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Lexikon Anthroposophie

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Milz
Organ für das Geistselbst

"Wenn Sie nun ein solches Organ wie die Milz nehmen, da weiß die gewöhnliche Physiologie und Medizin nicht viel darüber zu sagen. Sie finden in allen entsprechenden Lehrbüchern überall die Anmerkung: Über die Milz weiß man heute noch nichts zu sagen. - Sie werden das überall finden, lesen Sie es nur nach. Das ist auch gar nicht zu verwundern. Sehen Sie, der Sprachgenius ist da eigentlich weiser als dasjenige, was Wissenschaft auf diesem Gebiete ist. In diesem Falle -in anderen Fällen ist ja gerade der deutsche Sprachgenius ein außerordentlich weiser - ist es sogar der englische Sprachgenius, der die Milz als «Spleen» bezeichnet. Und das ist eine außerordentlich günstige Bezeichnung, denn die Milz hängt zusammen mit all denjenigen Betätigungen des Menschen, die über das Ich hinausgehen, die schon an das Geistselbst herankommen, und die Milz ist sogar geradezu das Organ des Geistselbstes. Das geht schon ganz ins Geistige hinein. Nur ist das so, daß man das vertragen muß. Die meisten Menschen können das wirklich Geistige nicht vertragen, und sie werden daher durch die Milztätigkeit nicht etwa angeregt zur Betätigung im Geistigen, zum Spirituellen, sondern sie werden «spleenig». Sie werden gerade heruntergestimmt. Der «Spleen» ist ja nichts anderes als ein Geist, der, statt daß er in den Kopf geht, in die Gedärme sich verschlingt. Es ist also «Spleen» eine außerordentlich gute Bezeichnung, die gerade auf das Geistige hinweist, für das die Milz das entsprechende Organ ist."[1]

"Der Aufschwung der Zivilisation ist denn doch damit verknüpft, daß die Leute das Licht in sich hineinbekommen und die Welt im Lichte betrachten und nicht in der Dunkelheit. Die heutige Physiologie und Anatomie, die die Menschen bloß auf den Seziertisch legt, bloß die Symptome betrachtet, die sich auch noch mit materialistischer Wissenschaft am kranken Menschen beobachten lassen, die kommt eben nicht dahin, wirklich innerlich den Menschen zu verstehen.

Man kann sagen: aufgenommen die Nahrungsstoffe, getötet, belebt, astralisiert, in das Ich umgewandelt, dann erst versteht man Ptyalin, Pepsin in der aufgenommenen, ertöteten Nahrung. Übergeführt in die Lymphdrüsen, zum Herzen übergeführt, vom Herzen befeuert, von den Nieren durchstrahlt, alles astralisch gemacht, von der Leberfunktion aufgenommen und in das Ich übergeführt. Dann kann das ganze von der Milztätigkeit aufgefangen werden, und dann wird der Mensch durch die Milztätigkeit unter Umständen zu einem Enthusiasten gemacht, zu einem, der Kraft empfängt aus der geistigen Welt, oder aber auch er wird durch die Milztätigkeit zum spleenigen, kopfhängerischen Menschen gemacht, der nur auf seinem Stuhl sitzen will, der sich am liebsten nicht vom Geiste durchdringen lassen will, nicht denken will. Solche Menschen gibt es heute zahlreiche. Sie bringen einen zur Verzweiflung, weil sie auf ihren Stühlen sitzen, nur eine schwere Masse eigentlich, wie wenn sie gar keinen Kopf hätten. Die Milztätigkeit, die etwas Hohes sein könnte im Menschen, wirkt eigentlich zerdrückend auf diese Menschen. Statt Enthusiasmus haben sie Spleen, und der tritt schon in den verschiedensten Formen heute auf.

Aber man braucht heute jene Arbeit, welche möglichst viel Spleen in Enthusiasmus, in Feuer umwandelt, so daß die Menschen eben nicht nur eine schläfrige, sondern eine wache Zivilisation haben. Das ist dasjenige, was eigentlich von Anthroposophie ausgehen soll, wach sein, Enthusiasmus haben, die Erkenntnis in wirkliche Tätigkeit, in Tat überführen, so daß der Mensch nicht nur etwas weiß, sondern etwas wird durch Anthroposophie. Dann erst hat die Anthroposophie ein Ziel und kann ein solches Ziel auch wirklich erreichen. Aber durch Anthroposophie schläfrig werden, heißt eben, der physischen Qualität der Milz viel zu viel Respekt zuerkennen und die hohen geistigen Eigenschaften der Milz nicht fruktifizieren. Das aber weist hin auf etwas, was die gegenwärtige Menschheit gar sehr braucht. Feuer braucht sie, Enthusiasmus braucht sie, begeistert sein können für irgend etwas..."[2]

Lit.:
[1]Rudolf Steiner, Geistige Zusammenhänge in der Gestaltung des menschlichen Organismus, GA 218 (1992), S 80 f., Dornach, 22. Oktober 1922
[2]ebd. S 86 f.

(Literaturangaben folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz Email: verlag@rudolf-steiner.com URL: http://www.rudolf-steiner.com)

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http://www.anthroposophie.net/lexikon/db.php?id=259letzte Änderung: 2002-12-27

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