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Lexikon Anthroposophie

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Gestalt
die menschliche Gestalt als Resultat einander begegnender horizontaler und vertikaler geistiger Kräfteströmungen

"Dasjenige, was da draußen vor uns steht, wenn wir mit den äußeren Sinnen den Menschen anschauen, das ist bloß eine optische Täuschung. Das ist gar nicht vorhanden. Das nimmt sich vor einer vollständigen Betrachtung ganz anders aus. Denken Sie doch einmal daran - um sich ein Bild zu machen -, daß Sie sich selbst gar nicht ganz sinnlich wahrnehmen können. Wenn Sie Ihr Auge schweifen lassen über sich selber, so sehen Sie nur einen Teil von sich selber, nur einen Teil Ihrer Oberfläche. Sie können niemals Ihr eigenes Hinterhaupt oder Ihren Rücken selbst wahrnehmen. Dennoch wissen Sie, daß Sie sie haben. Sie wissen es durch die übrigen Sinne, durch den Gleichgewichtssinn, durch den Bewegungssinn und so weiter. Sie wissen sozusagen durch ein inneres Bewußtsein, daß etwas an Ihnen ist, was Sie nicht äußerlich an sich selber wahrnehmen können. So ist sehr viel am Menschen, was er nicht wahrnehmen kann, was zum Beispiel erst erfaßt werden kann, wenn die gesamten von mir charakterisierten höheren Wahrnehmungsorgane entwickelt sind.

Nun wollen wir zunächst einmal ins Auge fassen dasjenige Stück vom Menschen, das er - nehmen wir an durch sein Auge - sinnlich an sich selber wahrnehmen kann. Begrenzen Sie zunächst das Stück, das der Mensch an sich selber sehen kann. Was ist denn eigentlich dieses Stück, das der Mensch da an sich selber wahrnimmt? Fassen Sie nur die Worte genau. Wodurch soll der Mensch denn dieses Stück, das er an sich selber sehen kann, wahrnehmen? Alles was man wahrnimmt, nimmt man wahr im Grunde genommen durch die Empfindungs-seele. Denn wenn man nicht durch die Empfindungsseele irgendeine Nachricht bekommt von dem, was vorgeht, so wird man zu keiner Auffassung über etwas kommen. Würde der bloße Empfindungsleib eine solche Nachricht bekommen, so würde er es nicht auffassen können. Er würde davorstehen ohne Verständnis. Daß der Mensch aber etwas wahrnehmen kann, das macht die Empfindungsseele, welche dasjenige, was da vorgeht, auffaßt. Und was ist es, was da gegenübersteht dieser Empfindungsseele? Was ist das Stück, was dann der Empfindungsseele gegenübersteht, wenn das Auge es wahrnimmt? Das ist nichts anderes als der Schein des Empfindungsleibes, die äußere Illusion des Empfindungsleibes. Allerdings müssen Sie nun den Begriff etwas erweitern. Sie können sich nicht nur dadurch wahrnehmen, daß Sie Ihr Auge auf die Oberfläche Ihres Körpers richten, sondern Sie können auch mit Ihren Fingern dahin reichen. Da nehmen Sie es auch durch den Empfindungsleib wahr. Der Empfindungsleib erstreckt sich überall da, wo der Mensch wahrgenommen werden kann durch Berührung, durch Empfindung. Das ist jedoch nicht der Empfindungsleib, was der Mensch da wahrnimmt. Würden Sie den Empfindungsleib wirklich sehen, dann würden Sie sehen, daß da, wo Sie Ihr eigenes Scheinbild sehen, Ihren physischen Leib, ein Astrali-sches sich herandrängt und zurückgeschoben wird. Wenn etwas zurückgeschoben wird, dann staut es sich. So haben Sie vorne ein Zusammenwirken von Empfindungsleib und Empfindungsseele. Von hinten her kommt die Strömung der Empfindungsseele, so daß sie sich stößt an Ihrer Haut am Vorderleibe, und von vorne stößt sich das hinein, was Ihr Empfindungsleib ist. Wenn zwei Strömungen sich stauen, dann kommt die Stauung zum Vorschein. Da ist es gerade so, wie wenn zwei Ströme aufeinanderprallen: dann kommt dabei etwas zum Vorschein. Da sehen Sie den einen Strom, und Sie sehen den ändern Strom. Jetzt aber denken Sie sich, Sie könnten den einen und den ändern Strom nicht sehen, sondern Sie könnten nur dasjenige sehen, was an dieser Stelle durch das Durcheinanderwirbeln der zwei Ströme zum Vorschein kommt. Das ist das Stück an Ihrer äußeren Leiblichkeit, was Ihr Auge oder sonst irgendein äußerer Sinn an Ihnen selber wahrnehmen kann. Sie können geradezu an Ihrer Haut begrenzen, wo dieses Zusammentreffen von Empfindungsseele und Empfindungsleib stattfindet. Hieraus sehen Sie an einem Beispiel, wie dasjenige, was wir geistig betrachtet haben, wie diese verschiedenen Glieder des Menschen an dem Menschen selber formen. Wir sehen, wie die Seele am Leibe selber formt. Nun gehen wir weiter.

Wir können sagen: An dem Menschen ist ein Zusammenwirken von hinten und vorn, so daß Empfindungsseele und Empfindungsleib zusammenstoßen. Geradeso gibt es ein Zusammenstoßen von Strömungen, die von rechts und von links kommen. Von links her kommt diejenige Strömung an den Menschen heran, welche seinem physischen Leib angehört, von rechts diejenige, welche seinem Ätherleibe angehört. Ätherleib und physischer Leib ergießen sich ineinander, schieben sich ineinander, und wo die beiden sich ineinanderschieben, wo physischer Leib und Ätherleib gemeinschaftlich wirken, da ist dasjenige, was da entsteht, der eigentliche sinnlich wahrnehmbare Mensch. Sozusagen ein Blendwerk entsteht vor dem Menschen. Von links kommt die Strömung des physischen Leibes, von rechts die Strömung des Ätherleibes; die beiden dringen ineinander und bilden in der Mitte das, was erscheint als der sinnlich wahrnehmbare physische Mensch.

Und weiter. Ebenso wie es Strömungen von links und rechts, von vorn und hinten gibt, so gibt es eine Strömung von oben und eine von unten. Von unten herauf ergießt sich nämlich die Hauptströmung des astralischen Leibes und von oben herunter die Hauptströmung des Ich. Haben wir den Empfindungsleib vorhin so charakterisiert, daß er sich vorne abgrenzt, so ist es in Wahrheit so, daß der astralische Leib in seiner Strömung von unten herauf strömt, daß dann aber diese Strömung ergriffen wird von einer Strömung, die von hinten nach vorne geht, und dadurch in einer gewissen Weise begrenzt wird. Aber es ist nicht allein eine Strömung von unten nach oben und von rückwärts nach vorne in diesem astralischen Leibe, sondern es ist auch eine wirkliche Strömung von vorne nach rückwärts, so daß der astralische Leib durch diese Stromrichtungen zustande kommt: von unten nach oben und von vorne und rückwärts. Im Menschen fließen wirklich alle diese Strömungen ineinander: eine von oben nach unten, eine von unten nach oben, eine von rückwärts nach vorn, eine von vorn nach rückwärts, eine von rechts nach links, eine andere von links nach rechts.

Was kommt denn zustande durch das Aufeinanderströmen der von unten herauf und der von oben nach unten sich ergießenden Strömungen ? Was da zustande kommt, das will ich Ihnen in der folgenden Weise klarmachen. Eine Strömung geht von oben nach unten. Sie kann sich nicht ungehindert ergießen, weil sie aufgehalten wird von der ändern Strömung, welche von unten nach oben strömt. Ebenso ist es bei der Strömung, die von rechts nach links geht und so weiter. Jede wird aufgehalten, und das bietet in der Mitte das Scheinbild des physischen Leibes.

Wenn wir die beiden Strömungen betrachten von rückwärts nach vorn und von vorn nach rückwärts, so müssen wir uns darüber klar sein, daß diese beiden Strömungen durchschnitten werden von den Strömungen von unten und von oben. Und durch dieses Durchschneiden entsteht in der Tat eine Dreigliederung im Menschen. So daß der untere Teil der einen Strömung zu bezeichnen ist als der Empfindungsleib im engeren Sinne. Dann entsteht durch die Stauung etwas, was demjenigen entspricht, was man nunmehr im engsten Sinne bezeichnen kann als die höchste Ausbildung des Empfindungsleibes, dort, wo sich die eigentlichen Sinne entwickeln, was Sie nicht mehr sehen können, weil die Augen selber dazugehören, was Sie nicht mehr riechen können, weil das Riechorgan selber dazugehört. Sie können nicht hineinsehen in das Innere des Auges, sondern Sie können nur herausschauen aus dem Auge.

Das ist die Ausgestaltung des gesamten Empfindungsleibes des Menschen. Warum aber habe ich Ihnen überhaupt zwei Glieder bezeichnet, wenn das alles Empfindungsleib ist? Das ist richtig aus dem Grunde, weil da unten hauptsächlich die Wirkung geschieht von außen, und da oben ist wiederum das physische Scheinbild dessen, was wir Empfindungsseele nennen. Im Antlitz zunächst haben Sie den Ausdruck der Empfindungsseele. Das Antlitz wird von der Empfindungsseele gebaut. Und da oben, das oberste Stück, das am wenigsten zurückgeschobene, das ist das, wo die Verstandesseele sich ihr Organ baut. Nun aber merken Sie, daß nicht nur diese Strömungen von unten und oben kommen, sondern daß auch Strömungen von rechts und von links kommen, so daß das Ganze wiederum durchschnitten wird. Wir haben da eine Strömung, die durch die Längsachse des Körpers verläuft. Diese Strömung bewirkt, daß wiederum eine Art von Spaltung da oben entsteht. Es wird ein Stück abgespaltet von der Form der Verstandesseele; und dieses abgespaltene Stück, ganz oben an der Grenze, das ist die Form der Bewußtseinsseele. Diese Bewußtseinsseele formt da oben bis ins Innerste des Menschen hinein, und sie formt da auch die Windungen des grauen Gehirns. Da haben Sie die Arbeit der Bewußtseinsseele an dem Menschen. Wenn Sie den Menschen so als eine geistige Wesenheit kennen, dann können Sie rundweg das, was im Menschen als Form ist, aus dieser geistigen Wesenheit heraus begreifen. So arbeitet der Geist an der Form des menschlichen Leibes. Alle einzelnen Organe werden aus dem Geistigen sozusagen plastisch herausgemeißelt. Der Mensch kann den Bau des Gehirnes erst dann begreifen, wenn er weiß, wie die einzelnen Strömungen im Gehirn durcheinander wirbeln.

Nun wollen wir einmal auf eine Einzelheit eingehen, damit Sie sehen, wie diese Dinge einmal fruchtbar wirken können, wenn sie Gemeingut einer wahren Wissenschaft werden, anstelle der heutigen, äußeren Wissenschaft. Wir haben jetzt gesehen: Da oben entstehen durch die verschiedenen Strömungen die äußeren Organe für die Bewußtseinsseele, Verstandesseele, Empfindungsseele zum Beispiel. Zu zeigen, wie dann diese Organe im Innern sich fortsetzen, würde sehr weitläufige Erklärungen erfordern. Wir wollen aber eine andere Frage aufwerfen. Wir haben gesagt, daß das Ich von oben nach unten wirkt, und daß die Hauptmasse des astralischen Leibes von unten nach oben geht, so daß die Hauptmasse des astralischen Leibes und das Ich sich in einer Strömung berühren. Dadurch kommt eine Wechselwirkung zustande zwischen Ich und astralischem Leib, so daß sie sich ineinander stauen. Da, wo das Ich eine bewußte Tätigkeit ausführen soll, da muß etwas zustande kommen können, was durch die Empfindungsseele, was durch die Verstandesseele und was durch die Bewußtseinsseele entsteht. So etwas, was zum Beispiel durch die Verstandesseele zustande kommt, ist ein menschliches Urteil. Wo muß denn also ein menschliches Urteil lokalisiert sein? Natürlich muß es im Kopfe lokalisiert sein, weil dort die betreffenden lebendigen Kräfte und Wesensglieder des Menschen ihren Ausdruck gefunden haben. Nehmen wir jedoch als ein besonderes Beispiel an, es sollte im Menschen ein solches Organ zustande kommen, an dem die Verstandesseele keinen Anteil hat, in dem nicht geurteilt wird, sondern an dem nur Anteil haben sollen der physische Leib, der Ätherleib, das Ich und der astralische Leib als Träger von Lust und Leid, Freude und Schmerz und so weiter. Nehmen wir an, diese vier Glieder der menschlichen Wesenheit, der astralische Leib, das Ich - ohne jene feinere Tätigkeit des Urteilens und des Bewußtseins -, der physische Leib und der Ätherleib sollten zusammenwirken. Wie müßte sich dann ein Organ ausnehmen, worinnen diese vier Strömungen zusammenwirken? Ein solches Organ würde so sein, daß es nicht urteilen ließe, daß es sogleich folgen lassen würde auf den Eindruck des astralischen Leibes die Gegenwirkung. Physischer Leib und Ätherleib müssen zusammenwirken, denn sonst könnte dieses Organ nicht da sein. Astralischer Leib und Ich müssen zusammenwirken, sonst könnte dieses Organ nicht Gefühle haben, und es könnte auch nicht auf einen Eindruck hin irgendeine Sympathie oder Antipathie äußern. Wir wollen uns zusammenwirkend denken physischen Leib und Ätherleib, und wir wollen uns denken, daß es ein physisches Organ ist, und daß es natürlich einen entsprechenden Ätherleib haben muß, weil ja jedes physische Organ von einem Ätherleib aufgebaut werden muß. In diesem Falle müßte zusammenwirken eine Strömung von rechts des Ätherleibes dieses Organs, und eine Strömung von links, diejenige des physischen Leibes dieses Organs. Die würden sich in der Mitte stauen, würden sich nicht übereinanderschieben können und würden daher eine Verdickung hervorrufen. Dann würde es die beiden ändern Strömungen geben, die des astralischen Leibes von unten und die des Ich von oben; die würden eine andere Stauung hervorrufen. Nun wollen wir uns einmal schematisch dieses Zusammenwirken der Strömungen in einem einzelnen Organ denken. Ich will nur schematisch die Sache zeichnen; die einzelnen Formen eines solchen Organes würden aus ganz ändern Voraussetzungen folgen. Ich will sagen: Es gäbe ein Organ, irgendwie geformt; da gäbe es die eine Strömung, die den physischen Körper repräsentiert, und die andere Strömung, welche den ätherischen Leib repräsentiert. Die rufen in der Mitte eine Verdickung hervor. Die beiden ändern Strömungen von oben und von unten stauen sich ebenfalls und rufen auch ihrerseits eine Verdickung hervor. Da haben Sie das menschliche Herz gezeichnet: rechte Vorkammer, rechte Herzkammer, linke Vorkammer, linke Herzkammer. -Wenn Sie sich alles, was das menschliche Herz kann, genau vergegenwärtigen, so werden Sie sich sagen müssen: Gerade so muß das menschliche Herz aus dem Geiste heraus gebaut sein! - So baut sich der menschliche Geist dieses Herz. Es kann gar nicht anders sein.

Wollen wir ein anderes Beispiel nehmen. Wir haben gestern etwas Merkwürdiges gesagt. Wir haben gesagt, daß bei der Sehtätigkeit im Grunde genommen eine unterbewußte Denktätigkeit vorhanden ist. Denktätigkeit, wenn sie bewußt wird, kommt ja nur im Gehirn zustande. Nun wollen wir uns vergegenwärtigen, wie das Gehirn gebaut ist, damit eine bewußte Denktätigkeit zustande kommt.

Wir haben jetzt nicht Zeit dazu, um die einzelnen Formen des Gehirns herauszumeißeln. Wir könnten bei jedem einzelnen Organ zeigen, daß es so sein muß, wie es ist. Wir wollen das Schema des Gehirns, soweit wir es brauchen, von vornherein voraussetzen. Wir wollen sagen: In dem Gehirn haben wir gegeben - um von allem ändern abzusehen - die äußere Haut, dann eine Art von Gefäßhaut; dann da drinnen, zwischen der Gefäßhaut und der netzförmigen Haut, haben wir so etwas wie die Rückenmarksflüssigkeit. Von dort geht es dann in das Rückenmark hinein. Das Innere des Gehirns ist ausgefüllt mit der eigentlichen Gehirnmasse, mit Nervenmasse. Nervenmasse ist die äußere Form für die Denktätigkeit, so daß also, wenn durch irgendein Sinnesorgan ein Eindruck der Nervenmasse überliefert wird, das zustande kommt, was bewußte denkerische Verarbeitung dieses Eindruckes von außen ist. Das alles ist der Nervenmasse übertragen. Wenn der Eindruck kommt, wird er zuerst denkerisch verarbeitet, und nachdem er denkerisch verarbeitet ist, wird er von einem Nervensystem weiterverarbeitet zur Empfindung und so weiter.

Nehmen Sie nun einmal an, es soll keine bewußte denkerische Verarbeitung eines Eindruckes von außen geschehen. Da müßten Sie das zunächst in ähnlicher Weise machen. Es müßte also wiederum eine Art von, sagen wir, Umhüllung da sein; es müßte wiederum da sein an der Rückwand das, was man nennen könnte Gefäßhaut. Aus einem bestimmten Grunde - der auch ausgeführt werden könnte, was aber jetzt zu weit führen würde - würde die Rückenmarksflüssigkeit verkümmern. Damit es nun geschehen kann, daß eine unterbewußte Denktätigkeit möglich wird, müssen wir die Gehirnmasse zurückschieben: dadurch wird vorne Platz, so daß eine unterbewußte, von keinem Nervensystem durchgearbeitete Denktätigkeit zustande kommt. Da muß etwas geschehen mit dem, was sonst gleich von der Nervenmasse in Empfang genommen wird. Dafür aber muß die Nervenmasse zurückgeschoben werden. Würde die Nervenmasse nicht zurückgeschoben werden, so würde hier gedacht werden. Wird sie zurückgeschoben, so kann hier nicht gedacht werden, kann auch nicht empfunden werden. Sie haben ein Organ, das einer unterbewußten Denktätigkeit dienen soll, dann, wenn Sie alles, was Nervensystem ist, zurückschieben bis an die hintere Wand, und den Eindruck, statt ihn gleich von einer Nervenmasse verarbeiten zu lassen, von etwas verarbeiten lassen, was von keinem Nervensystem durchzogen ist. - Nun sehen Sie sich an, was wir gemacht haben: wir haben aus dem Gehirn ein Auge gemacht.

Was ist das Auge? Das Auge ist ein kleines Gehirn, das von unserem Geiste so bearbeitet ist, daß der eigentliche Nervenapparat zurückgeschoben ist an die hintere Wand, wo sie zur Netzhaut des Auges geworden ist. So arbeiten die Baumeister der Natur, die Bildner der Formen. So formen sie. Im Grunde genommen herrscht ein Bauplan in allen menschlichen Organen, der nur im einzelnen, je nach Bedarf, abgeändert wird. Wenn ich wochenlang sprechen könnte, würde ich Ihnen zeigen, wie jedes Sinnesorgan nichts anderes ist als ein abgeändertes kleines Gehirn, und das Gehirn wiederum ein Sinnesorgan auf einer höheren Stufe. Aus dem Geiste heraus ist der ganze menschliche Organismus aufgebaut...

Wir haben gesagt: Von links nach rechts im Menschen wirkt die Strömung des physischen Leibes, von rechts nach links die Strömung des Ätherleibes, von vorn nach rückwärts die Strömung, die zustande kommt in dem Empfindungsleib und so weiter. Von unten nach oben und von oben nach unten wirken astralischer Leib und Ich einander entgegen. Diese Strömungen fließen also alle durcheinander. Das Ich, sagten wir, wirkt im Menschen von oben nach unten. Wie muß das äußere Organ daher liegen, damit es der Mensch als einen Apparat des Ich haben kann? Das äußere Organ für das Ich, das wissen Sie ja, ist das zirkulierende Blut. Das Ich könnte nicht wirken von oben nach unten, wenn es nicht im physischen Leibe sein Organ fände, das von oben nach unten in der vertikalen Richtung den menschlichen Leib durchzöge. Wo kann kein Ich sein, wie es der Mensch hat? Da, wo die Hauptblutrichtung nicht von oben nach unten geht, sondern wo sie horizontal liegt. Das ist in der Tierwelt der Fall. Das Gruppen-Ich der Tiere findet kein Organ, weil die Hauptblutlinie horizontal ist. Das ist der Unterschied, daß die Hauptblutlinie sich beim Menschen aufrichten mußte, damit in diese Hauptblutlinie das Ich des Menschen hineinkommen konnte. Da haben wir also die Tiere, bei denen das Ich das Blut nicht erfassen kann als sein Organ, weil die Hauptlinie des Blutes horizontal gerichtet ist, und da haben wir die Menschen, bei denen das Ich das Blut erfassen kann als sein Organ, weil die Hauptlinie dieses Blutes sich vertikal aufgerichtet hat. Nehmen wir nun einmal diejenige Anschauung, welche eine Verwandtschaft des Tieres mit dem Menschen aus bloß äußeren Gründen annimmt. Da müssen Sie sich sagen: Da sind tierische Formen; die sind erhalten aus früheren Zeiten. Jetzt aber mußte sich einmal die ganze Blutrichtungslinie aus der Horizontalen in die Vertikale aufrichten, damit der Mensch daraus werden konnte."[1]

"Nun könnte jemand sagen: Jetzt wollen wir dich in deiner eigenen Schlinge fangen! Du erklärst uns eine sehr bedeutsame Erscheinung im menschlichen Organismus nicht, wenn du von diesen Strömungen sprichst von rechts und links, oben und unten, vorn und hinten, du erklärst uns diejenige Erscheinung doch gar nicht, die in dem Folgenden liegt: Es gibt beim Menschen Organe, die genau symmetrisch gelegen sind, links und rechts gleich, und andere Organe, die unsymmetrisch sind, Herz, Leber, Magen und so weiter. Wir könnten, so könnte eingewendet werden, zur Not begreifen den menschlichen Organismus aus deinen Strömungen, wenn er ganz unsymmetrisch gebaut wäre, wenn er, ebenso wie er von unten nach oben und von vorn nach rückwärts anders aussieht, auch anders aussehen würde von links nach rechts.

Das könnte eingewendet werden. Es wäre aber ein kurzsichtiger Einwand. Denn, wie wir schon angedeutet haben, ist dasjenige, was von links nach rechts und von rechts nach links strömt, gerade dasjenige, was bewirkt den physischen Leib und den Ätherleib. Also in derjenigen Richtung, in der der Mensch symmetrisch aufgebaut ist, strömen physischer Leib und Ätherleib; gerade in dieser Richtung, wo physischer Leib und Ätherleib strömen, ist der Mensch symmeIrisch aufgebaut. Nun erinnern Sie sich aber, was die geisteswissenschaftliche Forschung sagt zu dieser anthroposophischen Tatsache und der anthroposophischen Erklärung, daß diese Strömungen existieren, und fragen wir uns, ob wir irgendeine Möglichkeit haben, auch da begreiflich zu machen, daß alles so sein muß, wie es ist.

Die geisteswissenschaftliche Forschung zeigt uns, daß dieser physische Leib des Menschen eine sehr alte Wesenheit ist, die vom alten Saturn her stammt, daß der Ätherleib auf der Sonne dazukam, daß der astralische Leib auf dem Monde und das Ich erst auf der Erde dazukam. Nun können wir uns fragen: Wie war denn die erste Anlage des physischen Menschenleibes, als sie auf dem alten Saturn angelegt worden war? Unsymmetrisch selbstverständlich, denn sie mußte in einer Richtung wirken, die in der heutigen Leibesrichtung der von links nach rechts entspricht. Wie war die Anlage des Ätherleibes, als sie auf der Sonne zunächst angelegt worden ist?

Unsymmetrisch war sie, denn sie mußte in der Richtung angelegt werden, welche heute entspricht der von rechts nach links im Menschen. Nun geht aber die Entwickelung weiter. Es bleibt bei der alten Sonnenwirkung nicht stehen, sondern es kommt nun die Mondenwirkung hinzu. Da entwickelt sich der physische Leib weiter; da wird an seiner Gestalt weitergebildet. Wenn diese Mondenwirkung nicht gekommen wäre, dann wäre der Mensch in bezug auf seinen physischen Leib allerdings ein einseitig unsymmetrisches Wesen geblieben. Nun setzte sich aber die Bildung dieses physischen Leibes auf dem Monde fort, und es setzte sich weiter alles übrige fort auf der Erde. Es mußte also etwas eintreten, was die ganze frühere Bildung veränderte, was sie zu einer ganz ändern machte. Es mußte sozusagen eine Umkehrung, eine Auswechselung der Richtungen entstehen. Es mußte dasjenige, was geschehen sollte, um die Einseitigkeit zu vermeiden, von der ändern Seite her bewirkt werden. Das heißt, während die Richtung, die vom Saturn her der Bildung des physischen Leibes eingeprägt war, von links nach rechts geht, mußte das jetzt wieder ausgeglichen werden durch eine Bildung von rechts nach links. Wodurch geschah das?

In früheren Vorträgen habe ich Ihnen gesagt, daß schon während der alten Mondenzeit die Sonne sich losgetrennt hat von dem Mond, und daß die Kräfte nun von außen herein wirkten, nicht mehr von derselben Seite, vom Mondenkörper aus. Und so war es auch mit dem Ätherleib, als die Bildung fortschritt. Was aus dem physischen Leibe bis zur alten Mondenzeit geworden war, das ist in Empfang genommen worden von der Seite, die jetzt von der außenstehenden Sonne kam. Ja, dann können wir aber wieder nicht begreifen, könnte jemand sagen, warum, da diese andere Seite so viel später gebildet worden ist, sie nicht viel kleiner ist als die andere Seite, warum die beiden Seiten gerade symmetrisch sind.

Erinnern Sie sich dazu an etwas anderes, was ich Ihnen gesagt habe. Es mußten gewisse Wesenheiten, die höher entwickelt waren, um stärkere Wirkungen zu entfalten, sich gerade von dem alten Mond und von der Erde trennen. Gerade um in der Bildung von rechts nach links stärkere Wirkungen auszuüben, als die auf dem Saturn ausgeübten, mußten diese Wesenheiten einen ändern, höheren Schauplatz gewinnen. Denn sie hatten es nicht so leicht wie die Saturnwesen, als diese einseitig den physischen Menschenleib angelegt hatten. Sie hatten das, was von der bisherigen Evolution da war, schon zu überwinden. Da staute sich schon der ganze Bildungsprozeß. Deshalb mußten sie stärker sein, sie mußten sich einen Schauplatz außerhalb der Erde, auf der Sonne wählen. Dadurch wurde die Kraft verstärkt, und es wurde die andere Seite gleich gemacht der ersten Seite. Es wurde der physische Leib ein symmetrisches Gebilde.

So werden Sie, wenn Sie nur Geduld haben, alles bis ins einzelne hinein bestätigt finden, was im Laufe der theosophischen Vorträge gesagt worden ist. Bis in die einzelnsten menschlichen Organe hinein könnten die Bildungskräfte verfolgt werden. Es würde ja natürlich zu weit führen, wenn ich Ihnen in diesen skizzenhaften Vorträgen auch das Ohrläppchen zum Beispiel erklären wollte, aber möglich wäre es.

Wenn Sie sich daran erinnern, was gestern gesagt worden ist: daß Strömungen stattfinden von vorne nach rückwärts, und daß das die Wirkungen des Empfindungsleibes sind, die Ausströmungen des Empfindungsleibes in den menschlichen Organismus hinein, daß dagegen die Strömungen der Empfindungsseele von rückwärts nach vorwärts gehen, so haben wir also in einer Richtung zwei gegeneinander wirkende Strömungen, von vorne nach rückwärts und von rückwärts nach vorne. Wie müßten wir uns nun vorstellen, daß die Strömungen des Empfindungsleibes von vorne nach rückwärts und die Strömungen, die von der Empfindungsseele von rückwärts nach vorne gehen, am menschlichen Organismus bauen? Wir könnten das einmal durch eine kleine Skizze veranschaulichen.

Wie gesagt, der physische Leib, der Ätherleib und der Hauptstock des astralischen Leibes waren schon da, und jetzt kommen jene Strömungen, die, vom Empfindungsleib kommend, von vorne nach rückwärts sich einbohren in den menschlichen Organismus. Und sie wirken so, daß sie hineinbilden in den menschlichen Organismus allerlei Organe in das, was schon darinnen ist. Nun, nehmen wir an, daß wiederum hineinarbeitet in den Organismus von rückwärts nach vorne die Empfindungsseele. Diese Arbeit ist eine innere, weil es eben Empfindungsseele ist. Vorne werden sich die Strömungen stauen. Sie werden sich so stauen, daß sie sich, wenn sie sich in den physischen Organismus hineinbohren, über das, was sie dort bilden, darüberlegen. Da gehen die Strömungen von der Empfindungsseele nach vorne, und da, wo der physische Leib begrenzt ist, dringen sie ein. Während die Strömungen des Empfindungsleibes von außen nach innen dringen - denn der Empfindungsleib ist ja außen -, gehen die Strömungen der Empfindungsseele von innen nach außen. Da müssen also an jener Stelle irgendwelche Öffnungen sein, da müssen einige Löcher gebohrt werden. Sie haben von rückwärts nach vorne gehend gewisse Strömungen und Sie haben von vorne nach rückwärts gehend gewisse Strömungen. Die Strömungen von rückwärts nach vorne gehen von der Empfindungsseele aus, von etwas Innerlichem; sie bohren sich hinein in den physischen Organismus.

Wenn Sie diese Skizze anschauen, haben Sie die Seitenansicht eines menschlichen Gesichts: vorn die Strömungen, welche die Sinnesorgane hineinbohren, Gesichtsorgan, Geruchsorgan, Geschmacksorgan, und von hinten nach vorne kommend die Bildungskräfte, die das Gehirn darüberlagern. Sie haben das Schema des Baues des menschlichen Kopfes, von der Seite angesehen.

So können wir also sagen: Wenn das wahr ist, was die Geisteswissenschaft sagt, so kann eigentlich dieser menschliche Kopf gar nicht anders aussehen, als er wirklich aussieht. Wo ist denn eigentlich der Beweis für das, was die Geisteswissenschaft behauptet? Die Geisteswissenschaft zeigt: Wenn überhaupt jemals ein menschlicher Kopf hat entstehen sollen, so mußte er so aussehen. - Fragen Sie einmal den menschlichen Kopf, ob er so aussieht? Ja, er sieht so aus! Da haben Sie die Bestätigung, den Beleg dafür, der uns von der Erscheinungswelt selber entgegengebracht wird.

Oder betrachten Sie jetzt einmal eine andere Tatsache. Die Arbeit des Empfindungsleibes geht nach innen, und die Arbeit der Empfindungsseele geht von innen nach außen, staut sich aber vorher noch. Sie kommt nicht bis nach außen, sie bleibt sozusagen gestaut in dem physischen Gehirnleib drinnen. Sie kann nicht heraus; sie kommt nur an den Stellen heraus, wo ihr entgegenkommen die Löcher, welche von vorne hineingebohrt sind. Da kommt die Tätigkeit der Empfindungsseele heraus; da schreitet sie heraus. So daß wir also haben einen Teil unseres Innenlebens, der sich eben als Empfindungsseele nach außen ergießt. Das kann noch die Empfindungsseele.

Die Verstandesseele ist hiezu nicht fähig. Sie ruht auch im Innern; sie muß sich ebenso verhalten in ihren Wirkungen. Sie staut sich vollständig. Sie kann gar nicht nach außen, denn ihr begegnen keine Strömungen von außen. Daher verläuft das menschliche Denken im Innern; es kann nicht heraus. Der Mensch muß schon in seinem Innern nachdenken. Die Dinge denken nicht für ihn nach und sie zeigen ihm auch nicht die Gedanken von außen her, sondern er muß die Gedanken den Dingen entgegenbringen. Das ist das große Geheimnis, möchte man sagen, von dem Verhältnis der menschlichen Gedanken zu der Außenwelt. Durch die Sinnesorgane kommen dem Menschen keine Gedanken zu; so daß also, wenn die Sinnesorgane selber eine Unregelmäßigkeit haben, leicht Sinnestäuschungen vorkommen. Während aber im normalen Leben die Sinne nicht irren können, kann der Verstand, der sich mit den Dingen nicht in eine Beziehung setzen kann, irren. Er ist das erste Glied des Menschen, das irren kann, weil sich seine Tätigkeit innerhalb des Gehirnes staut, weil seine Tätigkeit nicht nach außen kommt. Was folgt daraus? Daraus folgt, daß es ganz unmöglich ist, daß der Mensch Gedanken über die Außenwelt hat und sich etwas Richtiges über die Außenwelt denkt, wenn er nicht in seinem Innern eine Anlage dazu hat, richtige Gedanken aufsteigen zu lassen.

Niemals - das können Sie daraus sehen - könnte die Außenwelt dem Menschen richtige Gedanken geben, wenn die richtigen Gedanken nicht in seinem Innern aufsteigen würden. Richtige Sinnesempfindungen kann sie ihm geben. Die Sinnesempfindungen aber können nicht denken. Der Gedanke aber ist dem Irrtum unterworfen, und der Mensch muß die Kraft in sich haben für die Richtigkeit des Gedankens.

Für denjenigen, der nachdenken will, zeigt schon diese Tatsache: Wenn im Menschen richtige Gedanken aufsteigen sollen über die Dinge der Außenwelt und doch nicht im jetzigen Leben in Berührung kommen können mit diesen Dingen, daß das hinweist auf ein vorzeitliches Dasein des Menschen. Denken Sie einmal: Der Mensch soll sich über die Weisheit der Welt richtige Gedanken machen, aber er kann mit seinen Gedanken gar nicht heraus. Was in der Welt draußen die Dinge als Weisheit durchströmt, das muß auch in ihm selber aufsteigen. Und es ist eine Grenze zwischen beiden; die zwei können gar nicht zusammenkommen. Sie müssen also einmal beieinander gewesen sein! Das war in jener Vorzeit, in welcher das menschliche Ich diese Strömungen von oben nach unten noch nicht aufgehalten hat, sondern sie frei durchgelassen hat. Sie müssen also daraus notwendig folgern, daß der Mensch einmal anders organisiert gewesen sein muß, daß dasjenige, was heutiges Denken im Gehirn ist, einmal, wie die Sinneswahrnehmung des Auges, mit der Außenwelt verbunden war, so daß der Mensch seine Gedanken anschaute.

Was heißt denn das: Man schaute das an, was man jetzt bloß denken kann? Das heißt, man hatte eine Hellsichtigkeit. Aber weil das Ich es gerade ist, was den Menschen von der alten Hellsichtigkeit getrennt hat, so war das Ich damals noch nicht da. Man muß es also eine Hellsichtigkeit nennen, die noch nicht Ich-durchleuchtet ist, die noch dämmerhaft ist. Und wir können uns so geradezu das Wort zusammensetzen, das wir gebraucht haben für das alte Hellsehen: ein dämmerhaftes Hellsehen muß der Mensch gehabt haben. Er muß früher Zustände durchgemacht haben, wo er ein dämmerhaftes Hellsehen gehabt hat.

Wiederum ist es die jetzige Organisation, die uns zeigt, daß in abgelaufenen Zeiten der Mensch mit einer ändern Organisation gelebt hat. Wenn das so ist, was gesagt worden ist, dann folgt daraus aber etwas sehr Wichtiges für das praktische Leben. Es folgt daraus, daß für alle Verhältnisse der Sinneswelt die Sinneswahrnehmung - abgesehen von Sinnestäuschungen - etwas ist, was die Wahrheit aussprechen kann. Denn in bezug auf die Sinneswahrnehmung steht der Mensch in einem unmittelbaren Verhältnis zur Außenwelt, in unmittelbarer Berührung mit der Außenwelt. Es geht daraus auch hervor, daß der Mensch über das, was in seinem Innern ist, nur durch die Kraft seines Verstandes etwas wissen kann. Zum Beispiel, wenn das Ich nach innen strömt, so ist es ja darinnen. Wenn der Mensch also sein Denken anwendet auf das Ich, so ist es ganz natürlich, daß dieses Denken über das Ich - weil das Ich im Innern ist - imstande ist, etwas über dieses Ich zu entscheiden. Das haben Sie gesehen aus den Vorträgen des Herrn Dr. Unger. Und jetzt werden Sie auch den Vorgang lokalisieren können. Es ist die Begegnung der Verstandesseele mit dem Ich, welche das reine Denken, das nach innen gerichtete Denken erzeugt. Und Sie werden begreifen, daß dieses Denken, welches sich selbst ergreift, nicht dem Irrtume ausgesetzt sein kann wie jenes Denken, das draußen in der Welt herumschweifen und sich aus den Dingen die Urteile holen will. Denn dieses Denken kommt nur so weit mit dem Nachsinnen über die Außenwelt, als es zuerst die Begriffe, die Wahrheit über die äußeren Dinge in sich selber finden kann. Der Mensch muß den Dingen ihre Begriffe als Spiegelbilder entgegenhalten. Die Dinge selbst können nur die sinnliche Seite geben. Der Mensch muß in sich aus einer richtigen Wahrheitsanlage aufsteigen lassen die Begriffe der Dinge, die Gedanken der Dinge. Über was haben wir denn also nur ein Urteil in der Außenwelt? In Wahrheit hat der Mensch nur über dasjenige in der Außenwelt ein Urteil, was sich zunächst seinen Sinnen darbietet. Was sich den Sinnen entzieht, darüber können die Sinne selber nichts entscheiden. Was ist denn eigentlich also am Menschen, was einzig und allein nur in seiner Wahrheit erscheint? Einzig und allein ist am Menschen - und auch an den ändern Wesen der Natur - lediglich das für den physischen Plan in seiner Wahrheit erscheinend, was wirklich die Sinne sehen können. Sobald sich etwas den Sinnen entzieht in seiner unmittelbaren Gegenwart, dann kann vom physischen Plan aus kein Urteil über die Sache gefällt werden. Denn in dem Augenblick wird der Verstand, wenn er nicht gelenkt und geleitet wird von der inneren Richtigkeit oder Wahrheitsanlage, notwendigerweise in alle möglichen Irrtümer hineinkommen müssen."[2]

Lit.:
[1]Rudolf Steiner, Anthroposophie, Psychosophie, Pneumatosophie, GA 115 (1980), S 57 ff., Dritter Vortrag, Berlin, 26. Oktober 1909
[2]ebd., S 73 ff., Vierter Vortrag, Berlin, 27. Oktober 1909

(Literaturangaben folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz Email: verlag@rudolf-steiner.com URL: http://www.rudolf-steiner.com)

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http://www.anthroposophie.net/lexikon/db.php?id=226letzte Änderung: 2002-11-14

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