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Lexikon Anthroposophie

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Mensch
Manushya - Anthropos - Homo: Bezeichnungen für die geistige, seelische und körperliche Natur des Menschen

"Mensch - Manushya: im Sanskrit das Wort für Mensch. Damit ist aber auch angeschlagen, mit diesem Wort Manushya, die Grundempfindung, die man mit dem Menschentum bei einem großen Teil der Menschen verband. Worauf bezieht man sich nun, wenn man dem Menschen den Namen Manushya gibt, wenn man also diesen Wortstamm verwendet, um den Menschen zu bezeichnen, worauf bezieht man sich? Man bezieht sich auf das Geistige im Menschen, man beurteilt vor allen Dingen den Menschen als ein geistiges Wesen. Wenn man ausdrücken will: der Mensch ist Geist, und das andere ist nur der Ausdruck, die Offenbarung des Geistes, - wenn man also in erster Linie Wert legt auf den Menschen als Geist, so sagt man «Manushya».

Nach dem, was wir vorbereitend besprochen haben, kann es nun eine andere Anschauung geben. Man kann vor allen Dingen sein Hauptaugenmerk darauf lenken, wenn man vom Menschen redet, von der Seele zu sprechen. Und dann wird man, ich möchte sagen, weniger Rücksicht darauf nehmen, daß der Mensch Geist ist. Man wird darauf Rücksicht nehmen, daß der Mensch Seele ist, und das Äußere, Physische, dasjenige, was auch mit dem Physischen zusammenhängt, mehr in den Hintergrund treten lassen bei der Menschheitsbezeichnung. Man wird dann die Bezeichnung des Menschen vor allen Dingen hernehmen von dem, was ausdrückt, daß im Menschen etwas Seelenhaftes lebt, das sich im Auge ausdrückt, das sich ausdrückt darin, daß sich des Menschen Haupt nach der Höhe hebt. Prüft man das griechische Wort Anthropos auf seinen Ursprung, so drückt es ungefähr das aus. Konnte man sagen: diejenigen, die mit Manushya oder einem ähnlich klingenden Tongefüge den Menschen bezeichnen, sie sahen vor allen Dingen auf den Geist, auf das aus der geistigen Welt Heruntersteigende, - so muß man sagen: diejenigen, die den Menschen bezeichnen mit einem Worte, das an das griechische Wort Anthropos anklingt, vor allen Dingen die Griechen selber, sie drücken das Seelenhafte aus im Menschen.

Ein Drittes ist aber möglich. Es ist möglich, daß man vor allen Dingen darauf sieht, daß im Menschen das Äußerliche, Erdgeborene da ist, das Leibliche, dasjenige, was auf physischem Wege erzeugt wird. Dann wird man den Menschen bezeichnen mit einem Worte, das gewissermaßen heißt: der Erzeugende oder Erzeugte. Das wird drinneriliegen in dem Worte. Prüft man das Wort homo auf seinen Ursprung, dann liegt das eben Geschilderte darinnen."[1]

Das auf das deutsche und niederländische Sprachgebiet beschränkte Substantiv «Mensch» leitet sich von der indogermanischen Sprachwurzel *manu- (Mensch, Mann, Manu = "Stammvater der Menschheit") ab, hängt aber auch mit der Verbalwurzel *men- (denken, überlegen, ermahnen) zusammen und bezeichnet so den vernunftbegabten Menschen. Der sagenhafte König Menes (um 2900 v.Chr.) gilt als Begründer der altägyptischen Kultur. Als Manu werden jene großen Eingeweihten und Menschheitsführer bezeichnet, die aufgrund ihrer hohen geistigen Einsicht befähigt sind, die Menschheit von einem Zeitalter (-> Weltentwicklungsstufen) zum nächsten hinüberzuführen (etwa von der alten Atlantis zu unserem nachatlantischen Zeitalter; namentlich die indischen Sintfluterzählungen sprechen von diesem großen Manu, der mit dem biblischen Noah gleichzusetzen ist). Mensch in diesem Sinne ist der, dem die Himmlische Speisung, das Himmlische Manna zuteil geworden ist. In der germanischen Märchen- und Sagenwelt werden die Geister der Verstorbenen, die nun nicht mehr dem irdischen, sondern dem geistigen Daseinsbereich angehören, als Manen bezeichnet. Es wird damit hingewiesen auf das erste geistige Wesensglied des Menschen, auf Manas oder Geistselbst:

"«Menes» nannten die Ägypter den, der die erste «menschliche» Kultur inauguriert hat; und sie deuten zu gleicher Zeit an, daß der Mensch dadurch auch in die Möglichkeit kam, zu irren. Denn von da ab war er angewiesen auf das Werkzeug seines Gehirns. Daß der Mensch in Irrtum verfallen konnte, wird dadurch symbolisch angedeutet, daß in die Zeit, in welcher die Menschen von den Göttern verlassen wurden, die Stiftung des Labyrinthes versetzt wird, das ein Abbild ist der Windungen des Gehirns als des Werkzeuges für die eigenen Menschengedanken, in welchen sich der Träger dieser Gedanken verlieren kann. Manas nannten die Orientalen den Menschen als denkendes Wesen, und Manu heißt der erste Hauptträger des Denkens. Minos nannten die griechischen Völker den ersten Ausgestalter des menschlichen Gedankenprinzips, und auch an Minos knüpft sich die Sage vom Labyrinth, weil die Menschen fühlten, wie sie seit seiner Zeit von der unmittelbaren göttlichen Leitung allmählich in eine solche Leitung übergingen, durch welche das «Ich» in anderer Art die Einflüsse der höheren Geisteswelt erlebt."[2]

Das griechische Substantiv «Anthropos» bezeichnet den aufgerichteten, den aufrecht schreitenden Menschen, wörtlich den entgegen (anti) Gewendeten (tropos). Der Mensch, der sich gerade durch seine aufrechte Haltung am deutlichsten vom Tier unterscheidet, spannt so gleichsam sein Wesen zwischen Erde und Himmel auf und empfängt von beiden Seiten, von der sinnlichen und von der geistigen Welt, die Impulse, die seine verstandesbegabte Seele erfüllen und die er durch die Kraft seines individuellen Ichs aktiv und eigenständig miteinander verbinden muss. Der Anthropos löst sich aus der Natur heraus, überwindet die Naturinstinkte, und tritt zugleich auch der Götterwelt als eigenständiges Wesen entgegen, das sich in seiner Seele einen eigenen, auf den Verstand gegründeten festen Standpunkt schafft, von dem aus er die Welt betrachtet und beurteilt. Es wird damit auf die Entwicklung der Verstandesseele hingewiesen, die ihre Blütezeit in der griechisch-römischen Kultur entfaltete.

«Homo», human, bedeutet irdisch, zur Erde, zur Sippe gehörig und verweist auf die selbe indogermanische Sprachwurzel *ghdem-, *gh(d)om- wie das Wort Humus, die fruchtbare Ackererde. Im Griechischen entspricht dem das Wort chton = Erde; der alte Name, den die Ägypter ihrem Land gegeben haben, kemi oder chemi (die Wurzel unseres modernen Begriffs «Chemie», leitet sich ebenfalls davon ab und bezeichnete eigentlich den fruchtbaren Schlamm, den die Nilschwemme regelmäßig zurückließ. Auch die biblische Benennung des ersten Menschen, Adam, das bedeutet rote Erde, weist wohl in dieselbe Richtung.

Lit.:
[1]Rudolf Steiner, Bausteine zu einer Erkenntnis des Mysteriums von Golgatha, GA 175 (1961), S 302 f.
[2]Rudolf Steiner, Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit, GA 15 (1911), II. Kapitel

(Literaturangaben folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz Email: verlag@rudolf-steiner.com URL: http://www.rudolf-steiner.com)

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http://www.anthroposophie.net/lexikon/db.php?id=43letzte Änderung: 2002-08-18

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