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Lexikon Anthroposophie

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Lebensgeist
auch «Buddhi», «Sohn», «Wort»

Indem das menschliche Ich nach und nach die Herrschaft über die tiefergehenden Lebensgewohnheiten und Charaktereigenschaften gewinnt, arbeitet es an der Verwandlung des Ätherleibes. Diese Arbeit verlangt eine noch viel intensivere Anstrengung als die Läuterung der Triebe und Begierden des Astralleibes. Besonders förderlich sind hier alle echten religösen Impulse, die der Mensch zu einem festen Bestandteil seines Lebens macht, aber auch all die Kräfte, die er aus wahrer Kunst schöpfen kann. Je weiter diese Arbeit voranschreitet, desto mehr beginnt sich das Ich des Menschen mit der schöpferischen Kraft des Lebensgeistes zu erfüllen.

"... vergleichen Sie sich, so wie Sie gegenwärtig sind, mit sich, als Sie zehn Jahre alt waren. Wie viel haben Sie seitdem an Kenntnissen hinzugelernt, und wie wenig hat Ihr Charakter sich geändert! Der Inhalt der Seele hat sich ganz gründlich geändert, die Gewohnheiten und Neigungen aber nur sehr gering. Wer als Kind jähzornig, vergeßlich, neidisch, unaufmerksam war, der ist es oft auch noch als Erwachsener. Wie sehr haben sich unsere Vorstellungen und Gedanken, wie sehr wenig unsere Gewohnheiten geändert! Das gibt Ihnen einen Anhalt, um abzuschätzen, wie viel zäher, fester, schwerer bildsam der Ätherleib gegenüber dem Astralleib ist. Umgekehrt, wie viel fruchtbarer und folgenreicher eine am Ätherleib erzielte Verbesserung!

Als Beispiel für das verschiedene Tempo der Umwandlungsmöglichkeit kann der Satz gelten: Was Sie gelernt und erfahren haben, das hat sich verändert wie der Minutenzeiger der Uhr, Ihre Gewohnheiten wie der Stundenzeiger. Lernen ist leicht, abgewöhnen schwer. An den Schriftzügen von damals kann man Sie jetzt noch erkennen, die gehören nämlich auch zu den Gewohnheiten. Leicht ist es Ansichten und Kenntnisse, schwer Gewohnheiten zu ändern. Dieses so zähe Ding, Gewohnheit, rasch zu ändern, das ist die Aufgabe des Chela. Das bedeutet, ein anderer Mensch zu werden, indem man sich einen anderen Ätherleib schafft, also Lebensleib in Lebensgeist verwandelt. Damit bekommt man die Wachstumskräfte in seine Hand. Gewohnheiten gehören zu den offenbaren Wachstumskräften. Zerstöre ich sie, so wird Wachstumskraft, vis vitalis, zu meiner Verfügung frei, zu meiner Bewußtseinsdirigierung. Christus sagt: «Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.» - Christus ist die Personifikation der Kraft, die den Lebensleib ändert."[1]

Entsprechend wird der Lebensgeist, im Sanskrit Buddhi genannt, in der christlichen Terminologie auch als «Sohn» oder «Wort» bezeichnet:

"Aus welchem Grunde wird Buddhi das «Wort» genannt? Damit treten wir an den Rand eines der großen Mysterien heran, und wir werden sehen, welch hohe Bedeutung in der Bezeichnung «Wort» liegt.

Wir haben gesehen, daß der Mensch seinen Lebensleib durchgeistigt mit der Buddhi. Was bewirkt der Lebensleib im Menschen? Wachstum und Fortpflanzung, alles, was das Lebewesen vom Mineral unterscheidet. Welches ist die höchste Äußerung des Lebensleibes? Die Fortpflanzung, das Wachstum über sich selbst hinaus. Was wird nun aus dieser letzten Äußerung des Lebensleibes, wenn der Mensch den Weg zurück zur Vergeistigung bewußt zurücklegt? Worin verwandelt sich diese Fortpflanzungskraft, was wird aus ihr, wenn sie geläutert, durchgeistigt ist? - Im menschlichen Kehlkopf haben Sie die Läuterung, die Umwandlung der Fortpflanzungskraft, und in dem artikulierten Vokallaut, im menschlichen Wort das umgewandelte Fortpflanzungsvermögen. Analog dem Gesetz «Alles ist unten wie oben» finden wir den entsprechenden Vorgang auch im Physischen: den Stimmbruch, die Mutation zur Zeit der Geschlechtsreife. Alles, was Geist wird, geht vom Wort oder vom Inhalt des Wortes aus. Das ist das allererste Hereinscheinen der Buddhi, wenn aus der menschlichen Seele der erste artikulierte Laut dringt. Ein Mantram wirkt deshalb so bedeutsam, weil es ein geistig artikuliertes Wort ist. Ein Mantram ist deshalb für den Chela das Mittel, um hinunterzuwirken in die Tiefen seiner Seele.

So haben wir im Physischen die Kraft des Fortpflanzungsvermögens, durch welche das Leben über den Eigenleib hinaus erzeugt und weitergegeben wird, zu etwas Dauerndem wird. Und wie die physischen Zeugungsorgane leibliches Leben, so geben die wortzeugenden Organe - Zunge und Kehlkopf, Odem - geistiges Leben weiter wie Zündungsapparate. Im Physiologischen ist der enge Zusammenhang zwischen Stimme und Zeugung offensichtlich. Er tritt uns entgegen im Nachtigallensang, im Balzen, Stimmwechsel, Stimmzauber, im Gesang, Gurren, Krähen, Röhren. Wir können geradezu den Kehlkopf das höhere Geschlechtsorgan nennen. Das Wort ist Zeugungskraft für neue Menschengeister, der Mensch erreicht im Worte eine vergeistigte Schöpferkraft. Heute beherrscht der Mensch die Luft mit dem Wort, indem er sie rhythmisch-organisch gestaltet, erregt, belebt. Auf höherer Stufe vermag er das in dem flüssigen und zuletzt in dem festen Element. Dann haben Sie das Wort umgestaltet zum Schöpferworte. Der Mensch wird in seiner Entwickelung das erreichen, denn es war ursprünglich so da. Der Lebensleib, hervorgeströmt aus dem Worte des Urgeistes, - das ist wörtlich zu nehmen. Die Buddhi wird das Wort genannt, weil sie nichts anderes heißt als: Ich bin."[1]

Veranlagt wurde der Lebensgeist bereits auf dem planetarischen Entwicklungszustand der alten Sonne, wo auch der menschliche Ätherleib geschaffen wurde, doch wird sich seine Entwicklung erst in ferner Zukunft auf einem neuen planetarischen Zustand vollenden, der von Rudolf Steiner als neue Venus bezeichnet wird (siehe -> Planetarische Weltentwicklungsstufen).

(siehe auch -> Wesensglieder und vgl. dazu Rudolf Steiner in GA 13 im Kapitel Wesen der Menschheit und in GA 9 im Kapitel Das Wesen des Menschen)

Lit.:
[1]Rudolf Steiner, Kosmogonie, GA 94 (1979), München, 28. Oktober 1906

(Literaturangaben folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz Email: verlag@rudolf-steiner.com URL: http://www.rudolf-steiner.com)

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http://www.anthroposophie.net/lexikon/db.php?id=24letzte Änderung: 2002-08-24

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