenkörner nehmen dürfe von diesem verschlungenen Baume.

Dieser Baum steht da als prophetischer Hinweis auf die Zukunft der Menschheit: wenn die ganze Menschheit die Erkenntnis gefunden hat und eingeweiht sein wird, dann wird sie nicht nur den Baum der Erkenntnis in sich tragen, sondern auch den anderen Baum, den des Lebens. Der Tod wird dann nicht mehr sein. Vorläufig aber darf nur der Eingeweihte von diesem Baum die drei Samenkörner nehmen, diese drei Körner, die da bedeuten die drei höheren Glieder des Menschen.

Als Adam starb, gab Seth diese drei Körner ihm in den Mund, und es erwuchs aus dem Grabe Adams heraus ein flammender Busch, der die Eigenschaft hatte, daß sich aus dem Holz, das von ihm abgeschnitten wurde, immer neue Triebe und Blätter entwickelten. Innerhalb des Flammenkreises des Busches aber steht geschrieben: «Ehjeh asher ehjeh», das heißt: Ich bin, der da war, der da ist, der da sein wird. - Das bedeutet dasjenige, was durch alle Inkarnationen durchgeht: die Kraft des sich immer wieder erneuernden, werdenden Menschen, der herniedersteigt aus dem Lichte zur Finsternis und hinaufsteigt aus der Finsternis zum Lichte.

Jener Stab, mit dem Moses seine Wunder verrichtet hat, ist geschnitten aus dem Holz dieses Busches. Das Tor des Salomonischen Tempels ist aus ihm bereitet. Hinausgetragen wurde dieses Holz in den Teich Bethesda, und der Teich erhielt von ihm jene Kraft, von der uns erzählt wird. Und von demselben Holz ist geformt das Kreuz des Christus Jesus, das Holz des Kreuzes, das uns zeigt das absterbende, das im Tode vergehende Leben, das aber die Kraft in sich hat, neues Leben hervorzubringen. Das große Weltensymbolum steht da vor uns: das Leben, das den Tod überwindet. Das Holz dieses Kreuzes, das ist erwachsen aus den drei Samenkörnern des Paradiesesbaumes.

Auch im Rosenkreuz ist jenes Symbolum ausgedrückt, jenes Ersterben des Niederen, und daraus hervorsprießend die Auferstehung des Höheren, in den roten Rosen, was Goethe ausgedrückt hat in den Worten:

Und so lang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.

Ein wunderbarer Zusammenhang zwischen dem Baum des Paradieses und dem Kreuzesholz! Ist auch das Kreuz ein Symbolum für Ostern, empfangen wir doch auch für die Weihnachtsstimmung aus ihm eine Vertiefung. Wir empfinden in ihm, was in der Christus-Idee in dieser Geburtsnacht des Christus Jesus im neuen, quellenden Leben uns entgegenströmt. Angedeutet sehen wir diese Idee in den lebenden Rosen, die diesen Baum hier schmücken. Sie sagen uns: der Baum der Weihe-Nacht ist noch nicht zum Holze des Kreuzes geworden, aber die Kraft, zu diesem Holz zu werden, beginnt in ihm ihren Aufstieg zu nehmen. Die Rosen, die aus dem Grün erwachsen, sind ein Symbol des Sieges des Ewigen über das Zeitliche.

In dem pythagoreischen Quadrat finden wir das Symbol, das die Vierheit des Menschen deutet: den physischen Leib, den Ätherleib, den Astralleib und das Ich.

Für die höhere Dreiheit des Menschen steht das Dreieck als Symbol für das Geistselbst, den Lebensgeist und den Geistesmenschen.

Das, was darüber steht, ist das Symbol für Tarok.

Diejenigen, die eingeweiht waren in die ägyptischen Mysterien, verstanden das Zeichen zu lesen. Sie verstanden auch das Buch Thoth zu lesen, das aus achtundsiebzig Kartenblättern bestand, in welchen alle Weltgeschehnisse vom Anfang bis zum Ende, von Alpha bis Omega A O, verzeichnet waren und die man lesen konnte, wenn man sie in der richtigen Reihenfolge verband und zusammensetzte.

Es enthielt in Bildern das Leben, das zum Tode erstirbt und wieder aufsprießt zu neuem Leben. Wer die richtigen Zahlen und die richtigen Bilder miteinander vereinen konnte, der konnte in ihm lesen. Und diese Zahlenweisheit, diese Bilderweisheit, wurde seit Urzeiten gelehrt. Sie spielte noch im Mittelalter eine große Rolle, zum Beispiel bei Raimundus Lullus, doch heute ist nicht mehr viel davon vorhanden.

Darüber steht das Taozeichen, jenes Zeichen, das uns an die Gottesbezeichnung unserer uralten Vorfahren erinnert. Bevor Europa, Asien, Afrika Kulturland war, lebten diese alten Vorfahren in der Atlantis, die in Fluten untergegangen ist. In den germanischen Sagen lebt noch die Erinnerung an diese Atlantis in den Sagen von Niflheim, dem Nebelheim. Denn Atlantis war nicht von reiner Luft umgeben. Große, mächtige Nebelmassen umwogten das Land, ähnlich wie man sie heute sieht, wenn man im Hochgebirge durch Wolken und Nebelmassen zieht. Sonne und Mond standen nicht klar am Himmel, sie waren für die Atlantis umgeben von Regenbogenringen - von der heiligen Iris. Damals verstand der Mensch noch viel mehr die Sprache der Natur. Was heute im Plätschern der Wellen, im Rauschen des Windes, im Säuseln der Blätter, im Grollen des Donners zum Menschen spricht, aber nicht mehr von ihm verstanden wird, das war dem alten Atlantier damals verständlich. Er empfand aus allem heraus ein Göttliches, das zu ihm redete. Innerhalb all dieser sprechenden Wolken und Wasser und Blätter und Winde ertönte den Atlantiern ein Laut: Tao - das bin ich. - In diesem Laut lebte das eigentliche Wesen, das durch die ganze Natur geht. Atlantis vernahm ihn. Dieses Tao drückte sich später aus in dem Buchstaben T. Auf ihm steht ein Kreis, das Zeichen der alles umfassenden göttlichen Vaternatur.

Endlich alles, was das Weltall durchsetzt und was da ist als der Mensch, ist bezeichnet in dem Symbol des Pentagramms, das uns von der Spitze des Baumes herunter grüßt. Der tiefste Sinn des Pentagramms darf jetzt nicht besprochen werden. Es zeigt uns den Stern der sich entwickelnden Menschheit. Es ist der Stern, das Symbol des Menschen, dem alle Weisen folgen, so wie ihm in Vorzeiten die Priesterweisen folgten. Es ist der Sinn der Erde, der große Sonnenheld, der geboren wird in der Weihe-Nacht, weil das höchste Licht aus der tiefsten Finsternis herausstrahlt.

Der Mensch lebt hinein in eine Zukunft, wo das Licht in ihm geboren werden soll, wo abgelöst werden soll ein bedeutungsvolles Wort durch ein anderes, wo es nicht mehr heißen wird, daß die Finsternis das Licht nicht begreifen kann, sondern wo die Wahrheit hinaustönen wird in den Weltenraum und wo die Finsternis das Licht, das uns entgegenstrahlt in dem Stern der Menschheit, begreifen wird, wo die Finsternisse weichen und das Licht begreifen, das heißt, von ihm ergriffen werden. Und das soll uns aus der Weihnachtsfeier entgegentönen aus unserem Inneren. Dann wird das Weihnachtsfest in seiner tiefen, uralten Bedeutung erst richtig gefeiert werden von uns, denn dann weist es uns darauf hin, daß aus dem Inneren des Menschen hervorleuchten wird das geistige Licht, hinausstrahlen wird in alle Welt. Und als ein Fest des höchsten Ideals der Menschheit werden wir das Christfest feiern können. Es wird dann wieder eine Bedeutung für uns haben, es wird wieder lebendig werden in unserer Seele, und auch der Weihnachtsbaum wird dann wieder als Symbol des Paradiesesbaumes eine richtigere Bedeutung haben, als sie ihm selbst in der sinnvollsten Weise heute gegeben wird. In unserer Seele wird aber die Feier der Weihe-Nacht entstehen lassen die freudevolle Zuversicht: Ja, auch ich werde in mir dasjenige erleben, was man nennen muß die Geburt des höheren Menschen, auch in mir wird stattfinden die Geburt des Heilandes, die Geburt des Christos."[2]

Lit.:
[1]Rudolf Steiner, Die Brücke zwischen der Weltgeistigkeit und dem Physischen des Menschen, GA 202 (1980), S 216 ff., Dreizehnter Vortrag, Basel, 23. Dezember 1920
[2]Rudolf Steiner, Ursprungsimpulse der Geisteswissenschaft, GA 96 (1989), S 196 ff., Berlin, 17. Dezember 1906

(Literaturangaben folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz Email: verlag@rudolf-steiner.com URL: http://www.rudolf-steiner.com)

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http://www.anthroposophie.net/lexikon/db.php?id=197letzte Änderung: 2002-09-27

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