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Lexikon Anthroposophie

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Weihnachts-Imagination

(siehe auch -> Jahresfeste, Weihnachten - Ostern - Johanni - Michaeli und der Atmungsvorgang der Erde im Jahreskreislauf)

Im Hochsommer sind die Salz-, Merkur- und Sulfur-Prozesse der Erde mehr miteinander vermischt, im Tiefwinter trennen sie sich voneinander. Im Salzigen in der Erde, das für Geistiges durchlässig ist, wirken die Reste der Mondenkräfte lebensspendend. Darüber breitet sich die Wasser-Sphäre, die eine Tendenz zum Kugeligen hat, so dass die Erde wie ein großer "Quecksilbertropfen" im All erscheint. Die Luft-Sphäre ist erfüllt von den Sonnen- und Sternenwirkungen.

In der Samenbildung der Pflanzen ist ein Verbrennungsprozeß mit Aschebildung wirksam. Diese Asche macht das Lebendige erdenhaft und läßt es nicht sich mondenhaft entfalten. Die Sonnenwirkungen wiederum überwinden im Pflanzenwachstum die kugelbildende Tendenz der Erde.

Ähnlich wirkt die werdende Mutter als Mond wie die Erde im Tiefwinter, während der heranwachsende Embryo den Sonnenwirkungen untersteht. Das ungeborene Kind ist ein Sonnengeschöpf und wird erst nach der Geburt, wenn es mit der Muttermilch die erste Erdennahrung zu sich genommen hat, zum Erdengeschöpf. Ausführlicher hat das Rudolf Steiner so dargestellt:

"Wir wissen aus der bisherigen Darstellung, daß, wenn der Herbst herankommt, gewissermaßen eine Einatmung der Erde, eine geistige Einatmung der Erde stattfindet, daß hereingeholt werden in den Erdenschoß selber die Elementarwesen, die ihren Weg hinausgefunden haben in der Zeit des Hochsommers und die dann sich wiederum zurückbewegen, wenn eben das Michael-Fest da ist, und die sich dann immer weiter und weiter zurückbewegen, bis sie im Tiefwinter am intimsten mit dem Schoße der Erde verknüpft sind.

Nun müssen wir uns ja aus alledem die Vorstellung machen, daß gerade zur Winterzeit die Erde am allermeisten ein in sich geschlossenes Wesen ist. Sie hat aus dem Weltenall all das hereingenommen, was sie insbesondere an Geistigem hat hinausströmen lassen während der Sommerzeit. Die Erde ist also während der Tiefwinterzeit am meisten Erde; ihre eigentliche Wesenheit ist sie da. Und wir werden daher, um eine Grundlage bekommen zu können für weitere Betrachtungen, gerade das Wesen der Erde zur Winterzeit ins Auge zu fassen haben, werden natürlich dabei niemals vergessen dürfen, wie das, was für die eine Hälfte der Erde Winterzeit, für die andere Hälfte Sommerzeit ist. Das müssen Sie im Hintergrunde haben, daß dies so ist. Aber wir stellen uns jetzt einen Teil der Erde vor, wo heranrückt die Tiefwinterzeit. Da entfaltet die Erde dasjenige, was gerade in tiefstem Sinne ihr eigenes Wesen ist, was sie ganz zur Erde macht. Nun schauen wir uns diese Erde einmal an. Sie ist der feste Erdkern, der nach außen zunächst nur seine Oberfläche zeigt; aber dieser feste Erdkern ist ja zum großen Teil überhaupt nach außen bedeckt von der Hydrosphäre, von der Wassermasse der Erde. Die Kontinente sind gewissermaßen nur darinnen schwimmend in dieser Wassermasse. Und wir können uns sogar diese Wassermasse noch weiter in den Luftkreis hinein fortgesetzt denken, denn der Luftkreis ist ja auch immer mit Wässerigem angefüllt, das allerdings viel dünner ist als das Wasser des Meeres und der Flüsse, aber eine feste Grenze im Wässerigen, wenn wir aufsteigen von dem Meere in den Luftkreis, ist eigentlich nicht da. So daß, wenn wir schematisch hinzeichnen, was in dieser Beziehung die Erde ist, wir diese Erde so zeichnen müssen: Wir haben in der Mitte den festen Erdkern (siehe Tafel I, grün). Um diesen festen Erdkern herum haben wir das wässerige Gebiet (blau). Nun müßte ich natürlich da die Kontinente zeichnen, wie sie hervorragen und so weiter. Es ist das alles karikiert gezeichnet, denn die Ausbuchtungen dürften nicht einen andern Eindruck machen als etwa die Erhabenheiten einer Orange. Nun muß ich aber ringsherumgehen lassen dasjenige, was ich als Hydrosphäre, als die Wassermasse in dem Luftkreis bezeichnet habe. Schauen wir uns dieses Gebilde einmal an (blau) und fragen wir uns: Was ist denn das eigentlich? Dieses Gebilde ist nicht etwa bloß aus sich herausgebildet, sondern dieses Gebilde ist ein Wasser im ganzen Kosmos. Dieses Gebilde ist das, was es als Form uns zeigt, aus dem ganzen Kosmos heraus. Und nur weil der Kosmos eigentlich nach allen Seiten hin eine Sphäre, ein Kugelartiges ist, erscheint uns auch dasjenige, was als Wasser, als Luftmasse nach oben geht, eben rund, kugelförmig abgegrenzt.

Das übt aber starke Kräfte aus auf die Gesamterde. So daß, wenn wir etwa von irgendeinem fremden Planeten die Erde uns anschauen würden, sie uns erscheinen würde als ein großer, meinetwillen, sage ich jetzt, Wassertropfen im Weltenall, in dem allerlei Hervorragungen wären, die Kontinente, die etwas anders gefärbt sich ausnehmen würden; aber es würde uns das wie ein großer Wassertropfen im Weltenall erscheinen.

Nun wollen wir einmal über den ganzen Tatbestand kosmisch sprechen. Was ist denn das eigentlich, dieser Tropfen, der da als ein Wassertropfen im Weltenall dahingeht? Das ist etwas, was durch die ganzen kosmischen Zusammenhänge die Tropfenform erhält. Geht man geisteswissenschaftlich auf die Sache ein, so bekommt man, gerade wenn man in die Imagination und Inspiration hineinrückt, die Erfahrung davon, was dieser Tropfen eigentlich ist. Dieser Tropfen ist gar nichts anderes als ein riesiger Quecksilbertropfen, wahrhaftig ein riesiger Quecksilbertropten, nur daß die Quecksilbersubstanz in einer außerordentlichen Verdünnung da ist, in einer ungeheuren Verdünnung.

Daß solche Verdünnungen möglich sind, ist ja jetzt exakt bewiesen durch die Arbeit von Frau Dr.Kolisko. Es ist eben in unserem biologischen Institut in Stuttgart zum erstenmal der Versuch gemacht worden, dies auf eine exakte Grundlage zu bringen. Es ist da möglich geworden, Verdünnungen von Substanzen in dem Verhältnis von eins zu einer Trillion herzustellen, und es ist gelungen, in der Tat die Wirkungen exakt festzustellen, die in solchen Verdünnungen die einzelnen Substanzen haben. Dasjenige also, was bisher über die Wirkungen der einzelnen Substanzen in der Homöopathie ein bloßer Glaube sein konnte, ist dadurch tatsächlich zum Range einer exakten Wissenschaft erhoben worden. Es kann ja heute nach den Kurven, die da gezogen worden sind, gar nicht gezweifelt werden daran, daß die Wirkungen der kleinsten Teile in der rhythmischen Art verlaufen. Nun, auf das Genauere will ich nicht eingehen, die Arbeit ist ja erschienen, und die Dinge können heute überall nachgeprüft werden. Aber ich will hier nur das erwähnen, daß also gerechnet werden muß auch schon im Bereich des Irdischen mit ungeheuren Verdünnungen, die Wirkungen zeigen.

Hier haben wir es tatsächlich zu tun mit etwas, von dem man sagen kann: Genießen wir die Sache im Kleinen, so haben wir Wasser. Wir schöpfen mit unserem Gefäße Wasser aus dem Flusse oder aus dem Quell, verwenden dieses Wasser. Nun ja, das ist Wasser, aber es gibt kein Wasser, das nur Wasserstoff und Sauerstoff ist. Es wäre Unsinn, wenn jemand glauben würde, es gibt nur Wasser, das aus Wasserstoff und Sauerstoff besteht. Bei den Eisensäuerlingen oder bei andern Wassern ist das natürlich sehr auffällig, daß da noch etwas anderes drinnen ist. Aber ein Wasser, das nur aus Wasserstoff und Sauerstoff besteht, das gibt es nicht, das ist nur eine Annäherungsform. Jedes Wasser, das irgendwo vorkommt, ist mit etwas durchsetzt. In der Hauptsache ist die Gesamtwassermasse der Erde Quecksilber für das Weltenall. Wasser sind nur die kleinen Mengen für uns, die wir haben. Für das Weltenall ist dieses Wasser nicht Wasser, sondern Quecksilber.

So daß wir also sagen können: Zunächst, insofern die Hydrosphäre an Wasser in Betracht kommt, haben wir es mit einem Quecksilbertropfen im Weltenall zu tun. Diesem Quecksilbertropfen sind natürlich die mineralischen Substanzen, kurz, alles das, was erdig ist, sozusagen eingelagert. Die stellen dasjenige dar, was dann die feste Erdenmasse ist. Die haben die Tendenz, ihre eigenen speziellen Formen anzunehmen. So daß, wenn wir das Gebilde anschauen, wir ja sehen müssen auf die allgemeine Kugelform, die die Quecksilberform ist - das gewöhnliche metallische Quecksilber ist nur, ich möchte sagen, das naturgewollte Symbolum für das, was Quecksilber überhaupt tut -, es ergibt sich in einer ganz bestimmten Weise die Kugelform. Da ist nun eingelagert dasjenige, was sich in der mannigfaltigsten, differenziertesten Weise eigene Formen gibt: die mineralischen Kristallisationsformen. Das ist eingelagert. So daß wir sagen können: Wir haben jetzt dieses Gebilde vor uns, Erde, Wasser, Luft, und das hat diejenige Tendenz zur Formung, von der ich Ihnen eben gesprochen habe: einzelne differenzierte Kristallformen im Inneren, im ganzen das Bestreben, kugelförmig zu werden (siehe Tafel I).

Schon wenn wir die Luft (dunkelrot) nehmen, wie sie die Erde als Atmosphäre umgibt, können wir wiederum niemals von einer bloßen Luft sprechen, sondern diese Luft hat immer die Tendenz, Wärme zu haben in irgendeiner Weise, in irgendeinem Grade. Sie ist von Wärme durchdrungen (violett). Wir müssen also auch das vierte Element dazu haben: Wärme, die sich in die Luft einlagert.

Nun, diese Wärme, die da von oben in die Luft hereinkommt, die ist vor allen Dingen dasjenige, was in sich trägt, gewissermaßen aus dem Weltenall herein vermittelt, den Schwefelprozeß, den Sulfurprozeß. Wir könnten auch sagen: Vom Weltenall herein wird der Sulfurprozeß vermittelt. An den Sulfurprozeß schließt sich an der Merkurialprozeß, so wie ich es Ihnen gewissermaßen dargestellt habe für Wasser-Luft. Luft-Wärme: Sulfurprozeß, Wasser-Luft: Merkurialprozeß.

Gehen wir jetzt mehr der Erde zu, ins Innere der Erde, so kommt für das, was die Erde eigentlich sein will, der Prozeß der Säurebildung, und namentlich - aus den Säuren kommen ja wieder die Salze - der Salzbildung in Betracht. So daß, wenn wir hinaufschauen in das Weltenall, wir eigentlich hinaufzuschauen haben in den Sulfurisierungsprozeß, in den Verschwefelungsprozeß. Wenn wir diese Tendenz der Erde, sich zum kosmischen Tropfen zu bilden, anschauen, dann sehen wir eigentlich hinein in den Merkurialprozeß. Wenden wir den Blick hinunter auf den Erdboden, der uns im Frühling dann alles wachsende, sprießende, sprossende Leben emporschickt, dann schauen wir auf den Salzprozeß.

Dieser Salzprozeß ist auch das Allerwichtigste für das sprossende, sprießende Leben, denn die Wurzeln der Pflanze, indem sie sich aus den Keimen bilden, sind für ihr ganzes Wachstum einfach angewiesen auf die Beziehung, in der sie zu den Salzen, zu den Salzbildungen im Erdboden stehen. Was der Erdboden an Salzen enthält im weitesten Sinne des Wortes, was an Ablagerungsgebilden innerhalb des Erdbodens vorhanden ist, das ist dasjenige, was die Wurzeln mit einer Substanz durchdringt, was die Wurzel zur Wurzel, das heißt zu der irdischen Grundlage des Pflanzenhaften eigentlich macht.

Wir haben also, wenn wir gegen die Erde hin kommen, den Salzprozeß. Das ist nun dasjenige, was sozusagen die Erde aus sich selbst macht in der Tiefwinterzeit, während es zum Beispiel im Sommer sehr gemischt, möchte ich sagen, auf Erden zugeht. Sulfurisierungsprozesse durchzucken die Luft, ein Sulfurisierungsprozeß lebt ja auch in Blitz und Donner; das geht weit herunter, daher eben wird dasjenige, was den Jahreslauf mitmacht, auch selber sulfurisiert. Und wir bekommen dann um die Michaelizeit den Prozeß, wo das Eisen diesen Sulfurisierungsprozeß zurückdrängt, wie ich gestern ausgeführt habe. Und dann ist wieder der Salzprozeß hineingemischt in die Atmosphäre während des Sommers, denn die Pflanzen tragen, indem sie sich entfalten, indem sie heranwachsen, durch ihre Blätter, Blüten, bis in die Samen hinauf die Salze. Wir finden sie natürlich in den verschiedensten Teilen, die Salze; sie ätherisieren sich dann, sie werden eingelagert in ätherische Öle und so weiter, sie nähern sich dem Sulfurisierungsprozeß. Aber es werden die Salze durch die Pflanzen hinaufgetragen. Ihr Wesen strömt auch aus, wird das Wesen der Atmosphäre.

So daß wir in der Hochsommerzeit ein Durcheinandergemischtsein haben des Merkurialischen, das in der Erde immer da ist, mit dem Sulfurmäßigen und mit dem Salzmäßigen. Stehen wir im Hochsommer auf der Erde, so taucht eigentlich unser Haupt hinein in eine Mischung des Sulfur, Merkur und Salz, während tatsächlich das Eintreten der Tiefwinterzeit bedeutet, daß jedes dieser Prinzipien, Salz, Quecksilber, Schwefel, seinen eigenen inneren Bestand annimmt, daß die Salze zurückgezogen sind ins Innere der Erde, daß in die Hydrosphäre, in das Wassermäßige eindringt das Bestreben, sich zur Kugelform zu glätten, gewissermaßen in der kugeligen oder wenigstens kugelzonigen Schneedecke auch ein äußeres Zeichen für die Rundung, für die Kugelung des Wassermäßigen zu erzeugen. Der Schwefelprozeß zieht sich sozusagen zurück, so daß dann um diese Zeit keine starke Notwendigkeit besteht, den Schwefelprozeß als etwas Besonderes ins Auge zu fassen. Dagegen tritt an die Stelle des Schwefelprozesses in dieser Tiefwinterzeit etwas anderes. Die Pflanzen haben sich entwickelt vom Frühling bis zu dem Herbst hin. Sie sind in die Samen geschossen. Was ist eigentlich der Samenprozeß? Indem die Pflanzen in den Samen schießen, findet in der Natur draußen etwas statt, was wir, ich möchte sagen, in einer menschlich stümperhaften Weise, aber immerhin doch fortsetzen, wenn wir uns die Pflanzen zu unserem Nahrungsmittel machen: Wir kochen die Pflanzen. Nun, dieses Hinaufgehen in die Blüte, dieses Erzeugen des Samens ist eine Naturkochung, ist ein Entgegengehen dem Schwefelprozeß. Die Pflanzen sind hinausgewachsen in den Schwefelprozeß. Sie sind am stärksten sozusagen verschwefelt, wenn der Hochsommer seine volle Entwickelung erlangt hat. Wenn der Herbst herannaht, dann gelangen die Verbrennungen zu ihrem Ende. Natürlich ist im Organischen alles anders, als wir es draußen in den groben anorganischen Prozessen sehen, aber was sich ergibt bei jeder Verbrennung, ist Asche. Und zu dem, was auf ganz anderem Wege in der Salzbildung auftritt, was in der sozusagen im Inneren der Erde geforderten Salzbildung auftritt, zu dem tritt dasjenige hinzu, was gewissermaßen von der Besamung der Pflanzen, von dem Blühen der Pflanzen, von diesem Kochprozeß, von diesem Verbrennungsprozeß von jeder einzelnen Pflanze heruntergefallen ist auf den Erdboden. Das spielt eine große Rolle, die man gewöhnlich gar nicht berücksichtigt. Was in unserem Ofen geschieht, daß die Asche hinunterfällt, das spielt im Jahreslauf eine große Rolle auf Erden, denn von alledem, was Samenbildung ist, was im Grunde genommen eine Verbrennung ist, fällt fortwährend das Aschenhafte hinunter, und es ist die Erde vom Oktober an eigentlich ganz imprägniert mit Aschenbildung.

So daß wir, wenn wir im Tiefwinter die Erde betrachten, die innerliche Tendenz der Salzbildung haben, wir ferner haben in seiner bestimmtesten, ausgeprägtesten Form den Merkurbildungsprozeß, die Merkurbildung, und während wir in der Hochsommerzeit Rücksicht nehmen müssen auf den außerirdischen Kosmos in der Sulfurisierung, haben wir jetzt die Aschenbildung. Das, was da gewissermaßen seinen Gipfel erreicht zur Weihnachtszeit, das bereitet sich von der Michaelizeit an vor. Immer mehr und mehr wird die Erde daraufhin konsolidiert, eigentlich in der Tiefwinterzeit ein kosmischer Körper zu sein, sich zu entfalten in Merkurialbildung, in Salzbildung, in Aschenbildung. Was bedeutet das für das Weltenall?

Nun, wenn ein Floh einmal, sagen wir, ein Anatom würde und er würde einen Knochen untersuchen, so hätte er ja eine außerordentlich kleine Knochenpartie vor sich, weil er eben selber klein ist, weil zeit. Im Geist- und Salzprinzip ist durch das Quecksilberprinzip überall regsam die Tendenz, lebendig zu werden. Es ist während des Winters eine ungeheure Erkraftung der Erde, unter ihrer Oberfläche Leben zu entfalten.

Aber dieses Leben würde ein Mondenleben werden, denn vorzugsweise die Mondenkräfte, wie ich gesagt habe, sind darinnen tätig. Dadurch aber, daß die Asche heruntergefallen ist von den Samen, daß das alles, was ich jetzt beschrieben habe, imprägniert ist mit der Asche, dadurch ist dasjenige in dem Ganzen drinnen, was diese ganze Bildung für die Erde in Anspruch nimmt. Die Pflanze hat hinaufgestrebt in den Sulfurisierungsprozeß; aus diesem Sulfurisierungsprozeß ist die Asche heruntergefallen. Das ist dasjenige, was die Pflanze, nachdem sie hinaufgestrebt hat in das, ich möchte sagen Ätherisch-Geistige, wieder zurückführt zur Erde. So daß wir da zur Tiefwinterzeit auf der Erdenoberfläche die Tendenz haben, Geist in sich aufzunehmen, sich zu verlebendigen, aber das Mondenhafte ins Erdenhafte umzusetzen. Der Mond wird hier gezwungen durch die Erdenaschenreste dessen, was da heruntergefallen ist, nicht auf mondenhafte, sondern auf erdenhafte Weise das Lebendige zu entfalten.

Nun gehen wir über von dem, was sich uns da gezeigt hat in bezug auf die Erdenoberfläche, zu dem, was im Erdenumkreise ist, zu dem Luftförmigen. Für die Luft hat die größte Bedeutung zu jeder Jahreszeit, aber eben besonders zur Tiefwinterzeit, daß die Sonne diese Luft durchstrahlt mit ihrer Wärme, mit ihrem Lichte - aber das Licht kommt jetzt weniger für uns in Betracht -, daß die Sonne diese Luft durchstrahlt.

Man betrachtet in der Wissenschaft eigentlich alles so abgesondert, wie es gar nicht in Wirklichkeit ist. In der Luft, sagen die Leute, sind Sauerstoff und Stickstoff und noch andere Dinge drinnen. Aber so ist es ja nicht in Wirklichkeit. Luft ist ja nicht bloß da als Sauerstoff und Stickstoff, sondern die Luft ist immer von der Sonne durchstrahlt. Das ist die Realität: Luft ist immer das, was die Sonnenwirkungen trägt bei Tag. Also es ist die Sonnenwirkung von der Luft getragen. Ja, diese Sonnenwirkung, von der Luft getragen, was bedeutet das? Es bedeutet, daß eigentlich fortwährend das, was da oben ist, entrissen werden will der Erde. Wenn das, was ich vorhin beschrieben habe als Salzbildung, Merkurialbildung und Aschenbildung, für sich gedeihen würde, dann würde lediglich Irdisches da sein. Aber weil da oben dasjenige, was herauswill aus der Erde, empfangen wird von der Sonnen-Luftwirkung, wird umgestaltet das, was Erdenwirkung sein will, in kosmische Gestaltung. Es wird der Erde die Macht genommen, allein im Lebendig-Geistigen zu wirken. Die Sonne macht ihre Wirkung geltend in allem, was da nach oben sproßt. Und so bemerkt man, geistig angesehen, daß fortwährend hier, eine gewisse Strecke über der Erde (siehe Tafel I), eigentlich eine besondere Tendenz vorhanden ist. Auf der Erde selber will sich alles kugelig machen (dunkelrot); hier oben wirkt fortwährend die Tendenz, daß sich die Kugel zur Ebene ausweitet (rötlich). Diese Tendenz wird natürlich wiederum bezwungen, die Erde wird wieder zur Kugel gemacht, aber eigentlich will das, was da oben ist, das Kugelige, immer eben werden. Es möchte eigentlich das, was da oben ist, am liebsten da unten die Erde auseinandernehmen, auseinanderreißen, so daß alles eine im Kosmos stehende ebene Fläche wäre.

Würde das zustande kommen können, so würden die Erdenwirkungen überhaupt vollständig verschwinden, und wir würden da oben mehr eine Art Luft haben, in der die Sterne wirken würden. Das drückt sich am Menschen sehr stark aus. Was haben wir als Menschen von dem, was da als sonnentragende Luft oben ist? Das atmen wir ein, und indem das in uns eingeatmet wird, erstreckt sich die Sonnenwirkung allerdings in einer gewissen Weise nach unten, aber vorzugsweise nach oben. Wir werden mit unserem Haupte fortwährend den Erdenwirkungen entzogen. Dadurch ist unser Haupt überhaupt erst in die Möglichkeit versetzt, teilzunehmen an dem ganzen Kosmos. Unser Haupt möchte eigentlich immer in diese Ebenenbildung hinaus. Würde unser Haupt nur von der Erdenbildung, namentlich zur Winterzeit, in Anspruch genommen, dann würde all unser Denkerlebnis anders sein. Dann würde man nämlich das Gefühl haben, daß alle Gedanken rund werden wollen. Sie werden nicht rund, sondern sie haben eine gewisse Leichtigkeit, Anschmiegbarkeit, eine gewisse Flüssigkeit. Das rührt von diesem eigentümlichen Auftreten der Sonnenwirkung her. Da haben Sie die zweite Tendenz, da greift das Sonnenmäßige in das Erdenmäßige ein. Es ist am schwächsten zur Tiefwinterzeit. Würden wir weiter hinauskommen, so würde sich noch anderes einstellen. Da würden wir es dann nicht mehr mit der Sonnenwirkung, sondern mit der bloßen Sternen Wirkung zu tun haben, die ja wiederum einen großen Einfluß auf unser Haupt hat. Indem uns die Sonne sozusagen zurückgibt dem Kosmos, haben dann die Sterne eben ihren tiefgehenden Einfluß auf unser Haupt und dadurch auf unsere ganze Menschenbildung.

Das, was ich Ihnen da beschrieben habe, ist heute ja aus Gründen, die ich morgen auseinandersetzen werde, nicht mehr so, weil der Mensch sich in einer gewissen Weise emanzipiert hat, weil er in seinem Wachstum, in seiner ganzen Entwickelung sich emanzipiert hat von den Erdenwirkungen. Aber wenn wir zurückgehen würden in die alte lemurische Zeit oder namentlich in die polarische Zeit, die der lemurischen vorangegangen ist, dann würden wir die Sache ganz anders finden. Da würden wir eben den großen Einfluß von alledem, was auf Erden geschieht, auf die ganze menschliche Bildung finden. Sie kennen das aus der Darstellung, die ich in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» von der Erdenevolution gegeben habe. Da würden wir finden, daß der Mensch eigentlich ganz hineingestellt ist in die Wirkungen, die ich da beschrieben habe. Wie gesagt, wie er sich davon emanzipiert hat, werde ich morgen beschreiben; heute werde ich die Sache so beschreiben, wie wenn der Mensch noch hineingestellt wäre in diese Bildung. Und da tritt uns denn folgendes entgegen; etwas, was für die heutige Auffassung ganz paradox ist, tritt uns da entgegen.

Wir können nämlich die Frage aufwerfen: Was wird die Mutter, wenn sie sich der Entwickelung eines neuen Menschen nähert? Ursprünglich, in der Verknüpfung des Menschen mit der Erde, ist das so, daß diejenigen Kräfte, die da Salzbildungs-Mondenkräfte sind, nach alledem, was vorangehen muß, damit ein neuer Mensch auf Erden entsteht, vorzugsweise Einfluß haben auf den weiblichen Organismus, insofern er sich vorbereitet, den neuen Menschen in sich auszubilden. Wir können also sagen: Während die Frau im übrigen eben im allgemeinen Mensch ist, so werden in der Zeit, wo sie der Entwickelung eines neuen Menschen entgegengeht, in ihr die Mondenkräfte, insofern sie die salzbildenden Kräfte in der Erde sind, am stärksten. Und man kann das geisteswissenschaftlich so ausdrücken: Die Frau wird Mond, wie die Erde im ganzen, wenn sie sich der Weihnachtszeit nähert, unmittelbar unter ihrer Oberfläche am meisten Mond wird.

Aber nicht nur, daß die Erde am meisten Mond wird, wenn die Tiefwinterzeit waltet, sondern dieses Mondwerden der Erde, das geschieht wieder, das geht wieder vor in der Art und Weise, wie sich die Frau vorbereitet, den neuen Menschen zu bekommen. Und nur dadurch, daß sich die Frau durch das Mondenwerden vorbereitet, den neuen Menschen zu bekommen, wird auch die Sonnenwirkung eine andere, wie in der Tiefwinterzeit die Sonnenwirkung eben eine andere ist als im Hochsommer. Und was da ausgebildet wird in der Frau als neuer Mensch, das steht ganz unter dem Einfluß der Sonnenwirkung.

Dadurch, daß die Frau selber in sich so stark die Mondenwirkung aufnimmt, die Salzwirkungen aufnimmt, dadurch wird sie fähig, in sich abgesondert wiederum die Sonnenwirkungen aufzunehmen. Im gewöhnlichen Leben werden die Sonnenwirkungen vom menschlichen Organismus durch das Herz aufgenommen und verteilen sich in den ganzen Organismus. In dem Augenblicke, wo die Frau sich anschickt, einen neuen Menschen hervorzubringen, werden die Sonnenwirkungen konzentriert auf die Bildung dieses neuen Menschen. So daß wir schematisch sagen können: Die Frau wird deshalb Mond, damit sie die Sonnen Wirkungen in sich aufnehmen kann. Und der neue Mensch, der da entsteht als Embryo, ist ganz und gar in diesem Sinne Sonnenwirkung. Er ist dasjenige, was entstehen kann durch die Konzentration der Sonnenwirkungen.

Das haben ältere, instinktiv-hellseherische Weltanschauungen in ihrer Art gewußt. Durch das alte Europa ging in einer gewissen Zeit eine merkwürdige Anschauung. Die schloß das in sich, daß das Kind etwas ganz anderes war, wenn es geboren war und noch gar nichts vom Erdenmäßigen als Nahrung in sich aufgenommen hatte, und etwas ganz anderes wurde mit dem ersten Milchtropfen, den das Kind aufnahm, mit der allerersten Erdennahrung. Für diese alten germanischen Anschauungen waren das ganz verschiedene Wesen, das eben geborene Kind und das Kind, das nun schon außerhalb des Leibes der Mutter irgend etwas von Erdennahrung aufgenommen hatte, zwei verschiedene Wesen, weil man ein instinktives Gefühl dafür hatte: Das geborene Kind ist Sonne. Es wird durch die erste Erdennahrung Erdengeschöpf. Es ist Sonnengeschöpf, wird Erdengeschöpf. - Daher gehörte das eben geborene Kind, das noch keine Nahrung aufgenommen hatte, gar nicht der Erde an. Nach wiederum okkulten Gesetzen, die ich ein anderes Mal berühren möchte, hatte der Vater im alten germanischen Rechtsbewußtsein das Recht, das Kind, das ihm immer, wenn es geboren war, zu Füßen gelegt wurde, nach dem Anblicke entweder aufwachsen zu lassen oder es auszusetzen, zu vernichten, denn es war noch nicht Erdengeschöpf. Hatte es nur ein Tröpfchen Milch genossen, so durfte er es nicht mehr vernichten, es mußte Erdengeschöpf bleiben, weil es naturhaft, weltenhaft, erdenhaft, kosmoshaft zum Erdengeschöpf dadurch bestimmt war. In solchen alten Gebräuchen lebt sich etwas ungeheuer tief Bedeutsames aus. Das aber begründet, daß man sagt: Das Kind ist sonnenhaft. So daß man also jetzt die Möglichkeit hat, auf die Frau, die das Kind geboren hat, hinzuschauen als auf ein Geschöpf, das im tiefsten Sinne mit allen Prozessen des Erdenhaften gründlich verwandt ist - denn die Erde bereitet sich selber zur Tiefwinterzeit so vor, daß sie das Salzhafte, das heißt, das Mondenhafte hat -, daß sie am besten eben da eintreten kann in die Möglichkeit, das Sonnenhafte aufzunehmen. Und dann ragt sie hinauf über dem Sonnenhaften in das Himmlische, dem ja auch das menschliche Haupt angehört.

So daß wir etwa sagen können: Versetzen wir uns, um so recht das Weihnachtshafte vor unsere Seele hinzustellen, in das Wesen des Menschen. Im Weihnachtshaften drückt sich ja aus das Geborenwerden des Jesuskindes, das bestimmt ist, den Christus in sich aufzunehmen. Schauen wir uns das so recht an. Schauen wir uns das in der Gestalt der Maria an, so haben wir zunächst die Nötigung, das Haupt der Maria so darzustellen, daß es wiedergibt etwas Himmlisches in seinem ganzen Ausdruck, im ganzen Blick. Wir haben dann anzudeuten, daß sich diese Maria bereitet, die Sonne in sich aufzunehmen, das Kind, die Sonne, wie sie durch den Luftkreis erstrahlt. Und wir haben, weiter nach unten gehend in der Gestalt der Maria, das Monden-Erdenhafte.

Denken Sie sich das, wenn ich es bildhaft darstellen würde, so: Das Mondenhaft-Erdenhafte, es ist dasjenige, was unter der Erdoberfläche schwelt. Würde man hinausgehen in die Weiten des Weltenalls, so würde man das, was sich da oben darstellt, wo der Mensch hinausstrahlt in das Weltenall, schauen wie, ich möchte sagen, eine verhimmlischte Erde-Sternenstrahlung, welche die Erde in den weiten Weltenraum hinaussendet. Sternenstrahlend muß auch das Haupt der Maria sein, das heißt im menschlichen Ausdruck, so daß wir in der Physiognomie, in der ganzen Gebärde den Ausdruck des Sternenstrahlenden haben (siehe Tafel II).

Gehen wir dann bis zu der Brust, so müssen wir dasjenige haben, was mit dem Atmungsprozesse verbunden ist: das aus den Wolken, die die Sonnenstrahlung in der Atmosphäre durch sich strömen haben, heraus sich bildende Sonnenhafte, das Kind.

Und wir haben weiter unten das, was von dem Mondenhaft-Salzildnerischen bestimmt wird, was man äußerlich dadurch ausdrückt, daß man die Gliedmaßen in die Dynamik des Irdischen hineinbringt und sie aufsteigen läßt aus dem Salzbildnerisch-Mondenhaften der Erde. Wir haben die Erde, insofern sie innerlich, wenn ich so sagen darf, durchmondet ist.

Man müßte es eigentlich so darstellen, daß wir eine Art Regenbogenfarbe anbringen. Wenn man nämlich vom Weltenall nach der Erde herschaut, so würde sich das so darstellen, daß man durchschaut durch die Sternenstrahlung auf die Erde selbst, wie wenn die Erde unter ihrer Oberfläche in Regenbogenfarben nach innen schimmern würde. Darauf steht dann, von der Erdendynamik zunächst, von den Gliedmaßen, von der Erde, der Schwerkraft und so weiter in Anspruch genommen, dasjenige, was sich eigentlich nur durch die menschliche Gewandung ausdrücken läßt, die so gefaltet wird, daß sie den Erdenkräften folgt. Wir würden also da unten die Gewandung haben im Sinne der Erdenkräfte. Wir würden weiter hinaufgehen und würden zu zeichnen haben, was sich nun in dem ganzen Erdenhaft-Mondenhaften ausbildet. Man könnte auch den Mond noch zeichnen, wenn man symbolisch sein wollte, aber dieses Mondenhafte ist ja schon in dem Erdengebilde ausgedrückt.

Wir kommen dann weiter hinauf, nehmen auf dasjenige, was aus dem Mondenhaften kommt, sehen, wie die Wolken durchdrungen werden von vielen Menschenköpfen, die herunterstreben; einer der Menschenköpfe ist verdichtet zu der auf dem Arm der Maria sitzenden Sonne, dem Jesuskinde. Und wir müssen das Ganze nach oben ergänzen durch das in der Physiognomie die Sternenstrahlung ausdrückende Mariengesicht.

Verstehen wir die Tiefwinterzeit, wie sie uns den Zusammenhang des Kosmos mit dem Menschen darstellt, mit dem Menschen, der aufnimmt, was in der Erde an Gebärungskräften ist, dann gibt es keine andere Möglichkeit, wiederum bis auf die Formgebung aus den Wolken heraus hin, als die mit den Kräften der Erde, nach unten mit den Mondenkräften, nach der Mitte mit den Sonnenkräften, nach dem Haupte oben mit den Sternenkräften begabte Frau darzustellen. Aus dem Kosmos selber heraus entsteht uns dieses Bild der Maria mit dem Jesuskindlein.

Und so wie wir, wenn wir den Kosmos im Herbst verstehen und alles das, was wir in ihm an gestaltenden Kräften haben, in ein Bild hineinlegen, notwendig zur künstlerischen Ausgestaltung des Streites des Michael mit dem Drachen kommen, wie ich es gestern dargestellt habe, so strömt uns alles das, was wir um die Weihnachtszeit empfinden können, zusammen in dem Bilde der Marienmutter mit dem Kinde, das in älteren Zeiten, namentlich in den ersten Jahrhunderten des Christentums, Künstlern vielfach vorgeschwebt hat, und dessen letzte Nachklänge in der Entwickelung der Menschheit eben in der Raffaelischen Sixtinischen Madonna noch erhalten sind. Diese Raffaelische Sixtinische Madonna ist noch aus den großen naiven Natur-und Geist-Erkenntnissen einer alten Zeit heraus geboren. Denn sie ist das Bild jener Imagination, die der Mensch eigentlich haben muß, der sich mit innerer Schauung in die Geheimnisse des Weihnachtswebens so hineinversetzt, daß ihm dieses Weihnachtsweben eben zum Bilde wird.

So können wir sagen: Der Jahreslauf, er muß sich für die innere Schauung in ganz bestimmten grandiosen Imaginationen ausleben. Geht man seelisch mit seinem ganzen Menschen hinaus in die Welt, so wird einem der Herbstesbeginn zu der grandiosen Imagination des Streites des Michael mit dem Drachen. Und wie der Drache nur sulfurisch dargestellt werden kann - die Schwefelmasse, die sich in die Drachengestalt hineinfindet -, wie da das Schwert Michaels entsteht, wenn wir uns das Meteoreisen zu diesem Schwerte konzentriert, vereinigt denken, so entsteht uns aus dem, was wir in der Weihnachtszeit empfinden können, das Bild der Marienmutter, deren Kleid in den Kräften der Erde gefaltet ist, während das Gewand - bis in diese Einzelheiten geht da die Malerei in einer bestimmten Weise vor - sich innerlich runden muß, quecksilbrig werden muß, so daß man eine innere Geschlossenheit in dem Brustgebilde hat. Da aber halten die Sonnenkräfte ihren Einzug. Und das unschuldige Jesuskind, das so gedacht werden muß, daß es noch keine Erdennahrung genossen hat, das ist die auf dem Arm der Maria sitzende Sonnenwirkung selber; oben die Sternenstrahlungswirkung. So daß wir, wie von innen heraus leuchtend in Auge und Haupt selbst, darzustellen haben, dem Menschen entgegenglänzend, das Haupt der Maria, daß wir wie in lieblicher Milde aus den Wolkengebilden in sphärischer Rundung, innerlich geschlossen, das Jesuskind auf dem Arm der Maria darzustellen haben, und dann nach unten gehend die Gewandung, von der Erdenschwere übernommen, in der Gewandung ausdrückend dasjenige, was Erdenschwere werden kann (Tafel II).

Und wir tun am besten, wenn wir das auch in den Farben ausdrücken. Dann haben wir jenes Bild, das uns aufdämmert als eine kosmische Imagination zur Weihnachtszeit, mit dem wir hinüberleben können bis zur Osterzeit, wo uns wiederum aus dem kosmischen Zusammenhange eine ebensolche Osterimagination aufgehen kann, von der wir dann morgen sprechen wollen. Sie sehen daraus, Kunst holt sich der Mensch aus den Himmeln, wie sie zusammenhängen mit der Erde. Wahre Kunst ist dasjenige, was der Mensch mit dem physisch-seelisch-geistigen Weltenall erlebt, das sich für ihn in grandiosen Imaginationen ergibt. So daß der Mensch all das, was an innerlichem Streit zur Herstellung des Selbstbewußtseins aus dem Naturbewußtsein notwendig ist, nicht anders sich vor Augen stellen kann, als indem er das grandiose Bild des Streites des Michael mit dem Drachen hat; daß der Mensch alles, was zur Tiefwinterzeit aus der Natur heraus in seine Seele wirken kann, vor seine Seele selbst stellen kann, indem er das Bild der Mutter mit dem Kinde, wie ich es jetzt beschrieben habe, künstlerisch-imaginativ vor seine Seele hinstellt.

Jahreslaufbeobachtung heißt, mit der großen kosmischen Künstlerin mitgehen, und diejenigen Dinge, die der Himmel der Erde einprägt, in mächtigen Bildern, die aber dann Realitäten werden für das menschliche Gemüt, in sich wieder lebendig werden zu lassen."[1]

Lit.:
[1]Rudolf Steiner, Das Miterleben des Jahreslaufes in vier kosmischen Imaginationen, GA 229 (1984), S 23 ff., Zweiter Vortrag, Dornach, 6. Oktober 1923

(Literaturangaben folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz Email: verlag@rudolf-steiner.com URL: http://www.rudolf-steiner.com)

Link: http://www.anthroposophie.net   Site Search   Web Search
http://www.anthroposophie.net/lexikon/db.php?id=249letzte Änderung: 2002-12-04

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