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Lexikon Anthroposophie

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Wesensglieder
ihre unterschiedliche Entwicklungsgeschwindigkeit

Die -> Wesensglieder des Menschen entwickeln sich mit unterschiedlicher Geschwindigkeit. Am schnellsten schreitet der physische Leib in seiner Entwicklung voran, am langsamsten das menschliche Ich:

Physischer Leib 4:4 =  1
Ätherleib 3:4 = 3/4
Astralleib 2:4 = 1/2
Ich 1:4 = 1/4

Dieses unterschiedliche Entwicklungstempo der Wesensglieder darf nicht verwechselt werden mit den ganz anders gearteten inneren Rhythmen, die ihr Dasein prägen -> Wesensglieder, Rhythmen der Wesensglieder und ihre Widerspiegelung in den kosmischen Verhältnissen.

"Fassen wir noch einmal ins Auge ..., daß wir diese vierfache Natur zunächst haben: den physischen Leib, den Bildekräfte- oder Ätherleib, den astrahschen Leib und das Ich. Wenn man so vom Standpunkte des gewöhnlichen wachen Bewußtseins aus redet und fragt: Wie alt ist eigentlich ein Mensch, dieser bestimmte Mensch A, wie alt ist er? — Nun, da wird irgend jemand sein Alter angeben, sagen wir fünfunddreißig Jahre, und er glaubt, damit etwas Ernsthaftes gesagt zu haben. Er hat auch für den physischen Plan und das gewöhnliche Wachbewußtsein etwas Ernsthaftes damit gesagt, daß er fünfunddreißig Jahre alt sei. Aber für die geistige Welt, also für die Gesamtwesenheit des Menschen, ist damit nur teilweise etwas gesagt. Denn Sie können eigentlich, wenn Sie sagen, ich bin fünfunddreißig Jahre alt, dies nur für Ihren physischen Leib sagen. Sie müßten sagen: Mein physischer Leib ist fünfunddreißig Jahre alt - dann würde die Sache stimmen. Für den ätherischen oder Bildekräfteleib, für die ändern Glieder der menschlichen Wesenheit haben Sie aber damit noch gar nichts gesagt. Denn daß Ihr Ich zum Beispiel auch fünfunddreißig Jahre alt sein soll, wenn Ihr physischer Leib fünfunddreißig Jahre alt ist, das ist eine bloße Illusion, das ist sogar eine reine Phantasterei. Denn sehen Sie, hier tritt auf der Begriff verschieden geschwinder, verschieden schneller Entwickelung der verschiedenen Glieder der menschlichen Natur.

Das können Sie sich durch folgende Zahlen klarmachen. Der Mensch wird, sagen wir sieben Jahre alt; das heißt aber nichts anderes als: sein physischer Leib ist sieben Jahre alt geworden. Dann ist deshalb sein Ätherleib, sein Bildekräfteleib noch nicht sieben Jahre alt, sondern sein Bildekräfteleib macht nicht so schnell mit; der ist noch nicht so alt geworden. Man kommt auf diese Dinge nur deshalb nicht, weil man die Zeit sich eben so als einen einheitlich dahinlaufenden Strom vorstellt und man sich gar nicht denken kann, daß innerhalb der Zeit verschiedenes mit verschiedener Geschwindigkeit vorwärtsgeht. Dieser physische Leib, der sieben Jahre ist, der hat sich mit einer gewissen Geschwindigkeit entwickelt. Langsamer hat sich entwickelt der Ätherleib, noch langsamer der astralische Leib, und am langsamsten das Ich. Dieser Ätherleib ist erst fünf Jahre drei Monate alt, wenn der physische Leib sieben Jahre alt ist, weil er ein langsameres Tempo durchmacht. Der astralische Leib ist drei Jahre sechs Monate alt. Und das Ich ist ein Jahr neun Monate alt. So daß Sie sich sagen müssen, wenn ein Kind sieben Jahre alt ist, so ist sein Ich erst ein Jahr neun Monate alt. Es macht dieses Ich eine langsamere Entwickelung durch auf dem physischen Plane. Es geht dieses Ich auf dem physischen Plane ein langsameres Tempo, jenes langsamere Tempo, welches auch das Tempo ist, das man gemeinschaftlich mit den Toten durchleben kann. Warum faßt denn der Mensch dasjenige, was im Strom des Erlebens der Toten stattfindet, nicht auf? Weil er sich nicht angewöhnt, das langsamere Tempo einzuschlagen im Halten von Gedanken, im Halten von Gefühlen namentlich, in dem die Toten verharren.

Ist also ein Mensch achtundzwanzig Jahre alt seinem physischen Leibe nach, so ist sein Ich erst sieben Jahre alt. Sie können also nur den Anspruch darauf machen, daß Sie in bezug auf Ihr Ich, was das Eigentliche Ihrer Wesenheit ist, ein viel langsameres Tempo einhalten in der Entwickelung als in bezug auf den physischen Leib. Die Schwierigkeit besteht darinnen, daß man sonst Geschwindigkeiten nur als äußere Geschwindigkeiten auffaßt. Wenn die Dinge nebeneinander hinlaufen, so sagt man: Eines geht schneller und das andere geht langsamer - weil man die Zeit zum Vergleich hat. Aber hier ist die Geschwindigkeit in der Zeit verschieden. Ohne diese Einsicht aber, daß die verschiedenen Glieder der menschlichen Natur verschiedenes Tempo haben zu ihrer Entwickelung, ist es unmöglich, dasjenige einzusehen, was mit der eigentlichen tieferen Wesenheit des Menschen zusammenhängt.

Sie sehen aber daraus, wie man im gewöhnlichen Bewußtsein eigentlich ganz verschiedene Dinge, die in der menschlichen Natur sind, einfach zusammenwirft. Der Mensch hat diese viergliederige Wesenheit, und die vier Glieder dieser Wesenheit sind so voneinander verschieden, daß sie sogar verschiedenes Alter haben. Der Mensch aber gibt sich dadurch einer beträchtlichen Illusion hin, daß er alles auf seinen physischen Leib bezieht. Er sagt etwas, was schlechterdings vor der geistigen Welt gar keinen Sinn hat, wenn er behauptet, sein Ich sei achtund-zwanzig Jahre alt, wenn er seinem physischen Leibe nach achtundzwan-zig Jahre alt ist. Es hätte nur einen Sinn, wenn er dann sagen würde: Mein Ich ist sieben Jahre alt - wobei aber dann ein Jahr selbstverständlich viermal so lang ist.

Man könnte die Sache auch so ausdrücken: die vier verschiedenen Glieder der menschlichen Wesenheit rechnen nach ganz verschiedenen Zeitmaßen. Das Ich rechnet einfach ein Jahr viermal so lang als der physische Leib. Und bildhaft könnten Sie sich das so vorstellen, wenn Sie es sich projizieren wollten auf den physischen Plan heraus. Während zum Beispiel ein Mensch normal wächst, achtundzwanzig Jahre alt wird, wachse ein Kind langsamer und sei nach achtundzwanzig Jahren ein siebenjähriges Kind. So zunächst erscheint die ganze Sache wie eine abstrakte Wahrheit, aber es ist im Menschen eine gründliche Wirklichkeit. Denn denken Sie doch, daß wir in unserem Ich dasjenige tragen, was wir unseren Verstand, unser selbstbewußtes Denken nennen. Wenn wir in unserem Ich unseren Verstand, unser selbstbewußtes Denken haben, dann sind unser Verstand und unser selbstbewußtes Denken eigentlich wesentlich jünger, als wir scheinbar unserem physischen Leibe nach sind. Das sind sie auch, das sind sie wirklich!

Ja, da kommen Sie aber darauf, einzusehen: wenn ein solcher Mensch achtundzwanzig Jahre alt ist und den Eindruck eines achtundzwanzigjährig entwickelten Verstandes macht, so ist das, was sein Eigen ist von diesem Verstand, den er hat, nur ein Viertel. Es hilft nichts: wenn wir mit achtundzwanzig Jahren eine gewisse Summe von Verstand haben - uns eigen ist nur ein Viertel davon, das andere gehört der allgemeinen Welt an; das andere gehört der Welt an, in die wir eingetaucht sind durch unseren astralischen Leib, durch unseren Ätherleib, durch unseren physischen Leib. Aber von denen wissen wir ja unmittelbar nur durch Vorstellungen, durch Sinneswahrnehmungen etwas, also auch wiederum im Ich. Das heißt, wenn wir als Menschen uns entwickeln zwischen der Geburt und dem Tode, so sind wir eigentlich rechte Scheinwesen der Wirklichkeit. Wir machen den Eindruck von viermal so gescheiten Wesen, als wir in Wirklichkeit sind. Das ist wahr! Alles, was wir außer jenem Viertel haben, das verdanken wir dem, was da waltet im historischen, im sozialen, im moralischen Wirken jener Welt, die wir verträumen, die wir verschlafen. Träume, Schlafimpulse, die wir mit der Allgemeinheit gemein haben, brodeln herauf über den Horizont unseres Daseins und befruchten unser Verstandes- und Seelenviertel und machen es viermal so stark, als es in Wirklichkeit ist.

Hier ist der Punkt, wo die Täuschung entsteht in bezug auf die Freiheit des Menschen. Der Mensch ist ein freies Wesen; das ist er schon. Aber nur der wahre Mensch ist ein freies Wesen - jenes Viertel, von dem ich eben gesprochen habe, das ist ein freies Wesen. Die ändern drei Viertel, in die spielen andere Wesenheiten herein; die können nicht frei sein. Und dadurch entsteht die Täuschung in bezug auf die Freiheit, daß man immer fragt: Ist der Mensch frei oder ist er nicht frei? Frei ist der Mensch, wenn er diesen Begriff der Freiheit bezieht auf das eine Viertel seines Wesens in dem Sinne, wie ich das jetzt auseinandergesetzt habe. Will der Mensch diese Freiheit als einen eigenen Impuls haben, dann muß er allerdings dieses Viertel in entsprechend selbständiger Weise entwickeln. Im gewöhnlichen Leben kann dieses Viertel nicht zu seinem Rechte kommen, aus dem einfachen Grunde, weil es von den übrigen drei Vierteln überwältigt wird. In den übrigen drei Vierteln wirkt alles dasjenige, was der Mensch in sich trägt als seine Triebe, seine Begierden, seine Affekte, seine Leidenschaften. Die ertöten seine Freiheit, denn durch die Triebe, durch die Affekte, durch die Leidenschaften wirkt dasjenige hindurch, was an Impulsen in der Allgemeinheit ist."[1]

Lit.:
[1]Rudolf Steiner, Geschichtliche Notwendigkeit und Freiheit. Schicksalseinwirkungen aus der Welt der Toten., GA 179 (1977), S 92 ff., Fünfter Vortrag, Dornach, 15. Dezember 1917

(Literaturangaben folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz Email: verlag@rudolf-steiner.com URL: http://www.rudolf-steiner.com)

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http://www.anthroposophie.net/lexikon/db.php?id=209letzte Änderung: 2002-10-03

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