Forum für Anthroposophie, Waldorfpädagogik und Goetheanistische Naturwissenschaft
Home Home


Home
Suchen
Vorträge
Rudolf Steiner

Veranstaltungen

Service-Seiten

Adressen
Ausbildung


Bücher
Bibliothek
Links

Link hinzufügen
Stellenangebote

FTP Download

Impressum

Email
http://www.anthroposophie.net     http://anthroposophie.net.tc      http://anthroposophy.de.vu     http://go.to/anthroposophie

Lexikon Anthroposophie

[zurück zur Liste]

Apokalyptische Tiere
die Sphinxtiere Stier, Löwe, Adler und die menschliche Gestalt

"Halten wir nochmal fest, daß unsere Erdenentwickelung so begonnen hat, daß ihr vorangegangen ist die Saturn-, Sonnen- und Mondenentwickelung, daß diese ein Ergebnis geliefert haben und daß dieses Ergebnis der Saturn-, Sonnen- und Mondenentwickelung sozusagen in der vorlemurischen Zeit der Erdgestaltung zu einem ätherischen Menschen geführt hat. Bevor der Mensch in die lemurische Entwickelung eingetreten ist, war er auch in bezug auf seine physischen Kräfte nur eine Äthergestalt. Einen solchen physischen dichten Menschen, wie wir ihn heute mit dem physischen dichten Blut, Nervensystem, Knochensystem und so weiter haben, gab es in der vorlemurischen Zeit noch nicht. Alle die Kräfte, die heute auch im physischen Leibe sind, waren dazumal noch in ihrer Ätherform vorhanden. Diese Äthergestalt des Menschen war also in bezug auf den späteren Menschen in einer gewissen Beziehung schatten- und schemenhaft, war gleichsam nur eine Andeutung dessen, was später dann als der dichtere Mensch sich herauskristallisierte. Erst durch die lemurische, durch die atlantische und nachatlantische Zeit geschah die Verdichtung des Menschen...

Machen wir uns heute einmal schemenhaft sinnbildlich klar, wie der Mensch in der vorlemurischen Zeit war. Da würden wir eine Art Schattenbild, nur andeutend die spätere Menschenform, haben. In dieses Schattenbild des Menschen würden die mannigfaltigsten Strömungen hineingehen, es würden die Wesenheiten der höheren Hierarchien da hineinwirken. Es war dazumal so, daß der Mensch nicht etwa mit seinen Füßen auf der Erde ging, sondern im Umkreise der Erde als Schattenbild schwebte; erst später stieg er sozusagen auf die Erde herab. Die Erde war selbst noch in einem dünneren Zustande. Alles was die höheren Hierarchien auf den Menschen wirkten, das strömte in allerlei Strömungen auf den Menschen ein. Während der Mensch so auf der Erde als ein Schattenbild lebte, entwickelte sich aber auch die Erde, die keineswegs jenes dichte Stück Materie ist, als welches die Geologen oder Mineralogen oder die Physiker sie beschreiben. Die Erde zu beschreiben, wie die Physiker, die Mineralogen es tun, ist ungefähr so, als wenn man von einem Menschen nur das Knochengerüst beschreiben wollte. Das alles, was die physische Wissenschaft beschreibt, ist nur ein Teil, ist das Gerüst der Erde. Mit der Erde sind noch ganz andere Kräfte, ganz andere substantielle Dinge verbunden, welche die Erde zu einem Organismus machen, in dem wir eingebettet sind. Die Erde also setzte ihre Entwickelung fort, und aus der Erde selbst strömten den Menschen fortwährend und immer andere Kräfte zu im Verlaufe der lemurischen, der atlantischen und nachatlantischen Entwickelung. Diese Kräfte wollen wir einmal näher ins Auge fassen.

Da müssen wir zuerst gewisse Kräfte beachten, welche durch die geistigen Wesenheiten der höheren Hierarchien gleichsam der unterirdischen Strömung angehören, die ich gestern angeführt habe. Diese Kräfte strömten in den Menschen ein, und zwar, wenn wir es örtlich beschreiben wollen, von unten, von der Erde nach oben gerichtet. Der Mensch wird im Laufe der Erdenentwickelung von unten her durchzogen von den Kräften der höheren Hierarchien; und wenn wir in Beziehung auf das Äußerliche der Wissenschaft, auch der Geisteswissenschaft, sprechen wollen, so können wir heute nicht anders sagen, als daß die Kräfte, welche da vorzugsweise während der lemurischen Zeit, aber dann auch fortwährend weiter, in den Menschen einströmten und mitwirkten an seiner Gestaltung, Kräfte sind, die sozusagen die Erde in ihrem Wesen durchwirkten. Überall auf der Oberfläche der Erde, wohin man kommen mag, sind diese Kräfte vorhanden. Diese Kräfte nun, welche auch noch anderes zu bewirken hatten in der Erdenentwickelung, wollen wir uns zuerst dadurch anschaulich machen, daß wir auf die Wesenheiten eines anderen Reiches hinweisen, in dessen Gestaltung diese Kräfte vorzugsweise tätig waren.

Die Zoologen, die äußeren Naturforscher werden einmal recht erstaunen, wenn sie sehen werden, auf welch komplizierte Weise aus der geistigen Welt heraus alles das gestaltet worden ist, was sie jetzt so einfach in ihren von einer gewissen Seite ganz richtigen Stammbäumen so abstrakt und niedlich, möchte ich sagen, in den Büchern figurieren lassen. Das, was sie recht verwandt denken, ist unter Umständen von den verschiedensten geistigen Seiten her durch die kompliziertesten geistigen Strömungen zustande gekommen. In der Tat, wir dürfen das, was wir in der Zoologie die Säugetiere nennen, durchaus nicht so darstellen, wie eine äußere darwinistische Zoologie dies heute tun möchte. Wir dürfen durchaus nicht glauben, daß eine so gerade Linie von den einfachsten Säugetieren bis herauf zu den kompliziertesten zu ziehen ist. Bei zwei verschiedenen Säugetierwesen finden auch ganz verschiedene Gestaltungskräfte Anwendung. Alles das, was da unter den Säugetieren um uns herum ist und in einer gewissen Weise verwandt ist mit alledem, was wir unsere Wiederkäuer nennen — Tiere, welche, wie Sie ja wissen, vorzugsweise zu unseren Haustieren gehören —, stand im Laufe der Entwickelung unter ganz anderen geistigen Bedingungen als zum Beispiel das, was zu den katzenartigen, zu den löwenartigen Tieren gehört. Wir müssen uns das so vorstellen, daß die geistigen Kräfte namentlich auf die Gruppenseelen und damit auch auf die physische Gestalt gewirkt haben. Was zu den löwenartigen Tieren gehört, fing erst gegen die atlantische Zeit hin und namentlich in der atlantischen Zeit an auf die Erde zu wirken, indem es so zur Erde kam, wie wenn es vom Innern der Erde an die Oberfläche herausgedrungen wäre. Alles das, was aber auf den Menschen selbst gewirkt hat während der lemurischen Zeit, das ist verwandt mit dem, was auf unsere wiederkäuenden Tiere gestaltend einwirkte und was die Esoterik zusammenfaßt in dem Bilde des Stieres. Das ist alles das, was in der lemurischen Zeit auch anfing, auf den Menschen seinen Einfluß zu gestalten, was dazumal eingriff, wie vom Innern der Erde nach der Oberfläche hin wirkend in die menschliche Gestaltung. Es darf Ihnen nicht als etwas besonders Schockierendes erscheinen, wenn ich sage, meine lieben Freunde: Wenn nichts anderes in der ferneren Zeit auf den Menschen eingewirkt hätte, dann wäre der Mensch in seiner äußeren Gestaltung stierähnlich geworden. Denn diese Kräfte wirkten so, daß, wenn sie allein gewirkt hätten auf den Menschen, sie ihn in dieser Weise gestaltet hätten. — Es griffen aber nach und nach andere Kräfte in die menschliche Organisation vom Innern der Erde heraus ein. Das sind dieselben Kräfte, welche auf die andere Säugetierreihe ihre besonderen Einflüsse ausübten, und in der Esoterik werden sie zusammengefaßt unter dem Namen des Löwen. Diese Kräfte griffen in der Erdenentwickelung etwas später ein. Wenn die früheren Kräfte nicht dagewesen wären, sondern nur allein diese Kräfte auf den Menschen gewirkt hätten, so wäre die äußere Form des Menschen löwenähnlich mit all den Merkmalen der Löwenorganisation geworden. Nur dadurch ist die komplizierte Gestalt des Menschen zustande gekommen, daß nicht eine Strömung bloß auf ihn eingegriffen hat, sondern daß verschiedene Strömungen aufeinanderfolgend eingegriffen haben.

Und jetzt können Sie sich eine Vorstellung machen, warum die stierähnlichen Tiere stierähnlich geblieben und die löwenähnlichen Tiere löwenähnlich geworden sind. Aus dem Grunde, weil die ihnen zugrunde liegenden Schemen- oder Schattengestalten nicht so organisiert waren wie die vorlemurischen Schattengestalten des damaligen Menschen. Diese Schemengestalten waren durch ihre vorausgehende Saturn-, Sonnen- und Mondenentwickelung so organisiert, daß sie immer die richtigen Zeiten abgewartet haben, daß sie die aufeinanderfolgenden verschiedensten Strömungen auf sich einwirken ließen, um die eine Strömung durch die andere zu paralysieren und dadurch im höheren Sinne auch zu harmonisieren. Ein Stier würde kein Stier bleiben, wenn auf ihn einwirken würde die Löwennatur und die Stiergestaltung umgestalten würde. Der Mensch ist so auf der Erde angekommen, daß er all diese Strömungen hat auf sich einwirken lassen können. Und erst im Laufe der atlantischen Zeit ist etwas anderes eingetreten, was, wenn es einmal erkannt wird und fruchtbar gemacht wird für die äußere Wissenschaft, unendliches Licht auf unsere Tierkunde werfen wird.

Im Laufe der atlantischen Zeit traten ganz andere Verhältnisse ein. Merken Sie wohl, daß ich gesagt habe: diese Stierkräfte, diese Löwenkräfte wirkten so, als wenn sie vom Innern der Erde nach der Oberfläche wirkten, gleichsam ausströmten vom Innern der Erde. Die Kräfte, welche sich während der atlantischen Zeit mit diesen von der Erde ausströmenden Kräften verbanden, kamen nun von außen, gleichsam aus dem Umkreis herein, so daß während der atlantischen Zeit solche Kräfte eingriffen, die wir uns von unten nach oben in den Menschen hineingreifend und gestaltend zu denken haben, und von oben nach unten gehend andere Kräfte in den Menschen hereinfließend aus dem Weltenraum. Da wurde also jener Schemen oder Schatten des Menschen wiederum ausgesetzt anderen Kräften, die aber jetzt von anderer, ganz entgegengesetzter Richtung her auf den Menschen einwirkten.

Um uns eine Vorstellung von diesen Kräften zu machen, müssen wir uns fragen: In welchen Wesenheiten auf der Erde wirkten vorzugsweise, unbeirrt durch die anderen Kräfte, diese Kräfte, die also wie aus dem Himmelsraume auf die Erde einströmten? Auch da können wir gewisse Wesenheiten in unserer Umgebung aufzeichnen, von denen wir sagen können: bei ihnen waren die Stierkräfte, die Löwenkräfte, die vom Innern der Erde kommen, möglichst gering wirksam, möglichst schwach wirksam. Dagegen waren bei ihnen fast ausschließlich wirksam die aus dem Weltenraum auf die Erde herunterwirkenden, in die Erdensubstanz einströmenden Kräfte. Diese Wesenheiten sind die dem Vogelreich angehörenden. Und unsere abstrakte Zoologie wird einmal recht sehr staunen müssen, wenn sie sich wird sagen müssen: Ganz anders geartet als bei den Säugetieren sind die Kräfte, die auf das Vogelreich hauptsächlich wirken und im weiteren Sinne auch auf alles dasjenige, was sich fortpflanzt durch nach außen abgelegte Eier. Bei all den Wesenheiten also, wo die Fortpflanzung so geschieht, besonders aber im Vogelreich, wirken im wesentlichen auf die Gestaltung aus dem Weltenraum hereindringende Strömungen. Diese Kräfte werden esoterisch zusammengefaßt unter dem Namen Adler.

Wenn wir nun diese Kräfte, die vorzugsweise in der Gestaltung der Vogelwelt zum Ausdruck kommen, harmonisiert denken mit den Löwen- und Stierkräften im Menschen, so daß sich das alles einfügt der ursprünglichen Schemen- oder Schattengestalt, dann haben wir in dieser Harmonisierung dasjenige gegeben, was als ein Ergebnis die gegenwärtige Menschengestalt liefert. Wenn Sie das ganz anders Geartete der Vogelwelt ins Auge fassen, so werden Sie nicht lange daran zweifeln können, daß die ganze Vogelgestaltung etwas wesentlich anderes ist als die Gestaltung zum Beispiel der Säugetiere. Ich will heute auf die anderen Wesen des Tierreichs nicht eingehen. In der Vogelgestaltung liegt etwas, was auch dem hellseherischen Blick sich in ganz besonderer Weise aufdrängt. Während wir bei den Säugetieren überall, wohin wir hellseherisch blicken mögen, ganz besonders mächtig ausgebildet finden den astralischen Leib, tritt uns hellseherisch in der Vogelwelt als das Hervorstechendste ganz besonders der Ätherleib entgegen. Der Ätherleib, der von außen herein durch die Kräfte des Weltenraumes angeregte Ätherleib, ist es, der die Federn der Vögel zum Beispiel zum Ausdruck bringt, die Feder, das Gefieder. Von außen wird das alles gestaltet, und eine Vogelfeder kann nur dadurch entstehen, daß die Kräfte, welche von dem Weltenraum auf die Erde herunterwirken und mitwirken bei der Ausbildung der Vogelfeder, stärker sind als die Kräfte, die aus der Erde kommen. Dasjenige, was der Feder zugrunde liegt, was man als den Schaft der Feder bezeichnen kann, unterliegt allerdings gewissen Kräften, die aus der Erde kommen. Dann aber sind es die Kräfte, die aus dem Weltenraum wirken, die dasjenige angliedern, was sich an den Schaft der Feder anfügt und was konstituiert das äußere Gefieder des Vogels. Ganz anders ist es bei den mit Haaren bedeckten Wesenheiten. Da wirken bis in die Haare hinein vorzugsweise die Kräfte, die von der Erde nach auswärts, also in der entgegengesetzten Richtung wirken als bei der Vogelfeder. Und weil da nur im geringeren Maße die Kräfte aus dem Weltenraum auf die Haare der Tiere und der Menschen wirken können, so kann das Haar nicht zur Feder werden, wenn ich diesen paradoxen Ausdruck gebrauchen darf. Er entspricht völlig der Wirklichkeit, und man könnte, wenn man die Paradoxie fortsetzen wollte, sagen: Jede Vogelfeder hat die Tendenz, ein Haar zu werden, aber sie ist kein Haar, weil die Kräfte des Weltenraums von allen Seiten auf die Vogelfeder einwirken. Und jedes Haar hat die Tendenz, eine Feder zu werden, und es wird das Haar keine Feder aus dem Grunde, weil die Kräfte, welche von der Erde nach aufwärts wirken, stärker sind als die Kräfte, die von auswärts hereinwirken. — Wenn man sich solche Paradoxien wirklich ernsthaft vorhält, dann kommt man auf gewisse grundlegende Geheimnisse in der Konstitution unseres Weltalls. Nehmen wir einmal an, es hätte ein Mensch mit alter Hellsichtigkeit nicht den Menschen darstellen wollen, der eigentlich die verschiedenen Strömungen, die in ihn eingeflossen sind, verbirgt, indem er sie harmonisiert und sie nur in ihrer Wechselwirkung zeigt, sondern denken wir, er hätte gerade diese verschiedenen Strömungen anschaulich machen wollen. Dann hätte er sagen müssen: Dem Menschen liegt etwas zugrunde, was man nicht physisch sehen kann: die ursprüngliche Schemen- oder Schattengestalt, die heute nur deshalb auch in der äußeren physischen Gestalt herauskommt, weil der Mensch harmonisiert hat, was man die Adler-, Stier- und Löwenströmung nennt. Derjenige, der den Menschen in bezug auf seinen Werdegang betrachtet, müßte die ursprüngliche Schemen- oder Schattengestalt des Menschen als übersinnlich betrachten, dafür aber müßte er dasjenige, was beim Menschen zusammengeflossen ist, sondern, auseinander bringen, das heißt, er müßte sich denken: der ganzen Menschwerdung liegt zugrunde eine ätherische Schemengestalt, und in diese fließen ein, vermischen sich so, daß sie beim fertigen Menschen der Gegenwart nicht mehr zu unterscheiden sind, ein Stier-, ein Löwen-, ein Vogelelement.

Nehmen wir nun einmal an, eine Kulturepoche wie etwa die altägyptische hätte das Bestreben gehabt, vor den Menschen die Menschwerdung hinzustellen, die ganze große Rätselfrage der Menschwerdung, dann hätte der eigentliche Mensch, die ursprüngliche, als Ergebnis von Saturn-, Sonnen- und Mondenentwickelung herübergekommene Schemengestaltung des Menschen als Mensch, unsichtbar bleiben müssen. Aber wie aus dem Unsichtbaren heraus hätte sich bilden müssen ein Kompositum, zusammengefügt aus Stier- und Löwengestalt und mit Flügeln, wie sie der Adler hat, wie sie überhaupt der Vogel hat. Wenn Sie sich an die Sphinxgestalt in ihrem umfassendsten Sinn erinnern, die uns darstellen soll das große Rätsel vom Menschwerden, dann haben Sie tatsächlich das, was eine hellseherische Kultur, die im Innern wußte, wie es um die Menschheit steht, vor diese Menschheit hingestellt hat. Was in der Sphinx gesondert auftritt, ist innig verwoben in der menschlichen Natur. Und man kann sagen, daß für den hellseherischen Blick sich die Menschengestalt auf eine ganz sonderbare Weise ergibt. Wenn man nämlich eine solche Sphinx, die tatsächlich zusammengesetzt ist aus einer Löwengestalt und einer Stiergestalt mit Vogelflügeln, auf den hellseherischen Sinn wirken läßt und sie durch das ergänzt, was als menschliche Schemen- oder Schattengestalt dahinter steht, und das innig miteinander verwebt, dann entsteht die menschliche Gestalt vor uns, dann wird das, was wir heute als Mensch vor uns haben. Daher kann das hellseherische Bewußtsein eine Sphinx, die zunächst gar nicht menschenähnlich ist, nicht ansehen, ohne daß es sich sagt: Du bist ich selber.

Wir haben nun im Verlaufe dieser Betrachtung etwas sehr Merkwürdiges gesagt. Wir haben ja die viergliedrige Wesenheit des Menschen von einem anderen Standpunkt aus beleuchtet. Eine Schemen- oder Schattengestalt, die esoterisch als der Mensch bezeichnet wird, kommt herüber als das Ergebnis der alten Saturn-, Sonnen- und Mondenentwickelung. Im Laufe der Verdichtung dieser Schemen- oder Schattengestalt wirken die Strömungen, die man esoterisch bezeichnet als die Löwen-, als die Stier- und als die Adlerströmung. Hier haben wir jene vier esoterischen Symbole, die tatsächlich zusammen den Menschen ausmachen und die mit der menschlichen Entwickelung am tiefsten, am bedeutsamsten zu tun haben. Nun haben wir erwähnt, daß im Laufe der Menschheitsentwickelung auf der Erde sowohl in diesen Menschen selber wie auch in die anderen Wesenheiten, namentlich also in die Wesenheiten der Vogelwelt, Kräfte von draußen, vom Weltenraum eingriffen. In der Tat fand das während der atlantischen Zeit statt, so daß man sagen kann, in diejenigen Teile der menschlichen Organisation, bis zu denen das menschliche Normalbewußtscin allerdings jetzt nicht mehr hinunterreicht, trat eine Strömung ein in den Menschen, die aus dem Weltenraum hinunterkam. Diese Strömung war in der atlantischen Zeit, war natürlich auch in der nachatlantischen Zeit vorhanden. Das war diejenige Strömung, die aus dem Bereich kam, welchen ich gestern als die oberen Götter bezeichnet habe, die in gewisser Weise die Vorstellungen der unterirdischen Götter, der chthonischen Götter sind. Das sind Wesenheiten, welche denjenigen Schülern der griechischen Mysterien entgegentraten, die sich an das große Rätsel der Sphinx heranmachen mußten. Sie mußten in der Tat den unterbewußten Teil der menschlichen Wesenheit in dieser Weise erschauen, daß sie durch die Selbsterkenntnis auch in dieser Beziehung zur viergliederigen Menschheit gekommen waren. Dasjenige nun, was in das Unterbewußtsein des Menschen seit der atlantischen Zeit vom Weltenraum hereinströmte, was, man möchte sagen, selbst in bezug auf seine niedrigeren Teile in es eindrang, strömte nun in bezug auf seine höchsten geläuterten Teile in die Erdenentwickelung des Menschen bei der Johannestaufe am Jordan ein. Das ist in der Tat ein bedeutsames Ereignis. Da strömen in der reinsten Weise jetzt nicht nur in den unterbewußten Teil des Menschen, sondern so, daß immer mehr und mehr der bewußte Teil des Menschen ergriffen werden kann, diejenigen Kräfte ein, die seit der atlantischen Zeit als die Strömung aus dem Weltenraum fortwährend schon auf unsere Erden- und Menschheitsgestaltung gewirkt haben. Daher mußte das Bild auftreten, welches auch tatsächlich unter den großen, durch die okkulten und religiösen Schriften auf uns gekommenen Symbolen vorhanden ist: das Symbolum, das wir in den Evangelien finden. Wie konnte man nun diese Einströmung von oben aus dem Weltenraum in ihrer reinsten Gestalt darstellen? Wir wissen, was dazumal bei der Johannestaufe stattgefunden hat, daß dazumal der dreigliedrige Leib des Jesus von Nazareth, welcher durch die zwei Jesusknaben vorbereitet worden ist, wie Sie das in dem Büchelchen «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit» finden, verlassen wurde von seinem Ich, welches das Ich des Zarathustra war. Dieses Ich strömte nach oben, und in dieses Ich strömte ein bei seinem Fortgehen der reinste Teil jener Strömung, die schon fortwährend aus dem Weltenraum einströmte, aber nur zu den heute unterbewußten Gliedern des Menschen. Deshalb wird als ein richtiges Symbolum angegeben eine Vogelgestalt, die Gestalt der reinen weißen Taube, die gleichsam den reinsten Extrakt dessen darstellt, was das Adler- oder Cherubhafte der alten Sphinxgestalt war. Und es gehört im wesentlichen zu der Vollendung der Menschheit auf der Erde, daß in den bewußten Teil des Menschen einströmt diese kosmische, diese Weltenströmung. In dem Bilde des Jesus von Nazareth am Jordan, mit der Taube über ihm, finden wir in der Tat ausgedrückt das Geheimnis, das jetzt zu einem gewissen Abschluß gekommen war.

Diese Strömung vom Weltenraum herein haben wir ja in ihrer Geschichte, ihrer kosmischen Geschichte gestern ein wenig verfolgen können. Warum konnte diese Strömung aus dem Weltenraum herein so sich gestalten, daß sie zu jener Christus-Kraft wurde, zu jenem Christus-Impuls, der, indem er immer weiter und weiter auf der Erde wirkt, die menschliche Wesenheit ganz ausfüllen, ganz durchdringen wird? Indem der Mensch diesen Impuls in sein Inneres aufnimmt, wird er in der Tat immer mehr und mehr die Wahrheit des Paulinischen Wortes in sich erfüllen: Nicht Ich, sondern der Christus in mir. Gegenüber den anderen drei Strömungen, die da waren als Ergebnis der früheren Entwickelung, wird die neue Strömung, welche die geläutertste Strömung von oben ist, den Menschen immer mehr und mehr ergreifen, immer mehr umspannen, wird immer mehr ihn aber auch loslösen von dem, was ihn an die Erde bindet. Wir haben das geschichtliche Werden dieser Strömung gestern dadurch charakterisiert, daß wir sagten, sie hat eigentlich nur so sein können, wie sie geworden ist, dadurch, daß sie sich schon auf der alten Sonne vorbereitet hat.

Während die oberirdischen Götterwesenheiten, die in unserem gestrigen Sinne die Vorstellungen der anderen Götterwesenheiten sind, nur in den feineren Elementen, in dem Wärmeelement, in dem Lichtelement, dem chemischen Element, dem Lebenselement leben wollten, nahm diese Wesenheit, die später durch die Johannestaufe im Jordan herunterstieg, aus innerster Weisheit die Kräfte mit, zu denen dazumal während der alten Sonnenentwickelung unsere Entwickelung schon vorgeschritten war. Wir wissen ja aus der Geisteswissenschaft, daß während der alten Sonnenentwickelung schon jene Verdichtung des Wärmeelementes, das noch auf dem alten Saturn das Wesentlichste war, zum Luftelemente stattgefunden hatte. Während die anderen Wesenheiten der überirdischen Götterwelten sich nicht darauf einließen, bei ihrem Hinausgehen aus der Gesamtentwickelung in den Weltenraum etwas Luftartiges mitzunehmen, hat diese Wesenheit das Element der Luft mitgenommen, so daß sie verwandt blieb mit der Erde, also bei aller kommenden Entwickelung draußen im Weltenraum durch diese Wesenheit fortwährend ein der Erde verwandtes Element war: das, was sich auf der alten Sonne schon zur Luft oder zum Gas verdichtet hatte. Wenn wir in dem Weltenraum wie mit dem Auge des alten Zarathustra hinausblicken zur Sonne, dann müssen wir in ihr zunächst ein Überbleibsel der alten Sonne sehen, gleichsam die wiederbelebte alte Sonne, die in der Gegenwart gleichsam nachahmt dasjenige, was auf der alten Sonne war. Wir haben also in der Sonne geheimwissenschaftlich zu sehen den Wohnplatz oder wenigstens einen Teil des Wohnplatzes — unsere übrigen Planeten gehören auch zu diesem Wohnplatz —, aber den wesentlichsten Teil des Wohnplatzes der oberen Göttergestalten, die wir gestern als die eine Strömung der Götterwelt angeführt haben. Wenn Sie aber diese ganze Sonne mit hellseherischem Blick anschauen, so ist alles das, was diese oberen Götter sind, nur ätherisch in der Sonne vorhanden, von den Wärmeelementen nach aufwärts nur als Wärme-, als Lichtäther, chemischer und Lebensäther. Aber die Sonne, wie sie heute im Weltenraum draußen schwebt, ist nicht nur für den hellseherischen Blick als ätherische Gestalt da, sondern sie ist als ein Gasball, als ein bis zur Luftigkeit Verdichtetes vorhanden. Die Sonne wäre niemals bis zur Luftsubstanz verdichtet worden, wenn nicht während der alten Sonnenentwickelung jene Wesenheit, von der ich gestern gesprochen habe und die mit der Taube bei der Johannestaufe im Jordan wiederum herunterkam, sich in einem Luftleib und nicht bloß in einem Ätherleib von der Sonne getrennt hätte. Wenn wir also die Sonne ansehen, so müssen wir sagen: Was in der Sonne Wärme-, Licht-, chemische Impulse sind, was Lebensimpulse sind, das hängt zusammen auch mit den anderen Wesenheiten, die nur die Vorstellungen der unteren Göttergestalten sind. Was in der Sonne gasig ist, ist in der Tat Körper des Christus.

Darin wird unsere heutige so materialistische Wissenschaft einmal die alte Zarathustralehre wiederum kennenlernen, wird sich sagen müssen: Die Sonne als Gasball im Weltenraum draußen ist nicht nur dasjenige, was unsere Astrochemie aus derselben machen will, nicht bloß, was unsere Spektralanalyse entdeckt, sondern die Sonne als Luft- oder Gasball draußen im Weltenraum ist der ursprüngliche Leib des Christus, der im Verein mit den anderen oberen Göttern aber eine dem Erdenwesen verwandte Göttergestalt war. — Das empfand Zarathustra, als er das Geheimnis von dem Christus in der Sonne mit dem Worte ausdrückte: Aura oder Ahura Mazdao, der große weisheitsvolle Geist, die große Weisheit, die große Aura. — In der Tat, das, was vorher bloß in der Sonne war, verwandt mit der Erdenwesenheit, ergriff in dem mysteriösen Moment der Johannestaufe im Jordan Besitz von dem physischen, dem Ätherleib und astralischen Leib des Jesus von Nazareth. Und in diesem Leibe des Jesus von Nazareth vereinigte sich zuerst auf unserer Erde die gereinigte, geläuterte Strömung aus dem kosmischen Weltenraum mit dem aus dem menschlichen Herzen nach dem Gehirn zu strömenden neu entstehenden Ätherleib. Mit jener ätherischen Strömung, die fortwährend als feinste Ätherteile aus dem Blut vom Herzen nach dem Kopfe zu strömt, vereinigte sich während der Johannestaufe im Jordan das, was als eine wirkliche, auch von Luftsubstanz durchzogene Strömung von draußen aus dem Weltenraum hereinkam. Damit war der Anfang dazu gegeben, daß für jede Menschenseele seither die Möglichkeit vorliegt, sich zu durchdringen mit jenem Elemente aus dem Weltenraum, das in der Signatur der Taube uns vorgestellt wird bei der Johannestaufe im Jordan. Da war in der Tat eine Korrespondenz geschaffen zwischen dem ganzen Weltenall, soweit es uns zugänglich ist, und seinem reinsten Extrakt, der vorher, vorläufig möchte man sagen, mitgewirkt hat in dem, was man esoterisch die Adlerströmung nennt. Es war eine Kommunikation, ein Zusammenwirken zwischen alledem, was die Strömung der Erde war, die den menschlichen Leib von unten herauf gestaltet hat, und demjenigen, was von außen herein als die makrokosmische Strömung auf den Menschen einwirkte. Sie sehen daraus, daß man in der Tat das Mysterium von Palästina immer mehr und mehr vertiefen kann. Je weiter wir selbst vorrücken in der Erkenntnis dessen, was die Welt ist, desto mehr kommen wir auch dazu, das Mysterium von Palästina zu begreifen.

Nun müssen wir uns die Frage vorlegen, meine verehrten Freunde: Warum sieht heute der Mensch gar nichts mehr, empfindet gar nichts mehr von Ätherströmungen, die von seinem Herzen gegen sein Gehirn zu fließen? Die heutige Wissenschaft ist oberflächlich. Daher nimmt sie auch die Geschichte höchst oberflächlich und nimmt das, was uralte Wahrheiten sind, oftmals als uralte Irrtümer. Wenn Sie den Aristoteles, den alten griechischen Philosophen, studieren würden, so würden Sie eine merkwürdige Menschennaturlehre finden, eine merkwürdige Darstellung des Weltenwunders, der menschlichen Wesenheit. Sie würden da die Darstellung finden, daß vom Herzen feinste Ätherteile nach dem Kopfe strömen und, indem diese Ätherteile das Gehirn berühren, abgekühlt werden. Natürlich sagt die heutige Wissenschaft: Aristoteles war zwar für die alten Griechen recht gescheit, aber heute weiß jeder Schulbube, daß das ein Irrtum ist. — Ein Irrtum ist aber das, was diejenigen glauben, die so über Aristoteles sprechen. In Wahrheit hat zwar Aristoteles nicht das hellseherische Bewußtsein besessen, um über diese Dinge selbst etwas zu wissen, aber er hat noch aus alten Traditionen heraus gewußt, was man in noch älteren Zeiten durch ein ursprüngliches natürliches Hellsehen hat beobachten können. Und dies Bewußtsein von den Ätherströmungen, die vom Herzen zu dem Gehirn heraufziehen, war in einer gewissen Weise bis tief in unser Mittelalter herein noch vorhanden, bis ins fünfzehnte, sechzehnte Jahrhundert, und wir finden ein gewisses Bewußtsein dafür noch in den Werken des Cartesius. Nur daß die Geschichte der Philosophie sagt: Nun ja, das ist halt etwas, was der Cartesius da so phantastisch erzählt von den sogenannten Lebensgeistern, die vom Herzen nach dem Gehirn strömen, das sind eben alte Vorurteile. Glücklich, daß wir darüber hinaus sind! — Es sind aber nicht alte Vorurteile, es sind alte Wahrheiten, die von der Zeit herrühren, wo man durch natürliches Hellsehen dergleichen Dinge hat wahrnehmen können. Der späteren Zeit ist das Bewußtsein von diesen Dingen eben verlorengegangen. Wie müssen wir denn vom Gesichtspunkt des heutigen Hellsehens, der heutigen okkulten Wissenschaft, diese Dinge darstellen? Man kann sich vielleicht, weil Aristoteles notwendigerweise nur aus den Überlieferungen schöpfen mußte, da ihm selbst nicht mehr die alten hellseherischen Kräfte zur Verfügung standen, etwas schwer abfinden mit der Art und Weise, wie er diese Dinge ausdrückt. Wenn man aber durch die heutige, seit dem dreizehnten Jahrhundert gangbare Esoterik sich wiederum einläßt auf die Prüfung der vollen Menschenwesenheit, dann bemerkt man, daß in der Tat eine solche Ätherströmung vom Herzen nach dem Kopfe strömt."[1]

Lit.:
[1]Rudolf Steiner, Weltenwunder, Seelenprüfungen und Geistesoffenbarungen, GA 129 (1977), S 182 ff., Neunter Vortrag, München, 26. August 1911

(Literaturangaben folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz Email: verlag@rudolf-steiner.com URL: http://www.rudolf-steiner.com)

Link: http://www.anthroposophie.net   Site Search   Web Search
http://www.anthroposophie.net/lexikon/db.php?id=220letzte Änderung: 2002-10-18

Druckversion dieses Artikels abrufen

Home Suchen Vorträge Veranstaltungen Adressen Bücher Link hinzufügen
Wolfgang Peter, Ketzergasse 261/3, A-2380 Perchtoldsdorf, Tel/Fax: +43-1-86 59 103, Mobil: +43-676-9 414 616 
www.anthroposophie.net        Email: Wolfgang.PETER@anthroposophie.net