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Lexikon Anthroposophie

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Substanz
materielle, seelische und geistige Substanzen und ihr unterschiedlicher Wirklichkeitscharakter

Im philosophischen Sinne der Kategorienlehre des Aristoteles etwas, was durch und in sich selbst ist, nicht durch ein anderes oder an bzw. in einem anderen.

Der Begriff Substanz wird heute zumeist nur im sehr eingeschränkten Sinn als materielle Substanz verstanden, die die einzig wirkliche Grundlage der ganzen Welt darstellen soll, während alles Seelische und Geistige nur als abgeleitetes Epiphänomen an der entsprechend organisierten Materie erscheinen soll und ohne materieller Grundlage nicht bestehen könne. Für eine tiefergehende geistige Betrachtung ist diese Ansicht nicht haltbar, und ihr gemäß muß man nicht nur von eigenständigen seelischen und geistigen Substanzen sprechen, sondern diesen sogar noch einen wesentlich höheren Wirklichkeitscharakter zumessen als der physischen Substanz. Denn das eigentlich wirkende Prinzip in der ganzen Welt ist der Geist. Geist ist nur das, was sich selbst erschafft, von nichts anderem geschaffen wurde und sich ausschließlich durch sich selbst erhält. Das Geistige entspricht am unmittelbarsten dem, was unter dem philosophischen Begriff Substanz verstanden werden kann. Alles Seelische hat schon einen geringeren Wirklichkeitscharakter, da das Seelische eigentlich nicht durch sich selbst entstehen kann, sondern durch den schöpferischen Geist geschaffen wird. Am fernsten der geistigen Quelle der Wirklichkeit steht aber die materielle Substanz, die im Grunde überhaupt nicht durch sich selbst bestehen kann, sondern von seelischen und geistigen Kräften getragen wird, wie es der Quantenphysiker und Träger des alternativen Nobelpreises (1987) Hans-Peter Dürr vor einigen Jahren in einem Interview recht plakativ ausgedrückt hat:

"Es gibt keine Dinge, es gibt nur Form und Gestaltveränderung: Die Materie ist nicht aus Materie zusammengesetzt, sondern aus reinen Gestaltwesen und Potentialitäten. Das ist wie beim Geist... Im Grunde gibt es nur Geist, aber er verkalkt, und wir nehmen nur den Kalk wahr, als Materie."

Der mittelalterlichen Scholastik gilt Gott selbst als die einfachste, grundlegendste, aber zugleich am schwersten unmittelbar zu erkennende Ursubstanz alles Seins. So schreibt Thomas von Aquin:

"Von den Substanzen aber sind einige einfach und einige zusammengesetzt, und in beiden ist Wesen, aber in den einfachen in wahrerer und vorzüglicherer Weise, insofern sie auch vorzüglicheres Sein haben: sie sind nämlich die Ursache dessen, was zusammengesetzt ist, wenigstens die erste einfache Substanz, die Gott ist. Aber weil die Wesen jener (einfachen) Substanzen für uns verborgener sind, daher muß man mit den Wesen der zusammengesetzten Substanzen beginnen, damit das Verfahren vom Leichteren her angemessener wird."

Anthroposophie geht insofern über die metaphysische Spekulation der Scholastik hinaus, als sie die wahre Natur der seelischen und geistigen Welt nicht intellektuell erschließen will, oder sich nur auf die verstandesmäßige Interpretation der traditionell überlieferten Offenbarungsberichte stützt, sondern Wege zeigt, wie das menschliche Bewusstsein so gestärkt werden kann, dass es, ohne in mediumistische Trance zu verfallen, schrittweise der unmittelbaren Wahrnehmung der seelischen und geistigen Weltbereiche fähig wird und dabei die klare Besonnenheit des Denkens nicht verliert.

Lit.:
Thomas von Aquin, Über das Sein und das Wesen, Kapitel 1
Aristoteles, Die Kategorien (PDF-Dokument)

(Literaturangaben folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz Email: verlag@rudolf-steiner.com URL: http://www.rudolf-steiner.com)

Link: http://www.anthroposophie.net/bibliothek/philosophie/thomas/aquin_sein_und_wesen.htm   Site Search   Web Search
http://www.anthroposophie.net/lexikon/db.php?id=32letzte Änderung: 2002-08-12

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