Forum für Anthroposophie, Waldorfpädagogik und Goetheanistische Naturwissenschaft
Home Home


Home
Suchen
Vorträge
Rudolf Steiner

Veranstaltungen

Service-Seiten

Adressen
Ausbildung


Bücher
Bibliothek
Links

Link hinzufügen
Stellenangebote

FTP Download

Impressum

Email
http://www.anthroposophie.net     http://anthroposophie.net.tc      http://anthroposophy.de.vu     http://go.to/anthroposophie

Lexikon Anthroposophie

[zurück zur Liste]

Inkarnationsvorgang
wie der physische Keim von den höheren Wesensgliedern ergriffen wird

(siehe auch -> Inkarnationsvorgang, wie der physische Keim von den höheren Wesensgliedern ergriffen wird)

"Wenn wir den Menschen betrachten, lange bevor er die Neigung entwickelt, von der geistigen Welt herabzusteigen zu einer physischen Verkörperung, so sehen wir ihn als eine geistig-seelische Wesenheit in einer geistig-seelischen Welt. Das waren wir ja alle, bevor wir heruntergestiegen sind, um uns mit dem zu verbinden, was als physischer Leib im mütterlichen Organismus vorbereitet wurde. Mit diesem physischen Leib verbinden wir uns dann, um unsere Daseinsepoche auf der Erde zwischen Geburt und Tod durchzumachen. Längere Zeit also vorher, sage ich, waren wir geistig-seelische Wesen in einer geistig-seelischen Welt. Was wir da sind und auch das, was wir da erleben, das unterscheidet sich nun ganz erheblich von dem, was wir hier auf Erden zwischen Geburt und Tod erleben. Daher ist es so schwierig, die Erlebnisse zwischen dem Tod und einer neuen Geburt darzustellen, weil sie schließlich doch sehr verschieden von den irdischen Verhältnissen sind und der Mensch sich seine Vorstellungen nach den irdischen Erlebnissen bildet, und man immer solche Vorstellungen zu Hilfe nehmen muß. Allein wir wollen uns zunächst weniger darin ergehen - das soll morgen und übermorgen darankommen -, wie der Mensch in der geistig-seelischen Welt selber ist, sondern wir wollen jetzt ins Auge fassen, wie er sich nähert seinem Herabstieg auf die Erde, um sich dann mit einem physischen Leib zu durchziehen.

Das, was zunächst geschieht, bevor der Mensch an seinen physischen Leib, an das Embryonale, an das Keimhafte seines physischen Leibes herankommt, ist, daß er die Kräfte der ätherischen Welt an sich heranzieht. Wir leben hier auf der Erde in der physischen Welt, das ist in derjenigen Welt, die durch alles das charakterisiert ist, was wir durch unsere Sinne sehen und durch unseren irdischen Verstand begreifen. Aber in dieser Welt gibt es nichts, was nicht durchsetzt ist von der ätherischen Welt. Diese physische Welt, die wir sehen, die wir hören und so weiter, ist überall von der ätherischen Welt durchsetzt. An diese ätherische Welt lebt sich der Mensch früher heran als an die physische Welt. Bevor er die Neigung erhält, sich mit der physischen Welt durch den Embryo zu verbinden, zieht er die Kräfte der ätherischen Welt heran. Und er bildet sich, indem er die Kräfte aus der ätherischen Welt heranzieht, seinen Ätherleib.

Damit wir diese Vorstellungen genauer aufnehmen können, wollen wir uns das schematisch auf die Tafel zeichnen. Nehmen wir an, ich wollte das Geistig-Seelische, was da herankommt aus der geistigen Welt, durch diese Figur charakterisieren (Zeichnung, violett). Das ist natürlich nur ganz schematisch gemacht. Nur dasjenige, was der Mensch zunächst an sich heranzieht, das wird zu seinem ätherischen Leib. Also er umkleidet sich gewissermaßen, indem er heruntersteigt aus der geistigen Welt, mit seinem ätherischen Leib (orange schraffiert). Aber damit, daß man sagt, «der Mensch umkleidet sich mit seinem ätherischen Leib», ist nicht viel gesagt; man muß da schon ein wenig eingehen auf die Beschaffenheit dieses ätherischen Leibes. Dieser ätherische Leib, der sich da im Menschen heranbildet, ist gewissermaßen eine Welt für sich. Allerdings, man möchte sagen, eine Welt für sich im Bilde. Es ist so, daß dieser ätherische Leib zum Beispiel an seiner Umgebung Sternhaftes zeigt (gelbe Sterne), und daß er in seinem unteren Teile etwas zeigt, was sich mehr oder weniger wie ein Abbild der Erde selber ausnimmt. Ja, er hat sogar eine Art von Abbild des Sonnen- und Mondenhaften in sich.

Das ist außerordentlich bedeutsam, daß, wenn wir so aus der allgemeinen Ätherwelt beim Herunterstieg in die irdische Welt die Ätherkräfte heranziehen, wir in unseren Ätherleib eine Art Abbild des Kosmos mitnehmen. Wenn wir den Ätherleib des Menschen in dem Momente herausnehmen könnten, wo der Mensch sich mit dem physischen Leib verbindet, so würden wir, viel schöner als das jemals mechanisch geformt worden ist, eine Sphäre haben mit den Sternen, mit dem Tierkreis, mit Sonne und Mond.

Diese Konfigurationen des Ätherleibes bleiben noch vorhanden, wenn der Mensch mit seinem physischen Leib während der Embryonalzeit immer mehr und mehr zusammenwächst. Sie blassen nur etwas ab, aber sie bleiben vorhanden. Und sie bleiben auch vorhanden bis in das siebente Lebensjahr hinein, bis zum Zahnwechsel. Da ist durchaus im kindlichen Ätherleib noch immer diese Weltensphäre zu erkennen. Mit dem siebenten Jahre, mit dem Zahnwechsel beginnen die Gebilde, die man da drinnen schaut in dem Ätherleib, gewissermaßen strahlig zu werden, während sie vorher mehr sternig waren. Ich zeichne das schematisch für die Zeit von dem siebenten bis ungefähr zum vierzehnten Jahr, vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife (siehe Zeichnung, rote Strahlen). Wie gesagt, es verblaßt während der

Embryonalzeit schon und dann immer mehr, aber es ist noch deutlich vorhanden. Vom Zahnwechsel ab jedoch beginnt es ganz zu verblassen, dafür aber Strahliges nach innen zu senden (rot). Ich möchte sagen: die Sterne lösen sich auf im menschlichen Ätherleib, sie werden zu Strahlen, die die Tendenz haben, da im Inneren zusammenzukommen.

Das alles geschieht langsam und allmählich während des ganzen Lebensabschnittes vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife. Bei der Geschlechtsreife ist es dann so weit, daß, indem diese Strahlen hier zusammengewachsen sind, sie innerlich eine Art eigenes Gebilde, ein ätherisches Gebilde formen (rot). Man möchte sagen: Dasjenige, was die Umfangssterne waren, das strahlt zuerst nach innen; dann hört es später auf, da werden diese Sterne vollständig blaß. Es bleibt natürlich immer etwas vorhanden, aber es wird ganz blaß. Es werden auch diese Strahlen blaß. Dagegen wird das, was sich in der Mitte gewissermaßen zusammengeballt hat, besonders lebendig. Und in dem, was sich da in der Mitte zusammengeballt hat, in dem hängt in der Zeit, in der auch die Geschlechtsreife eintritt, das physische Herz darinnen. Das ist also an der Stelle des menschlichen Organismus, wo das physische Herz darinnenhängt mit den Adern (blau).

Das ist also das Eigentümliche, daß sich der Stern-Ätherleib nach innen zieht. Er bleibt natürlich als Ätherleib für den ganzen Menschen vorhanden. Er ist nur da dann im Außenraum, also an der Peripherie des Menschen, da ist er später undifferenziert, man kann nicht viel darin unterscheiden. Aber während der Zeit vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife, da ist er sehr strahlend von außen nach innen.

Und dann ballt sich das zusammen, und da ist dann deutlich darinnenhängend das physische Herz. Sie dürfen nicht glauben, daß der Mensch etwa nicht vorher auch ein Ätherherz hätte; das hat er schon; aber das bekommt er auf eine andere Art als das, was dann Ätherherz wird. Denn in der Tat wird das, was sich da von der Geschlechtsreife an zusammengeballt hat, das Ätherherz. Bis dahin hat er, wie gesagt, auch ein Ätherherz, aber das hat er bekommen als Erbschaft, das hat er bekommen durch die Kräfte, welche im Embryo drinnen sind. Wenn der Mensch nämlich seinen Ätherleib hat, und sich mit seinem Ätherleib nach dem physischen Organismus hin begibt, so wird auch eine Art Ätherherz, ein stellvertretendes Ätherherz gewissermaßen, durch die Kräfte des physischen Leibes zusammengezogen. Dieses Ätherherz aber, das der Mensch in seinem Kindheitsalter hat, das - es ist der Ausdruck etwas unschön für die Gewohnheiten, die wir haben, aber es trifft ganz genau das, um was es sich handelt -, das verfault nach und nach, und an seine Stelle setzt sich, gleichsam immerfort ersetzend das, was da ätherisch faulend herausfällt, jenes Ätherherz, welches eine Zusammenballung der ganzen Weltensphäre ist, das wirklich ein Bild des Kosmos ist, und das wir uns als ein ätherisches Gebilde mitbringen, wenn wir durch Konzeption und Geburt ins irdische Dasein schreiten.

Man kann also wirklich eine deutliche Veränderung des ganzen ätherischen Leibesgebildes verfolgen, das der Mensch während der Zeit von der Geburt oder schon von der Konzeption an bis zu der Geschlechtsreife in sich trägt. Man möchte sagen: Mit der Geschlechtsreife eigentlich erst ist des Menschen eigenes, aus seinem ätherischen Leibe herausgebildetes, nicht durch äußere Kräfte provisorisch gebildetes Ätherherz vorhanden.

Und alle die Ätherkräfte, die beim Menschen bis zur Geschlechtsreife tätig sind, tendieren dahin, ihm ein solches frisches Ätherherz zu geben. Es ist wirklich etwas, was sich in bezug auf das Ätherische mit dem Zahnwechsel vergleichen läßt. Nicht wahr, im Zahnwechsel haben wir die vererbten Zähne; die werden ausgestoßen, und die anderen Zähne, die dann unsere eigenen sind, ersetzen sie. Und so wird das vererbte Ätherherz, das wir bis zur Geschlechtsreife haben, ausgestoßen, und wir bekommen unser eigenes Ätherherz. Das ist das Wesentliche, daß wir da unser eigenes Ätherherz bekommen.

Nun aber geht parallel mit diesem etwas anderes, was sich im Menschen vollzieht. Wenn wir den Menschen betrachten so, wie er hereingetreten ist in die physische Welt, also als ganz kleines Kind betrachten, dann finden wir, daß in seinem astralischen Leibe außerordentlich viel einzelne Organe zu unterscheiden sind. Der Mensch setzt sich, wie ich eben geschildert habe, einen Ätherleib zusammen, der ein Abbild der Außenwelt ist. Aber in seinem astralischen Leibe, da bringt er sich ein Abbild dessen mit, was er erlebt hat zwischen dem letzten Tode und dieser Geburt. In diesem astralischen Leibe des Kindes sieht man außerordentlich viel darinnen. Da sind große Geheimnisse eingeschrieben. Da sieht man wirklich viel von dem, was erlebt worden ist zwischen dem letzten Tode und dieser Geburt. Dieser astralische Leib ist außerordentlich differenziert und individuell. Und das Eigentümliche ist, daß in derselben Zeit, in der sich das abspielt, was ich da für den Ätherleib beschrieben habe, der stark differenzierte astralische Leib immer undifferenzierter wird. Ursprünglich ist er ein Gebilde, von dem man, wenn man es verständig anschaut, sagt: Das ist ein Gebilde aus einer anderen Welt, das ist hereingekommen aus einer Welt, die weder in der physischen Welt noch in der Welt des Äthers ist. Aber alles, was da im astralischen Leib als außerordentlich viele einzelne Gebilde lebt, das schlüpft gewissermaßen bis zu der Geschlechtsreife in die physischen Organe hinein, und zwar nur in diejenigen Organe, die, wenn ich mich annähernd ausdrücken soll - es ist nicht ganz genau -, bis zum Zwerchfell liegen. Es schlüpfen wunderbare Gebilde, die in den ersten Lebenstagen im astralischen Leibe glänzend vorhanden sind, nach und nach in die Gehirnbildung hinein, füllen auch die Sinnesorgane aus. Dann schlüpfen andere hinein in die Atmungsorgane, andere in das Herz und durch das Herz in die Arterien. In den Magen schlüpfen sie nicht direkt hinein, sondern erst durch die Arterien breiten sie sich dann aus bis in die Organe des Unterleibes hinein. Aber nach und nach sieht man gewissermaßen den ganzen astralischen Leib, den sich der Mensch durch die Geburt ins physische Dasein mit hereinbringt, untertauchen in die Organe. Er schlüpft in die Organe hinein. So daß, wenn man das aussprechen will in einem Sinne, der ganz ein eigentlicher Sinn ist, der durchaus die Wirklichkeit mit ergibt - aber es nimmt sich natürlich paradox aus gegenüber den Vorstellungen, die man sich sonst heute in der Welt macht -, man sagen kann: Wenn wir erwachsen sind, haben unsere Organe die einzelnen Gebilde unseres astralischen Leibes in sich eingesperrt. Das ist die intimere Kenntnis der menschlichen Organe, die nur verstanden werden können, wenn man das Astralische des Menschen, das er sich mitbringt, versteht. Man muß wissen, daß jedes einzelne Organ in einer gewissen Weise ein Astralisches als Erbstück trägt, so wie das Ätherherz zunächst auch ein Erbstück ist, daß aber nach und nach dieses vererbte Astralische ganz durchsetzt wird von dem, was der Mensch sich als seinen astralischen Leib selber mitbringt und was Stück für Stück untertaucht in die physischen und ätherischen Organe. Das Herz bildet gewissermaßen eine Ausnahme. Da taucht auch ein Astralisches unter. Im Herzen konzentriert sich das Äthergeschehen ebensowohl wie das astralische Geschehen. Deshalb ist also das Herz dieses ganz besonders wichtige Organ für den Menschen.

Also der astralische Leib wird immer unbestimmter und unbestimmter, weil er seine konkreten Gebilde, die er sich aus einem anderen Leben durch die Geburt auf die Erde mitbringt, hinunterschickt in die physischen Organe, so daß sie da drinnen eben eingesperrt sind. Dadurch wird der astralische Leib mehr oder weniger immer eine bloße Nebelwolke.

Aber das Interessante ist jetzt dieses: der astralische Leib wird von dieser Seite her eine Nebelwolke, aber es treten andere Differenzierungen erst langsam und von der Geschlechtsreife an dann mit voller Regelmäßigkeit immer mehr und mehr ein.

Wenn das Kind mit seinen Beinchen zappelt, so merkt man von diesem Zappeln außerordentlich wenig im astralischen Leib. Wirkungen davon sind in dem astralischen Leib schon vorhanden, aber das, was sich der astralische Leib an Differenzierungen mitgebracht hat,

ist so stark, daß sich eigentlich die ganze Sache so verhält: Wenn ich hier den astralischen Leib zeichne, so sind da wunderbare Gebilde darinnen. Das ist nur schematisch gemeint, aber doch eben der Wirklichkeit entlehnt. Diese Gebilde verschwinden allmählich, sie schlüpfen hinunter in die physischen Organe. Der astralische Leib wird mehr und mehr eine Nebelwolke. Aber, wie gesagt, wenn das Kind nun zappelt, so ist es schon so, daß von den Zappelbewegungen auch allerlei heraufkommt in den astralischen Leib, aber es stößt an das, was schon da ist, reflektiert sich wieder zurück (rot) und verschwindet wiederum. Es ist so, wie wenn Sie in einen elastischen Ball einen Eindruck machen; er gleicht sich sofort wieder aus. Diese Zappelbewegungen des Kindes, wenn sie auch noch so kräftig sind, machen wohl einen Eindruck in den astralischen Leib, aber er bleibt nicht. Nun, in demselben Maße, in dem das Kind dann sprechen lernt und solche Vorstellungen entwickelt, die in der Erinnerung bleiben, also in demselben Maße, in dem das Kind sprechen und die Erinnerungen ausbilden lernt, in dem Maße sieht man immer mehr und mehr, wie in der Tat das nicht zurückgeworfen wird, sondern wie die Bewegungen, die das Kind, nun nicht mehr als Zappelbewegungen, sondern als verständige Bewegungen macht, als Herumgehen und so weiter, auch die Bewegungen der Arme und so weiter, im astralischen Leibe bleiben. Ja, in diesen astralischen Leib kann außerordentlich viel eingeschrieben werden.

Wenn Sie fünfundvierzig Jahre alt sind, dann sind fast alle Bewegungen in Spuren im astralischen Leibe eingeschrieben und auch noch viele andere, wie wir gleich sehen werden. Der astralische Leib kann viel aufnehmen von dem, was sich da abgespielt hat seit dem Sprechen- und Denkenlernen und seitdem er seine eigene Konfiguration aufgelöst hat. So daß also das wunderbare Gebilde, das der astralische Leib des Kindes darstellt, nach und nach undifferenziert wird, weil all das allmählich in die Organe hinein verschwindet. Der astralische Leib wird ein undifTerenziertes Gebilde, natürlich nicht ganz, aber verhältnismäßig undifferenziert. In dieses undifferenzierte Gebilde schreibt sich jetzt alles das ein, was wir an Bewegungen der Arme und der Beine ausführen. Aber es schreibt sich auch ein, was wir durch Arme und Beine tun: Wenn wir zum Beispiel eine Feder führen, alles, was wir da in der Außenwelt vollführt haben, schreibt sich ein. Wenn wir Holz hacken, wenn wir jemandem eine Ohrfeige geben, so schreibt sich das ein. Sogar wenn wir nicht etwas selber tun, sondern einem Diener einen Auftrag geben und der es dann ausführt, so schreibt sich durch das Verhältnis unseres Wortinhaltes zu dem, was der Diener tut, das auch ein. Kurz, es schreibt sich die gesamte Tätigkeit eines Menschen, die einen Ausdruck in der Außenwelt findet, jetzt in diesen astralischen Leib ein (rot im Gelb). So konfiguriert sich der astralische Leib also in der mannigfaltigsten Weise durch das, was menschliches Tun ist.

Das beginnt, wie gesagt, wenn das Kind sprechen lernt, wenn das Kind in der Sprache Gedanken verkörpern lernt. Mit Bezug auf die Vorstellungen, die das Kind aufnimmt, an die man sich aber später nicht mehr erinnern kann, findet das noch nicht statt; erst von der Zeit an, bis zu der man sich später im gewöhnlichen Bewußtsein zurückerinnert. Dann aber wird sozusagen alles, was der Mensch tut, da aufgeschrieben.

Nun ist das Eigentümliche, daß alles, was da eingeschrieben wird, in einer ähnlichen Weise die Tendenz hat, sich da im Inneren zu treffen, wie auch die Strahlungen des Ätherleibes sich im Ätherherzen treffen. Auch alles, was menschliche Taten sind, trifft sich da. Und dieses Sich-Treffen hat eigentlich nun auch eine Art äußerer Veranlassung. Wir müssen einfach dadurch, daß wir Menschen sind, von Kindheit auf in eine gewisse Tätigkeit hineinkommen. Diese Tätigkeit drückt sich so aus, wie ich es eben angedeutet habe, durch den ganzen astralischen Leib hindurch. Aber auf der anderen Seite ist ein fortwährender Widerstand da. Die Wirkungen, die da auf den Organismus ausgeübt werden, können, man möchte sagen, sich nicht immer bis da hinauf (oben in der Zeichnung) entwickeln. Es ist überall Wider-

stand da; sie werden hinuntergestoßen. Was wir so tun, wenn wir uns an physische Organe halten, das will bis in den Kopf strömen; aber die menschliche Organisation läßt es da nicht heraufkommen, hält es auf. Und dadurch sammelt sich das auch in einer gewissen Weise hier an (rot) und bildet hier auch eine Art astralischen Mittelpunktes. So daß wir - und wiederum in der Zeit der Geschlechtsreife, da ist das sehr deutlich ausgebildet - an derselben Stelle, wo sich dieses Ätherherz, das nun unser eigenes ist, gebildet hat, auch ein astra-lisches Gebilde haben, das unser gesamtes Tun zentralisiert. Und dadurch, daß das von der Zeit der Geschlechtsreife an so ist, dadurch ist ein Mittelpunktsorgan geschaffen, in dem sich unser gesamtes Tun, unsere gesamte menschliche Tätigkeit zentralisiert. Es ist so, daß in derselben Gegend, wo der Mensch das Herz hat, sich nun weder physisch noch ätherisch, aber astralisch seine gesamte Tätigkeit zentralisiert. Und das Wichtige ist, daß in der Zeit, wo die Geschlechtsreife eintritt - es fallen ja die astralischen Ereignisse nicht ganz, sondern nur annähernd mit den physischen Ereignissen zusammen -, dieses Ätherherz so weit vorgebildet ist, daß es die Kräfte aufnehmen kann, die sich hier aus der Tätigkeit der äußeren Welt entwickeln. Man kann also sagen, und man trifft damit durchaus ein wirkliches Ereignis im Inneren des Menschen: Von der Geschlechtsreife an schaltet sich auf dem Umwege durch den Astralleib die gesamte menschliche Tätigkeit in das Ätherherz ein, in dasjenige Organ, das aus den Abbildern der Sterne, aus den Abbildern des Kosmos geworden ist. Da schaltet sich das alles ein.

Das ist eine außerordentlich bedeutsame Erscheinung, denn wenn Sie dieses alles betrachten, dann haben Sie den Zusammenschluß dessen, was der Mensch in der Welt tut, mit dem Kosmischen. Im Herzen haben Sie, insofern die ätherische Welt in Betracht kommt, einen zusammengezogenen Kosmos; aber zugleich auch, insofern die astra-lische Welt in Betracht kommt, eine Zusammenziehung desjenigen, was der Mensch tut. Hier schließt sich der Kosmos mit seinem Geschehen und das Karma des Menschen zusammen. Es ist eine so innige Korrespondenz des astralischen Leibes und des ätherischen Leibes mit dem ganzen menschlichen Organismus nur in der Gegend des Herzens vorhanden. Da ist es in der Tat so, daß die ganze Welt, von der sich der Mensch durch die Geburt in seinem Ätherleib ein Abbild hereingebracht hat, daß diese ganze Welt, die da wie in einer Essenz darinnen ist, alles das, was der Mensch tut, in sich aufnimmt, sich damit durchdringt. Und nun ist Gelegenheit durch diese Zusammenschlüsse, durch diese Zusammenschaltung, daß während des ganzen menschlichen Lebens fortwährend das menschliche Tun in die Essenz der Abbilder des Kosmos eingeschaltet wird.

Wenn dann der Mensch durch die Pforte des Todes geht, da ist nun in diesem ätherisch-astralischen Gebilde, in dem das Herz, ich möchte sagen, schwimmt, alles das, was der Mensch, wenn er den physischen Leib und jenes Äthergebilde abgelegt hat, in sein weiteres geistig-seelisches Leben mitnimmt. Und indem er jetzt geistig immer größer und größer wird, kann er- weil ja die Substanz des ganzen Kosmos da drinnen ist, es ist nur zusammengezogen im Herzen im Ätherleib - sein ganzes Karma dem Kosmos übergeben. Dasjenige, was aus dem Kosmos gekommen und zum Äthergebilde geworden ist, was im Herzen sich zusammengezogen hat und Essenz geworden ist, das will wiederum nach dem Kosmos hin. Der Mensch breitet sich im ganzen Kosmos aus und wird dann in die Seelenwelt aufgenommen und macht dasjenige durch, was ich in meiner «Theosophie» als den Durchgang durch die Seelenwelt und dann durch das Geisterland beschrieben habe. Aber es ist tatsächlich so, daß, wenn wir die menschliche Organisation in ihrem Werden betrachten, wir uns sagen können: Es findet in der Gegend des Herzens ein Zusammenschluß des Kosmischen mit dem Irdischen statt, und zwar so, daß das Kosmische in seiner kosmischen Konfiguration in das Ätherische hereingenommen wird und sich da bereitmacht, unsere Taten, alles, was wir tun, aufzunehmen. Und mit dem, was da durch eine innige Durchdringung des Ätherischen mit dem menschlichen Tun sich gebildet hat, gehen wir heraus und treten wiederum ein in ein neues kosmisches Dasein, wenn wir durch die Pforte des Todes gegangen sind.

Damit beschreibt man in der Tat in einer ganz konkreten Gestaltung die Art und Weise, wie der Mensch sich heranlebt an seinen physischen Leib und wie er wiederum sich aus diesem physischen Leib herausziehen kann, weil seine Taten ihm die Kraft geben, zusammenzuhalten, was er aus dem Kosmos nur als eine Essenz herausgebildet hat.

Der physische Leib wird ja innerhalb der physisch-irdischen Welt durch die Vererbungskräfte gebildet, also durch die Kräfte der Embryonalbildung, der Keimesbildung. Mit diesen verbindet sich das, was der Mensch herunterbringt aus der geistigen Welt, nachdem er zunächst seinen Ätherleib herangezogen hat. Mit diesem verbindet sich der Mensch auf der einen Seite. In dem Astralischen, das er sich als ein so wunderbares Gebilde mitgebracht hat, da lebt nun aber auch sein Ich darinnen, das durch viele Erdenleben gegangen ist und überhaupt eine Entwickelung hinter sich hat. Und dieses Ich lebt in einer gewissen Sympathieverbindung - indem ich das Wort gebrauche, bezeichne ich wiederum etwas sehr Wirkliches - mit alledem, was da als Gebilde im astralischen Leibe ist. Und indem diese Gebilde in die Organe des physischen Leibes hineinschlüpfen, so wie ich es beschrieben habe, behält das Ich die Sympathie und entwickelt diese innere Sympathie auch zu den Organen, breitet sich immer mehr und mehr auch in den Organen aus und nimmt Besitz von ihnen. Gewiß, es ist das Ich auch früher schon vom ersten Kindesalter an in einer gewissen Beziehung zu den Organen. Aber da sind eben diese Vererbungsverhältnisse da, von denen ich früher gesprochen habe, da ist die Beziehung des Ichs eine äußerliche. Das Ich schlüpft aber nach und nach schon mit seinem astralischen Leibe in die Organe des physischen Leibes hinein, und indem es da hineinschlüpft, geschieht das Folgende: während vorher das Ich längs des Blutlaufes, ich möchte sagen, äußerlich beim Kinde vorhanden war, verbindet es sich jetzt intensiv innerlich immer mehr und mehr mit dem Blutkreislauf, bis es bei der Geschlechtsreife im vollen Sinne eingetreten ist. Und während Sie hier ein astralisches Gebilde um das ätherische, um das physische Herz herum haben, während Sie hier also ein astralisches Gebilde haben (Zeichnung, orange), macht das Ich den anderen Weg durch: es schlüpft, sagen wir, in die Organe der Lunge hinein; mit den Adern, die von der Lunge zum Herzen hingehen, nähert sich das Ich immer mehr dem Herzen. Das Ich folgt immer mehr und mehr, innig verbunden mit dem Blutkreislauf, dem Wege dieses Blutkreislaufes. So daß wiederum auf dem Umwege durch diese mit dem Blutkreislaufe laufenden Ich-Kräfte das Ich eingreift in dasjenige, was aus dem Zusammenschluß des ätherischen und des astralischen Herzens gebildet worden ist, wobei überhaupt ein Ätherisches aus dem Kosmos mit einem Astralischen von uns selbst zusammenwächst. Ich sagte vorhin: Dieser astralische Leib enthält nach und nach außerordentlich viel, weil sich alle die Taten in ihm einschreiben. Aber indem das Ich in einer Sympathiebeziehung zu allem steht, was der astralische Leib macht, schreiben sich auch die Absichten, die Ideen ein, aus denen der Mensch heraus seine Handlungen vollzieht. So daß tatsächlich hier ein voller Zusammenschluß des Karmas mit den Gesetzmäßigkeiten des Kosmos stattfindet.

Man weiß von alldem, was da innerlich im Menschen vor sich geht, eigentlich heute, man möchte, da die Verhältnisse so sind, mit Emphase sagen: «herzlich wenig»; denn es bezieht sich alles das, was man nämlich nicht weiß, auf das Herz. Man weiß heute davon «herzlich wenig». Man weiß das, was hier in der physischen Welt geschieht und betrachtet es nach Naturgesetzen; und man weiß das, was der Mensch moralisch vollzieht und betrachtet es nach moralischen Gesetzen. Aber alles das, was im Menschenleben moralisch geschieht, und das, was auf der anderen Seite physisch geschieht, das schließt sich gerade im Menschenherzen zusammen; so daß man diese zwei Dinge, die heute so selbständig nebeneinanderherlaufen beim Menschen, moralisches Geschehen und physisches Geschehen, in ihrem Zusammenschluß findet, wenn man wirklich die Gesamtkonfiguration des menschlichen Herzens verstehen lernt, das heißt, wenn man verstehen lernt, was sich da in diesem Herzen in einer natürlich viel verborgeneren Weise vollzieht, als es sich offen vollzieht beim Zahnwechsel. Wir erben Zähne, und wir bilden dann aus unserem Organismus heraus Zähne. Die ersteren fallen ab, die anderen bleiben uns. Die ersteren haben eine gewisse Tendenz unterzugehen, sie würden sich in sich nicht halten können, wenn sie nicht ausfallen würden. Die bleibenden Zähne werden vorzugsweise durch die äußeren Verhältnisse zerstört, wozu natürlich auch die äußeren Verhältnisse im Organismus selbst gehören. In einer unsichtbaren Weise wird unser ätherisches Herz mit der Geschlechtsreife dem Zerfall übergeben, und eine Art bleibenden Herzens, eine Art Ätherherz, gewinnen wir. Dieses bleibende Ätherherz, das ist aber erst ganz geeignet, unsere Tätigkeit voll aufzunehmen. Deshalb ist es in der Tat etwas ganz anderes, ob der Mensch vor der Geschlechtsreife stirbt oder erst nach der Geschlechtsreife. Wenn der Mensch vor der Geschlechtsreife stirbt, dann ist in ihm nur die Tendenz vorhanden, daß sich dasjenige, was er hier auf der Erde getan hat, karmisch weitervererbt. Es kann sich einzelnes, auch wenn Kinder vor der Geschlechtsreife sterben, dem Karma einverleiben, aber es hat das immer etwas Unbestimmtes und Schillerndes. Das richtige Bilden des Karmas geschieht eben erst von dem Momente an, wo das astralische Herz in das ätherische Herz voll eingreift, wo sich diese zusammenschalten. Aber es ist das auch, wenn ich so sagen darf, der Organismus der Karmabildung. Denn mit dem Tode wird das, was da im Menschen konzentriert ist, was sich da zusammengeschlossen hat, immer mehr und mehr kosmisch und wird dann aus dem Kosmos heraus später beim nächsten Erdenleben dem Menschen wiederum einverleibt, so daß alles, was wir tun, nicht uns selbst allein angeht. Sondern es ist so, daß sich uns etwas einverleibt, was aus dem Kosmos kommt und was auch die Tendenz behält, nach dem Tode unsere Taten dem Kosmos zu übergeben, aus dem heraus aber sich die karmischen Gesetze für die Gestaltung unseres Karmas wirksam erweisen, so daß wir dann dasjenige, was der Kosmos aus unseren Taten macht, in seiner Wirkung wiederum ins Erdenleben hereintragen beim Beginn eines nächsten Erdenlebens."[1]

Lit.:
[1]Rudolf Steiner, Menschliches Seelenleben und Geistesstreben im Zusammenhange mit Welt- und Erdentwickelung, GA 212 (1978), S 112 ff., Sechster Vortrag, Dornach, 26. Mai 1922

(Literaturangaben folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz Email: verlag@rudolf-steiner.com URL: http://www.rudolf-steiner.com)

Link: http://www.anthroposophie.net   Site Search   Web Search
http://www.anthroposophie.net/lexikon/db.php?id=253letzte Änderung: 2002-12-20

Druckversion dieses Artikels abrufen

Home Suchen Vorträge Veranstaltungen Adressen Bücher Link hinzufügen
Wolfgang Peter, Ketzergasse 261/3, A-2380 Perchtoldsdorf, Tel/Fax: +43-1-86 59 103, Mobil: +43-676-9 414 616 
www.anthroposophie.net        Email: Wolfgang.PETER@anthroposophie.net