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Lexikon Anthroposophie

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Gabriel-Zeitalter
Ausbildung eines Organs für das spirituelle Denken

Während des letzten Gabriel-Zeitalters (1510 - 1879 n. Chr.; siehe -> Erzengel-Regentschaften) wurde durch Verwandlung der mondenhaften Fortpflanzungskräfte ein neues Organ im Vorderhirn ausgebildet. Seit Beginn des -> Michael-Zeitalters wenden sich diese organbildenden Kräfte vom physischen Leib ab und werden zunehmend frei verfügbar für das Seelenleben. Damit wird die Grundlage für ein neues spirituelles Denken gelegt, durch das sich dem Menschen auch wieder der Rückblick auf vergangene Erdenleben eröffnen wird (siehe -> Reinkarnationsgedächtnis).

"Derjenige, welcher den Verlauf des gesamten menschlichen Lebens in westlichen Gegenden verfolgt, der wird bemerken, daß eine ganz bestimmte Konfiguration des geistigen Lebens der Menschheit da war, sagen wir vom 14., 15., 16. Jahrhundert bis zum letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Allerdings sieht man auf die einschlägigen Dinge im gewöhnlichen Leben viel zu ungenau und flüchtig hin, man betrachtet im allgemeinen das Leben nicht tief genug. Wenn man aber gründlich das Leben betrachtet, wird man überall bemerken können, wie seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts eine ganz andere Konfiguration des abendländischen Geisteslebens beginnt. Freilich stehen wir mit diesem beginnenden Geistesleben erst am Anfang. Daher bemerken es die Menschen nicht in seiner ganzen Bedeutsamkeit und Wesenhaftigkeit. Aber denken wir uns, es hätte jemand versucht, in den vierziger, fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts vor einem solchen Auditorium von denselben Dingen zu sprechen, von denen ich hier zu Ihnen sprechen darf, denken wir uns das einmal. — Wir können uns das eben nicht denken, es wäre ein Unsinn, es wäre ganz ausgeschlossen gewesen in den vierziger, fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. So wäre es auch ganz ausgeschlossen gewesen, von diesen Dingen in dieser Weise zu sprechen in der Zeit vom 14., 15., 16. Jahrhundert bis zum letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Das war eben die Zeit, wo das naturwissenschaftliche Denken der Menschen groß geworden ist, jenes Denken, das die großen Erfolge des Materialismus gebracht hat, jenes Denken, an dem die nicht davon loskommenden Naturgelehrten noch lange hängen werden. Aber die eigentliche Epoche des Materialismus ist vorbei. Und ebenso, wie begonnen hat die Ära des naturwissenschaftlichen Denkens in dem angegebenen Zeitpunkte, ebenso beginnt jetzt die Ära des spiritualistischen Denkens der Menschheit. Wir leben in der Zeit, in der hart aneinander stoßen diese zwei scharf voneinander zu unterscheidenden Epochen. Immer mehr wird es hervortreten, daß die Art des neuen Denkens erst sich zur Wirklichkeit zu stellen hat, daß das Denken bei den Menschen ein ganz anderes werden wird, als dasjenige der letzten vier Jahrhunderte sein mußte, weil die Menschen lernen mußten, naturwissenschaftlich zu erkennen. In den letzten vier Jahrhunderten hat es sich darum gehandelt, den Blick des Menschen hinauszuweiten in den Weltenraum, öfter habe ich aufmerksam gemacht auf jenen bedeutsamen Moment in der Geistesentwickelung des Abendlandes, als Kopernikus, Galilei, Kepler, Giordano Bruno im Zusammenwirken sozusagen das blaue Himmelsgewölbe zersprengt haben. Bis dahin glaubte man, daß um unsere Erde herumhinge diese blaue Schale. Dann traten jene Geister auf, die diese Schale als ein Nichts erklärten und den Blick der Menschen hinauslenkten in unendliche Weltenfernen des Raumes. Was war eigentlich das Bedeutsame darin, daß, sagen wir, Bruno die Menschen schauen gelehrt hat, den Menschen klar gemacht hat, wie dasjenige, was sie als blaue Schale sich als Grenze ihres eigenen Sehvermögens gesetzt hatten, ein Nichts sei, daß er ihnen sagte: Dies ist nicht wirklich da, erkennt nur, daß ihr diese blaue Schale selbst in den Raum hinaus setzt? - Daß es der Anfang war, das war das Bedeutsame. Das Ende war die Tatsache im neunzehnten Jahrhundert, als die Menschen lernten, die stofflichen Zusammensetzungen der fernsten Himmelskörper mit dem Spektroskop zu untersuchen. Eine wunderbare Epoche, die Epoche des Materialismus! Jetzt stehen wir am Ausgangspunkte einer anderen Epoche. Sie geht aus denselben Gesetzen hervor, sie ist aber die Epoche der Spiritualität. Wie durch Brunos Arbeit die naturwissenschaftliche Epoche vorbereitet ist, die blaue Schale des Himmelsgewölbes durchbrochen worden ist, so wird in dem Zeitalter, das jetzt beginnt, durchbrochen werden das Zeitenfirmament. Die Menschen werden lernen, indem sie das Menschenleben eingeschlossen glauben zwischen Geburt und Tod oder Empfängnis und Tod, daß dies Grenzen sind, selbstgemachte Grenzen der menschlichen Seele. Wie früher die Menschen sich die Grenzen der Sinne selbst gemacht hatten als blaue Himmelsschale, wie der Blick damals erweitert wurde in die unendlichen Raumessphären, so werden die Zeitgrenzen durchbrochen werden, die zwischen Geburt und Tod liegen, und losgelöst von Geburt und Tod werden liegen im unendlichen Zeitenmeere die Verwandlungen des Menschenkernes, die wir verfolgen in den immer wiederkehrenden Inkarnationen. Ein neues Zeitalter beginnt, das Zeitalter des spirituellen Denkens.

Worauf beruht für denjenigen, der die okkulten Grundlagen dieser Übergänge von einem Zeitalter zum anderen erkennen kann, diese Veränderung des menschlichen Denkens? Das kann keine Philosophie, keine äußere Physiologie und Anatomie ohne weiteres nachweisen. Wahr ist es doch. Kräfte, welche heute herausgetreten sind in die arbeitenden menschlichen Seelen, die heute angewendet werden innerhalb der menschlichen Seelen, um spirituelle Erkenntnisse zu sammeln, dieselben Kräfte arbeiteten in den letzten vier Jahrhunderten am menschlichen Organismus als aufbauende Kräfte. Nehmen wir den ganzen Zeitraum von Kopernikus bis zum letzten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts: in dieser ganzen Zeit arbeiteten geheimnisvolle Kräfte an der Körperlichkeit, wie im Schlafe die aufbauenden Kräfte am Nervensystem arbeiten. Diese aufbauenden Kräfte, die da arbeiteten am Menschen, stellten eine ganz bestimmte Gehirnstruktur her in den besonderen Partien des Gehirns. Die abendländischen Gehirne sind heute anders, als sie vor fünf Jahrhunderten waren. Heute schaut es unter der Schädeldecke nicht so aus wie vor fünf bis sechs Jahrhunderten. Da hat sich ein feines Organ gebildet, da arbeiteten Kräfte, die ein Organ bildeten, das vorher nicht da war. Wenn das äußerlich auch nicht bewiesen zu werden vermag, wahr ist es doch. Wahr ist es, daß unter der Stirnbilduiig des Menschen sich ausgebildet hat ein feines Organ. Da arbeiteten Kräfte unter der menschlichen Stirn, arbeiteten durch einen vier Jahrhunderte dauernden Zyklus hindurch. Diese Kräfte haben während dieses vier Jahrhunderte dauernden Zyklus ihre Aufgabe als aufbauende Kräfte erfüllt. Heute ist nun das Organ da, wenigstens bei den meisten abendländischen Menschen. Es wird immer mehr und mehr da sein in den nächsten Jahrhunderten, in dem Zyklus, welchem wir jetzt entgegengehen. Das Organ ist aufgebaut, die Kräfte werden frei. Und mit denselben Kräften wird die Menschheit des Abendlandes spirituelle Erkenntnisse sich erwerben. Da haben wir die okkulte physiologische Grundlage dessen, um was es sich handelt. Wir beginnen heute zu arbeiten mit den Kräften, welche die Menschen nicht gebrauchen konnten in den letzten vier Jahrhunderten. Da waren diese Kräfte beschäftigt damit, dasjenige aufzubauen, was bereitet werden mußte, damit spirituelles Erkennen Platz greifen konnte in der Welt.

So können wir uns einen Menschen denken, sagen wir, des siebzehnten Jahrhunderts, oder des achtzehnten Jahrhunderts: der steht so vor uns, daß wir wissen, daß hinter seiner Stirn gewisse okkulte Kräfte arbeiten, die sein Gehirn umformen. Diese Kräfte waren immer an diesen Partien am Werke bei den westländischen Menschen. Nehmen wir nun an, es wäre einem Menschen gelungen - und das kann gelingen -, einmal diese Kräfte im siebzehnten oder achtzehnten Jahrhundert aufzuhalten, sie nicht arbeiten zu lassen: dann wäre dasselbe bei ihm eingetreten - und es ist auch eingetreten -, was eintritt bei einem Menschen, der mitten im Schlafe die Kräfte, die sonst am Aufbau der Gehirnstruktur arbeiten, aufhält, der diese Kräfte spielen läßt, ohne daß sie in diesem Momente aufbauen. Man kann das, man kann Momente erleben, wo man aus dem Schlafe heraus wie aufwacht, und doch nicht aufwacht, wo man regungslos bleibt, die Glieder nicht bewegen kann, wo keine Wahrnehmung von außen stattfindet, und doch Wachzustand ist. Da arbeitet dasjenige, was sonst an dem weiteren Aufbau arbeitet. Das arbeitet nun nicht an dem Aufbau, sondern arbeitet frei, spielt frei. Das sind die Momente, wo wir die sonst an unser Gehirn verbrauchten Kräfte zum Hellsehen gebrauchen können. Das sind die Momente, wo wir, wie im Schlaf regungslos bleiben, Einblicke gewinnen können in die geistigen Welten. So war es aber auch, wenn ein Mensch des siebzehnten oder achtzehnten Jahrhunderts gleichsam einstellte die aufbauende Tätigkeit dieser aufbauenden Kräfte. Dann ließ er diese Kräfte für einen Moment nicht arbeiten, dann wurde er für einen Moment hellsichtig. Was sah er denn da? Was nahm er dann wahr? Er sah, was da im Gehirn arbeitete aus den geistigen Welten herein, die Kräfte, welche die Menschen etwa vom fünfzehnten Jahrhundert an bis in das neunzehnte Jahrhundert hinein dazu vorbereiteten, daß diese Menschen vom zwanzigsten Jahrhundert ab sich in die spirituellen Welten erheben können. Vereinzelte Menschen hat es immer gegeben, die solche Erfahrungen hatten. Solche Erfahrungen waren gewaltig bestürzend, weil sie ungeheuer eindrucksvoll waren. Es hat immer Menschen gegeben, welche für Momente in demjenigen lebten, was hereinarbeitete aus der übersinnlichen Welt in die sinnliche, um in dieser etwas hervorzubringen, was in früheren Menschheitszyklen nicht da war, nämlich dieses feinere Organ in der Stirnhöhle. Götter, geistige Wesen bei ihrer Arbeit am Aufbau des menschlichen Organismus nahmen solche Menschen wahr, die in der geschilderten Weise hellsichtig wurden.

Wir charakterisieren damit zugleich die Hellsichtigkeit von einer besonderen Seite her. Wir können ja auch dadurch, daß wir die in dem Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» gegebenen Übungen anwenden, solche Momente im Schlafe herbeiführen. Wir können dann Einblicke haben in das geistige Leben in der Art, wie sie geschildert ist in meinem Buche: «Ein Weg zur Selbsterkenntnis des Menschen».

Es kann also in einem Menschheitszyklus, wo dasjenige frei wird, was da vorbereitend arbeitet für die Zukunft, es kann also innerhalb eines solchen Zyklus das, was die Zukunft vorbereitet, sichtbar werden dem hellsichtigen Blick. Wir bezeichnen das auch mit einem anderen Namen - denn Namen sagen ja nichts -, es wäre ebensogut, wir bezeichneten jene Kräfte, welche da gearbeitet haben durch vier Jahrhunderte hindurch an dem feinen Umbau der menschlichen Gehirnstruktur, als die Kraft des Gabriel. Wir sagen Gabriel, aber es kommt nur darauf an, daß man für einen Moment Einblick erhält in die übersinnlichen Welten. Man bekommt den Einblick auf eine geistige Wesenheit, die aus der übersinnlichen Welt heraus an dem menschlichen Organismus arbeitet. Wir sprechen also von einer Summe von Kräften, die aber dirigiert werden von einer Wesenheit aus der Hierarchie der Archangeloi, Gabriel. Wir sagen daher: an dem menschlichen Organismus hat gearbeitet vom fünfzehnten Jahrhundert bis zum letzten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts die Gabrielkraft. Und weil da eine spirituelle Kraft im besonderen am Physischen gearbeitet hat, so schlief das Verständnis für das Spirituelle dazumal, und dieses Schlafen des Verständnisses für das Spirituelle brachte die großen Triumphe der Naturwissenschaft hervor. Jetzt aber ist diese Kraft erwacht. Das Spirituelle hat gearbeitet. Es beginnt das spirituelle Zeitalter, nachdem die Kräfte frei geworden sind, die wir die Gabrielkräfte nennen, nachdem wir diese Kräfte, die Seelenkräfte geworden sind, gebrauchen können, die früher unter der Schädeldecke am physischen Aufbau eines Organs gearbeitet haben."[1]

Lit.:
[1]Rudolf Steiner, Die okkulten Grundlagen der Bhagavad Gita, GA 146 (1962), S 81 ff., Fünfter Vortrag, Helsingfors, 1. Juni 1913

(Literaturangaben folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz Email: verlag@rudolf-steiner.com URL: http://www.rudolf-steiner.com)

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http://www.anthroposophie.net/lexikon/db.php?id=227letzte Änderung: 2002-11-11

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