Michael

1879
Beginn des neuen Michaelzeitalters

Nach dem Sturz der Geister der Finsternis durch den Erzengel Michael begann im Herbst 1879 das neue -> Michael-Zeitalter.


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Jahresfeste
Weihnachten - Ostern - Johanni - Michaeli und der Atmungsvorgang der Erde im Jahreskreislauf

Siehe auch:

Viele Menschen, die inmitten des modernen Zivilisationslebens stehen, haben die lebendige Beziehung zu den feineren Nuancen des Jahreskreislaufs verloren - und damit auch die Empfindung für den tieferen Sinn der Jahresfeste. Die Menschen haben sich in ihrem seelischen Erleben weitgehend von den Naturrhythmen gelöst. Das hat seinen guten Sinn, denn nur so kann sich der Mensch auf Erden zu einem freien selbstverantwortlichen Wesen entwickeln. Aus dieser selbstbewussten Freiheit heraus hat er gelernt, sich als denkendes Subjekt den Naturobjekten gegenüberzustellen. Die Natur scheint ihm von abstrakten Naturgesetzen beherrscht zu sein. Diese sind es auch, so denkt er, die die kosmische Beziehung der Erde zur Sonne, und damit auch den Jahreskreislauf, regeln. Innerhalb gewisser Grenzen ist diese Anschauung auch durchaus richtig und fruchtbar - aber sie erklärt nur einen winzigen Teil der Phänomene, die mit dem rhythmischen Wechsel des Jahreslaufes verbunden sind. So wenig sich das Werk eines genialen Malers aus den mechanischen Gesetzen erfassen lässt, die während des Malens in seinen Fingern, in seiner Hand und in seinem Arm wirkten, so wenig läßt sich das Geistige, das im Jahreslauf waltet, naturgesetzlich fassen. Wesenhaft Geistiges waltet im Naturgeschehen. Auf unterster geistiger Ebene sind es die -> Elementarwesen, die als tätige Werkmeister in der Natur wirken und sich im Rhythmus des Jahreslaufes mit der Erde abwechselnd stärker verbinden oder lösen:

"Dieser Jahreslauf, den in früheren Zeiten der Mensch, weil eine Art mehr instinktiven Bewußtseins gewaltet hat, durch Festeszeiten feierte, hat noch eine andere Seite... Die Erde ist während des Winters mit ihren Elementargeistern, man kann sagen, vereint. Die Elementargeister ziehen sich hinein in den Schoß der Erde, wohnen da bei den sich vorbereitenden Pflanzenwurzeln und den ändern Naturwesenheiten, die während des Winters im Schoße der Erde sind. Dann, wenn der Frühling kommt, atmet die Erde gewissermaßen dieses ihr elementarisches Wesen aus; die Elementargeister steigen wie aus einer Gruft heraus, steigen herauf in die Atmosphäre. Während sie im Winter die innere Gesetzmäßigkeit der Erde aufgenommen haben, bekommen sie immer mehr und mehr, wenn es gegen den Frühling zu geht, und namentlich wenn es dem Sommer zu geht, in ihrem Wesen und Weben jene Gesetzmäßigkeit, die ihnen von den Sternen des Kosmos und deren Bewegungen aufgedrängt wird. Und wenn die Hochsommerzeit da ist, da webt und lebt es draußen im Umkreise der Erde unter den Elementarwesen, die still und ruhig während des Winters unter der Schneedecke waren, da wallt und wirbelt es unter diesen Elementarwesen in denjenigen Bewegungen, in denjenigen gegenseitigen Beziehungen, die bestimmt sind durch die Gesetze der Planetenbewegungen, durch die Gesetze der Gestaltung der Fixsterne und so weiter. Und wenn der Herbst kommt, dann kommen gewissermaßen diese Elementarwesen wiederum gegen die Erde zurück. Dann nähern sie sich wieder der Erde, bekommen immer mehr und mehr auch wieder die Erdengesetze, um wiederum zurückzukehren, gewissermaßen von der Erde eingeatmet zu werden während der Winterzeit, wo sie wiederum still und ruhig im Schoße der Erde sein werden."[1]

Im Zuge einer geistigen Schulung wird man nach und nach wieder empfänglich für die Naturrhythmen:

"Derjenige, der sich mit Anthroposophie unter den angegebenen Bedingungen durchdringt, wird nach und nach bemerken, daß er zum Beispiel den Unterschied der vier Jahreszeiten, namentlich den Unterschied von Sommer und Winter, noch in einer ganz anderen Weise empfindet als der sonstige normale Mensch der Gegenwart. Der normale Mensch der Gegenwart fühlt an seinem eigenen physischen Leibe eigentlich im Grunde genommen zumeist doch nur den Temperaturunterschied. Derjenige, der in der angedeuteten Weise Anthroposophie zu seinem Seeleninhalt gemacht hat, der empfindet nicht nur den Temperaturunterschied, sondern getrennt davon hat er noch ein besonderes Erleben in seinem Nervensystem, so daß es ihm zum Beispiel leichter wird, gewisse Gedanken, die an das physische Gehirn gebunden sind, im Sommer zu fassen als im Winter. Nicht als ob es unmöglich wäre, im Winter diese oder jene Gedanken zu fassen; aber man kann deutlich erfahren, daß es im Sommer leichter ist als im Winter, daß sie im Sommer sozusagen leichter fließen als im Winter. Man kann auch bemerken, daß im Winter die Gedanken leichter abstrakt und im Sommer leichter bildhaft, anschaulicher werden. Das kommt davon her, daß das Werkzeug für den physischen Plan, das Nervensystem, in feiner Weise mitschwingt mit der Veränderung der Jahreszeiten, innerlich unabhängiger vom Gesamtorganismus mitschwingt, als das sonst der Fall ist."[2]

Eine neue geistige Beziehung zum Naturgeschehen muß gefunden werden. Diese neue geistige Beziehung zur Natur darf aber keine bloß traumhaft instinktive bleiben, sondern sie muss, wenn der Mensch seine Freiheit nicht verlieren will, bewusst gesucht werden. Rudolf Steiner gibt dazu folgende Anregungen:

"Wir wollen heute einmal diesen Kreislauf der Erde als eine Art großer Atmung betrachten, welche die Erde vollzieht gegenüber ihrer kosmischen Umgebung. Wir können noch andere Vorgänge, die an der Erde und um die Erde sich abspielen, als eine Art Atmungsvorgänge auffassen. Wir können auch von einer täglichen Atmung der Erde sprechen. Allein wir wollen heute einmal den Jahreslauf im großen wie einen mächtigen Atmungsprozeß der Erde ins Auge fassen, wobei allerdings nicht die Luft von der Erde aus- und eingeatmet wird, sondern diejenigen Kräfte, welche zum Beispiel in der Vegetation des Pflanzlichen wirken, die Kräfte, die im Frühling aus der Erde die Pflanzen heraustreiben, die im Herbst wiederum sich zurückziehen in die Erde, welk werden lassen die grünen Pflanzenbestandteile und endlich ablähmen das Pflanzenwachstum. Also wie gesagt, nicht eine Luftatmung ist es, von der wir sprechen, sondern die Atmung, die Ein- und Ausatmung von Kräften, von denen man eine Teilvorstellung gewinnen kann, wenn man auf das Pflanzenwachstum im Laufe eines Jahres sieht. Diesen Jahresatmungsprozeß der Erde wollen wir uns heute einmal vor die Seele führen.

Sehen wir hin zunächst auf die Zeit, in welcher die Erde sich in der sogenannten Wintersonnenwende befindet, im letzten Drittel des Dezember nach unserer heutigen Jahresrechnung. In dieser Zeit müssen wir in bezug auf diesen Atmungsvorgang die Erde so ansehen, wie wir den Menschen ansehen bei seiner Lungenatmung, wenn er eingeatmet hat, wenn er die Atemluft in sich hat und sie in sich verarbeitet, wenn er also den Atem in sich hält. So hat die Erde diejenigen Kräfte, in bezug auf die ich jetzt von Aus- und Einatmung spreche, in sich. Sie hält sie, diese Kräfte, mit dem Ende des Dezember. Und was da mit der Erde geschieht, kann ich Ihnen in der folgenden Weise schematisch aufzeichnen. Denken wir uns, das (siehe Schema, rot) stellte die Erde vor. Wir können in bezug auf diese Atmung nur immer einen Teil der Erde betrachten. Wir betrachten denjenigen Teil, den wir selbst bewohnen; auf der entgegengesetzten Seite der Erde liegen die Bedingungen ja eben entgegengesetzt. Wir müssen uns die Atmung der Erde so vorstellen, daß an einem Orte der Erde Ausatmung ist, am entgegengesetzten Einatmung, aber wir brauchen darauf heute keine Rücksicht zu nehmen.

Wir stellen uns vor die Dezemberzeit. Wir stellen uns vor das, was ich hier als Gelbes einzeichne, als eben der gehaltene Atem in unserer Gegend. Die Erde hat vollständig eingeatmet; sie hält die Kräfte, von denen ich eben gesprochen habe, in sich zusammen. In diesem Augenblicke des Jahres ist die Erde so, daß man sagen kann, sie hält ihr Seelisches in sich. Sie hat ihr Seelisches ganz in sich gesogen, denn die Kräfte, von denen ich gesprochen habe, die sind das Seelische der Erde. Die Erde also hält mit Ende Dezember ihr Seelisches ganz in sich. Sie hat es ganz aufgesogen, so wie der Mensch, wenn er eingeatmet hat, die Luft ganz in sich hält. Das ist die Zeit, in welche mit Recht die Geburt Jesu gesetzt wird, weil da die Erde gewissermaßen im inneren Besitz ihrer gesamten Seelenkraft ist. Und indem Jesus geboren wird in diesem Zeitpunkte, wird er herausgeboren aus einer Erdenkraft, die alles Erdenseelische in sich trägt. Und einen tiefen Sinn haben in der Zeit des Mysteriums von Golgatha die Eingeweihten, die, ich möchte sagen, der alten Einweihung noch würdig waren, einen tiefen Sinn haben diese Eingeweihten verbunden mit der Anschauung, die sie ausgebildet haben von dem Fallen der Geburt Jesu in diesen Zeitpunkt der irdischen Einatmung, des irdischen Atemhaltens.

Diese Eingeweihten haben etwa das Folgende gesagt. Wenn man in alten Tagen, da unsere Einweihungsstätten gestanden haben innerhalb der chaldäischen, innerhalb der ägyptischen Kultur von jener Wesenheit, die das Hohe Sonnenwesen darstellt, sprach und man wissen wollte, was dieses Hohe Sonnenwesen zu sagen hatte den irdischen Menschen, dann bildete man sich über diese Sprache des Hohen Sonnenwesens auf die folgende Weise eine Ansicht. Man beobachtete das Sonnenlicht in seiner Geistigkeit nicht direkt; man beobachtete das Sonnenlicht in der Art, wie es vom Monde zurückgestrahlt wird. Indem man den Blick hinaufwendete zum Monde, sah man mit Hilfe des alten hellseherischen Seelenblickes mit dem Heranfluten des Mondenlichtes die Offenbarung des Geistes des Weltenalls. Und in einer mehr äußerlichen Weise ergab sich der Sinn dieser Offenbarung, indem man die Konstellation des Mondes in bezug auf die Fixsternbilder und in bezug auf die Planeten beobachtete.

So beobachtete man denn in den chaldäischen und namentlich in den ägyptischen Mysterien zur nächtlichen Stunde den Stand der Sterne, namentlich in bezug auf das heranflutende Mondenlicht. Und geradeso wie der Mensch aus den Buchstaben, die er auf seinem Papierblatt hat, sich den Sinn desjenigen klar macht, was er lesen will, so schaute man hin, wie Widder, Stier zum flutenden Mondenlichte standen, wie Venus, wie die Sonne selber und so weiter, zum flutenden Mondenlichte standen. Und aus dem Verhältnis, wie die Sternbilder und Sterne zueinander standen, namentlich wie sie orientiert wurden durch das flutende Mondenlicht, las man ab, was der Himmel der Erde zu sagen hatte. Man brachte das in Worte. Und nach dem Sinne dessen, was da in Worte gebracht wurde, suchten die alten Eingeweihten. Sie suchten, was jenes Wesen, das später der Christus genannt wurde, dem irdischen Menschen zu sagen hatte. Auf das sahen jene alten Eingeweihten hin, was die Sterne im Verhältnisse zum Monde dem irdischen Leben sagen konnten. Aber nun, als das Mysterium von Golgatha herannahte, da ging, möchte ich sagen, eine große geistig-seelische Metamorphose durch alles Mysterienwesen. Da sagten die Ältesten dieser Eingeweihten zu ihren Schülern: Jetzt kommt eine Zeit, wo fortan nicht mehr die Sternkonstellationen auf das flutende Mondenlicht bezogen werden dürfen. Das Weltenall spricht anders zu den irdischen Menschen in der Zukunft. Es muß das Licht der Sonne direkt beobachtet werden. Wir müssen herüberwenden die geistigen Erkennerblicke von den Offenbarungen des Mondes zu den Offenbarungen der Sonne.

Was dazumal zuerst in den Mysterien Lehre wurde, das machte einen gewaltigen Eindruck auf diejenigen Menschen, die noch zu den Eingeweihten eben der älteren Zeiten in der Epoche des Mysteriums von Golgatha zählten. Und von diesem Gesichtspunkte aus beurteilten diese Eingeweihten das Mysterium von Golgatha. Aber sie sagten: Es muß etwas in das Erdengeschehen hereinfallen, was diesen Übergang von dem Mondenhaften zu dem Sonnenhaften bewirken kann. -Und so kamen sie auf die kosmische Bedeutung der Geburt Jesu. Die Geburt Jesu sahen sie an als etwas, was von der Erde aus den Impuls gab, fortan nicht mehr den Mond zum universalen Regenten der Himmelserscheinungen zu machen, sondern die Sonne selber. Aber das Ereignis, das da hineinfällt, das muß besonderer Art sein - so sagten sie sich. Und diese besondere Art ergab sich ihnen durch das Folgende. Sie fingen an zu verstehen den inneren Sinn dieses Erdengeschehens im letzten Drittel des Dezember. Sie fingen an zu verstehen den Sinn des Erdengeschehens zu der Zeit, die wir jetzt die Weihnachtszeit nennen. Sie sagten sich: Auf die Sonne muß alles bezogen werden. Aber die Sonne kann auf die Erde nur Gewalt ausüben, wenn die Erde ihre Kräfte ausgeatmet hat. Zur Weihnachtszeit hat sie sie eingeatmet, hält sie den Atem in sich. Wird da der Jesus geboren, so wird er zu einer Zeit geboren, in der die Erde gewissermaßen nicht spricht mit den Himmeln, in der die Erde mit ihrem Wesen ganz in sich selber zurückgezogen ist. Da wird der Jesus in einer Zeit geboren, in der die Erde einsam durch den kosmischen Raum hinrollt, ohne ihren Atemzug hinauszusenden, so daß dieser Atemzug durchwellt werden könnte von der Sonnenkraft, von dem Sonnenlichte. Die Erde hat gewissermaßen ihr Seelisches in dieser Zeit nicht dargeboten dem Kosmos; sie hat ihr Seelisches in sich zurückgezogen, sie hat es in sich aufgesogen. Der Jesus wird in einer Zeit auf der Erde geboren, in der die Erde allein ist mit sich gegenüber dem Kosmos. - Fühlen Sie dieses, ich möchte sagen, kosmische Empfinden, das einer derartigen Berechnung zugrunde liegt!

Verfolgen wir jetzt die Erde weiter im Jahreslauf. Verfolgen wir die Erde bis in die Zeit, in der wir eben jetzt stehen. Verfolgen wir die Erde ungefähr bis zu der Zeit der Frühlingssonnenwende, bis zum Ende des März. Da müssen wir schematisch die Sache so zeichnen: Die Erde (siehe Schema, rot) hat eben ausgeatmet; die Seele ist noch halb in der Erde, aber die Erde hat die Seele ausgeatmet, die flutenden Seelenkräfte der Erde ergießen sich in den Kosmos hinaus. Ist nun die Kraft des Christus-Impulses seit dem Dezember innig mit der Erde verbunden, mit dem Seelischen der Erde, dann finden wir jetzt, wie dieser Christus-Impuls mit dem hinausflutenden Seelischen die Erde zu umstrahlen beginnt (Pfeile). Dem, was da als durch-christetes Erdenseelisches in den geistigen kosmischen Raum hinausströmt, dem muß aber jetzt begegnen die Kraft des Sonnenlichtes selber. Und die Vorstellung entsteht: Jetzt beginnt der Christus, der sich mit der Erde seelisch im Dezember zurückgezogen hat in das Erdeninnere, um isoliert zu sein von den kosmischen Einflüssen, mit der Ausatmung der Erde selber seine Kräfte hinausatmen zu lassen, sie hinzureichen zum Empfange des Sonnenhaften, das ihm entgegenstrahlt. Und wir erlangen eine richtige schematische Zeichnung, wenn wir nun das Sonnenhafte als dasjenige, was sich mit der von der Erde ausstrahlenden Christus-Kraft vereinigt, also zeichnen (gelb):

Der Christus beginnt mit dem Sonnenhaften zusammenzuwirken zur Osterzeit. Die Osterzeit fällt daher in die Zeit der Ausatmung der Erde. Aber es darf dasjenige, was da geschieht, nicht bezogen werden auf das zurückflutende Mondenlicht, sondern auf das Sonnenhafte.

Dem entstammt die Festlegung der Osterzeit am ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmonde, nach dem Vollmonde, der nach der Frühlingssonnenwende kommt. Und der Mensch müßte, solches empfindend, gegenüber der Osterzeit sagen: Habe ich mich mit der Kraft des Christus vereinigt, so flutet auch meine Seele mit der Ausatmungskraft der Erdenseele hinaus in die kosmischen Weiten und empfängt die Sonnenkraft, die der Christus von der Erde jetzt ebenso zuführt den Menschenseelen, wie er sie vor dem Mysterium von Golgatha diesen Menschenseelen vom Kosmos herein zugeführt hat.

Damit tritt aber noch etwas anderes ein. Wenn in denjenigen Zeiten, in denen das Wichtigste auf der Erde auf das flutende Mondenlicht bezogen wurde, Feste festgesetzt wurden, dann wurden sie rein festgesetzt nach dem, was man im Räume beobachten konnte: wie der Mond stand zu den Sternen. Man entzifferte den Sinn, den der Logos in den Raum hineingeschrieben hatte, um Feste festzusetzen. Wenn Sie sich die Festsetzung des Osterfestes, wie wir es jetzt haben, ansehen, so werden Sie sehen, die Raumesfestsetzung geht bis zu einem gewissen Punkte, bis zu dem Punkte, an dem man sagen kann: Es ist der Vollmond nach Frühlingsbeginn. - Bis daher alles raumhaft. Jetzt aber fällt man aus dem Raum heraus: Sonntag nach dem Frühlingsvollmond, Sonntag, wie er nicht räumlich festgesetzt wird, wie er im Zyklus des Jahreskreislaufes festgesetzt wird, wie sich im Zyklus der Wochentage immer folgen Saturntag, Sonntag, Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Saturntag und so weiter, immer im Kreislauf. Jetzt tritt man aus dem Raum heraus, indem man von der räumlichen Festsetzung der Mondenkonstellation zu dem reinen zeitlichen Verlaufe im Jahreszyklus der Sonntage übergeht.

Das war das weitere, das man in den alten Mysterien empfunden hat: daß die alten Feststellungen also auf den kosmischen Raum bezogen wurden und daß man mit dem Mysterium von Golgatha herausging aus dem kosmischen Raum in die Zeit, die selber nicht mehr auf den kosmischen Raum bezogen wurde. Man riß gewissermaßen das, was man auf den Geist bezog, vom reinen Räumlichen hinweg. Es war ein gewaltiger Ruck der Menschheit nach dem Geiste.

Und gehen wir im Jahreslauf, ich möchte sagen, in der Atmung der Erde weiter, dann finden wir, wie im Juni die Erde den dritten Zustand hat. Die Erde hat an dem Fleck, den wir jetzt beobachten, ganz ausgeatmet. Das ganze Seelenhafte der Erde ist in den kosmischen Raum hinaus ergossen, das ganze Seelische der Erde ist dem kosmischen Raum hingegeben. Das Seelenhafte der Erde durchtränkt sich mit der Kraft der Sonne, mit der Kraft der Sterne. Der Christus, der mit diesem Seelenhaften der Erde verbunden ist, vereinigt auch seine Kraft mit der Sternenkraft und der Sonnenkraft, die da fluten in dem an das kosmische All hingegebenen Seelenhaften der Erde. Es ist Johanni, es ist Johannizeit. Die Erde hat voll ausgeatmet. Die Erde zeigt in ihrer äußeren Physiognomie, mit der sie hinausblickt zum Weltenall, nicht ihre eigene Kraft, wie sie sie in sich zeigte zur Wintersonnenwende, die Erde zeigt auf der Oberfläche die rückstrahlende Kraft der Sterne, der Sonne, alles dessen, was kosmisch außer ihr ist.

Die alten Eingeweihten haben besonders lebhaft, namentlich in den nördlichen Gegenden Europas, den inneren Sinn und Geist dieser Zeit, unserer Junizeit, gefühlt. Sie haben ihre eigene Seele mit der Erdenseele in dieser Zeit hingegeben gefühlt den kosmischen Weiten. Sie haben sich lebend gefühlt nicht innerhalb des Irdischen, sondern in den kosmischen Weiten. Und vor allen Dingen haben sie sich etwa das Folgende gesagt: Wir leben mit unserer Seele in den kosmischen Weiten. Wir leben mit der Sonne, wir leben mit den Sternen. Und wenn wir den Blick zurückwenden auf die Erde, die sich erfüllt hat mit sprießenden, sprossenden Pflanzen, die alles mögliche an Tieren hervorgebracht hat, dann sehen wir in den sprießenden, sprossenden Pflanzen, in den farbenentfaltenden, farberglitzernden Blumen, sehen in den hin und her sich bewegenden Insekten, in den die Luft durchmessenden Vögeln mit ihren mannigfaltigen farbigen Federdecken wiederum von der Erde wie spiegelnd zurückglänzen dasjenige, was wir in die Seele aufnehmen, wenn wir gerade die Erde verlassen und uns mit dem hinausflutenden Atem der Erde verbinden, um kosmisch, nicht irdisch zu leben. Aber was sich da tausendfältig farbig, sprießend, sprossend, von der Erde hinauswachsend zeigt in den Weltenraum, das ist von derselben Art. Nur ist es eben die Reflexion, die rückstrahlende Kraft, während wir die direkte Kraft in unseren Menschenseelen tragen. - Das war das Sich-Fühlen derjenigen Menschen, die inspiriert waren von den Einweihungsstätten, welche insbesondere das Sommersonnenwendefest verstanden. So sehen wir hineingestellt das Johannifest in den großen Atemzug des Irdischen gegenüber dem Kosmos.

Verfolgen wir diesen Atemzug noch weiter, so kommen wir endlich zu jenem Stadium, das Ende September eintritt. Die ausgeatmeten Kräfte beginnen wiederum sich zurückzubewegen, die Erde beginnt wiederum einzuatmen. Die Erdenseele, welche hinausergossen war in den Kosmos, zieht sich wiederum in das Innere der Erde zurück. Die Menschenseelen nehmen in ihrem Unterbewußten oder in ihren hellseherischen Impressionen dieses Einatmen des Erdenseelenhaften als Vorgänge ihrer eigenen Seele wahr. Die Menschen, die inspiriert waren von der Einweihungserkenntnis über solche Dinge, sie konnten sich Ende September dann sagen: Was uns der Kosmos gegeben hat und was mit unserer eigenen Seelenkraft durch den Christus-Impuls sich verbunden hat, das lassen wir wiederum zurückfluten in das Irdische, in jenes Irdische, das den ganzen Sommer hindurch nur der Reflexion gedient hat, das also wie ein Spiegel sich verhalten hat gegenüber dem Kosmos, dem außerirdischen Kosmos.

Ein Spiegel verhält sich aber so, daß er nichts von dem hindurchläßt, was vor ihm ist. Weil die Erde ein Spiegel des Kosmischen im Sommer ist, ist sie gewissermaßen auch in ihrem Inneren undurchsichtig, undurchlässig für das Kosmische, undurchlässig deshalb für den Christus-Impuls während der Sommerzeit. Da muß der Christus-Impuls gewissermaßen in der Ausatmung leben; die Erde erweist sich selber als undurchlässig für den Christus-Impuls. Die ahrimanischen Kräfte setzen sich fest in dieser für den Christus-Impuls undurchlässigen Erde. Und wenn der Mensch wiederum zurückkehrt mit den durch die Ausatmung der Erdenkräfte in die eigene Seele aufgenommenen Kräften, auch mit den Christus-Kräften, so taucht er unter in die ahrimanisierte Erde. Da aber ist es so, daß im jetzigen Zeitlauf der Erdenentwickelung, seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, aus Geisteshöhen der untertauchenden Menschenseele zu Hilfe kommt die Kraft des Michael, die bei diesem Rückfluten der Erdenatmung in die Erde selbst hinein den Drachen Ahriman bekämpft.

Das haben wie prophetisch vorausgesehen diejenigen, die auch schon in den alten Mysterien den Jahreslauf geistig verstanden haben. Sie wußten, daß für ihre Zeit noch nicht dieses Geheimnis herangekommen war: daß die Kraft des Michael der untertauchenden Menschenseele zu Hilfe kommt. Aber sie wußten, daß, wenn die Seelen immer wieder geboren werden, diese Michael-Kraft eintritt, diese Michael-Kraft zu Hilfe kommt den Erdenmenschenseelen. In diesem Sinne haben sie den Jahreskreislauf angesehen. Sie finden daher im Kalender aus alter Weisheit eingeschrieben auf den 29. September, einige Tage nach der Herbst-Tagundnachtgleiche, den Michaeltag. Und Michaeli ist gerade für die einfachen Leute auf dem Lande eine außerordentlich wichtige Zeit.

Aber Michaeli ist durch seine Einstellung in den Jahreskreislauf auch für diejenigen eine wichtige Jahreszeit, welche den ganzen Sinn unserer gegenwärtigen Erdenepoche zu verstehen vermögen. Muß man doch, wenn man mit dem richtigen Bewußtsein sich in die gegenwärtige Zeit hereinstellen will, verstehen, wie in dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts die Michael-Kraft in der Art, wie das eben für unsere Zeit sein muß, den Kampf mit dem Drachen, den Kampf mit den ahrimanischen Mächten aufnimmt. Muß man sich doch selber einfügen in den Sinn der Erden- und Menschheitsentwickelung, indem man mit dem eigenen Bewußtsein in der rechten Weise an diesem kosmisch-geistigen Kampfe teilnimmt.

Bisher ist der Michaeltag ein Bauernfeiertag. Sie wissen, was ich für einen Sinn damit verbinde: ein Feiertag der einfachen Menschen. Er ist dazu berufen, aus dem Einsehen des ganzen Sinnes des irdischkosmischen Jahresatemzuges immer mehr und mehr das Ergänzungsfest für das Osterfest zu bilden. Denn so wird die Menschheit, die wiederum das Erdenleben auch im geistigen Sinne verstehen wird, einmal denken müssen.

Während die Sommerausatmung geschah, ist die Erde ahrimanisiert. Wehe, wenn in diese ahrimanisierte Erde die Geburt Jesu hineinfiele ! Bevor wiederum der Kreislauf vollendet ist und der Dezember herankommt, der den Christus-Impuls in der durchseelten Erde geboren werden läßt, muß die Erde durch geistige Kräfte gereinigt sein von dem Drachen, von den ahrimanischen Kräften. Und vereinigen muß sich die Michael-Kraft mit dem, was hineinflutet als Erdenatmung von der Septemberzeit an bis in die Dezemberzeit, vereinigen muß sich damit die reinigende, die das böse Ahrimanische besiegende Michael-Kraft, damit in der richtigen Weise das Weihnachtsfest herankommen und in der richtigen Weise sich die Geburt des Christus-Impulses vollziehen kann, der dann weiter reift bis zu dem Beginn der Ausatmung, bis zu der Osterzeit. So sehen wir, daß man sagen kann: Zur Weihnachtszeit hat die Erde ihr Seelisches in sich aufgenommen, hat die Erde ihr Seelisches in dem großen Jahresatemzug in sich aufgenommen. Der Christus-Impuls wird in dem von der Erde aufgenommenen Erdenseelischen im Innern der Erde geboren. Er flutet hinaus in das Kosmische mit dem Ausatmen der Erde gegen die Frühlingszeit hin. Er wird dessen ansichtig, was sternenhaft ist, und tritt mit ihm in Wechselwirkung, aber so, daß er nicht mehr räumlich bloß in Beziehung tritt, sondern zeitlich, so daß das Zeitliche aus dem Räumlichen herausgenommen ist.

Ostern ist am ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond. Der Mensch erhebt sich mit seinem Seelischen innerhalb der Vollausatmung hinaus in das Kosmische, durchtränkt und durchdringt sich mit dem Sternenhaften, nimmt den Atem der Welt mit dem Erdenatem selber auf, durchdringt sich mit dem Österlichen. Und mit dem, womit er begonnen hat sich zu durchdringen seit der Osterzeit, steht er am stärksten drinnen zur Johannizeit, muß dann zurückkehren mit der Erdenseele und zugleich mit seinem eigenen Seelenhaften in die Erde, ist aber angewiesen darauf, daß Michael ihm zur Seite steht, damit er in der richtigen Weise eindringen kann in das Irdische nach Besiegung des Ahrimanischen durch die Michael-Kräfte.

Immer mehr und mehr zieht sich das Seelische der Erde mit der eingezogenen Atemkraft in das Irdische selber zurück, bis die Weihnachtszeit da ist, und in der richtigen Weise feiert dann die Weihnachtszeit derjenige heute, welcher sich sagt: Michael hat die Erde gereinigt, damit zur Weihnachtszeit in der richtigen Weise die Geburt des Christus-Impulses stattfinden kann. - Dann findet wiederum das Hinausfluten in das Kosmische statt. Da nimmt Christus bei dem Hinausfluten den Michael mit, damit Michael diejenigen Kräfte, die er verbraucht hat bei seinem Kampfe gegen das Irdisch-Ahrimanische, aus dem Kosmischen sich wiederum aneignen kann. Mit dem Österlichen beginnt auch Michael wiederum in das Kosmische sich zu versenken, durchwebt sich mit dem Kosmischen am stärksten in der Johannizeit. Und ein Mensch, der im rechten Sinne in der Gegenwart erfaßt, was ihn verbindet als Menschen mit dem Irdischen, der sagt sich: Es beginnt für uns das Zeitalter, in dem wir den Christus-Impuls richtig sehen, wenn wir ihn im Jahreskreislauf von der Kraft des Michael in der richtigen Weise begleitet wissen, wenn wir gewissermaßen sehen den Christus ziehen, flutend ins Irdische und hinauf in das Kosmische, begleitet in der entsprechenden Weise von dem in der Erde kämpfenden Michael, von dem in den Weltenweiten die Kampfeskraft sich erobernden Michael (siehe Lemniskate).

So wird auch der Ostergedanke im richtigen Sinne unserer Zeit dann erfaßt werden, wenn der Mensch versteht, zu jenem allergrandiosesten Bilde, das hineingestellt ist, Aufklärung bringend in Erdendasein, zu dem Bilde des aus dem Grabe erstehenden, den Tod besiegenden Christus heute hinzuzufügen die Wesenheit des Michael, zur Rechten des Christus Jesus, beim Durchwirken der Erdenatemkraft mit Christus-Kraft während eines Jahreskreislaufes in der Erdenatmung.

Versteht man so zu jeder der vier großen Festeszeiten des Jahres, also auch zur Osterzeit, den Christus-Gedanken in sich lebendig zu machen, so macht man ihn heute in dem Sinne lebendig, wie er lebendig werden muß, wenn man sich als Erdenmensch ihn richtig in seine Gegenwart mit vollem Verständnis hereinzustellen vermag. Die Hoffnung auf das Kommen der Michael-Kraft im Dienste der Christus-Kraft beseelte diejenigen, die in der richtigen Weise den Christus-Impuls bis in unsere Zeit herein verstanden.

Die Verpflichtung, im Sinne des Michael-Gedankens sich mit dem Christus-Impuls zu durchdringen, erwächst uns insbesondere für die heutige Zeit. Wir durchdringen uns in der richtigen Weise, wenn wir den Auferstehungsgedanken zu verbinden wissen mit dem wirksamen Michael-Gedanken, wie er sich hereingestellt hat in die Menschheitsentwickelung in der Weise, wie ich das ja öfter auseinandergesetzt habe."[3]

Lit.:
[1]Rudolf Steiner, Das Miterleben des Jahreslaufes in vier kosmischen Imaginationen, GA 229 (1984), 11f., Erster Vortrag, Dornach, 5. Oktober 1923
[2]Rudolf Steiner, Welche Bedeutung hat die okkulte Entwicklung des Menschen für seine Hüllen und sein Selbst?, GA 145 (1986), S 15 f., Erster Vortrag, Den Haag, 20. März 1913
[3]Rudolf Steiner, Der Jahreskreislauf als Atmungsvorgang der Erde und die vier großen Festeszeiten, GA 223 (1985), S 12 ff., Erster Vortrag, Dornach, Karsamstag, 31. März 1923


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Michael-Imagination

(siehe auch -> Jahresfeste, Weihnachten - Ostern - Johanni - Michaeli und der Atmungsvorgang der Erde im Jahreskreislauf)

Zur Johanni-Zeit ist der Sulfurprozess im Menschen besonders stark. Der Mensch wird innerlich leuchtend, vor allem die Nervenorganisation. Während so das Schwefelphantom erglänzt, nähern sich die ahrimanischen Mächte, die mit den sich sulfurisierenden Stoffen eng verwandt sind.

Als Heilmittel gegen die angstverbreitenden ahrimanischen Mächte wirken die Eisenkräfte im Blut, die sich makrokosmisch in den Meteoritenschwärmen zeigen, die Ende August herunterregnen. Das Eisenphantom des Blutes bewirkt eine Entängstigung. Die Imagination Michaels leuchtet auf, der mit der Kraft, die von seinem Herzen strömt, die Meteoritenschwärme zu eisernen Schwert zusammenschmilzt und damit den ahrimanischen Sulfur-Drachen besiegt:

"Wer diesen Jahreslauf miterleben kann, der fühlt sein ganzes Menschenleben ungeheuer bereichert durch solches Miterleben. Der Mensch der Gegenwart und auch der Mensch einer jetzt schon längeren Vergangenheit erlebt ja eigentlich nur, und auch das mehr dumpf, unbewußt, die physisch-ätherischen Vorgänge seines eigenen Leibes, dessen, was innerhalb der Haut ist. Er erlebt seine Atmung, er erlebt seine Blutzirkulation. Allein dasjenige, was draußen in Wind und Wetter im Jahreslauf spielt, was in der Ausgießung der Samenkräfte, in dem Fruchtenden der Erdenkräfte, in dem Leuchtenden der Sonnenkräfte lebt, all das ist für das Gesamtleben des Menschen, wenn der Mensch sich auch dessen nicht bewußt wird heute, nicht minder bedeutsam, nicht minder einschneidend als dasjenige, was meinetwillen als Atmung und Blutzirkulation innerhalb seiner Haut vor sich geht. Wie die Sonne auftrifft auf irgendein Erdengebiet, was sie da durch ihre Wärmung, durch ihre Strahlung hervorruft, das lebt der Mensch mit. Und wenn der Mensch im richtigen Sinne Anthroposophie aufnimmt, Anthroposophie nicht liest wie einen Sensationsroman, sondern so liest, daß dasjenige, was ihm in Anthroposophie mitgeteilt wird, Inhalt seines Gemütes wird, dann erzieht er allmählich sein Herz und seine Seele also zum Miterleben desjenigen, was da draußen sich im Jahreslauf abspielt. Und wie man den Tageslauf erlebt im morgendlichen Frischsein, im Bereitsein zur Arbeit am Vormittag, im Auftreten des Hungers, im Auftreten der Ermüdung am Abend, wie man da die inneren Vorgänge, das innere Weben und Leben der Kräfte und Materie innerhalb der Haut verspürt, so kann man dadurch, daß man sich die von der Beschreibung sinnlicher Ereignisse ganz abweichenden anthroposophischen Ideen zu Gemüte führt, dieses Gemüt bereiten, daß es wirklich empfänglich, sensitiv wird für dasjenige, was im Jahreslauf webt und lebt. Und dann kann man dieses Miterleben des Jahreslaufes immer mehr und mehr vertiefen, bereichern, dann kann man es wirklich dazu bringen, daß man nicht so sauer, möchte ich sagen, als Mensch innerhalb seiner Haut dahinlebt und die äußeren Dinge an sich vorübergehen läßt, sondern dann kann man es so erleben, daß man mit jeder Blume selber in seinem Gemüte blüht, daß man das Blühen der Blume miterlebt, daß man das Sich-Aufschließen der Knospen miterlebt, daß man im Tautröpfchen, aus dem die Sonnenstrahlen erglänzen, im erglänzenden Lichte miterlebt dieses wunderbare Geheimnis des Tages, das uns eben in dem erglänzenden Tautröpfchen am Morgen entgegentreten kann. Man kann also in dieser Weise hinauskommen über das philiströs-prosaische Miterleben der äußeren Welt, das sich dadurch ausdrückt, daß man im Winter seinen Winterrock anzieht, im Sommer sich eine leichtere Kleidung anzieht, daß man einen Regenschirm nimmt, wenn es regnet. Wenn man hinauskommt über das Prosaische bis in dieses Miterleben des Webens und Treibens der Naturdinge und Naturtatsachen, dann wird erst der Jahreslauf wirklich verstanden.

Dann ist man aber auch, wenn der Frühling durch die Welt geht, wenn der Sommer herankommt, mit seinem Herzen, mit seiner Seele dabei, wie das sprießende, sprossende Leben sich entfaltet, wie die Elementargeister draußen schwirren und fliegen in den Linien, die ihnen aufgedrängt werden durch den Gang der Planeten. Dann lebt man sich selber hinaus während der Hochsommerzeit in ein kosmisches Leben, das allerdings das unmittelbare innere Leben des Menschen abdämpft, aber dabei den Menschen hinausführt in seinem eigenen Erleben, man möchte sagen in einem kosmischen Wachschlaf, das ihn in der Hochsommerzeit hinausführt in ein Miterleben der planetarischen Vorgänge.

Nun ist es heute so, daß der Mensch eigentlich nur glaubt, in der Natur zu leben, wenn er das Sprießende, Sprossende, das Wachsende und Keimende, das Fruchtende miterlebt. Es ist eben so, daß der Mensch in der Gegenwart, wenn er auch darauf nicht eingehen kann, wenn er auch nicht miterleben kann das Keimende, Fruchtende, so doch mehr Herz und Sinn hat für dieses Keimende, Fruchtende, als für das Ersterbende, Ablähmende, sich Abtötende, das im Herbste herankommt.

Aber eigentlich verdienen wir nur mitzuerleben das Fruchtende, Wachsende, Sprossende, Keimende, wenn wir auch miterleben können, wenn der Sommer zur Neige geht und der Herbst herankommt, das sich lähmende, das sich ertötende, das hinuntersinkende, das welkende Leben, das mit dem Herbste eintritt. Und steigen wir in einem kosmischen Wachschlaf im Hochsommer hinauf mit den Elementarwesen in die Region, wo die planetarische Wirksamkeit sich außen und dann auch in unserer inneren Seele entfaltet, dann müssen wir eigentlich auch hinuntersteigen unter den Frost des Winters, unter die Schneedecke des Winters zu den Geheimnissen im Erdenschöße während der Hochwinterzeit, und wir müssen mitmachen das Absterbende, das Welkende der Natur, wenn der Herbst beginnt.

Dann aber würde der Mensch, wenn er allein dieses Welkende miterleben würde, so wie er das Wachsende, Sprossende miterlebt, gewissermaßen auch in seinem Inneren nur mitersterben können. Denn gerade wenn man sensitiv wird für dasjenige, was geheimnisvoll in der Natur webt, und dadurch regsam miterlebt das Sprießende, Fruchtende, Keimende, dann erlebt man auch lebhaft mit dasjenige, was sich vollzieht in der Außenwelt, wenn der Herbst eintritt. Aber es wäre trostlos für den Menschen, wenn er dies nur in der Naturgestalt miterleben könnte, wenn er nur ein Naturbewußtsein erlangen würde über die Herbstes- und Wintergeheimnisse, wie er ein Naturbewußtsein selbstverständlich erlangt über die Frühlings- und Sommergeheimnisse. Aber wenn die Herbstes- und Winterereignisse herankommen, wenn die Michaelizeit kommt, dann muß der Mensch allerdings sensitiv miterleben das Welkende, Absterbende, sich Lähmende, Tötende, aber er muß nicht so wie dann, wenn die Hochsommerzeit herankommt, sich hingeben dem Naturbewußtsein. Er muß im Gegenteil sich gerade dem Selbstbewußtsein hingeben. Er muß in den Zeiten, wo die äußere Natur erstirbt, die Kraft des Selbstbewußtseins entgegenstellen dem Naturbewußtsein.

Und dann steht die Michael-Gestalt wiederum da. Und wenn der Mensch, durch Anthroposophie angeregt, in solchen Naturgenuß, in solches Naturbewußtsein, dadurch aber auch in solches Herbstes-Selbstbewußtsein hineinkommt, dann wird wiederum in aller majestätischen Gestalt das Bild des Michael mit dem Drachen dastehen; dann wird dastehen dasjenige, was der Mensch, wenn der Herbst sich naht, empfindet zur Besiegung des Naturbewußtseins durch das Selbstbewußtsein. Und das wird geschehen, wenn der Mensch nicht nur einen inneren Frühling und Sommer erleben kann, sondern wenn er auch den ertötenden, ersterbenden inneren Herbst und Winter erleben kann. Und im Erleben des ersterbenden Herbstes und Winters wird sich als eine gewaltige Imagination, als eine Aufforderung an den Menschen zur inneren Tat, das Bild des Michael mit dem Drachen wiederum hinstellen können.

Dann aber wird für den Menschen, der aus der heutigen Geisteserkenntnis heraus sich hindurchringt zu diesem Bilde, dieses Bild, indem er es erfühlt, etwas ganz Gewaltiges ausdrücken. Dann wird, wenn die Hochsommerzeit sich zu neigen beginnt und immer mehr und mehr sich neigt, wenn nach der Johannizeit Juli, August und der September herankommt, der Mensch gewahr werden, wie er da sich hinausgelebt hat in den Wachschlaf des innerlichen planetarischen Erlebens mit den Elementarwesen der Erde, und er wird gewahr werden, was das, wenn er es miterlebt, eigentlich in ihm bedeutet. Es bedeutet einen innerlichen Verbrennungsprozeß, den wir uns nicht vorstellen dürfen wie einen äußeren Verbrennungsprozeß, denn alle diejenigen Prozesse, die Vorgänge, die außen eine bestimmte Gestalt haben, sie leben auch im menschlichen Organismus fort, aber sie werden da anders.

Und so ist es tatsächlich, daß, wenn der Mensch das Jahr durchläuft, immer andere Vorgänge in seinem Organismus spielen. Dasjenige, was da spielt beim Verlauf der Hochsommerzeit, das ist ein inneres Durchwobenwerden mit dem, was, ich möchte sagen äußerlich, grobmateriell, angedeutet ist in dem Schwefel. Dies ist ein inneres Sulfu-risiertwerden, das der Mensch in seinem physisch-ätherischen Wesen erlebt, wenn er die Sommersonne und ihre Wirkungen miterlebt. Dasjenige, was der Mensch an für ihn brauchbarem materiellem Sulfur, Schwefel, in sich trägt, das hat für ihn während der Hochsommerzeit eine ganz andere Bedeutung als während der kalten Winterzeit oder während der aufkeimenden Frühlingszeit. Das Schwefelhafte in dem Menschen ist wie in einem Feuerungsprozesse während des Hochsommers. Und das gehört zu der Entwickelung der menschlichen Natur im Jahreslaufe, daß gewissermaßen dieser Sulfurprozeß im Inneren des Menschen während des Hochsommers in eine Art besonders gesteigerten Zustandes kommt. Die Materie in den verschiedenen Wesen hat wahrlich noch andere Geheimnisse, als sich gerade die materialistische Wissenschaft träumen läßt.

So ist im Menschen alles Physisch-Ätherische von innerem Schwefelfeuer, um diesen Jakob Böhmeschen Ausdruck zu gebrauchen, durchglüht während der Hochsommerzeit. Das kann auch im Unterbewußten bleiben, weil es ein sanfter, intimer Prozeß ist. Aber ist dieser Prozeß auch sanft und intim und daher für das gewöhnliche Bewußtsein unwahrnehmbar, so ist dieser Vorgang, wie das bei solchen Vorgängen überall der Fall ist, gerade von einer ungeheuren einschneidenden Bedeutung für das Geschehen im Kosmos.

Dieser Sulfurisierungsprozeß, der sich in den Menschenleibern in der Hochsommerzeit abspielt, bedeutet, wenn er auch gelinde und sanft und unbemerkbar für den Menschen selbst ist, etwas Ungeheures für die Evolution des Kosmos. Da geschieht im Kosmos viel, wenn im Sommer die Menschen innerlich sulfurisch leuchten. Nicht nur die Johanniskäferchen werden für das physische Auge des Menschen zu Johanni leuchtend. Von den ändern Planeten heruntergeschaut, wird das Innere des Menschen für das ätherische Auge anderer planetarischer Wesen zur Johannizeit leuchtend, ein Leuchtewesen. Das ist der Sulfurisierungsprozeß. Die Menschen beginnen in der Hochsommerzeit für die ändern planetarischen Wesen so leuchtend hinauszuglänzen in den Weltenraum, wie die Johanniskäferchen auf der Wiese zu Johanni in ihrem Lichte erglänzen.

Das aber, was eigentlich mit Bezug auf die kosmische Beobachtung von einer majestätischen Schönheit ist, denn es ist herrliches astralisches Licht, in dem die Menschen in den Kosmos hinaus erglänzen während der Hochsommerzeit, das, was da von majestätischer Schönheit ist, das gibt zugleich die Veranlassung, daß gerade dem Menschen sich nahen kann die ahrimanische Macht. Denn diesen im Menschen sich sulfurisierenden Stoffen ist die ahrimanische Macht ungeheuer verwandt. Und man sieht auf der einen Seite, wie gewissermaßen die Menschen im Johannilicht in den Kosmos hinaus erglänzen, wie aber die drachenhaften Schlangengebilde des Ahriman sich hindurchschlängeln durch diese im Astrallichte in den Kosmos hinausleuchtenden Menschen und sie zu umgarnen trachten, zu umschlingen trachten, sie herunterzuziehen trachten in das Traumhafte, Schlaf hafte, in das Unterbewußte. So daß die Menschen durch dieses Illusionsspiel, das Ahriman mit den leuchtenden, mit den kosmisch leuchtenden Menschen treibt, zu Weltenträumern werden sollen, damit sie durch diese Weltenträumerhaftigkeit eine Beute der ahrimanischen Mächte werden können. Das alles hat auch im Kosmos eine Bedeutung.

Und wenn gerade in der Hochsommerzeit aus einem gewissen Sternbilde die Meteorsteine herabfallen in den mächtigen Meteorschwärmen, wenn das kosmische Eisen auf die Erde herabfällt, dann ist in diesem kosmischen Meteoreisen, in dem eine so ungeheuer starke heilende Kraft liegt, die Waffe der Götter enthalten gegen Ahriman, der die leuchtenden Menschen drachenhaft umschlängeln will. Und die Kraft, die auf die Erde herabfällt in den Meteorsteinen, im Meteoreisen, das ist dasjenige als Weltenkraft, womit die oberen Götter die ahrimanischen Mächte zu besiegen trachten, wenn der Herbst herankommt. Und dasjenige, was sich da räumlich in majestätischer Größe abspielt draußen im Weltenall, wenn die Augustschwärme der Meteoriten hineinstrahlen in die Menschenstrahlungen im Astrallichte, dasjenige, was sich da grandios draußen abspielt, das hat sein sanftes, scheinbar kleines, eben nur räumlich kleines Gegenbild in demjenigen, was im menschlichen Blute vor sich geht. Dieses menschliche Blut, das wird wahrhaftig nicht auf so materielle Weise, wie es sich die heutige Wissenschaft vorstellt, sondern überall auf Anregungen des Geistig-Seelischen hin durchschossen, durchstrahlt von demjenigen, was als Eisen in das Blut hineinstrahlt, was Angst, Furcht, Haß bekämpfend sich als Eisen in das Blut eingliedert. Die Vorgänge, die sich in jedem Blutkörperchen abspielen, wenn die Eisen Verbindung hineinschießt, die ist menschlich, im ganz Kleinen, minuziös dasselbe, was sich abspielt, wenn der Meteorstein leuchtend, strahlend durch die Luft heruntersaust. Meteorwirkungen im Inneren des Menschen sind die Durchstrahlungen mit dem Eisen, die für das Blut und seine Entängstigung geschehen. Denn eine Entängstigung, eine Entfürch-tung ist es, was da mit dem Eisen hineinstrahlt.

Und so wie die Götter mit ihren Meteorsteinen den Geist bekämpfen, der Furcht über die ganze Erde durch seine Schlangengestalt ausstrahlen möchte, indem sie das Eisen hineinstrahlen lassen in diese Furchtatmosphäre, die am intensivsten ist, wenn der Herbst herannaht oder wenn der Hochsommer zu Ende geht, so geschieht dasselbe, was da die Götter tun, im Inneren des Menschen, indem das Blut mit Eisen durchsetzt wird. Alle diese Dinge versteht man erst, wenn man auf der einen Seite ihre innere geistige Bedeutung versteht, und wenn man auf der ändern Seite den Zusammenhang desjenigen erkennt, was Schwefelbildung im Menschen ist, was Eisenbildung im Menschen ist, mit dem, was im Kosmos vorhanden ist.

Der Mensch, der hinschauen kann, wenn eine Sternschnuppe durch den Raum geht, darf sich dabei mit Verehrung gegen die Götter sagen: Dasjenige, was da draußen in räumlichen Weiten geschieht, das geschieht im Atomistisch-Kleinen fortwährend in dir; da fallen diese Sternschnuppen, indem die Eisenbildung in jedem Blutkörperchen vor sich geht: voller Sternschnuppen, voller kleiner Sternschnuppen ist dein Leben. - Und dieser innere Sternschnuppenfall, der eigentlich das Leben des Blutes von einer ändern Seite her bedeutet, dieser innere Sternschnuppenfall, er wird ganz besonders bedeutend, wenn der Herbst herannaht, wenn der Schwefelprozeß in seinem Hochpunkte ist. Dann, wenn dieses Erglänzen, was ich beschrieben habe, dieses Johanniswurmwerden des Menschen da ist, dann ist die Gegenkraft da, indem im Inneren millionenfach sprühende Blutmeteore schwärmen.

Das ist der Zusammenhang des inneren Menschen mit dem Weltenall. Und dann schauen wir, wie insbesondere aus der Nervenorganisation, die den menschlichen Körper durchsetzt, besonders in dieser Jahreszeit, wenn der Herbst heranzieht, nach dem Gehirn hin ein mächtiges Ausstrahlen des Sulfurs, des Schwefels sich vollzieht. Man kann sozusagen den ganzen Menschen wie ein Phantom schwefelleuchtend sehen, wenn der Herbst heranrückt.

Aber in diese bläulich-gelbe Schwefelatmosphäre strahlen hinein die Meteorschwärme, die im Blutesleben vorhanden sind. Das ist das andere Phantom. Während das Phantom des Schwefels wie ziehende Wolken von dem Unteren des Menschen hinauf nach dem Kopfe geht, strahlt vom Kopfe gerade aus die Eisenbildung, wie Meteorschwärme sich hinüberergießend in das lebendige Dasein des Blutes.

So ist der Mensch, wenn die Michaelizeit herannaht. Und er muß in seinem Bewußtsein gebrauchen lernen die Meteoritenkraft seines Blutes. Er muß das Michael-Fest feiern lernen, indem er das Michael-Fest gerade zu einem Entängstigungsfeste, zu einem Furchtlosigkeitsfeste, zu einem Fest innerer Initiative und innerer Kraft gestaltet, indem er das Michael-Fest zu dem Feste der Erinnerung des selbstlosen Selbstbewußtseins gestaltet.

So wie man feiert zur Weihnacht die Geburt des Erlösers, wie man feiert zur Osterzeit den Tod und die Auferstehung des Erlösers, wie man feiert zur Johannizeit das kosmische Ergossensein der Menschenseelen hinaus in die Weltenweiten, so soll man feiern zur Michaelizeit, wenn das Michaels-Fest wirklich verstanden werden will, dasjenige, was geistig lebt in dem Sulfurisierungs- und in dem Meteorisierungsprozeß des Menschen, der insbesondere in seiner ganzen seelischgeistigen Bedeutung zur Michaelizeit vor dem Menschenbewußtsein stehen soll. So daß sich der Mensch sagt: Du wirst Herr dieses Prozesses, der sonst ohne dein Bewußtsein aus dem Reiche der Natur heraus sich entfaltet, wenn du, so wie du dich dankbar neigst der Geburt des Erlösers zur Weihnacht, so wie du mit tiefer, innerer Seelenbewegung durchlebst die Osterzeit, an diesem Herbstes-Michael-Feste erlebst, wie in dir wachsen soll alles dasjenige, was gegen Bequemlichkeit, gegen Ängstlichkeit, aber hin zur inneren Initiative, zum freien, starken, tapferen Wollen im Menschen sich entwickeln soll. Das Fest des starken Wollens, das sollte im Michael-Fest vorgestellt werden. Wenn das so ist, wenn so Naturerkenntnis sich zusammenschließt mit wahrhaftem geistigem Menschenselbstbewußtsein, dann wird das Michael-Fest sein richtiges Kolorit, seine richtige Färbung erlangen.

Daher bedarf es wahrhaftig, bevor die Menschheit daran denken kann, Michael-Feste zu feiern, einer Erneuerung der ganzen Seelenverfassung, denn eben diese Erneuerung der ganzen Seelenverfassung soll ja im Michael-Fest begangen werden. Nicht ein äußerlich oder ähnlich den konventionellen Festen zu begehendes Fest, sondern ein Fest, das den ganzen inneren Menschen erneuert, das muß, wenn es würdig eingesetzt werden soll, das Michael-Fest eben werden. Dann tritt aus alledem, was ich beschrieben habe, neuerdings heraus das einstmals so majestätische Bild Michaels mit dem Drachen. Aber dann malt sich uns aus dem Kosmos heraus dieses Bild des Michael mit dem Drachen. Dann malt sich uns der Drache selber, in bläulichgelblichen Schwefelströmungen seinen Leib ausbildend. Wir sehen dahinschimmern, -strahlen die sich wolkenhaft aus den Schwefeldämpfen bildende Gestalt des Drachen, über den sich der Michael erhebt, über dem der Michael sein Schwert zeigt.

Aber wir stellen nur richtig dar, wir malen nur richtig, wenn wir die Atmosphäre, in der Michael seine Herrlichkeit, seine Macht entfaltet gegenüber dem Drachen, wenn wir den Raum angefüllt sein lassen nicht mit gleichgültigen Wolken, sondern mit dahinziehenden, in Eisen bestehenden Meteoritenschwärmen, die durch die Gewalt, die vom Herzen des Michael ausströmt, sich bilden, zusammenschmelzen zu dem eisernen Schwerte des Michael, der mit diesem meteorgeformten eisernen Schwerte den Drachen besiegt.

Versteht man, was geschieht im Weltenall und Menschen, dann malt auch der Kosmos aus seinen Kräften heraus. Dann schmiert man nicht hin diese oder jene Farbe aus der menschlichen Willkür, dann malt man im Einklang mit den göttlichen Kräften die Welt, die ihr Wesen entfaltet, das ganze Wesen des Michael mit dem Drachen, wie es einem vorschweben kann. Als eine Erneuerung der alten Bilder kann es aus der unmittelbaren Anschauung des Kosmos heraus gemalt werden. Da wird dann das dargestellt, was ist, und nicht das, was sich einzelne phantasierende Menschen heute unter dem Bilde des Michael mit dem Drachen etwa vorstellen. Dann aber wird der Mensch verstehen, verstehend nachdenken, aber auch nach Gemüt und Fühlen und Wollen dem Herbste entgegenleben im Jahreslauf. Dann wird zu Herbstesbeginn am Michaeli-Fest das Bild des Michael mit dem Drachen dastehen als dasjenige, was in unseren Zeitereignissen als mächtige Aufforderung, als mächtig anspornende Kraft im Menschen wirken soll. Und dann wird man verstehen, wie dieses auf etwas deutet, in dem sich symptomatisch das ganze Schicksal, ja vielleicht die Tragik unseres Zeitalters abspielt.

Wir haben im Lauf der letzten drei bis vier Jahrhunderte eine großartige Naturwissenschaft gefunden, die im Materiellen wirkt, die eine großartige umfassende Technik hervorgebracht hat. Wir sahen diese Technik insbesondere sich entfalten in den letzten drei bis vier Jahrhunderten in dem, was man mit dem ausgebreitetsten Stoff, den wir auf Erden finden, hat machen können. Wir haben gelernt, fast das Allerwesentlichste und Allerbedeutendste, das die Menschheit im materialistischen Zeitalter gebildet und hervorgebracht hat, aus dem Eisen der Erde zu formen. Wir sehen auf unsere Lokomotiven hin, wir sehen in unsere Industriestätten hinein, sehen überall, wie wir mit dem Eisen, mit dem Stahl, der ja nur verwandeltes Eisen ist, diese ganze materielle Kultur gebildet haben, die sich ja überall auf dem Eisen auferbaut hat. Und in dem, wozu das Eisen verwendet worden ist, drückt sich symptomatisch aus, wie wir unsere ganze Weltanschau ung, unser ganzes Leben aus der Materie auferbaut haben, wie wir es noch fortdauernd aus der Materie auferbauen wollen.

Das aber führt den Menschen hinunter. Gerettet aus dem, was da kommt, kann er nur werden, wenn er gerade hier auf diesem Gebiete mit der Vergeistigung beginnt, wenn er durch das Atmosphärische zu der Vergeistigung hinaufdringt, wenn er hingewendet wird darauf, von dem Eisen, das in den Stahlwerken zu Lokomotiven verarbeitet wird, nun noch aufzuschauen zu dem Meteoreisen, das aus dem Kosmos herunterschießt zur Erde und das äußere Material ist für dasselbe, woraus die Michael-Kraft geformt wird. Gelingen muß es dem Menschen, diese mächtige Bedeutung zu erschauen: Hier auf Erden hast du im Zeitalter des Materialismus das Eisen verwendet, wie es die Anschauung über die Materie selber dir eingab. Du mußt, wie du die Anschauung über die Materie durch die Fortbildung der Naturwissenschaft in die Geisteswissenschaft umbilden mußt, so auch aufrücken von dem, was dir das Eisen war, zu dem Durchschauen des Meteoreisens, des Michael-Schwert-Eisens. Dann wird dir aus dem, was du da machen kannst, das Heil kommen. Das, meine lieben Freunde, ist in dem Spruche enthalten:

O Mensch,
Du bildest es zu deinem Dienste,
Du offenbarst es seinem Stoffeswerte nach
In vielen deiner Werke.
Es wird dir Heil jedoch erst sein,
Wenn dir sich offenbart
Seines Geistes Hochgewalt -

die Michael-Hochgewalt - mit dem Schwert, das sich von selber in dem Weltenraum aus dem Meteoreisen zusammenballt, wenn in der materiellen Kultur der Mensch die Macht des Eisens zu vergeistigen vermag zur Macht des Michael-Eisens, das ihm gegenüber dem bloßen Naturbewußtsein sein Selbstbewußtsein gibt."[1]

Lit.:
[1]Rudolf Steiner, Das Miterleben des Jahreslaufes in vier kosmischen Imaginationen, GA 229 (1984), S 12 ff., Erster Vortrag, Dornach, 5. Oktober 1923


Link: http://www.anthroposophie.net
http://www.anthroposophie.net/lexikon/db.php?id=200letzte Änderung: 2002-12-04


Michael-Zeitalter
1879

(siehe auch -> Erzengel-Regentschaften)

Nach dem Sturz der Geister der Finsternis durch den Erzengel Michael begann im Herbst 1879 ein neues Michaelzeitalter, welches das vorangegangene -> Gabriel-Zeitalter ablöste. Vor Rudolf Steiner hatte schon C.G. Harrison auf diese Tatsache hingewiesen:

"Ich habe gesagt, dass alle grossen Bewegungen in der äusserlichen Welt ihren Ursprung in der geistigen Welt haben, und dass der Streit der Meinungen, welcher die Uebergangszeit von einer historischen Epoche zu einer anderen bezeichnet, so zu sagen das Nachbild einer in der geistigen Region bereits ausgefochtenen und gewonnenen Schlacht sei. Wir sind gerade in eine solche Uebergangszeit eingetreten. Der Leser mag die folgenden Thatsachen für das nehmen, was er glaubt, dass sie werth sind. Das Jahr 1879 bezeichnete den Schluss einer Epoche im intellektuellen Leben Europas und Amerikas. In diesem Jahre errangen die Heerschaaren des Lichtes unter dem Erzengel St. Michael einen entscheidenden Sieg über die Heerschaaren der Finsterniss, von Beizebub und Mammon*) geführt, in einer Reihe von Schlachten, welche sich über einen Zeitraum von 30 bis 40 Jahren erstreckten."[1]

*)Belzebub ist der Gott der Fliegen genannt worden; der Krankheitskeime würde richtiger sein. Das Leben dieser mikroskopischen Geschöpfe, welche die Ursache zymotischer Krankheit sind, und in der That alle Formen pflanzlichen und thierischen Schmarotzerlebens werden durch Einflüsse des Mondes veranlasst und stehen daher unter der Gewalt des Herrn der achten Sphäre. Dies ist Jenen, welche höhere Arten böser Magie oder Zauberei treiben, wohlbekannt. Mammon, dessen Name von dem syrischen Worte für Reichthum abgeleitet wird, ist einer der «Leiter der Finsterniss dieser Welt» (Eph. VI 12). Er ist der Gott der «Hindernisse» und steht allen jenen schlechten Einflüssen vor, die von der Unwissenheit, dem Vorurtheile und der Furcht erzeugt werden. Aus diesem Grunde nimmt man an, dass er in besonderem Zusammenhange mit materiellem Reichthum stehe, welcher einen falschen Maassstab für Werth und Würde abgibt.

Rudolf Steiner stellt diesen Geisteskampf und seine Konsequenzen ausführlich dar:

"Ich habe ja öfter darauf hingedeutet, wie die Mitte des 19. Jahrhunderts, besonders die vierziger Jahre, ein bedeutungsvoller Einschnitt in der geistigen Entwickelung der europäischen und der amerikanischen Menschheit ist. Ich habe darauf hingewiesen, wie damals gewissermaßen der Höhepunkt war der materialistischen Verstandesentwickelung auf der Erde, der Höhepunkt für die Ausbildung desjenigen, was man nennen könnte ein Verstandesbegreifen der äußeren toten Tatsachen, das nicht herangehen will an das Lebendige.

Solche Ereignisse - und wir stehen ja heute durchaus unter den äußeren Nachwirkungen dieser Ereignisse und werden noch lange unter diesen Nachwirkungen stehen -, solche Ereignisse haben ihre tiefere Grundlage in Vorgängen der geistigen Welt. Und wenn wir nach den Vorgängen der geistigen Welt forschen, welche den äußeren irdischen Ausdruck fanden in dem eben Gesagten, so müssen wir hinweisen auf einen Kampf, geradezu auf eine Art von Krieg in der geistigen Welt, der dazumal begonnen hat, und der für die geistige Welt in gewissem Sinne eine Art Abschluß gefunden hat in dem Zeitpunkte, von dem ich ja auch schon öfters gesprochen habe, der in den Herbst des Jahres 1879 fällt. Sie werden sich also über diese Dinge eine richtige Vorstellung verschaffen, wenn Sie sich einen Kampf denken in den geistigen Welten, der Jahrzehnte hindurch gedauert hat, von den vierziger Jahren bis in den Herbst des Jahres 1879.

Der Kampf, der da stattgefunden hat, kann bezeichnet werden als ein Kampf der geistigen Wesenheiten, welche zu der Gefolgschaft jenes Wesens aus der Hierarchie der Archangeloi gehören, das man bezeichnen kann als Michael, als Kampf also Michaels und seiner Gefolgschaft gegen gewisse ahrimanische Mächte. Also bitte, stellen Sie sich zunächst diesen Kampf vor als einen Kampf in der geistigen Welt. Und alles das, was ich zunächst meine, bezieht sich auf diesen Kampf zwischen Michael und seiner Gefolgschaft und gewissen ahrimanischen Mächten. Sie werden diese Vorstellung namentlich dann, wenn Sie von ihr eine fruchtbare Anwendung machen wollen für das Leben in der Gegenwart, gut verstärken, wenn Sie sich vor das Seelenauge führen, daß diejenigen Menschenseelen, die gerade in dem Jahrzehnt der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts geboren sind, die ersten Phasen dieses Kampfes zwischen der Michael-Gefolgschaft und den ahrimanischen Mächten noch in der geistigen Welt mitgemacht haben. Also diejenigen Menschen, die in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts geboren sind, haben gewissermaßen als Seelen vor ihrer Geburt den Anfang dieses Geisterkampfes mitangesehen. Wenn man das bedenkt, wird man viel Verständnis haben können für die äußeren und inneren Schicksalserlebnisse solcher Menschen, namentlich für die Seelenverfassungen solcher Menschen. Dieser Kampf hat also stattgefunden in den vierziger, fünfziger, sechziger, siebziger Jahren und hat im Herbst 1879 damit seinen Abschluß gefunden, daß Michael und seine Gefolgschaft einen Sieg davongetragen haben über gewisse ahrimanische Mächte.

Was bedeutet das nun? Man kann, wenn man so etwas in der richtigen Art verstehen will, immer wiederum sich behelfen mit dem Bilde, das ja durch die Entwickelung der Menschheit durchgehalten worden ist: Mit dem Bilde des Kampfes Michaels mit dem Drachen. Natürlich tritt der Kampf Michaels mit dem Drachen an den verschiedensten Stellen der Entwickelung auf. Man hat es oftmals in der Entwickelung mit einem Kampf des Michael mit dem Drachen zu tun. Man kann das so charakterisieren, daß jedesmal, wenn solch ein Kampf des Michael mit dem Drachen auftritt, dieser Kampf in ähnlicher Weise sich abspielt wie in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, aber um andere Güter und Unguter, Schäden, Nachteile; daß gewisse ahrimanische Scharen immer von neuem bald dies, bald jenes der Weltenentwickelung einverleiben möchten, und daß sie immer wiederum besiegt werden. So sind sie besiegt worden - aber, wie gesagt, innerhalb der geistigen Welt - im Herbst 1879.

Aber was bedeutet es denn, daß nun die Mächte des Drachen, diese ahrimanischen Scharen, in die Reiche der Menschen, gewissermaßen vom Himmel auf die Erde gestoßen sind? Der Verlust dieses Kampfes bedeutet, daß sie nun nicht mehr, biblisch gesprochen, in den Himmeln zu finden sind. Dafür sind sie zu finden in den Reichen der Menschen, und das heißt: das Ende der siebziger Jahre war vorzugsweise diejenige Zeit, in welcher die menschlichen Seelen mit Bezug auf gewisse Erkenntniskräfte von ahrimanischen Impulsen ergriffen wurden. Weil diese ahrimanischen Impulse früher sich in den geistigen Reichen betätigen konnten, haben sie die Menschen mehr in Ruhe gelassen; weil sie heruntergestoßen worden sind aus den geistigen Reichen, sind sie über die Menschen gekommen. Und wenn wir uns fragen: Was ist eigentlich dazumal von den geistigen Reichen aus in die Menschen gefahren als ahrimanische Mächte? - so ist es eben die persönlich gefärbte, wohlgemerkt, die persönlich gefärbte, ahrimanische, materialistische Weltauffassung.

Gewiß, der Höhepunkt des Materialismus war in den vierziger Jahren vorhanden. Aber er hatte dazumal seine Impulse mehr instinktiv in die Menschen hineingeschickt. Die ahrimanischen Scharen haben dazumal noch von der geistigen Welt aus in die menschlichen Instinkte hinein ihre Impulse geschickt. Persönliches Eigentum der Menschen wurden diese ahrimanischen Impulse, namentlich Erkenntniskräfte und Willenskräfte, seit dem Herbst 1879. Was vorher mehr Allgemeingut war, wurde damit verpflanzt in das Eigentum der Menschen. Und so können wir sagen, daß seit dem Jahre 1879 durch die Anwesenheit dieser ahrimanischen Mächte im Reiche der Menschen persönliche Ambition, persönliche Tendenz vorhanden ist, die Welt materialistisch zu deuten. Und wenn Sie mancherlei verfolgen, was seit jener Zeit geschehen ist aus den persönlichen Tendenzen der Menschen heraus, dann werden Sie es verstehen aus dem Herabstoßen des Drachen, das heißt der ahrimanischen Scharen, durch den Erzengel Michael von den Reichen des Geistes, von den Himmeln auf die Erde.

Es ist dies ein Vorgang von ungeheurer Bedeutung, von ganz tiefgehender Bedeutung. Das 19. Jahrhundert und auch noch unsere Zeit haben ja allerdings nicht die Geneigtheit, auf solche Vorgänge in der geistigen Welt und ihren Zusammenhang mit der physischen Welt zu achten. Aber die letzten Gründe, die letzten Impulse für die Ereignisse auf der Erde findet man eben nur, wenn man diese spirituellen Hintergründe kennt. Man muß sagen, daß schon ein gehöriges Quantum von Materialismus, der sich allerdings idealistisch färbt, dazugehört, zu sagen: Was bedeutet es denn gegenüber der Ewigkeit, wenn so und so viel Tonnen organischer Substanz durch die Verlängerung des Krieges mehr zugrunde gehen! - Man muß fühlen, wie stark im Ahrimanismus eine solche Auffassung wurzelt, denn sie wurzelt ja in den Empfindungswelten. Diese Philosophie von den «Tonnen organischer Substanz», diese Philosophie des Philosophen Lichtenberger**) ist im wesentlichen eines der zahlreichen Beispiele, die man anführen kann für besondere Ausprägungen ahrimanischer Denkungsweise.

Also dasjenige, was als tiefster Impuls lebt in den Seelen vieler Menschen seit dem Jahre 1879, das ist heruntergeworfen worden in die Reiche der Menschen, das lebte vorher als ahrimanische Macht in der geistigen Welt. Es ist von Vorteil, wenn man noch andere Vorstellungen sucht, welche diese Vorstellungen verstärken können, und da ist es gut, wenn man - aber mehr als imaginativ-symbolische Vorstellungen - Vorstellungen aus der materiellen Welt zu Hilfe ruft. Denn dasjenige, was heute mehr geistig geschieht, seelisch geschieht, das hat alles in Urzeiten eine Färbung gehabt, die sich mehr auf materiellen Gebieten auslebte. Das Materielle ist ja auch geistig, es ist nur eine andere Form des Geistigen.

Wenn Sie in sehr, sehr alte Entwickelungszeiten zurückgehen würden, dann würden Sie nämlich finden, daß ein ähnlicher Kampf stattgefunden hat zwischen Michael und dem Drachen wie der, den ich Ihnen jetzt für das 19. Jahrhundert geschildert habe. Ich deutete ja schon an, wie solche Kämpfe immer wieder sich wiederholt haben, nur ging es immer um andere Dinge. In alten Zeiten hatten auch einmal die ahrimanischen Scharen einen solchen Kampf verloren, und sie wurden auch dazumal heruntergeworfen von den geistigen Welten in den irdischen Bereich. Sie machten eben ihre Anstürme immer von neuem. Da gab es zum Beispiel einen solchen Kampf, durch den diese ahrimanischen Scharen, nachdem sie heruntergeworfen waren auf die Erde, alle diejenige Bevölkerung der Erde in den Bereich der Erde hereingebracht haben, die man heute im ärztlichen Leben als die Bazillen bezeichnet. All das, was man als Bazillenkräfte aufweist, woran Bazillen einen Anteil haben, ist ebenso eine Folge davon, daß einmal ahrimanische Scharen vom Himmel auf die Erde geworfen worden sind, daß der Drache besiegt worden ist, wie es eine Folge eines solchen Sieges ist, daß die ahrimanisch-mephistophelische Denkungsweise seit dem Ende der siebziger Jahre Platz gegriffen hat. So daß man sagen kann: auf materiellem Gebiete haben die Tuberkel- und Bazillenkrankheiten einen ähnlichen Ursprung wie der gerade jetzt vorhandene Verstandesmaterialismus auf geistig-seelischem Gebiete. - Die zwei Dinge gleichen sich im höheren Sinne durchaus.

Wir können noch mit etwas anderem diese Vorgänge des letzten Jahrhunderts vergleichen. Wir können hinweisen auf etwas, was Sie ja aus der «Geheimwissenschaft im Umriß» auch kennen: das Hinausziehen des Mondes aus dem Bereich der Erdenentwickelung. Der Mond hat zur Erde gehört, er ist einmal aus der Erde herausgeworfen worden. Dieses Herauswerfen des Mondes aus dem Erdenbereich, das bedeutet das Platzgreifen gewisser Mondeneinflüsse. Diese sind auch über die Erde gekommen infolge eines solchen Sieges des Michael über den Drachen. So daß man wiederum sagen kann: Alles dasjenige, was zusammenhängt mit gewissen Wirkungen, die parallel gehen den Mondesphasen, überhaupt den Impulsen, die vom Mond auf die Erde ausgehen, all das hat in einem ähnlichen Kampf Michaels mit dem Drachen seinen Ursprung.

Gewissermaßen gehören diese Dinge auch wirklich zusammen, und es ist außerordentlich gut, sich einmal diese Zusammengehörigkeit vor Augen zu führen, denn sie hat eine sehr tiefe Bedeutung. Gewisse Menschen entwickeln nämlich gerade dadurch einen unwiderstehlichen Hang nach dem verstandesmäßigen Materialismus, weil dieser Hang von ihrem persönlichen Bündnis mit dem gestürzten Ahriman ausgeht. Sie beginnen nach und nach, die Impulse, die Ahriman in ihrer Seele aufrichtet, zu lieben, sie sogar als etwas besonders Erhabenes, besonders Hohes in der Denkweise zu bezeichnen. Man muß über diese Dinge wiederum ein vollständig klares Bewußtsein haben. Denn ohne Bewußtsein findet man sich in den Ereignissen nicht zurecht. Nur durch ein klares Hineinschauen in diese Verhältnisse findet man sich mit diesen Dingen, mit diesen Ereignissen zurecht.

Die Gefahr, die aus alldem hervorgeht, muß man gewissermaßen kalten Auges und auch kalten Herzens ansehen. Man muß der Sache ruhig ins Gesicht sehen. Das tut man aber nur, wenn man sich klarmacht, daß eben eine ganz bestimmte Art Gefahr von jener Seite den Menschen droht. Und diese Gefahr besteht darin, daß konserviert wird dasjenige, was nicht konserviert werden sollte. Alles, was in der Weltenordnung geschieht, hat nämlich auch sein Gutes. Wir erobern uns dadurch, daß die ahrimanischen Mächte durch den Sieg des Michael in uns gefahren sind, wiederum ein Stück der menschlichen Freiheit. Alles hängt ja damit zusammen, in uns alle sind ja diese Scharen des Ahriman gefahren. Wir erobern uns ein Stück der menschlichen Freiheit, aber wir müssen uns dessen bewußt sein. Wir müssen gewissermaßen den ahrimanischen Mächten nicht die Oberhand über uns gestatten, müssen uns nicht verlieben in diese ahrimanischen Mächte.

Das ist sehr wichtig. Denn es ist durchaus die Gefahr vorhanden, daß die Menschen festhalten dieses Verharren im Materialismus, in der materialistisch-ahrimanischen Denkweise, und sie hinaustragen in Zeiten, in denen sie eigentlich bestimmt ist, überwunden zu sein. Dann würden diejenigen Menschen, die sich nicht von der ahnmamsch-materialistischen Denkweise abwenden, sondern bei ihr verbleiben wollten, ein Bündnis eingehen auf der Erde mit alldem, was in ähnlicher Weise durch den Sieg des Michael über den Drachen entstanden ist. Das heißt, sie würden sich nicht mit dem geistigen Fortschritt der Erdenentwickelung verbinden, sondern mit dem materiellen Fortschritt. Sie würden in einem gewissen Zeiträume der sechsten nachatlantischen Zeit ausschließlich Gefallen daran finden, in dem zu leben, was dann kommen wird durch Bazillen, durch die kleinen mikroskopischen Feinde der Menschen...

Die Erde wird längst ein Leichnam geworden sein, wenn die Zeit eintreten wird, in welcher wir so weit die materialistischen Vorstellungen umgewandelt haben müssen, daß wir hinauf können in ein mehr geistiges Dasein. Es werden auf einer uns nicht mehr tragenden Erde auch keine solchen fleischlichen Inkarnationen gesucht, wie wir sie gegenwärtig, heute suchen. Aber diejenigen Menschen, die sich mit dem materialistischen Verstande so verbunden haben, daß sie ihn nicht loslassen wollen, die werden in der zukünftigen Gestalt noch immer auf diese Erde herunterkriechen und ihre Beschäftigung sich verschaffen in dem, was dann ganz besonders auf dieser Erde sich entwickelt in den Taten der Bazillen, der Tuberkel und so weiter, denn diese Wesenheiten werden dann gerade den Leichnam der Erde gehörig durchwühlen. Sie sind jetzt nur, man möchte sagen, Propheten dessen, was der ganzen Erde in der Zukunft passieren wird. Und dann wird eine Zeit kommen, wo sich diejenigen, die sich so an den materialistischen Verstand halten, mit den Mondenmächten verbinden, und die Erde, wenn sie Schlacke, Leichnam geworden ist, mit dem Monde zusammen umgeben. Denn diese Wesen, diese Menschen, die sich mit dem materialistischen Verstand durchaus verbinden wollen, die wollen ja nichts anderes, als das Leben der Erde festhalten, verbunden bleiben mit dem Leben der Erde, nicht in der richtigen Weise aufsteigen vom Leichnam der Erde zu dem, was dann das Seelisch-Geistige der Erde wird."[2]

**)Henry Lichtenberger (1864 - 1941)

(siehe auch -> Achte Sphäre)

Lit.:
[1]C. G. Harrison, Das Transcendentale Weltenall, photomechanischer Nachdruck der Ausgabe um 1897, Verlag Engel&Seefels, Stuttgart (1990), S 79
[2]Rudolf Steiner, Die spirituellen Hintergründe der äußeren Welt. Der Sturz der Geister in die Finsternis., GA 177 (1985), S 148 ff., Neunter Vortrag, Dornach, 14. Oktober 1917


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