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Lexikon Anthroposophie

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Tore in die geistige Welt
die Tore des Todes, der Elemente und der Sonne; Kopf- und Bauchhellsehen

(siehe auch -> Hellsehen, Kopf-, Brust- und Bauchhellsehen)

"Durch drei Tore kann man gewissermaßen in die geistige Welt eintreten. Das erste kann man nennen das Tor des Todes, das zweite Tor kann man nennen das Tor der Elemente und das dritte kann man nennen das Tor der Sonne. Derjenige, der den vollen Erkenntnisweg gehen will, der muß durch alle drei Tore den Erkenntnisweg nehmen.

Das Tor des Todes ist seit uralten Zeiten immer wiederum da, wo man von Mysterienwahrheiten gesprochen hat, wirklich besprochen worden. Dieses Tor des Todes kann nicht erreicht werden, wenn wir es nicht zu erreichen suchen durch dasjenige, was uns ja hinlänglich bekannt ist unter dem Namen Meditation, das heißt Hingabe an irgendwelche, gerade für unsere Individualität geeignete Gedanken oder Empfindungen, die wir so in den Mittelpunkt unseres Bewußtseins hineinstellen, daß wir uns ganz mit ihnen identifizieren. Natürlich erlahmt sehr leicht gerade auf diesem Wege die menschliche Anstrengung, weil es ja wirklich Unbequemlichkeit und Überwindung von inneren Hemmnissen gibt und geben muß, wenn man immer wiederum die stillen intimen Anstrengungen zu machen hat, sich den gegebenen Gedankenmassen, den gegebenen Empfindungen so hinzugeben, daß man die ganze Welt vergißt und nur in diesen Gedanken, in diesen Empfindungen lebt. Aber man wird eben, wenn man das immer wiederum zustandebringt, in die Lage kommen, in dem Gedanken, den man in den Mittelpunkt des Bewußtseins rückt, nach und nach etwas wahrzunehmen wie eine Art selbständigen Lebens dieses Gedankens. Man wird das Gefühl bekommen: bisher hast du diesen Gedanken immer nur gedacht; du hast den Gedanken in den Mittelpunkt des Bewußtseins gestellt; jetzt fängt er aber an, ein eigenes Leben, eine eigene innere Regsamkeit zu entwickeln. Es ist, wie wenn man in die Lage käme, ein Wesen wirklich in sich hervorzubringen. Der Gedanke fängt an, ein innerliches Gebilde zu werden. Das ist der wichtige Moment, wenn man merkt, daß dieser Gedanke, diese Empfindung ein Eigenleben hat, so daß man sich gleichsam wie die Hülle dieses Gedankens, dieser Empfindung fühlt. So daß man sich sagen kann: deine Anstrengungen haben dich dazu gebracht, einen Schauplatz abzugeben, auf dem sich etwas entwickelt, was jetzt durch dich zu einem eigenen Leben kommt.

Dieses eigene Erwachen, dieses sich Beleben des meditativen Gedankens, das ist ein bedeutungsvoller Moment im Leben des Meditanten. Dann merkt er, daß er von der Objektivität des Geistigen ergriffen ist, daß sich gewissermaßen die geistige Welt um ihn kümmert, daß sie an ihn herangetreten ist. Natürlich ist es nicht so einfach, bis zu diesem Erleben zu kommen, denn man muß, bevor man zu diesem Erleben kommt, mancherlei Empfindungen durchmachen, die der Mensch aus einem natürlichen Gefühl heraus nicht ganz gerne durchmacht. Ein gewisses Gefühl der Vereinsamung zum Beispiel, ein Gefühl der Einsamkeit, ein Gefühl der Verlassenheit muß man durchmachen. Man kann nicht die geistige Welt ergreifen, ohne sich vorher gewissermaßen von der physischen Welt verlassen zu fühlen, zu fühlen, daß diese physische Welt manches tut, was uns wie zermürbt, wie zermalmt. Aber durch solches Gefühl der Vereinsamung hindurch müssen wir dahin kommen, erst ertragen zu können diese innere Lebendigkeit, zu der der Gedanke erwacht, ich möchte sagen, sich gebiert. Vieles, vieles widerstrebt nun dem Menschen; im Menschen selbst widerstrebt vieles dem Menschen, was zur richtigen Empfindung führen kann von diesem innerlichen Beleben des Gedankens. Namentlich ist es ein Gefühl, zu dem wir kommen, ein inneres Erlebnis, zu dem wir kommen und das wir eigentlich nicht haben wollen. Aber wir gestehen uns zugleich nicht, daß wir es nicht haben wollen, sondern wir sagen: Ach, das kannst du doch nicht erreichen! - Dabei schläfst du ein. Dabei verläßt dich dein Denken, die innere Spannkraft will nicht mitgehen. Kurz, man wählt unwillkürlich allerlei Ausreden, denn das, was man erleben muß, das ist, daß der Gedanke, indem er sich so belebt, eigentlich wirklich wesenhaft wird. Er wird wesenhaft, er bildet sich zu einer Art von Wesen aus. Und man hat dann die Schauung - nicht bloß das Gefühl -: der Gedanke ist zuerst wie, man möchte sagen, ein kleiner Keim, rundlich, und wächst sich dann aus zu einem bestimmt gestalteten Wesen, das von außen in unser Haupt hinein sich fortsetzt, so daß der Gedanke einem diese Aufgabe stellt: du hast dich mit ihm identifiziert, nun bist du in dem Gedanken drinnen, und nun wächst du mit dem Gedanken in dein eigenes Haupt hinein; aber du bist im wesentlichen noch draußen. Der Gedanke nimmt die Form an wie ein geflügelter Menschenkopf, der ins Unbestimmte ausläuft und sich dann hineinerstreckt in den eigenen Leib durch das Haupt. Der Gedanke wächst sich also aus wie zu einem geflügelten Engelskopf. Dies muß man tatsächlich erreichen. Es ist schwierig, dieses Erlebnis zu haben, deshalb will man wirklich glauben, in diesem Moment, wo der Gedanke sich also auswächst, alle Möglichkeit des Denkens zu verlieren. Man glaubt, man werde sich selbst genommen in diesem Augenblick. Das aber fühlt man wie einen zurückgelassenen Automaten, was man als seinen Leib bisher gekannt hat und wo hinein der Gedanke sich erstreckt.

Außerdem sind in der objektiven geistigen Welt allerlei Hindernisse vorhanden, uns dieses sichtbar zu machen. Dieser geflügelte Engelskopf wird wirklich innerlich sichtbar, aber es sind alle möglichen Hindernisse da, uns das sichtbar zu machen. Und vor allen Dingen ist der Punkt, den man da erreicht hat, die wirkliche Schwelle der geistigen Welt. Und wenn es einem gelingt, also zu sich zu stehen, wie ich es geschildert habe, dann ist man an der Schwelle der geistigen Welt, wirklich an der Schwelle der geistigen Welt. Aber da steht, zunächst ganz unsichtbar für den Menschen, diejenige Gewalt, die wir immer Ahriman genannt haben. Man sieht ihn nicht. Und daß man das, was ich jetzt auseinandergesetzt habe als das ausgewachsene Gedankenwesen, nicht sieht, das bewirkt Ahriman. Er will nicht, daß man das sieht. Er will das verhindern. Und weil es ja vorzugsweise der Weg der Meditation ist, auf dem man bis zu dem Punkte kommt, so wird es immer dem Ahriman leicht, einem gewissermaßen das, wozu man kommen soll, auszulöschen, wenn man hängt an den Vorurteilen der physischen Welt. Und wirklich, man muß sagen: der Mensch glaubt gar nicht, wie sehr er eigentlich an diesem Vorurteil der physischen Welt hängt; wie er sich gar nicht vorstellen kann, daß es eine Welt gibt, die andere Gesetze hat als die physische Welt. Ich kann nicht alle Vorurteile, die man mitbringt an die Schwelle der geistigen Welt, heute erörtern, aber ein hauptsächlichstes will ich doch erörtern, ein etwas intimeres Vorurteil.

Sehen Sie, die Menschen reden, wenn sie von der physischen Welt reden, von monistischer Weltanschauung, von Einheit, und sagen sich sehr häufig: Ich kann die Welt nur dann begreifen, wenn mir die ganze Welt als eine Einheit erscheint. Wir haben da zuweilen gerade mit Bezug auf solche Dinge recht sonderbare Erfahrungen durchmachen müssen. Als wir hier in Berlin unsere geisteswissenschaftliche Bewegung begonnen haben mit wenigen Mitgliedern vor jetzt doch schon recht vielen Jahren, da haben sich manche Menschen hereingefunden, die dann doch nach ihrem ganzen Wesen sich nicht als zugehörig fühlen konnten. So zum Beispiel fand sich eine Dame, die nach einigen Monaten zu uns kam und sagte: Das alles tauge eigentlich für sie nicht, was die Geisteswissenschaft vorzubringen in der Lage sei, denn da müsse man zuviel denken, und das Denken, das lösche bei ihr alles aus, was ihr gerade wertvoll sei; sie komme immer in eine Art von Einschlafen beim Denken. Und außerdem meine sie, daß es ja nur ein Wertvolles gebe - das sei die Einheit! Nun erwies es sich, daß die Einheit der Welt, die der Monist auch sucht auf den mannigfaltigsten Gebieten - nicht bloß der materialistische Monist -, bei ihr wie zu einer fixen Idee geworden war: Einheit, Einheit, Einheit! Sie wollte durchaus die Einheit suchen. - Nun haben wir einen deutschen Philosophen, Leihniz, in der deutschen Geistesentwickelung, einen entschieden monadologi-schen Philosophen, der nicht die Einheit gesucht hat, sondern die vielen Monaden, die für ihn seelische Wesen waren -, der also das klar wußte: sobald man in die geistige Welt kommt, da kann es sich nicht um eine Einheit handeln, sondern nur um eine Vielheit. So gibt es Monisten und Pluralisten. Das sieht man als Weltanschauungen an. Die Monisten bekämpfen die Pluralisten, die von der Vielheit sprechen; sie sprechen nur von der Einheit.

Ja, sehen Sie, die Sache ist aber diese, daß Einheit und Vielheit überhaupt Begriffe sind, die nur für die physische Welt Geltung haben. Und nun glaubt man, in der geistigen Welt müßten diese Begriffe auch gelten. Da gelten sie aber nicht. Da muß man sich darauf gefaßt machen, daß man zwar eine Einheit erblickt, aber daß man diese Einheit im nächsten Augenblick überwinden muß, und daß sie sich als Vielheit zeigt. Sie ist zugleich eine Einheit und eine Vielheit. Man kann auch nicht in die geistige Welt das gewöhnliche Rechnen, die physische Mathematik hineintragen. Das gehört zu den stärksten, aber auch intimsten ahrimanischen Vorurteilen, daß man die Begriffe, die man sich angeeignet hat in der physischen Welt, so wie sie sind, in die geistige Welt hineintragen will. Aber man muß wirklich ohne Sack und Pack, ohne beschwert zu sein mit dem, was man in der physischen Welt gelernt hat, ankommen an ihrer Schwelle; bereit, es an ihrer Schwelle zurückzulassen. Alle Begriffe, gerade auch diejenigen Begriffe, um die man sich am meisten abgemüht hat, muß man zurücklassen und sich darauf gefaßt machen: da, in der geistigen Welt, da werden einem auch neue Begriffe gegeben, da wird einem ganz Neues gewährt. Dieses Hängen an dem, was die physische Welt gibt, ist ungeheuer stark beim Menschen. Er will dasjenige, was er in der physischen Welt erobert hat, hineintragen in die geistige Welt. Aber er muß die Möglichkeit haben, vor einer vollständigen Tabula rasa zu stehen, vor einer vollständigen Eeerheit zu stehen, und nur den Gedanken, der anfängt sich zu beleben, seinen Führer sein lassen. Man hat diesen Eingang in die geistige Welt die Pforte des Todes genannt aus dem Grunde, weil es eigentlich wirklich ein stärkerer Tod noch ist als der physische Tod. Im physischen Tode sind die Menschen überzeugt davon, daß sie ihren physischen Leib ablegen; aber wir müssen uns entschließen bei dem Eintritt in die geistige Welt, auch wirklich unsere Begriffe, unsere Vorstellungen und Ideen abzulegen und unser Wesen neu aufbauen zu lassen.

Nun treten wir hin vor dieses geflügelte Gedankenwesen, von dem ich gesprochen habe. Wir werden schon hintreten, wenn wir uns wirklich alle Mühe geben, in einem Gedanken zu leben. Und dann brauchen wir eben nur zu wissen, wenn der Augenblick, der eintritt, andere Anforderungen, als wir sie uns vorgestellt haben, an uns stellt, daß wir ihnen wirklich auch standhalten, daß wir nicht sozusagen zurückgehen. Dieses Zurückgehen geschieht meist unbewußt. Man erlahmt, aber das Erlahmen ist eben nur der Ausdruck, daß man nicht Sack und Pack ablegen will, weil gewissermaßen die ganze Seele mit dem, was sie sich angeeignet hat auf dem physischen Plane, absterben muß, damit sie in die geistige Welt eintreten kann. Deshalb muß man dieses Tor ganz sachgemäß das Tor des Todes nennen. Und dann schaut man gerade durch dieses geflügelte Gedankenwesen wie durch ein neues geistiges Auge, das man sich angeeignet hat; oder auch durch ein geistiges Ohr, denn man hört auch, man fühlt auch, man vernimmt gerade durch dieses dasjenige, was in der geistigen Welt vorhanden ist.

Es ist eben möglich, meine lieben Freunde, zu sprechen von besonderen Erfahrungen, die man machen kann, damit man in die geistige Welt hineintritt. Daß man diese Erfahrungen machen könne, dazu ist eben wirklich nichts anderes notwendig als Ausharren im vorgezeichneten Meditieren. Namentlich ist es notwendig, sich klar zu werden, daß gewisse Empfindungen, die man heranbringt an die Schwelle der geistigen Welt, wirklich vorher abgelegt werden müssen. Empfindungen, die sich wirklich ergeben daraus, daß man diese geistige Welt gewöhnlich anders haben möchte, als sie einem entgegentritt.

Das ist also das erste Tor, das Tor des Todes.

Das zweite Tor nun ist das Tor der Elemente. Dieses Tor der Elemente, das wird derjenige, der wirklich eifrig der Meditation sich ergibt, als zweites durchmachen. Aber man kann auch gewissermaßen durch seine Organisation begünstigt sein und sogar an das zweite Tor kommen, ohne durch das erste gegangen zu sein. Das ist nicht gut für ein wirkliches Erkennen, aber es kann sein, daß man dahin gelangt, ohne durch das erste Tor hindurchgegangen zu sein. Ein wirklich sachgemäßes Erkennen ergibt sich nur, wenn man durch das erste Tor gegangen ist und dann an das zweite Tor bewußt tritt. Dieses zweite Tor, das ergibt sich in der folgenden Weise. Sehen Sie, wenn man durch das Tor des Todes gegangen ist, so fühlt man sich zunächst in gewissen Zuständen, von denen man sehen kann: sie sind wirklich äußerlich, in ihrer Wirkung auf den Menschen, in der Art, wie der Mensch sie darlebt, dem Schlafe ähnlich, innerlich aber sind sie ganz verschieden. Äußerlich ist der Mensch wie schlafend während solcher Zustände. Gerade dann, wenn der Gedanke begonnen hat zu leben, wenn er anfängt, sich zu regen, sich zu vergrößern, dann ist der äußere Mensch wirklich wie im Schlafe dabei. Er braucht nicht zu liegen, er kann sitzen, aber er ist wie im Schlafe dabei. Und so wenig, wie man äußerlich unterscheiden kann diesen Zustand vom Schlafe, so sehr ist er innerlich zu unterscheiden. Denn wenn man dann übergeht aus diesem Zustand in den gewöhnlichen Lebenszustand, dann merkt man erst: du hast nicht geschlafen, sondern du warst im Gedankenleben, genau so wie du darinnen bist jetzt, wo du wie gewöhnlich in der physischen Welt erwacht bist und durch deine Augen hinausschaust auf das, was leuchtet. Aber man weiß auch: Jetzt, wo du wach bist, denkst du, du machst die Gedanken, du setzest sie zusammen; aber kurz vorher, als du in jenem Zustande warst, machten sich die Gedanken durch sich selbst. Der eine kam an den anderen heran; sie klärten einander auf; es tritt der eine von dem anderen hinweg, und das, was man sonst macht im Denken, das hat sich da selbst gemacht. Aber man weiß: während man sonst ein Ich ist, das einen Gedanken an den anderen ansetzt, so schwimmt man gleichsam während dieses Zustandes in dem einen, schwimmt zu dem anderen hin, man ist damit vereinigt; dann ist man fort in einem dritten und schwimmt dann wiederum herbei; man hat das Gefühl:.der Raum besteht eigentlich nicht mehr.

Nicht wahr, im physischen Raum würde es so sein, wenn man hingezogen wäre zu einem Punkt und zurückblickte und dann von ihm sich entfernte, und wenn man dann von neuem an ihn herankommen wollte, dann müßte man erst den Weg wieder hin ma chen; man müßte den Weg hin und zurück machen. Das ist dann in dem anderen Zustand nicht der Fall. Da ist der Raum nicht so; da durchspringt man den Raum gleichsam. In einem Augenblick ist man an einem Punkt; im anderen ist man wieder weg. Man geht nicht durch den Raum durch. Die Gesetze des Raumes haben aufgehört. Man lebt und webt jetzt selbst in dem Gedanken darinnen. Man weiß: das Ich ist nicht erstorben, es webt im Gedankenleben darinnen, aber man kann noch nicht gleich, wenn man in den Gedanken lebt, Herr sein der Gedanken; die Gedanken machen sich selbst. Man wird gezogen. Man schwimmt nicht selbst in den Gedankenströmen, sondern die Gedanken nehmen einen gleichsam auf den Rücken und tragen einen. Der Zustand muß auch aufhören. Und er hört auf, wenn man durch das Tor der Elemente geht. Dann bekommt man das Ganze in seine Willkür hinein, dann kann man aus Absicht einen bestimmten Gedankenweg machen. Man lebt dann mit seinem Willen drinnen in dem ganzen Gedankenleben. Das ist wiederum ein ungeheuer bedeutungsvoller Moment. Und deshalb habe ich sogar exoterisch in öffentlichen Vorträgen darauf hingewiesen: das zweite erreicht man dadurch, daß man sich mit seinem Schicksal identifiziert. Dadurch erlangt man die Gewalt, in dem Gedankenweben mit Willen darinnen zu sein.

Zuerst, wenn man gegangen ist durch das Tor des Todes, erreicht man das, daß mit einem in der geistigen Welt das oder jenes getan wird. Daß man selbst tun lernt in der geistigen Welt, das erlangt man eben, indem man sich mit seinem Schicksal identifiziert. Man erlangt es erst allmählich. Dann gewinnen eben die Gedanken eine Wesenheit, die mit unserer eigenen Wesenheit identisch ist. Die Taten von unserer Wesenheit kommen in die geistige Welt hinein. Aber um dies in der richtigen Weise zu tun, hat man eben durch das zweite Tor zu gehen. Indem man beginnt, mit der Kraft, die einem wird aus der Identifikation mit dem Schicksal, im Gedanken weben zu wollen so, daß man nicht bloß mitgeht mit dem Gedanken wie mit einem Traumbild, sondern daß man unter Umständen diesen oder jenen Gedanken auslöschen kann und einen anderen heraufholen kann, daß man also mit Willen hantieren kann, wenn das so beginnt, muß man wirklich diese Erfahrung durchmachen, die man das Durchgehen durch das zweite Tor nennen kann. Und da zeigt sich, daß sich dasjenige, was man nun als Willenskraft braucht, wie ein eigentlich furchtbares Ungeheuer darstellt. Man hat es immer m der Mystik seit Tausenden und Tausenden von Jahren die Begegnung mit dem «Löwen» genannt. Diese Begegnung mit dem Löwen muß man durchmachen. Sie besteht darin, in be-zug auf das Fühlen, daß man vor dem Tun in der Gedankenwelt, vor diesem Lebendig-sich-Verbinden mit der Gedankenwelt, eigentlich wirklich - man kann es so nennen - eine heillose Furcht bekommt, die man ebenso überwinden muß wie die Einsamkeit an der Pforte des Todes. Furcht bekommt man. Diese Furcht, die kann einem in der mannigfaltigsten Weise sich als dieses oder jenes Gefühl vortäuschen, das gar nicht Furcht ist. Aber es ist doch im wesentlichen Furcht vor dem, wo man da hineinkommt. Und das, worauf es ankommt, ist, daß man wirklich die Möglichkeit findet, dieses Tier, dem man begegnet, diesen Löwen zu beherrschen. Denn in der Imagination stellt sich einem das richtig so dar, als wenn er sein riesenhaftiges Maul aufsperrte und einen verschlingen wollte. Jene Willenskraft, die man anwenden will in der geistigen Welt, sie droht einen eigentlich zu verschlingen. Man ist fortwährend von dem Gefühl beherrscht: du sollst wollen, du mußt etwas tun, mußt dieses oder jenes ergreifen. Aber von all diesen Elementen des Wollens, in die man hineingeht, hat man das Gefühl: wenn du es ergreifst, verschlingt es dich, löscht dich aus in der Welt. Das ist das Verschlingen durch den Löwen. Also, man muß wirklich -bildlich kann man es so nennen -, statt sich der Furcht hinzugeben, daß darinnen in der geistigen Welt einen die Willenselemente ergreifen und verschlingen und erwürgen, sich auf den Rücken des Löwen schwingen und diese Willenselemente ergreifen, muß von sich aus zum Handeln sie benützen. Das ist es, worauf es ankommt.

Nun sehen Sie ja, was das Wesentliche dabei ist. Ist man zuerst durch die Pforte des Todes gegangen, dann ist man draußen außer dem Leibe, und dann kann man nur draußen die Kräfte des Willens benützen. Man muß sich in die Weltenharmonie einfügen. Solche Kräfte aber, die man draußen benützen muß, hat man auch in sich, nur walten sie unbewußt. Die Kräfte, die unser Blut bewegen, die unser Herz pochen machen, die rühren von geistigen Wesen her, in die man untertaucht, wenn man in das Willenselement hineintaucht. Wir haben diese Kräfte in uns. Wenn also jemand, ohne daß er den geordneten esoterischen Weg durchmacht, ergriffen wird vom Willenselement - ohne daß er durch die Pforte des Todes gegangen ist -, dann ergreifen ihn diejenigen Kräfte, die sonst in seinem Blut zirkulieren, in seinem Herzen pochen. Dann verwendet er die Kräfte nicht, die außerhalb seines Leibes, sondern die Kräfte, die in ihm sind. Das würde graue Magie sein. Das würde den Menschen veranlassen, von sich aus in die geistige Welt einzugreifen mit den Kräften, mit denen wir nicht in die geistige Welt eingreifen dürfen. Und daß man nun den Löwen sieht, daß man dieses Untier wirklich vor sich hat, daß man weiß, so sieht es aus, so wollen einen die Willenskräfte erfassen, und man muß sich ihrer draußen außer dem Leibe bemächtigen - darauf kommt es an. Tritt man nicht an das zweite Tor heran, sieht man ihn nicht, den Löwen, so steht man immer in Gefahr, aus dem menschlichen Egoismus heraus die Welt beherrschen zu wollen. Daher ist der richtige Erkenntnisweg der: zuerst heraus aus dem physischen Leibe und dem physischen Menschensein, und dann erst draußen herantreten an das Verhältnis, in das man einzugehen hat mit den Wesenheiten, die draußen sind.

Nun, dem steht ja gegenüber der Hang der meisten Menschen, wirklich auf eine bequemere Weise als durch gute Meditation in die geistige Welt hineinzukommen. So zum Beispiel kann man die Pforte des Todes vermeiden und, wenn die inneren Anlagen günstig sind, an das zweite Tor herantreten. Das erreicht man dadurch, daß man sich besonderen Vorstellungen, insbesondere inbrünstigen Vorstellungen hingibt, die so ein allgemeines Aufgehen in dem ganzen All darstellen sollen. Vorstellungen, die angeraten werden von dem oder jenem halbwissenden Mystiker, in gutem Glauben angeraten werden. Dadurch betäubt man sich über das Gedankenstreben hinweg und regt direkt das Gefühl an. Man peitscht das Gefühl an, man enthusiasmiert das Gefühl. Dadurch kann man allerdings zunächst an das zweite Tor gelangen und wird auch den Willenskräften übergeben, aber man beherrscht den Löwen nicht, sondern man wird von ihm verschlungen, und der Löwe tut mit einem, was er will. Das heißt: es geschehen im Grunde genommen okkulte, aber im wesentlichen egoistische Dinge. Daher ist es wirklich immer wieder notwendig, aber auch, man möchte sagen, etwas riskant, vom Gesichtspunkte wahrer echter Gegenwarts-Esoterik nicht zu verweisen auf all das, was eine nur Gefühl und Empfindung aufpeitschende Mystik ist. Dieses Appellieren an das, was den Menschen innerlich aufpeitscht, was ihn herauspeitscht aus seinem physischen Leibe, aber ihn doch im Zusammenhang läßt mit den Blut- und Herzenskräften, den physischen Blut- und Herzenskräften, bewirkt eine gewisse Art von Wahrnehmen der geistigen Welt, die dann nicht abzuleugnen ist, die auch viel Gutes enthalten kann, aber die den Menschen zu einem in der geistigen Welt unsicher tappenden Wesen macht und ihn gar nicht fähig macht, Egoismus und Altruismus voneinander zu unterscheiden.

Man ist gerade, wenn man das betonen muß, bei einem schwierigen Punkt, denn bei der eigentlichen Meditation und alledem, was sich auf sie bezieht, schlafen die Gemüter der Gegenwart noch vielfach ein. Sie lieben es, das Denken doch nicht so straff anzuspannen, wie es notwendig ist, um sich mit dem Denken zu identifizieren. Sie lieben es vielmehr, wenn man ihnen sagt: Vertiefe dich in eine alliebende Hingabe zum Weltengeiste oder dergleichen, wobei mit Umgehung des Denkens das Gemüt aufgepeitscht wird. Dann werden die Menschen wirklich in geistige Wahrnehmungen hineingeführt; sie sind aber nicht mit vollem Bewußtsein darinnen und können nicht unterscheiden, ob die Dinge, die sie darinnen erleben, die sie bei sich erleben, dem Egoismus entspringen oder nicht dem Egoismus entspringen. Gewiß, es muß parallelgehen der selbstlosen Meditation die Enthusiasmierung aller Empfindungen, aber eben parallelgehen dem Gedanken. Es muß der Gedanke nicht ausgeschaltet werden. Aber gerade darin, den Gedanken vollständig zu unterdrücken und sich nur dem aufgepeitschten erglühten Gefühl hinzugeben, suchen gewisse Mystiker etwas. Man ist deshalb hier an einem schwierigen Punkt, weil es ja nützt, weil ja diejenigen viel schneller vorwärtskommen, die so ihre Gefühle aufpeitschen. Sie kommen hinein in die geistige Welt, sie erleben darin allerlei, und das wollen ja die meisten Menschen. Es handelt sich bei den meisten Menschen nicht darum, in der richtigen Weise in die geistige Welt zu kommen, sondern überhaupt nur hineinzukommen. Die Unsicherheit, die dabei eintritt, ist diese, daß wir ja, wenn wir nicht zuerst durch die Pforte des Todes gehen, sondern gewissermaßen direkt an die Pforte der Elemente gehen, dort von Luzifer noch verbinden werden, den Löwen wirklich wahrzunehmen; daß wir gleichsam, bevor wir ihn wahrnehmen, von ihm verschlungen werden. Das Schwierige ist, daß wir nicht mehr unterscheiden können, was sich auf uns bezieht und was draußen ist in der Welt. Wir lernen geistige Wesenheiten kennen, Elementargeister. Eine ganz umfängliche geistige Welt kann man erkennen lernen, auch ohne durch die Pforte des Todes zu gehen, aber es sind zumeist geistige Wesenheiten, welche die Aufgabe haben, den menschlichen Blutlauf, die menschliche Herztätigkeit zu unterhalten. Solche Wesenheiten sind in der geistigen, der elementaren Welt um uns herum ja immer da. Es sind Geister, die ihr Lebenselement in der Luft, in der uns umfließenden Wärme und auch im Licht haben, die auch ihr Lebenselement in den ja physisch nicht mehr wahrnehmbaren Sphärentönen haben, geistige Wesenheiten, die alles Lebendige durchweben und durchziehen. In diese Welt kommen wir dann natürlich hinein. Und verführerisch wird die Sache, weil ja wirklich die wunderbarsten geistigen Entdeckungen gemacht werden können in dieser Welt. Nicht wahr, wenn jetzt von einem, der nicht durch die Pforte des Todes gegangen ist, sondern der direkt an das Löwentor herangerückt ist und den Löwen nicht gesehen hat, wahrgenommen wird ein Elementargeist, der die Aufgabe hat, die Herztätigkeit zu unterhalten, so kann dieser Elementargeist, der auch zugleich die Herztätigkeit anderer Menschen unterhält, unter Umständen Nachricht bringen von anderen Menschen, sogar von Menschen aus der Vergangenheit, oder er kann aus der Zukunft prophetische Nachrichten bringen. Also von großem Erfolg kann die Sache begleitet sein, aber es ist dennoch nicht der richtige Weg, weil er uns nicht frei macht in unserer Beweglichkeit in der geistigen Welt.

Das dritte Tor, das zu durchwandern ist, ist das Tor der Sonne, Und da müssen wir, wenn wir an dieses Tor kommen, wiederum eine Erfahrung machen. Während wir am Tor des Todes einen geflügelten Engelskopf, am Tor der Elemente einen Löwen wahrzunehmen, zu schauen haben, müssen wir am Tor der Sonne einen Drachen, einen wilden Drachen wahrnehmen. Und dieser wilde Drache, den müssen wir richtig anschauen. Aber Luzifer und Ahriman zusammen bemühen sich nun, den unsichtbar zu machen, ihn uns nicht zum geistigen Gesicht zu bringen. Wenn wir ihn wahrnehmen, dann nehmen wir aber wahr, daß dieser wilde Drache im Grunde genommen das allermeiste mit uns selbst zu tun hat, denn er ist gewoben aus unseren Trieben und Empfindungen, die sich im Grunde auf das, was wir im gewöhnlichen Leben unsere niederste Natur nennen, beziehen. Dieser Drache enthält alle die Kräfte, die wir zum Beispiel brauchen - verzeihen Sie das Prosaische des Ausspruches - zum Verdauen und noch zu manchem anderen. Das, was in uns steckt und die Kräfte abgibt, daß wir verdauen, und manches andere, was im engsten Sinne an unsere allerniederste Persönlichkeit gebunden ist, das erscheint uns in Form des Drachen. Wir müssen ihn anschauen, wenn er sich aus uns herauswindet. Schön ist er nicht, der Drache, und daher haben Luzifer und Ahriman es leicht, unser unterbewußtes Seelenleben so zu beeinflussen, daß wir unbewußt nichts wissen wollen vom Sehen dieses Drachen. Es sind ja in ihn auch hineingewoben alle Albernheiten, alle unsere Eitelkeiten, unsere Stolzheit und unsere Selbstsucht, aber auch die niedersten Triebe.

Wenn wir den Drachen nicht schauen am Tor der Sonne - man nennt es das Tor der Sonne, weil gerade in den Sonnenkräften die Kräfte leben, aus denen auch der Drache gewoben ist, denn die Sonnenkräfte sind es, die bewirken, daß wir verdauen und die anderen organischen Verrichtungen vollziehen, es ist wirklich durch das Zusammenleben mit der Sonne -, wenn wir also den Drachen nicht schauen am Tor der Sonne, dann verschlingt er uns, dann werden wir in der geistigen Welt eins mit ihm. Dann sind wir nicht mehr unterschieden von dem Drachen, dann sind wir eigentlich der Drache, der erlebt in der geistigen Welt. Und er kann Bedeutungsvolles erleben, er kann gewissermaßen großartige Erfahrungen machen. Erfahrungen, welche, ich möchte sagen, einschmeichelnder sind als diejenigen, die man macht am Tor des Todes oder hinter dem Tor des Todes. Die Erfahrungen, die man macht am Tor des Todes, sind zunächst farblos, schattenhaft, intim, so leicht und intim, daß sie uns leicht entschwinden, daß wir gar nicht sehr geneigt sind, die Aufmerksamkeit zu entfalten, um sie festzuhalten. Und wir müssen immer wiederum uns anspannen, dasjenige, was da leicht im Gedanken sich belebt, sich vergrößern zu lassen. Es vergrößert sich zuletzt zu einer Welt. Aber, bis es auftritt als färben-, töne-, lebensdurchdrungene Wirklichkeit, das fordert langes, energisches Arbeiten und Streben. Denn man muß gewissermaßen diese färb- und tonlosen Gestalten sich beleben lassen überall aus der Unendlichkeit her. Will man zum Beispiel den einfachsten Luftoder Wassergeist entdecken durch, man kann es jetzt nennen, Kopfhellsehen - gemeint ist das Hellsehen, was entsteht durch Belebung des Gedankens -, dann ist zunächst dieser Luft- oder Wassergeist etwas, was so leicht und schattenhaft über den Horizont der geistigen Welt hinhuscht, daß es einen gar nicht interessiert. Und wenn er farbig oder tönend werden soll, dann muß aus dem ganzen Umkreis des Kosmos die Farbigkeit an ihn heranrücken. Das geschieht aber erst in langer innerer Arbeit. Das geschieht erst durch Warten, bis man begnadet wird. Denn denken Sie, wenn Sie also - bildlich gesprochen - solch einen kleinen Luftgeist haben, wenn er jetzt in Farben herankommen soll, wenn er gefärbt erscheinen soll, so muß von einem mächtigen Teil des Kosmos die Farbe hereinstrahlen. Man muß die Kraft haben, sie hereinstrahlen zu machen. Diese Kraft kann aber nur durch Hingabe erreicht werden, erworben werden. Die strahlenden Kräfte müssen von außen hereinkommen durch Hingabe. Ist man mit seinem Drachen einerlei, ist man eins mit ihm, dann wird man, wenn man einen Luft- oder Wassergeist sieht, geneigt sein, die Kräfte, die in einem drinnen sind, und gerade in den im gewöhnlichen Leben niedrig genannten Organen drinnen sind, hinauszustrahlen. Das ist viel leichter. Unser Haupt ist an sich ein vollkommenes Organ, aber in dem astralischen Leibe und dem Ätherleib des Hauptes, da ist nicht viel Farbiges darinnen, weil die Farben verwendet sind zum Beispiel um das Gehirn, namentlich die Gehirnschale, zu bilden. So daß, wenn Sie aus dem Haupte heraus durch Kopfhellsehen an der Schwelle der geistigen Welt den Astralleib und Ätherleib herausheben aus dem physischen Leibe, so hat er nicht viel Farbe in sich. Die Farben sind verwendet, um das vollkommene Organ, das Gehirn, zu bilden. Wenn Sie aber im - wir können es nennen -Bauchhellsehen aus den Organen des Magens, der Leber, der Galle und so weiter den Astralleib und Ätherleib herausheben, da sind die Farben noch nicht so verwendet, um vollkommene Organe zu bilden. Diese Organe sind erst auf dem Wege zur Vollkommenheit. Dasjenige, was vom Astralleib und Ätherleib des Bauches ist, das ist wunderschön gefärbt, das glänzt und glitzert in allen möglichen Sonnenfarben. Und heben Sie da den Ätherleib und Astralleib heraus, so verleihen Sie den Gestalten, die Sie sehen, die wunderbarsten Färbungen und Tönungen. So daß es vorkommen kann, daß jemand Wunderbares sieht und ganz großartige farbige Gemälde entwirft. Es ist gewiß interessant, denn für den Anatomen ist es ja auch interessant, Milz, Leber und Gedärme zu untersuchen, und es ist dies vom Standpunkte der Wissenschaft auch notwendig. Aber wenn es derjenige, der kundig ist, untersucht, so ist das, was in so schönen farbigen Bildern erscheint, dasjenige, was zwei Stunden nach dem Essen dem Verdauungsprozeß zugrunde liegt. Dagegen ist gewiß nichts einzuwenden, daß man das untersucht. So wie der Anatom die Dinge untersuchen muß, so wird die Wissenschaft einmal viel davon haben, diese Dinge zu untersuchen, zu wissen, was der Ätherleib macht, wenn der Magen verdaut. Aber darüber müssen wir uns ganz klar sein: Wenn wir nicht bewußt an das Tor der Sonne gehen, und dadurch nicht wissen: wir laden all dasjenige, was im Äther- und Astralleib unseres Bauches ist, in diesen Drachen hinein, wir sondern das ab -, dann strahlen wir es hinaus in die Hellseher-Gebilde, dann bekommen wir allerdings eine wunderbare Welt. Das Schönste und leichtest zu Erreichende kommt zunächst nicht von den höheren Kräften, vom Kopfhellsehen, sondern vom Bauchhellsehen. Und das ist durchaus wichtig zu wissen. Denn für den Kosmos gibt es nichts im absoluten Sinne Niedriges, es gibt nur relativ Niedriges. Der Kosmos muß mit ungeheuer bedeutsamen Kräften arbeiten, um das zustande zu bringen, was zum menschlichen Verdauungsapparat notwendig ist. Aber es handelt sich darum, daß wir uns keinen Irrtümern hingeben, keinen Täuschungen uns hingeben, sondern daß wir wissen, was die Dinge sind. Wenn wir wissen, daß irgend etwas, was einen wunderbaren Aspekt darbietet, nichts anderes ist als der Verdauungsprozeß, so ist das außerordentlich wichtig. Wenn wir aber glauben, daß uns durch ein solches Bild vielleicht eine besondere Engelswelt sich offenbare, dann sind wir eben in einem Irrtum befangen. Also nicht dagegen, daß eine Wissenschaft gepflegt wird aus diesem Wissen, kann sich der Vernünftige wenden, sondern nur dagegen, daß etwa solche Dinge in ein falsches Licht gerückt werden. Das ist es, um was es sich handelt. So kann es zum Beispiel vorkommen, daß jemand eben gerade durch einen Vorgang innerhalb des Verdauungsprozesses in einer bestimmten Etappe der Verdauung immer einen bestimmten Teil des Ätherleibes heraushebt; dann kann er ein natürlicher Hellseher sein. Man muß da nur wissen, um was es sich handelt.

Der Mensch wird also schwer dazu kommen, durch Kopfhellsehen, wo alles Farbige des Äther- und Astralleibes dazu verwendet ist, um das wunderbare Gefüge des Gehirns zustande zu bringen, das Farblose und Tonlose zum Vollgefärbten, Tönenden zu bringen. Aber er wird verhältnismäßig leicht dazu kommen, mit Bauchhellsehen die wunderbarsten Dinge der Welt zu sehen. Dabei liegen natürlich in diesem Bauchhellsehen auch Kräfte, die der Mensch verwenden lernen muß. Diejenigen Kräfte, die da verwendet werden zu unserem Verdauungsprozeß, sind ja nur verwandelte Kräfte, und richtig erleben wir sie, wenn wir immer mehr und mehr ausbilden lernen die Identifizierung mit dem Schicksal. Das ist auch auf diesem Felde dasjenige, was uns lehrt: dem, was zuerst als geflügelter Engelskopf heraufkam, müssen wir ja nachziehen den anderen Teil, und da handelt es sich darum, daß wir nicht nachziehen nur die Kräfte, die zur Verdauung dienen, sondern auch diejenigen, die höherer Art sind; das sind diejenigen, die in unserem Karma, unserem Schicksal liegen. Wenn wir uns damit identifizieren, dann gelingt es uns, hinauszutragen die geistigen Wesen, die wir um uns sehen, die jetzt die Tendenz haben, daß die Töne und Färbungen hereinfließen aus dem Weltenraum. Dann wird natürlich die geistige Welt eine vollinhaltliche, eine konkrete, ebenso wirklich und konkret, daß wir uns darin befinden, wie wir uns in der physischen Welt befinden. Eine besondere Schwierigkeit am Tor des Todes macht das, daß wir wirklich die Empfindung haben - und die müssen wir auch überwinden -, du verlierst dich selbst eigentlich da! Aber wenn man wirklich sich angestrengt hat und sich mit dem Gedanklichen identifiziert, kann man sogleich auch das Bewußtsein haben: Du verlierst dich, aber du findest dich wieder. Das ist eine Erfahrung, die man macht. Man verliert sich, wenn man eintritt in die geistige Welt, aber man weiß, daß man sich auch wiederfindet. Den Übergang hat man zu machen: an den Abgrund zu kommen, im Abgrund sich zu verlieren, aber mit dem Vertrauen, daß man sich drüben wiederfindet. Das ist eine Erfahrung, die man durchmachen muß. Alles, was ich geschildert habe, sind eben durchaus innere Erlebnisse, die man durchzumachen hat. Und daß man erfährt, was da eigentlich mit der Seele geschieht, das ist wichtig. Es ist das gerade, wie wenn man etwas sehen soll; wird man hingewiesen von einem Freund, dann ist das besser, als wenn man es sich selbst ausdenkt. Aber erreichen kann man alles das, was geschildert worden ist, indem man sich wirklich hingebungsvoll immer wiederum der inneren Arbeit und inneren Überwindung durch Meditation hingibt, wie Sie es geschildert finden in den Büchern «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und im zweiten Teil der «Geheimwissenschaft»."[1]

Lit.:
[1]Rudolf Steiner, Menschenschicksale und Völkerschicksale, GA 157 (1981), S 169 ff., Achter Vortrag, Berlin, 2. März 1915

(Literaturangaben folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz Email: verlag@rudolf-steiner.com URL: http://www.rudolf-steiner.com)

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